mit amtlichem Kreisblatt
Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Amtliches.
J-°Nr. 2453 K. A- Nachdem das Werkchen, „Vom Heimatacker" bei den Bestellern inzwischen eingetroffen sein wird, ersuche ich die Herren Bibliothekare den Bezugspreis mit 1,25 Mk. pro Exemplar portofrei an das Kreisausschußbureau bald gefälligst abführen zu wollen.
Schlächtern, den 31. Mai 1907.
Der Borsitzende des Kreisausschusses: _________________gez. Valentiner.
Der Besuch der englifdjen Journalisten in Berlin.
Man konnte zweifelhaft sein, ob das Unternehmen deutscher Journalisten, die im vorigen Jahre in England genossene Gastfreundschaft zu erwidern, wohl gelingen werde. Die erste Frage war, ob sich etwa in der englischen Presse Widerstand zeigen, und ob infolge desfen die Teilnahme an der Fahrt nach Deutschland nur auf minder bedeutende Preßvertreter beschränkt sein würde. Ein paar große Zeitungen, die „Times" und die „Daily Mail", schlössen sich von vornherein aus. Andere dagegen schickten ihre besten Kräfte. So b fanden sich unter den Gästen ausgezeichnete Männer der Feder, wie Spender, Leiter der „Westminister Gazette" und persönlicher Freund mehrerer Mitglieder des liberalen Kabinetts, Sidney Low, Leitartikler des „Standard" und Verfasser guter Studien über Deutschland, Ellerthroop, ein weit in der Welt umhergereister Veteran des konservativen „Daily Telegraph", Pryor, Chefredakteur der liberalen „Tribune", die Herausgeber der Monatsschriften „Empire Review", Sir Alfred Coole, der „Contemporary Review", Bunting, und der „Review of Reviews", der bekannte Friedensapostel Stead.
Hatten die Engländer schon in Bremen und Ham- burg vortreffliche Eindrücke gewonnen, so übertrafen die festlichen Veranstaltungen in Berlin alle Erwartungen : Bankett im Zoologischen Garten, Empfang im Rathaus, Gartenpartie beLn Reichskanzler, Essen der Handelskammer, Bierabend im Reichstag, Besuch der Parade und der Kgl. Schlösser in Potsdam, Frühstück in der Kgl. Orangerie mit Erscheinen Sr. Majestät, Galaoper und Tee beim englischen Generalkonsul Schwabach. Wichtiger als die Fülle des Gebotenen war der ungezwungene freundwillige Geist, der dabei herrschte. An politischen Reden wurde eigentlich nur eine gehalten, die des Vertreters des Auswärtigen Amts, llnterstaats» sekretärs v. Mühlberg. Sie handelte von dem im
Ais Komödianim.
Roman von Oswald Beukendorf. 20
Sie war sehr empört, daß in ihrem anständigen Hanse ein solcher Skandal habe Vorkommen können und Konstanze mit sich sortziehend, forderte sie in strengenWorten die Herren auf, ihren Streit an einem anderen Orte aus- zutragen und die Sache in kavaliermäßiger Weise so ein- zurichten, daß weder derÄuf der jungen Dame, noch derjenige ihres Instituts kompromittiert werde.
Seit dem Abend hatte Konstanze Ernst Kindler nicht wiedergesehen und erst in Wilmenau hörte sie von ihm sprechen und war daher auf ein Zusammentreffen mit ihm vorbereitet.
Damals hatte sein Anblick sie tief erschreckt, leichenblaß mit sprühenden Augen, die Züge des schöneil Gesichts verzerrt vor grimmer Wut, auf der linken Wange ein flammendes Mal, das die Faust des Nebenbuhlers ihm aus- gedrückt.
Doch mit der Zeit war dieser häßliche Eindruck verwischt worden, die Ereignisse hatten sich ja überstürzt; denn wenige Tage nach dieser peinlichen Szene war Graf Wilmenau nach Berlin gekommen und hatte die wiebei> gefundene Tochter sogleich mit sich genommen, die Schnee- stern Hagenbach hatten in ihrem eigenen Juteveffe über den ärgerlichen Austritt geschwiegen, ein Gleiches tat Konstanze, doch teilte sie dem Prinzen in einem län- gercn nach Rom gerichteten Briefe den Umschwung in ihren Lebensverhältnissen mit und bat ihn, ihr nach Venedig zu schreiben.
In der Tat erhob Konstauze dort am Tage vor ihrer Abreise ein Schreiben Stefauis, es enthielt einen Glückwunsch und ein Lebewohl, er hatte sie also aufgegeben. Nun, in ihrer jetzigen Lage konnte sie eher diesen Verlust verschmerze».
Und jetzt nach Monaten, war ihr Klarheit geworben, die Gründe betreffend, welche Stesani zur Resignation ge-
Mittwoch, den 5. Juni 1907.
