SchlüchtemerMung
mit amtlichem Kreisblatt» Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 49.
Mittivoch, den 19. Juni 1907.
58. Jahrgang.
Die im 58. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise
Schlächtern und weit noch über denselben
finaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.
daher in der Zustellung unfer/r Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Vostamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Juni unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen,
Wer eiie UMW
J daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Juli ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. — Jede Postanstalt
und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Aboiinements-Bestelluugen anzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Juli. 1907 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
die Expedition der „Schlüchterner Zeitung"
Amttiches.
J.-Nr. 6012. Auf Veranlassung des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten ersuche ich die Herren VvlksschuUehrer mir umgehend anzuzeigen, welches Einkommen aus Nebenämtern und Nebenbeschäftigungen sie im Kalenderjahre 1906 bezogen haben. Es kommt dabei insbesondere in Betracht, das Einkommen aus Nebenämtern und Nebenbeschäftigungen.
1. im Staatsdienst,
2. ein Provinzial«,Kreis-, Gemeindedienst (Amtsund Gemeindeschreiber, Standesbeamter, Fleisch, beschauer u. s. w.),
3. im Reichsdienst (Kranken-, Unfall-, Alters- und Jnvaliditätsversicherung, Postagent u.sw.),
4. im Kirchendienst,
5. für Unterricht an Forchildungsschulen,
6. für Privatunterricht (einschl. Musik-, Gesangunterricht u.s.w)
7. für Literarische Tätigkeit,
8. für Tätigkeit bei wirtschaftlichen Genossenschaften (Consumvereine, Darlehnskassen u. s. w.), bei landwirtschaftlichen Betrieben fRechnungsführer u. s. W.
9. aus Agenturen für private Versicherungsgesellschaften,
10. aus sonstigen Nebenämtern (Nebenbeschäftigungen.
Die Bezüge aus der Erteilung von Unterricht an Fortbildungsschulen sind nicht unter Ziffer 2 sondern unter Ziffer^ 5 nachzuweisen. Die Vergütungen aus den mit den Schulstellen dauernd (organisch) verbundenen Kirchenämtern bleiben außer Betracht. Sofern dagegen eine kirchliche Stellung nur nebenamtlich versehen wird, sind die Bezüge aus dieser Tätigkeit unter Ziffer 4 nachzuweisen.
Die eingeforderte Anzeige ist mit der Richtigkeitsbescheinigung zu versehen; gegebenenfalls ist Fehl anzeige zu erstatten.
Die Herren Bürgermeister der Stadt« und
Iie Komödiantin.
Roman von Oswald Benkendorf. 24
Und dann kam doch endlich der zweite Walzer an die Reihe, den Konstanze ihm versprochen, und Ernst umfaßte das schöne Mädchen und flog mit ihm dahin im Wirbel des Tanzes.
Fester umschlangen seine Arme ihre junonische Gestalt als er ihr zuflüsterte: „Fata Morgan»! Ziehe mich hinab zu Dir, ich folge und wär's auch in den Tod!"
„Sie mißbrauchen den Ihnen günstigen Umstand, daß ich hier, ohne Aufsehen zu erregen, nicht den Schutz meiner Vaters oder meines Verlobten anrufen kann," sprach Konstanze bebend vor Zorn.
„Ich fürchte weder den einen noch den anderen."
„Sie sind ein Wahnsinniger!"
Kindler lachte fröhlich auf, als habe seine Tänzerin irgend ein Scherzivort gesagt, dann, als die Tour been- det, führte er seine Dame an ihrenPlatzzurück und sprach halblaut: „Gestatten Sie mir, Komtesse, Ihnen einen Rat zu geben: In Gegenwart Ihres Bräutigams dürfen Sie nie von irrsinnigen Leuten sprechen, er geht die Sage, daß die Nerven derer von Bentheim daS nicht vertragen."
Aus Trusts Zügen sprach so viel Hohn, eine so wilde Schadenfreude, daß Konstanze, unwillkürlich erbebend, fragte: „Was wollen Sie damit sagen?"
„Wir sprechen noch darüber, Komtesse."
Kurt näherte sich und Kindler begab sich in da» Spiel- zmuner, am Tanze beteiligte er sich nicht mehr.
Auch Kurt tanzte nicht, doch gönnte er der schönen Braut von Herzen die» Vergnügen, ohne die mindeste Regimg von Eifersucht. Nur als Ernsts Arm sie um- jchlosien, als sie mit ihm dahingeflogen, seine brennen- den Blicke sie förmlich im Banne gehalten, hatte ein selt- fame» Gefühl ihn erfaßt, eine wilde Gier, sich auf Ernst S? stürzen, wie auf einen gehaßten Nebenbuhler, ihm Konstanze zu entreißen, ihn zu töten, sein Herzblut zu trmktn ...
