mit amtlichem Areisblatt.
MUMMg
Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Deutsches Mich.
— Der Kaiser traf am Samstag mittels Sonder- zuges um 10 Uhr 35 Min. auf der Wildparkstation ein. Zum Empfang waren anwesend die Kaiserin, der Kronprinz und die Kronprinzessin, Prinz Eitel Friedrich, Prinz August Wilhelm mit seiner Braut, Prinz Oskar, Prinz Adalbert, Prinz Joachim und Prinzessin Viktoria Luise, ferner der Polizeipräsident von Potsdam.
, — Die Kaiserin traf am Samstag mit den Prinzessinnen Alexandra Viktoria, Viktoria Luise und dem Prinzen August Wilhelm auf der Wildparkstation ein. Zum Empfang waren anwesend die Prinzen Adalbert, Oskar und Joachim, der der Kaiserin einen Blumenstrauß überreichte, sowie der Polizeipräsident von Potsdam, Stark.
— Prinz Friedrich Leopold von Preußen soll als Vertreter des Kaisers an den Tauffeierlichkeiten in Madrid teilnehmeip
— Landgräfin Anna von Hessen, geb. Prinzessin von Preußen, vollendete am 17. d. M. das 71. Lebensjahr.
— Fürst Karl von Hohenzollern, ein Bruder des Stadthalters von Elsaß-Lothringen, ist in Salzburg gestorben.
— Aus Arco kommt die Kunde von dem Tod des Prinzen Moritz von Sachsen-Altenburg, der einer Lungenentzündung erlegen ist, die ihn vor kurzem befallen hatte. Der im 'l8. Lebensjahre Dahingeschiedene war der einzige Bruder des regierenden Herzogs Ernst von Altenburg, der seinerseits kinderlos ist, und dahe der formelle Thronerbe. Bei dem hohen Alter des Prinzen Moritz wurde jedoch im allgemeinen nicht mehr darauf gerechnet, daß er die Regierung übernehmen werde, als der künftige Herzog von Sachsen-Altenburg wurde vielmehr schon zu Lebzeiten des jetzt Verstorbenen sein Sohn Prinz Ernst angesehen, der am 31. August 1871 geboren und mit Adelheid, Prinzessin von Schaum- burg-Lippe, vermählt ist. Prinz Moritz war preußischer und sächsischer General der Kavallerie a la suite des Leib-Garde-Husaren-Regiments und des 8. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 153, Seine Witwe ist eine Prinzessin von SachseuWeiningen.
— Der Reichstag hielt am Dienstag vergangener Woche zwei Sitzungen ab, in denen der Rest der vorliegenden Arbeiten erledigt wurde In der ersten Sitzung wurden das Handelsprovisorium mit Amerika sowie die Veamleu-Pensions- und Hinterbliebenengesetze verabschiedet und in zwei Lesungen der Auslieferungsvertrag
Die Komödiantin.
Roman von Oswald Benkendorf. 15
O, diese letzte Vergangenheit, hätte sie die Erinnerung daran ertöten können!
Aber Knrt, der Idealist, der Denker, er glich nicht den anderen, die, schnell entflammt an ihrem Siegeswa- gen gezogen, vielleicht gab seine Liebe ihr Glück. Und im übrigen ivar sie jetzt die Komtesse Wilmenau und hatte die Verpflichtung, eine standesgemäße Partie einzngehen, um ihre etwas romantische Krankheit vergessen zu machen.
Für ihre» stolzen, ritterlichen Vater hegte Konstanze innige Verehrung, sie wußte, daß es sein lebhafter Wunsch sei, sie mit Kurt vermählt zu sehen, so löste sich jeder Konflikt und Kurt, den Graf Erich zu seinem Erben be- stimmt, ward in keiner! Weise benachteiligt.
An all' dies dachte Konstanze, und als sie eben die Persönlichkeit des ihr bestimmten Bräutigams mit den interessanten Männern verglich, die vordem ihren Pfad gekreuzt, trat Kurt hinter den hohen Zypressen hervor, welche die Eingangstür verkleideten, und bot ihr den Mor- geugruß: denn Konstanze, die bis in den Tag hinein schlief, pflegte das erste Frühstück in ihrem Zimmer eiiizu- nehmen.
„Ach, das ist schön, daß Du kommst, Kurt! Unterhalte, tröste mich, ich leide, langweile mich!"
„Das sind der Klagen viele auf einmal," erwiderte Kurt lächelnd und zog einen der niederen Sessel näher zu dem jungen Mädchen hin, „gestehe nur, Du möchtest jetzt am Marknsplatze das Konzert hören und im Cafe Onadri Gefrorenes essen?"
Sie lächelte ihn an. „Du verstehst Dich auf daS Erra- ken, Vetter. Zuweilen beschleicht mich das Heimweh. Ich möchte wieder am Molo stehen, den Blick über die bewegte Flut der Lagune schweifen lassen, hinüber nach der Zypressen-Jnsel, zu Andrea Palladtos Tempelsäulen, ost-
Mittwoch, den 22. Mai 1907.