58. Jahrgang.
MHMHH»
Auslande verbreiteten Märchen, daß Deutschlands Wehrmacht eine Gefahr für den Frieden sei, und wirkte durch den Freimut, mit dem der Redner für uns das Recht jeder ehrliebenden Nation in Anspruch nahm, die Größe ihres Heeres und ihrer Flotte selbst zu bestimmen. Dabei ließ er den Verdiensten der britischen Nation für die Entwicklung der Zivilisation und für das Prinzip der offenen Tür in überseeischen Gebieten volle Gerechtigkeit widerfahren. Der Widerhall ist nicht nur in England, sondern auch in Frankreich sehr günstig. Der „Teinps" brächte einen anerkennenden Artikel, aus bem man herauslesen konnte, daß eine Besserung der deutsch- englischen Beziehungen Frankreich von einem gewissen Albdruck befreien würde.
Mit Festen allein ist eine solche natürlich nicht zu erzielen. Erst wenn die freundliche Stimmung, die diesen Besuch beherrschte, fortwirkt auf die ösfentlich Meinung, sann auch die Politik beider Länder wiede einen freundschaftlicheren Charakter annehmen. Da- Hindernis lag eben nicht in der Haltung der offizielle Politik, sondern in Mißtrauen und Mißverständnissen unter den Völkern. Unser Kaiser sagte deshalb auch in seiner Begrüßung der englischen Journalisten, wie erwünscht es sei, daß auch andere einflußreiche politische Personen die deutschen Verhältnisse durch eigenen Angenschein besser senilen lernen möchten.
Deutsches Reich.
— Der Kaiserliche Automobil-Club hat sich entschlossen, im Interesse der Sicherheit des Verkehrs und yir möglichsten Verhinderung von Unglücksfällen in ganz Deutschland an den Straßen zur Kennzeichnung besonders gefährlicher Stellen Warnungstafeln anbringeu zu lassen. Durch die international einheitlich feststehenden Warnungszeichen soll auf gefährliche Kurven, Vertiefungen im Straßenkörper, Höcker, Bahnübergänge, Straßenkreuzungen und Doppelkurven aufmerksam gemacht werden; die Aufstellung soll gleichmäßig in Der ein für allemal festgesetzten Entfernung von 250 in vor der gefährlichen Stelle erfolgen. Das in Aussicht genommene Vorgehen wird in gleicher Weise auch den dem Club nicht ungehörigen Automobilfahrern sowie ausländischen Fahrzeugen zugute kommen und muß im allgemeinen Verkehrsinteresse als zweckmäßig und erwünscht bezeichnet werden. Die Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten richten deshalb an die Oberpräsidenten das Ersuchen, den Provinzialverbäuden sowie den Behörden der Land- und Stadtkreise an die
zwungen. Das Dunkel war schrecklich erhellt worden durch den roten Lichtschein der Todesfackel, armer Knabe, und Wie sehr hatte die Mutter ihn geliebt.
Es war Konstauze, als fühle sie auf ihrer Stirn, ihren Wangen, die brennenden Tvänen dieser unglücklichen Frau, sie fuhr jüh empor und blickde scheu um sich, Torheit, die Fürstin Stefanie ahnte ja bem Zusammenhang nicht, hatte nie von ihr gehört, kannte ih ren Namen nicht und konnte sie auch nicht verwünschen. Erleichtert atmete sie auf;wie die meisten Italienerinnen Wirt Konstanze abergläubisch, und Mutterfluch bringt ja schiwereS Unheil."
Gleich nach beendeter Mah lzeit, als die Herren sich ins Spielzimmer begaben, suchte Sidonie Bentheim ihre Nichte auf.
Kurt erwartete voll Unruhe die Rückkunft der Mutter, sie brächte tröstlichen Bescheid. Jedenfalls erging es Konstauze besser; denn sie war fauft eingeschlummert.
„Gottlob!" rief Kurt, leidenschaftlich bewegt, „ich habe mich schon in Unrwhe und Sorge verwehrt! Meine Liebe zu Konstauze ist so stark und mächtig, daß schon der Gedanke, sie leidend zu wissen, mich foltert. . ihr Verlust Würbe mich töten!"
Erblassend trat die Gräfin zurück, danu sagte sie mit sanftem Borwurf: „Nie hätte ich erwartet, so törichte Worte aus dem Munde meines ernsten, verständigen Soh- ' nes zu vernehmen. Hat die Fremde unS ganz Dein Herz geraubt, sind wir Dir nichts mehr?"
Kurt lernte seine heiße Stirn an der Mutter Schulter, wie er stets als Knabe getan und flüsterte zärtlich: „Verzeihe mir, Mutter, verzeiche Du, Edle, Gute, aber ich liebe Konstauze so sehr!"
Am nächsten Morgen hatte Konstauze, trotzdem sie eine unruhige Nacht verbracht, stich doch schon so weit gefaßt, daß sie den Besuch ihres Vaters empfangen und ihm mit erkünstelter Heiterkeit entge-geuzutreten vermochte.
Graf Erich, den die Plöchliche Erkrankung der Tochter
Hand zu geben, daß sie die Aufstellung der Warnungstafeln, die in der Unterhaltung des Clubs verbleiben, gestatten und unterstützen; auch soll ihnen in Anbetracht des obwaltenden öffentlichen Interesses empfohlen werden, daß sie auf Ersuchen des Clubs die Anbringung der Tafeln, soweit angängig, kostenlos oder höchstens unter Anrechnung der entstehenden Selbstkosten übernehmen.
