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mit amtlichem Kreisblatt/ Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 61.

Mittwoch, den 31. Juli 1907.

58. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 3497 K. A. Um die Schafzucht zu fördern, hat der Kreisausschuß beschlossen, denjenigen Gemeinden eine Kreisbeihülse zu bewilligen, welche sich entschließen, einen für die hiesigen Verhältnisse geeigneten rasse­reinen Zuchtbock zu beschaffen. Welche Rasse für den hiesigen Kreis am geeignetsten ist und von welcher Heerde oder Zuchtstation der Bock zu beziehen ist, wird mitgeteilt werden sobald Antwort auf die dieserhalb an die Landwirtschaftskammer gerichtete Anfrage rin­get rosten ist.

Damit keine Verzögerung eintritt, ist es zweckmäßig schon jetzt Bestellungen aus Schafböcke hier zu machen.

Schlüchtern, den 26. Juli 1907.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.

Auf Veranlaffung der Landwirtschaftskammer für die Provinz Schlesien zu Breslau hat Herr Kreisbau­meister Chriftofzit zu Namslau in Schlesien eine Schrift Pläne und Kostenanschläge von Musterdünger­stätten und Jauchebehältern" unter Berücksichtig­ung der bei der Landwirtschaftskammer gemachten Erfahrungen verfaßt.

Die mit Zeichnungen und Kostenanschlägen ausge­stattete Schrift bezweckt, die Landwirte jeder Besitzgröße in die Lage zu setzen, ihre Mngerpflegestätten nach bewährten Mustern Herrichten zu lassen, so daß sie kostspielige fachmännische Gutachten sparen können.

Der Umstand, daß die Landwirischaftskammer für Schlesien mehrere tausend Exemplare der Schrift ange- kaust hat und diese in landwirtschaftlichen Kreisen der Provinz Schlesien verbreitet, gibt die Gewähr dafür, daß die Darlegungen in faßlicher Form gehalten und praktisch leicht ausführbar sind.

Der billige Preis von 7, Mark für das Exemplar erleichtert die Anschaffung.

Es sind bereits eine Anzahl Bestellungen eingegangen. Ich bin bereit, weitere Bestellungen entgegenzunehmen.

Schlüchtern, den 26. Juli 1907.

Der Landrat: Valentiner.

Der Besuch in Wilhelmshöhe.

Amtlich wird jetzt bestätigt, daß König Eduard am 14. August unserm Kaiser in Wilhelmshöhe einen Besuch abstatten wird. Diese Nachricht ist in Deutsch­land willkommen. Sie lenkt aufs neue den Blick aus die Bemühungen, die seit dem vorigen Jahre mit

Die AomSdia«ti«.

Roman von Oswald Benkendorf. 38

Ernst war noch in bem Wagen, woselbst in einem Ver­schlage, auch die hoffnungsvollen, jungen Akrobaten, Si- byNaS Brüder, schlummerten, die Männer der Truppe und Frau Melitta waren noch nicht von Spangenberg zu- rück, wohin sie sich begeben, um einige notwendige Ein- käufe für die morgende Festvorstellnn^zu machen.

Maja hatte Ernst viel Gutes verNmdet, nachdem sie die schlanke, nervö» in der ihren zuckende Hand beS jun­gen Manne» aufmerksam betrachtet. Er werde Glück in der Liebe haben, einen Lotteriegelvinn machen und eine weite Reise antreten. Sie war in ihrem Sermon un­terbrochen worden, al» Sibylla, die unten auf der Lauer gestanden, sie gerufen.

Nachdem die Frauen sich entfernt, wartete Ernst noch einige Augenblicke, oben an der Tür des Wagens ste­hend und in das Dunkel hinauSspäheud, seinem Jäger- auge war die Richtung nicht entgangen, welche Thea ein- geschlagen.

*

Ungeduldig ging Konstanze in dem ärmlichen Innen- raum der sogenannten Krähenhütte auf und nieder. Da» war doch wieder einmal eine große Unvorsichtigkeit gewe­sen, wenn nicht gar Ungeschicklichkeit, hierher zu kom­men, um sich von einer fahrenden Zigeunerin wahrsagen zu lassen. Konnte sie denn diesen Hang zum Abenteuer- lieben nicht völlig unterdrücken, war sie immer noch Kon- stanze Tornelli, die Elevin der Hagenbachschen Theater- schule und nicht Komtesse Wilmeuau, die Braut deS Gra­fen Bentheim? Je länger sie warten mußte, je lebhafter wurden die Selbstvorwürfe und sie gelobte sich, daß die» ihre letzte Torheit gewesen sei» sollte und sie fortan der­gleichen Extravaganzen nicht mehr begehen wollte.