58. Jahrgang.
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mit Griechenland angenommen. Dann wurde die Etatsberatung in dritter Lesung erledigt. Durch die Genehmigung des Kolonialetats in dritter Lesung ist nun ein selbständiges Kolonialamt mit einem Staatssekretär an der Spitze geschaffen worden. In der zweiten Sitzung verabschiedete das Haus den Auslieferungsvertrag mit Griechenland und erledigte cir: große Zahl von Wahlprüfungen. Dann vertagte fico der Reichstag auf den 19. November. In das zum Schluß vom Präsidenten ausgebrachte Kaiserhoch stimmte das Haus begeistert ein, die Sozialdemokraten hatten, wie immer, schon vorher den Saal verlasset
— Das preußische Abgeordnetenhaus beendete am Dienstag vergangener Woche die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die Ausübung des Jagdrechts. Dann wurde der Gesetzentwurf auf Erweiterung d ' Stadtkreises Crefeld in zweiter und dritter Lesur erledigt und der auf Antrag des Abg. Hammer (kom angenommene Gesetzentwurf auf Heranziehung d. Konsumvereine zur Kommunalsteuer mit einer unbedeutenden Aenderung des Herrenhauses angenommen. Der Rest der Sitzung wurde mit der Erledigung von Petitionen ausgefüllt. — Am Mittwoch vergangener Woche nahm das Haus den Gesetzentwurf betreffend die Ausübung des Jagdrechts an. Zu diesem wurden noch einige von allen Parteien gestellte Anträge angenommen, die besonders das Jagdrecht auf Wegen regeln. Wiedereingefügt wurde die am Dienstag vergangener Woche gestrichene Bestimmung, nach der unter gewissen Umständen gemeinschaftliche Jagdbezirke von geringerer Größe als 75 Hektar gebildet werden können. Der Entwurf einer Wegeordnung für die Provinz Posen wurde einer Kommission von 14 Mitgliedern überwiesen. Dann ging das Haus in die Pfingstferien.
Ausland
— Die vereinigten deutschen Gesellschaften von New-Pork veranstaltete» zu Ehren des vom Kaiser zur Carnegiefeier nach Pittsburg eulsanden Generals von Löwenseld ein Bankett. Unter den Rednern befand sich auch General von Löwenfeld, der bemerkte, der Kaiser habe ihm vor der Abreise ans Herz gelegt, den Deutschen in Amerika zu sagen, daß er sich über die Entwickelung des Deutschtums in Amerika aufrichtig freue und es als einen tatkräftigen Förderer der guten Beziehungen zwischen den beiden Ländern hoch zu schätzen wisse.
— Die Eröffnung des spanischen Parlements ist
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I wärts, wo die mächtigen Baumkronen der Giardini pn- blici, vom Seewinde bewegt, mir zu winken scheinen!"
„Dein Herz hängt noch mit allen Fibern an der alten Heimat?"
„Machst Du mir einen Borwurf daraus, Kurt?"
„Nein, aber es betrübt mich."
„Ist es betrübend, iuenn eines Weibes Empfinden sich treu bleibt?"
„Gewiß nicht, aber es fragt sich, ob in dem Herzen noch Ranm blieb für ein neues Lieben, wenn es geteilt ist zwischen Erinnerung und Sehnsucht?" Kurts Stimme bebte leicht bei dieser Frage und seine Blicke ruhten dabei ängstlich forschend aus den schöne» Zügen Konstanzes.
Das Mädchen schwieg beharrlich.
„Antworte mir," flehte er, sich zu ihren Füßen auf einen kleinen Schemel niederkanernd, „Du ahnst nicht wel- ches Gewicht ich darauf lege."
„Du verwirrst mich, Kurt. . ."
„Jetzt hast D» mich verstanden, Konstanze, Geliebte! Aus Deiner Hand laß mich Glück oder Unglück, Leben oder Tod empfangen."
„Und wenn ich Dir nun," erwiderte Konstanze, sich zur Ruhe zwingend, „kems von beiden zu geben vermöchte ?"
„Was willst Du damit sagen?"
„Daß es nicht in meiner Macht liegt, Dich überschweng- lich glücklich zu machen, aber daß ich weniger noch Dein Unglück vernrsachen möchte."
„Du liebst mich nicht, Konstanze," sprach der junge Mann traurig.
„Du irrst," sie stockte plötzlich, vor beut Auge ihres Geistes stieg ein Bild herauf aus der Vergangenheit, wie eine schreckensvolle Mahnung, sie öffnete weit die Augen, die Kehle war ihr wie zugeschnürt.
„Sprich weiter, aus Barmherzigkeit!" rief Kurt in bittendem Tone.