— Der Besuch des deutschen Kaiserpaares am dänischen Hofe wird laut „Berliner Tageblatt"-Meldung aus Kopenhagen in der Zeit vom 5. bis 8. Juli erwartet. Auch der Präsident Fälliges wird bekanntlich im Sommer in Kopenhagen sein, da er dem König Haakon von Norwegen eine Gegenvisite zugesagt hat und bei dieser Gelegenheit auch Stockholm und Kopenhagen aufsuchen wird.
— Am vergangenen Freitag morgen um 9 Uhr fand im Lustgarten in Potsdam die Frühjahrsparade der Potsdamer Garnison statt. Um 9 Uhr waren auf dem Hauptbahnhofe die als Gäste des Kaisers zur larade geladenen englischen Journalisten eingetroffen und wurden in bereitstehenden Hofwagen nach dem Schauplatz der militärischen Vorführung geleitet. Kurz vor 9 Uhr traf der Kaiser der die Uniform der Garde du Corps mit dem Bande des Schwarzen Adler-Ordens trug, ein. Die aufgestellten Regimenter begrüßten den Kaiser mit dreimaligem Hurra und dem Präsentier- marsch. Der Kaiser schritt die Front der aufgestellten Regimenter ab, worauf der erste Vorbeimarsch erfolgte. Dann sprengte der Kaiser im scharfen Galopp an die Spitze des Regimentes Garde du Corps, das er selbst vorbeiführte. Nach dein zweiten Vorbeimarsch hielt der Kaiser eine kurze Kritik ab. Der Kaiser grüßte wiederholt zu dein Eckfenster des Stadtschlosses hinauf, wo die Kaiserin, die Kronprinzessin, die Prinzessinnen Eitel Friedrich, Viktoria Luise und Alexandra der Parade beiwohnten. Es wurde viel bemerkt, daß der Kaiser zu den Journalisten hinaufgrüßte. Nach der Parade Wurden die Journalisten in das Stadtschloß geleitet, wo sie als Gäste des Kaisers an dem Frühstück teilnahmen. — Nach dem Lunch, der den Journalisten in der Orangerie zu Potsdam auf Veranlassung des Kaisers serviert worden, erschien auch der Kaiser selbst zu Pferde. Er ritt an die englischen Gäste heran und ließ sich zunächst einzelne der Gäste, insbesondere den Präsidenten des Institut of journalistes, M. Wilson vorstellen. Mit Mr. Wilson wechselte der Kaiser einige Worte über den Hamburger Hasen, dann wandle er sich an verschiedene andere Mitglieder des Comitees
erschreckt, gab bent Gefühl der Vaterliebe offener Ausdruck als gewöhnlich und war voll zärtlicher Sorge.
Einen Augenblick war Konstanze versucht, ihm alles zu bekennen und seinen Schutz zu begehren, Ernst Kindler betreffend. Jedenfalls wäre dies das einzig Richtige in ihrer Lage gewesen, doch ihrem Stolze erschien eine solche Demütigung unerträglich. Der Hang zur Intrigue, das Versteckte in ihrem Charakter, ließ sie zudem den graben Weg meiden.
Wenn sie Kindler zeigte, daß seine Drohungen sie nicht einznschüchtern vermochten, würbe er sich zuletzt zurückziehen. Was konnte er ihr denn auch schaden?
Eine Indiskretion, Kurt gegenüber, wäre eines Ehrenmannes unwürdig und müßte den Hauptmann Kindler in der Gesellschaft unmöglich mache». In: übrigen hatte Ernst wohl mehr Grund, über jenen Auftritt im Theatersaal Schweige» zu bewahre»; beim das Geheimnis des amerikanischen Duells wäre alsdann unschwer erraten warben.
So war denn auch das Bemühe» der Gräfin Sidonie, von der Nichte zu erfahren, mit wem dieselbe im Korridor gesprochen, vereitelt worden; denn Konstauze gab ausweichende Antworten. ,
Dies bestärkte übrigens Sidonie noch mehr in ihrem Verdacht und sie richtete noch an demselben Tage ein Schreiben an Dietrich Möllenhard, in welchem sieben be- währten Freund ersuchte, wenn irgend möglich, in den Weihnachtsferien nachWilmenan zu kommen, sie habeWich- tigeS mit ihm zu beraten und sei in großer Sorge um Kurt.
Inzwischen schlichen die Tage einförmig und langsam dahin. Das Wetter war schlimm, Schnee, frühe Kälte, wilde Stürme hielten die Besucher fern von Schloß Wil- menan.
Doch auch mit dessen Bewohnern war eine Veränderung vorgegangen Konstauze schien sich seit ihrem Ohnmachtsanfall nicht mehr erholen zu können, ihre Nerven waren angegriffen, sie hatte schlaflose Nächte, sah bleich aus, aß ohne Appetit und begann zu husten. 139,18