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mit amtlichem Kreisblatt.

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

32 59. Mittwoch, den 24. Juli 1907. 58. Jahrgang.

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Deutsches Deich.

Der Kaiser traf nach guter Fahrt am ver­gangenen Freitag um 6'/2 Uhr vor Drontheim ein. Das Wetter ist unverändert. An Bord ist alles wohl.

Bei seinem Besuche in Bischofswerda hat König Friedrich August von Sachsen sich gegen die sozial- demokratischen Agitatoren und Hetzer in energischer Weise ausgesprochen. Er sagte u. a.: Als 1903 im ganzen Sachsenlande infolge gewissenloser Agitationen bei den Reichstagswahlen die Sozialdemokraten den Sieg davontrugen, da war es allein meine treue Stadt Bischofswerda, die den einzigen königstreuen Reichs­tagsabgeordneten aus meinem Lande stellte. Und auch im vorigen Winter hat sie bewiesen, daß sie treu zu mir und meinem Hause hält. Mit großer Mehrhei. zog von hier aus der Abgeordnete Gräfe trotz grenzen­loser Agitation der Gegner wieder in den Reichstag ein. Ich hoffe, daß es immer so bleiben möge, und daß die Bürger sich nicht durch die gewissenlose Agi­tation der Sozialdemokratie verblenden lassen.

Dem Staatssekretär im Reichsschatzamt Frhrn. v. Stengel Hat^ der Reichskanzler Fürst Bülow aus Norderney zum 70. Geburtstag folgendes Glückwunsch­telegramm gesandt:Euer Exzellenz sende ich zum 70. Geburtstag meine herzlichsten Glückwünsche und hoffe, daß Ihre bewährte Kraft auch im achten Jahrzehnt Ihres durch Arbeit und Erfolge ausgezeichneten Lebens dem Reichsdienst erhallen bleibe. Möge es Ihnen vergönnt sein, das begonnene schwere Werk der Reichs­finanzreform seiner Vollendung entgegenzuführen. " In aufrichtiger Wertschätzung Fürst Bülow." Auch der Prinz-Regent von Bayern hat an Frhrn. v. Stengel ein in warmen Worten gehaltenes Glückwunschtelegramm gerichtet. Die staatswisfenschaftliche Fakultät der Universität München ernannte Frhrn. v. Stengel zum Ehrendoktor.

300 Mitglieder des Lodzer Deutschen Männer- gesangvercius haben die russische Grenze überschritten. Sie reisen in einem Sonderzug zunächst zum Sänger­fest nach Breslau und beabsichtigen auch in Berlin öffentlich aufzutreten. Dem Lodzer Gesangverein, der ein Hort des Deutschtums in Polen ist, geht ein guter Ruf voraus.

Wegen Begünstigung des Schulstreiks und ab­fälliger Beurteilung der preußischen Schulpolitik ist der seit längerer Zeit suspendierte Lehrer Busch in Gory seines Amtes entsetzt worden. Im Polenlager gilt der

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Die Komödiantin.

Roman von Oswald Benkendorf. 36

Still, frage die Frau, Maja nanntest Du sie, ob sie lieber aus der Hand wahrsagt, ich glaube, die Zigeuner verstehen da» noch besser, noch eins: sollte uns jemanb auf dem Rückwege im Parke sehen, dann erschrick nicht törichterweise, sondern bleibe ganz ruhig. Ich selbst merbe die Erklärung geben, daß ich für mein Kopfweh Heilung durch einen Gang in der Abeudkühle erhofft."

Leichtfüßig eilte Thea, als die Sonne zu sinken be­gann, die Dorsstraße entlang. Sie hatte den ihr erwünsch­ten Auftrag erhalten, einige Rollen feinbesponneuen Eisen- draht den Herren, die beschäftigt, waren, die Papierla- ternen befestigen zu lassen, einznhändigen, da der Wirt- schaftsinspektvr vergessen, den Leuten, welche die ihm zur VerwahrungübergebenenHolzkistenfortgeschaffhdieDraht- rollen mitzngeben. Der Weg durch den Park märe näher gewesen, doch lvar es Thea darum zu tun, in ganz un­auffälliger Weise zur Geineindelviese und deu Zirkusleu­ten zu gelangen. So leicht, wie sie sich das vvrgestellt, war e» nun freilich nicht.

Oberst von Perle, dessen stattliche Erscheinung TheaS Blicke vergeblich suchten, schien den Platz verlassen zu ha­ben und in der Nähe des grünen Wagens standen zwei Herren: Leutnant von Zöbitz und ein schlanker Mann in bürgerlicher Kleidung, in welchem Thea sogleich Haupl- manu von Kindler erkannte.

Auch in seinen Augen blitzte es auf beim Erblicken deS jungen Mädchens und Thea dachte in ihrer Einfalt, daß die Herren den Draht wahrscheinlich schon schwer ver­mißt hätten und nun erfreut seien, denselben endlich zu erhalten. Deshalb trat sie auch schnell näher und hän- digte dem Leutnant das Päckchen ein, indem sie in wohl­gesetzten Worten die Entschuldigung des Wirtschaftsinspek- torSvorbrachte, dabei blickte sie neugierig nach dem grü­nen Wagen hin, dessen Hintertür offen stand.