Das führte sie wieder in die Wirklichkeit, in die Gegenwart zurück, sie atmete tief auf und sagte, mit erzwuu-
mit einer Thronrede des Königs erfolgt, in der er seiner Freude Ausdruck gibt über die Geburt des Prinzen von Asturien, dessen Leben die Königin und er auf dem Altar des Vaterlandes darbrächten. Die Thronrede führt dann weiter aus, die Zusammenkunft in Cartagena werde die Herzlichkeit der spanisch-großbritannischen Beziehungen verstärken, und fügt hinzu, die Beziehungen zu allen Nationen seien ausgezeichnet. Dann werden verschiedene Gesetzentwürfe angekündigt, insbesondere eine Vorlage, betreffend die dringende Wiederherstellung der Seestreitkräfte. Die Sorge des Papstes um Spanien und der feste Entschluß der spanischen Regierung, die Eintracht zwischen den beiden Mächten aufrechtzuerhalten, zeige sich in der Bereitwilligkeit des Papstes, bei dem Prinzen von Asturien Pate zu sein. Die Thronrede hebt weiter den Wunsch hervor, die Freundschaft mit Großbritannien und Frankreich aufrechtzu- erhalten, und sagt schließlich, Spanien werde mit dem aufrichtigen Wunsche nach dem Haag gehen, zur Ersprießlichkeit und Wirksamkeit dieses neuen Kongresses beizutragen.
— Beim New-Porker Hafenarbeiterstreit kam es an den Kais vielfach zu Streitigkeiten zwischen ausständigen Hafenarbeitern und Arbeitswilligen. Die letzteren werden durch die Polizei geschützt. Auf der Brooklyner Seite ist ein Arbeitswilliger italienischer Nationalität ermordet worden. Man bringt die Tat, wegen der zwei Italiener verhaftet worden sind, mit dem Ausstand in Verbindung. Zu dem Zwecke, dem Opfer heischenden Streit zwischen den Dampfergesell- schasten und den Hafenarbeitern ein Ende zu bereiten, ist jetzt eine Bewegung im Gange, die darauf abzielt. die Vermittelung der „Civic Federation" herbeiz fführe
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Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 21. Mai 1907.
—* Verrechnet hatten sich mit uns alle Diejenigen die auf tadellos schönes Wetter zu Pfingsten gehofft hatten. Das Gegenteil hiervon ist eingetreten. Trübe und naß wars und die Sonne ließ nur auf kurze Zeit sich blicken, sodaß die herrliche, neuerstandene Gottesnatur in ihrem blüten- und bluinenreichen Maienschmucke gar viel von ihrem Reize einbüßte und mancher Ausflug, manch fröhliche Psingstpartie stark beeinträchtigt wurde. Das alte Sprichwort „Was des Einen Uhl, das ist des Andern Nachtigall" behielt auch diesmal recht: Hatten so die Sommerrestaurants einen bedenklichen Ausfall in ihren Einnahmen, so war das Gegen-
gener Fassung: „Ich bin ein ganz natürliches Menschenkind, sogar etwas prosaisch, und weiß nicht, ob ich je Deine Gefühle in der gleichen, leidenschaftliche» Art erwidern könnte."
„Bist Du so arm, Konstanze, oder kargst Du nur mir gegenüber mit Deiner Liebe? Willst Du mir ein Almosen, kühle Freundschaft, geben, wo vielleicht ein Glücklicherer Deine Liebe . . ."
„Vollende!" gebot sie flammenden AugeS.
Er beugte sich über ihre Hand und küßte dieselbe, dann sagte er demütig: „Verzeihe mir diese Regung der Eifersucht, aber ich könnte eine Teilung Deines Gefühls nicht ertragen!"
Konstanze hatte ihre ruhige Haltung wiedergewmmen. „Mein Herz ist nicht geteilt; denn noch hat es keiner besessen, mein Empfinden für Dich aber gleicht nicht dem lohenden Feuer, sondern einer stillen, reinen Flamme."
„Und ich mill es hüten, dieses Feuer! Glaube mir, eS wird Uns beide wohlig erwärmen und läutern! Du gibst mir ein Recht, um Deine Liebe zu werben und die Glut der meinen wird auch Dich erfassen und beseligen."
Sie reichte ihm die Hand und ließ es geschehen, daß Knrt außer stande, feine Gefühle länger zubemeistern, sie stürnlisch in die Arme schloß, den Brautkuß auf ihre Lippen pressend.
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Der Abend dämmert. VeraTornelli war soeben auS der Kirche gekommen, sie hatte das Gebetbnch fortgelegt und faltete das fadenscheinige, schwarze Wvlltnch zusam- tuen, als an der Haustür geläutet ward.
Sehr erstaunt näherte sie sich dem Fenster, um nach bent späten Besucher auszuschauen, und als auf die Frage, wer Einlaß begehre, die Antwort ertönte: „Freunde," glitt ein mürrischer Zug über ibr faltiges, früh gealtertes Gesicht und sie öffnete die Tür durch einen kräftigen Ruck amAnszug, ohne dein Besucher entgegenzngehen, in welchem sie ihren Bruder erkannt. ° 139,1g