Die achtunggebietende Gestalt des Vaters, Kurt» edleS, vergeistigtes Antlitz standen vor ihren« inneren Auge, wa­

wachsendem Erfolge auf eine Befferung der Stimmung zwischen Deutschland und England gerichtet sind. Die persönlichen Beziehungen zwischen den beiden Monarchen lassen wir hier natürlich aus der Erörterung, sie haben ihrem nahen verwandtschaftlichen Verhältnis auch in solchen Zeiten entsprochen, wo zwischen den beiden Völkern jede Erinnerung an gemeinsame Vergangenheit und gemeinsame Interessen erloschen zu sein schien. Dieser Tiefstand gegenseitigen Wohlwollens zwischen England und Deutschland kann jetzt als überwunden gelten. Es hat sich wieder soviel Wärme eingestellt, .wie zu einem normalen geistigen Verkehr von Volk zu Volk erforderlich ist. Wir brauchen die Ereignisse, die hierzu geführt haben, nicht einzeln aufzuzählen. Das letzte in der Reihe war der Besuch des Londoner Lord Mayors in Berlin, der noch in diesen Tagen in einem Fest in der City unter Teilnahme unseres Botschafters einen freundlichen und hellen Nachklang gehabt hat. Der Botschafter teilte bei dieser Gelegenheit mit, daß der Kaiser den Wunsch gehabt hatte, den Lord Mayor in Kiel zu sehen, und daß die Einladung nur durch einen Zufall nicht in die Hände des Londoner Stadt Hauptes gelangt ist. Eine hohe Ordensauszeichnung entschädigte den Lord Mayor und seine beiden Scheriffs. Der Kaiser hat bekanntlich auch den vorangegangenen Freundschaftsbesuchen sein Interesse zugewandt: die englischen Journalisten waren besonders stolz daraus, daß sie beim Kaiser in Potsdam zu Gaste waren und von dem kaiserlichen Wirte persönlich begrüßt wurden. Auch sonst hat sich unser Kaiser für die Nützlichkeit solcher Besuche ausgesprochen und z. B. der Deputation der Arbeiter aus Gainsborrough'welche unsere Arbeiter­verhältnisse studierten und von dem angetroffenen Wohlstand überrascht waren, seine Anerkennung für ihr Unternehmen aussprechen lassen. So ist unter der eigensten Teilnahme des Kaisers wie auch des Königs Eduard vieles geschehen, um die Verstimmungen zwischen den beiden Völkern zu beseitigen. Der Besuch in Wilhelmshöhe ist daher jetzt auch insofern gut vorbe­reitet, als er mit freundlicheren Gesinnungen der Be­völkerung diesseits und jenseits des Kanals zusammen- trifft.________________________________________________________________________

Deutsches Reich.

Ein Telegramm aus Bergen meldet: Wegen trüben Wetters wurde der Besuch von Merok aufgegeben. Die Ankunft vor Bergen erfolgte am Freitag abend 11 Uhr. Der Kaiser frühstückte am Samstag beim

ren ihr plötzlich so greifbar nahe, daß sie an daS Fen­ster der Hütte eilte und lauge in die Dunkelheit hinauS- spähte, nachdem sie es geöffnet hatte. Vorher hatte sie vorsichtigerweise die beiden Türchen der auf bem Tische brennenden Messinglaterne fast ganz geschlossen, so daß beinahe gänzliche Dunkelheit in der wüsten Kammer herrschte.

Wenn der Vater oder Kurt, durch einen Zufall herge­führt, sie hier träfen, den Zweck ihres Kommens erfüh­ren ! Konstanze fühlte, wie brennende Scham ihre Wan­gen färbte und sie senkte unwillkürlich den Blick, dann aber zogen sich ihre Brauen leicht znsammen und ein Zug von Härte und Verdruß legte sich um den schö­nen Mund. Wer war denn schnld auch an dieser Narr- heit? Der Mann, welcher seit Monaten je und je ihren Frieden gestört, ihr Angst und Sorgen bereitet hatte: Ernst Kindler. Sie hatte erfahren wollen, ob ihr von ihm Gefahr drohe, ja, die unbestimmte Furcht, daß er einen Einfluß auf ihr Geschick üben könne, hatte sie hergetrie­ben.

Da fuhr sie empor, Schritte nahten, diesmal war eS keine täufdjung, sie hörte TheaS Stimme:Endlich sind wir da, dem Fräulein wird daS Warten schon lang ge­worden sein."

Die Tür wurde geöffnet, nachdem Konstanze den Rie­gel zurückgeschoben, und Thea trat zunächst ein, wäh­rend deren Begleiterin wie zögernd an der Schlvelle stehen blieb.

Hat Dich niemand gesehen?" fragte Konstanze heftig.

Keine Seele; ein Weilchen ging Heinrich MertenS hinter uns her, wir hörten seinen Tritt, er pfiff ein Lied, kam aber nicht so nahe, daß er mich hätte erkennen kön­nen. Vorsichtigerweise schlug ich aber den weiteren Weg ein, zwischen den Tannen, obgleich wir von« Teich über die Wiese in ein paar Minuten hätten hier sein können. Aber der Mond hat sich herausgemacht und der Park- Wärter hat scharfe Augen. Die Alte meint, daß sie sich

Konsul Mohr. Abends erfolgt die Abreise nach Odde' An Bord alles wohl.