Landgemeinden ersuche ich, diese Verfügung den Herren Volksschullehrern sofort zustellen zu lassen.
Schlücktern, den 17. Juni 1907.
Der Königliche Landrat: I. V. Schultheis.
Bekanntmachung.
Zur Ablösung eines Teils der Schutztruppe für Südwestafrika werden noch freiwillige Mannschaften der Reserve angenommen.
Zum Eintritt bereite Manschaften haben sich umgehend beim zuständigen Bezirksfeldwebel zu melden, bei dem auch die näheren Bestimmungen eingesehen werden können. Besonders erwünscht sind Handwerker aller Art vornehmlich Beschlagschmiede, Schuhmacher, Maurer und Zimmerleute.
Gebührnisse wie Schutztruppe. Dienstverpflichtung 3‘/2 Jahr.
Den nach Ablauf ihrer Dienstverpflichtung bei der Schutztruppe, behufs Ansiedelung im Schutzgebiet verbleibenden Mannschaften können unter Umständen folgen« Vergünstigungen gewährt werden.
1. Den ausgeschiedenen Schutztruppenangehörigen wird falls sie auf Heimbeförderung verzichten und sich verpflichten, als Ansiedler im Lande zu bleiben, das Heimreisegeld als Ansiedelungsbeihilfe gezahlt;
2. Ausgeschiedene Schutztruppenangehörige werden beim Kaufe von Regierungsland hinsichtlich des Preises bevorzugt, wenn sie ein eigenes Vermögen von mindestens 2000 Alk. nachweisen können.'
3. Diejenigen ausgedienten Schutztruppenangehörigen, welche auf eigener Farm wohnen, können ein unverzinsliches Darlehen bis zum Höchstbetrag von 6000 Mk. bewilligt erhalten und finden hierbei gegenüber anderen Bewerbern in erste Linie Berücksichtigung.
Es wird bemerkt, daß selbstverständlich auf diese Vergünstigungen ein rechtsverbindlicher Anspruch nicht besteht.
Königliches Bezirks-Kommando Hanau.
mzssiKananMnw
Kurt erschrak über sich selbst, seine Brust hob sich, die Fäuste hatte er krampfhaft geballt, träumte er den» mit sehenden Augen?"
„Fühlen Sie sich unwohl, Graf Bentheim?" fragte besorgt der gutmütige Zöbitz, der mit seiner Tänzerin, Fran- ziska Lauen, Kurt anstreiste, ohne daß dieser die Nahenden bemerkt.
„Die Hitze im Saal ist unerträglich," stammelte Kurt und fuhr mit dem Batisttuche über die Stirn.
Franziska ward besorgt und Zöbitz blickte sie verwundert an, es war ja durchaus nicht zu warm hier.
Als die beiden ihn verlassen, begab Kurt sich zu Kon- stanze. Sich über ihren Sessel neigend, flüsterte er: „Liebling unterhälst Du Dich gut?"
„Gewiß, Kurt, das Tanzen hat mir stet» große» Ber- gütigen gemacht."
„Ich erbitte eine Gunst von Dir: tanze heute nicht mehr mit Ernst Kindler!"
Konstanze zuckte leicht zusammen, erwiderte aber leicht- hin: „DaS wäre ohnehin nicht geschehen, da ich keinen Tanz mehr zu vergeben habe. Doch sage mir, bist Du eifersüchtig?"
„ES könnte sein ..."
„Dann wäre eS sehr töricht; denn Baron Kindler ist mir durchanS nicht sympathisch."
„War er eS nie?"
Konstanze schüttelte nur verneinend da» Haupt beim die Musik rief zum Tanze und ein junger Leutnant, dem sie die Polka zugesagt, näherte sich eilfertig.
Und sie kannte ihn in Berlin und er gab ihr den Na- nien Fata Morgana, murmelte Kurt vor sich hin, dann faßte er sich gewaltsam: „Bah, welch ein Narr bin ich doch! Mir hat sie sich verlobt, bald .. bald ist sie mein .. mein Weib. Ernst dagegen hat sie verloren und er liebt sie, daS ist mir klar, er verdiente weit eher Mitleid als Haß."
Vielleicht war es das erste Mal, daß Kurt sich etwas einzureden suchte, was er im Grunde nicht glaubte, doch er hätte nicht Zeit, seinen Grüheleien ungestört ngchzu-
Deutsches Reich.