Entlassene jetzt als einpolnisch-nationaler Märtyrer", als einOpfer des preußischen Systems", das die ge­samte polnische Presse dem Wohlwollender Großen der polnischen Nation" aufls angelegentlichste empfiehlt. Mögen sie mit ihm glücklich werden!

Die Organisationsbestrebungen der Polen im Westen nehmen mehr und mehr den Charakter einer vollständigen Absonderung von den deutschen Be­völkerungskreisen an. Nachdem die politische Organi« salion der Polen im Wahlkreise Bochum und Reckling- Hausen in mustergültiger Weise ausgebaut worden ist, geht man jetzt daran, auf wirtschaftlichem Gebiete sich gleichfalls durch organisatorische Bestrebungen von der deutschen Bevölkerung zu lösen. So beschlossen die Polen in Recklinghausen, einen polnischen Konsumverein zu gründen, für den bereits über 400 Mitglieder an­gemeldet sind.

Die preußische Zentralgenossenschaftskasse hat im Rechnungsjahr 1906 einen Rohgewinn von 2 779 108 oder 5,30 v. H. des Grundkapitals im Betrage von 52,4 Millionen Mark erzielt, das ist der höchste Roh- gewinn, den die Preußenkasse bisher überhaupt aufzu- weisen hat. Infolge der Rückgänge, die auf dem Anleihemarkt eingetreten sind, müssen allerdings 1502208 Mark oder 2,87 v. H. auf Effekten abgeschrieben werden. Der Gesamtumsatz der Preußenkasse ist von 12,2 Mil­liarden im Vorjahre auf 11,9 Milliarden zurückgegangen, hat aber auf den für die Aufgaben der Kasse haupt­sächlich in Betracht kommenden Konten eine Zunahme erfahren, nämlich im Wechselverkehr von 521 auf 583 Millionen, im Lombardverkehr Den 82 aus 120 Mil­lionen, int Verkehrin laufender Rechnung" von 913 auf 989, im Depositen- und Scheckverkehr von 865 auf 1015 Millionen Mark. Von den 53 Vereinigungen und Verbandskassen, die mit der Preußenkasse int Geschäftsverkehr stehen, sind 52 genossenschaftlich organisiert. Im ganzen waren darin 14 633 Genossen­schaften mit 1 439 189 Mitgliedern vereinigt, gegen 51 Verbandskassen mit 13 912 Genossenschaften und 1 272 577 Mitgliedern im Vorjahr.

Ansland

Der Kaiser von Korea gab in einem am ver­gangenen Freitag Nachmittag erschienenen Erlaß seine Abdankung kund. Er gibt in dem Erlaß seinem Be­dauern darüber Ausdruck, daß während seiner 44jährigen Regierungszeit nationale Nnglücksfälle so rasch einander gefolgt seien, und das Unglück des Volkes jetzt so groß

Auf der Treppe, die man von außen angesetzt, kau­erte ein halbwüchsiges Mädchen in rotem Friesrock und weißer Bluse. Ihr Gesicht war hübsch, obgleich die Haut von der Sonne gebräunt schien und die Röte der Ge­sundheit mangelte. Dafür belebten, schwarze, funkelnde Augen die regelmäßigen Züge und das dnnkle Haar hing in wirrem Gelock über die schmalen Schultern des schlau- ken Mädchen». Das war Sibylla, die Tochter Guidos, des Direktors.

Mit ihr hatte Leutnant von Zöbitz sich vorher sehr eingehend unterhalten, was keine leichte Arbeit war, wenn man bedeukt, daß die Kleine nur einige Brocken Deutsch und Französisch, der blonde Verehrer meiblidjer Schön­heit dagegen kein Wort Italienisch verstand. Kindler war dieser Sprache mächtig, aber durchaus nicht gestimmt, sich in die Unterhaltung zu mischen.

Er horchte erst auf, als Sibylla sich über die schwarz angestrichenen Fischerbarken lustig machte.

Jetzt fragte er im weichen, venezianischen Dialekt, ob die Künstlerin eine Venezianerin sei, weil sie sich so gut auf die schwarzen Gondeln verstände ?

Statt der Antwort klatschte Sibylla fröhlich in die Hände und sprang mit einem einzigen kühnen Satz von der Treppe herab und auf Kindler zu:Jnngsran Maria, welches Vergnügen, der Herr spricht venezianisch!"

Und nun ergoß sich ein nicht enden wollender Rede­strom über die roten Lippen des hübschen Kindes. Leut­nant von Zöbitz war ganz verdutzt darüber, Thea aber benähte die Gelegenheit und schlüpfte in den Wagen, wo sie auch die Gesuchte fand und alsbald ansprach.

Da die Fenster offen standen, drangen einzelne Worte der kurzen Unterhaltung heraus an das Ohr Erusts, wel­cher sofort angestrengt lauschte und die Fragen Sibyllas nur zerstreut beantwortete.