In der festlich geschmückten Universitätsaula in Bonn wurde Samstag Mittag 1 Uhr die Exmatrikulation des Prinzen August Wilhelm von Preußen vollzogen. Dem feierlichen Akt wohnten der Rektor und der Kurator der Universität sowie das Professorenkollegium bei. Der Rektor hielt eine Abschiedsansprache, in der er u. a. sagte, wie der Prinz August Wilhelm sich zahlreiche Herzen im Rheinland erworben habe, so werde er sich auch die Herzen der zurückhaltenden Elsässer erwerben, deren Universität er demnächst besuchen werde. Darauf überreichte der Rektor dem Prinzen die Exmatrikel mit dem Universitätssiegel. Um 2 Uhr reiste der Prinz nach Homburg, von wo er wieder zurückkehrt, um bis zum 2. August die Vorlesungen zu besuchen.

Der neuen militärischen Korrespondenz zufolge dürfte Graf Hülsen-Häseler, der Chef des Militär­kabinetts, von seinem Posten zurücktreten. Als Nach» folget soll Generalleutnant von Mackensen in Betracht kommen. Von anderer Seite wird gemeldet, daß die Besetzung des Postens durch von Mackensen unwahr­scheinlich sei, daß vielmehr dafür der Kommandeur der 20. Division Generalleutnant Freiherr von und zu Egloffstein ausersehen sei.

Eine Fahrt nach den Nordseebädern ist in gleicher Weise interessant und bequem. Der Nord­deutsche Lloyd in Bremen unterhält regelmäßige Fahrten nach Helgoland, mit Anschluß nach Westerland auf Sylt und Luroik auf Röm, und nach Norderney, direkt oder über Helgoland, mit Anschluß nach Juist, Borkum und Langeoog, ferner nach Wittdün auf Amrum, Wyk auf Föhr und WangeroogeWilhelmshaven. Besonders als Ferienreise ist eine Fahrt nach unseren herrlichen Nordseebädern sehr zu empfehlen. Sowohl Vergnttgungs- wie Erholungsreisende werden dort in vollem Maße Befriedigung finden.

Die Überführung derKronprinzessin Cecilie" des Norddeutschen Lloyd in Bremen von der Bauwerft in Stettin nach Swinemünde, von wo aus der Schnelldampfer am 28. Juli seine Probefahrt machen fi ll, fand am 20. Juli statt. Für diesen hochinteressanten Transport waren lange vorher umfangreiche Vorbe­reitungen getroffen worden, da die Ueberführung von Schiffen mit großem Tiefgang bei den knappen Wasser- verhältnissen der Oder erhebliche Schwierigkeiten hat. Durch die großen Maschinen- und Kesselanlagen ist

ganz allein zurückfinden würde, sie hat sich den Weg ge- merkt."

»Gut, laß sie eintreten, und warte draußen, bis ich Dich rufe, ich werde mich beeilen; denn es ist spät ge­worden."

Thea verschwand und gleich darauf schlüpfte eine hohe Frauengestalt, in ein dunkle» Tuch gehüllt, in die Hütte.

Schweigend wendete sich Konstanze dem Tische zu und öffnete die Laterne, so daß ein Lichtstrahl da» Ant- litz der Frau traf, die mit einem Ruck da» Tuch von Kops und Schultern warf und das schöne Mädchen mit selt­samen Blicke aus Trauer und Zärtlichkeit gemischt, maß, während ihre schmalen Lippen fast lautlos murmelten: Endlich., endlich!"

Vera Tornelli!" sagte Konstanze leise, wie träum« verloren, war ihr doch auch im ersten Augenblick zu Mute, als ftünbe sie unter bem Bann eine» wunderlichen Trau- me». Dann aber veränderten sich ihre Züge mit über- raschender Schnelligkeit und e» war eine Gebärde der Widerwillen», ja des Ekel», mit der sie, zurücktretend die Hand der Frau von sich wie». Auch die Stimme war hart und streng, al» sie nun fragte:Warun, diese Ko­mödie?"

Sprich italienisch, mein Kind, Deine deutsche Die- nerin lauscht sicherlich an der Tür, sie braucht nicht zu hören, was wir miteinander zu reden haben."

Wohl willfahrte Konstanz« dem Begehren ihrer Pfle- genullter, indem sie sich sogar des venezianischen Dialekt- bediente, aber es waren unholde Worte, die au» ihrem schönen Munde tarnen.War Euch die Summe noch nicht hoch genug bemessen, welche mein Vater Euch ausgesetzt, wollt Ihr mehr, so sprecht!" 139,18

«Ich weiß nicht» davon und würde auch von dem Deutschen kein Geld nehmen; seit Monaten bin ich von Venezia fort und die Briefe für mich bleiben postla­gernd. Du siehst, ich kann nichts davon wissen, was er mir geschrieben, laß den Brief zurückkommen, Ihr wer- bet Euch beide überzeugen, daß ich die Wahrheit sprach *