— Unser Kaiser traf am vergangenen Sonntag morgens von Homburg v. d. H, wo er dem Taunus- Autömobil-Rennen beigewohnt und der Saalburg einen Besuch abgestattet hatte, in Hamburg ein und nahm dort an Bord der „Hohenzollern" Wohnung. Um 1 Uhr begab sich der Monarch zum Frühstück in die preußische Gesandschaft und wohnte nachmittags mit der Kaiserin auf der Hörner Rennbahn dem Rennen um den Hansapreis und der Augusta-Biktoria-Steeplechase bei. Abends trat der Kaiser auf der „Hohenzollern" die Fahrt nach Helgoland an, wo die Teilnehmer an der Segelfahrt Dover-Helgoland erwartet wurden. Am Montag kam der Kaiser nach Brunsbüttel, am Dienstag fand die Wettfahrt des Norddeutschen Regattavereins auf der Unterelbe statt, von dort ging die Fahrt durch den Nordseekanal nach Kiel, wo am Mittwoch die Regatten der Kieler Woche beginnen.
— Am Sterbetage Kaiser Friedrichs (Samstag) erschien um 1 Uhr Prinz Eitel Friedrich von Preußen und legte am Sarkophage des Kaisers in Potsdam einen Kranz im Aufträge des Kaisers und der Kaiserin, sowie Kränze für den Kronprinzen und den Prinzen Oskar nieder. Ferner ließen Kränze niederlegen: Prinz Friedrich Leopold, Prinzessin Marie von Sachsen- Meiningen, Offizierskorps, ehemalige Militärvereine u.s.w. Der Würde des Tages entsprechend war die PietL mit Palmen und weißen Linien dekoriert; der Sarkophag ist mit weißem und lila Levkoyen geschmückt.
— In Bruckhausen bei Oberhausen, wo zahlreiche polnische Arbeiter wohnen, wurde der Polizeikommissar Eidam erstochen in dem Augenblick, als er den Schutzleuten den Befehl gab, gegen eine aufrührerische Bande mit blanken Waffen vorzugehen. Der Tumult entstand, als eine polnische Familie, die ihre Steuern nicht bezahlen wollte, gepfändet werden sollte. Lärmszenen spielten sich auf der Straße ab, und die Polizei war gegen die aufgeregte Menge, besonders gegen die zahlreichen schreienden Weiber machtlos. Als die Lag
hängen; denn Freunde und Bekannt» kamen und gingen und verwickelten ihn in Gespräche.
Indessen benutzte FranziSka die Gelegenheit in der großen Pause, als Oberst von Perle sich nach ihrem Befin- den erkundigte, ihn in ein Gespräch zu ziehen.
Gräfin Sidonie unterhielt sich mit einer alten StiftS- dame und deren Bruder, dem pensionierten Hofjägerniei- ster, sehr lebhaft unfern von dem jungen Mädchen, an dessen Seite sich der Oberst niedergelassen.
Perle schalt über die männliche Jugend, der da» Tanzen als Arbeit erschiene nnd nicht als Vergnügen, und schloß bamit: „Auch Ihr Better, Fräulein von Lauen, tanzt nicht einmal heute, der schönen Braut zuliebe."
„Ich glaube, der Arzt hatKurtda» Tanzen verboten," warf Franziska ein.
„Behüte, er ist ja gottlob nicht lungenkrank, findet eben kein Vergnügen daran."
„Aber," fahr das junge Mädchen hartnäckig fort, „Graf Bentheim, Kurt» Vater, ist doch auch sehr jung gestorben."
„Da» ist etwas andere», der arme Otmar, er hatte eine sehr gesunde Brust, worein Riese, der Sohn gleicht ihm wenig."
„Welcher Krankheit erlag Graf Otmar?"
Der Oberst blickte zu Sidonie hinüber, dann flüsterte er: „Fräulein von Lauen, fragen Sie nie Ihre Tante nach diesen Dingen, sie hat des Gatten tragische» Ende noch nicht verschmerzt. UebrigenS hörte ich, daß ein Herzschlag meinen Freund dahingerafft in der Blüte des Lebens."
& ^Man sagt, viele der BentheimS seien jung gesto»
Perle blickte Franziska forschend an.
„Wer sagt das, Fräulein von Sauen, wer war so indiskret, Ihnen davon zu sprechen?" 139,18
„Ich - - ich weiß wirklich nicht niehr, wer mir davon
erzählte, doch geschah er dürchäü» nicht in HM Absicht.",,.