Bald erschien auch Thea wieder und ließ sich von Jonas, dem alten Fährmann, der sehr Dermunbert auf

geworden sei, daß er es an der Zeit erachte, die Krone gemäß dem Brauche seiner Vorfahren dem Kronprinzen zu übertragen.

Den deutschfeindlichen Hetzereien des spanischen BlattesMerkantil Valenciano" tritt dieEpoca" in einemSpanien und Deutschland" überschriebenen Leitartikel entgegen. Das offiziöse Organ erklärt, daß die deutschfeindlichen Anschauungen der genannten Zeitung von den Spaniern in ihrer Mehrzahl nicht geteilt werden und der Hochachtung vor Deutschland nicht entsprächen. Zwischen Spanien und Deutschland gebe es vielmehr sehr starke wirtschaftliche Beziehungen und keine politischen Gegensätze. Der Mangel solcher Gegensätze mache besondere Abmachungen zwischen beiden Ländern überflüssig. Die von Spanien mit Frankreich und mit England geschlossenen Abkommen hätten auch keine Spitze gegen Deutschland.

Die russischen Terroristen arbeiten unentwegt weiter. Kein Tag vergeht mehr, ohne daß eine neue Schandtat gemeldet wird. So wurden auf der Wolga an Bord des DampfersLubimoff" auf der Fahrt zwischen Perm und Ochansk von einer 12 Mann starken Räuberbande zwei Soldaten und ein Polizeikommissar getötet, der Kapitän und ein Passagier verwundet; durch eine in die Maschine geworfene Bombe wurde die Maschine unbrauchbar gemacht und das Schiff zum Stehen gebracht. Die Räuber erbrachen darauf den Postraum, entwaffneten den Postbeamten, raubten 35 000 Rubel und suchten dann auf einem Boot das Weite.

- Ueber den Verbleib des marokkanischen Räubers Raisuli kommen aus Marokko die widersprechendsten Nachrichten. Nachdem es erst hieß, die Stämme der Elk-Mes und Beni-Aros hätten sich seiner und Mac Leans bemächtigt, wird jetzt aus.Tanger telegraphiert, daß Mac Leau aus dem Lager von Autsa, wo Raisuli ihn gefangen hielt, nach der durch Tradition geheiligten und unverletzlichen Grabstätte des Marabut von Just- lidi geflüchtet sei. Dieses Asyl wurde Mac Lean von geheimen Sendboten der Nachbarstämme angegeben, welche die Gefangennahme Mac Leans durch Raisuli als eine schwere Freveltat ansehen, da Mac Lean als vom Sultan entsandter Parlamentär dem Koran zu­folge unantastbar war. Nach einer anderen Version hätte Raisuli selbst Mac Lean entkommen lassen unter der Bedingung, daß Mac Lean die Forderungen Rai- sulis befürworte.

Zu der angeblichen Entsendung der amerikanischen

die schwarzen Gondeln blickte, über den Schloßteich setzen. Ein schmaler Wiesenstreifen säumte das Wasserbecken ein, dann kam sofort ein Bestand schöner, alter Bäume, die sich zu einer breiten Allee formten, in welcher man einen prächtigen Ausblick auf den Wasserspiegel hatte, zumal, wenn man vom Schlosse her tant.

In dieser Allee waren vier oder fünf Soldaten beschäf­tigt, die bunten Laternen an niederen Zweigen zu befesti- gen, doch schien noch ein ziemlicher Vorrat der zierlichen Beleuchtungsgegeustäude in den Kisten vorhanden.

Thea gab einem der Leute, wie man eS ihr geheißen, die Drahtrollen und setzte dann eilig ihren Weg fort. Sie war recht froh gelaunt und mit ihrem Geschick zufrie- den. Wie gut war doch die künftige Herrin! Großmütig, wenn ihr die Laune kam, beschenkte sie reichlich die Die- nerschaft, aber lvas mehr galt, Konstanze war nicht stolz und kalt, sondern liebenswürdig und herablassend.

Hatte sie nicht vorhin zu ihr, der Dienerin, gesprochen wie zu ihresgleichen? Das würde Fräulein FranziSka bei aller Herzensgute nicht fertig gebracht haben. Freilich, die schöne Grafentochter hatte, wie man erzählte, eine gar kümmerliche Jagend gehabt, und war in Armut aufge- wachsen. Da wußte sie besser, waS solch zagende» Mäd- cheuherz erhofft und ersehnt, wenn es liebt und stet» in Sorge klopft, der heimlich Geliebte könne eine Reiche wäh­len.

So hatte denn die Komtesse ihr, der armen Waise, auch gestattet, die Wahrsagerin zu befragen, ach, wie sehr, sehr begierig war sie schon auf der Alten Ansspruch!

Ob sie der Komtesse erzählen sollte, daß die Offiziere aus Spangenberg auch an dem Wagen gestanden, als sie die Zigeunerin Maja ausgesucht? Lieber nicht, die Kom­tesse hätte sich fürchten können, daß jene ein Wort von der Bestellung gehört, und am Ende gab sie den ganzen Plan auf, und sie, Thea, erfuhr auch heute nicht, ob Richard Tann, der junge Förster, es ehrlich meinte mit ihr. 139,18