mit amtlichem Areisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Aatgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis "mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samstag, den 13. April 1907.
58. Jahrgang.
Fortwährend
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Schküchteruer Zeitung
mit amtlichem Kreisblatt
von allen Postanstalten, Landbriesträget N ' sowie von der Expedition entgegengenommen.
finden in der Schlüchterner
Zeitung den meisten Erfolg,
Inserate
da sie die größte Auslage der im Kreise Schluch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.
Deutsches Deich.
— Bei den Erörterungen über die Frage, ob für das Jahr 1913 eine Weltausstellung in Beilin Veranstalter werden soll, wurde insbesondere vorgeschlagen, diese Ausstellung solle zugleich auch als Feier des sünsundzwanzigjährigen Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelms II. gelten. Wie nunmehr offiziös betont wird, wäre es sehr geboten gewesen, über die Ansicht des Kaisers sich vorher zu vergewissern. Es könne auf das Bestimmteste versichert werden, daß der Kaiser vor noch nicht langer Zeit, als die Frage an ihn herangebracht wurde, sich ganz entschieden gegen eine internationale Weltausstellung in Berlin im allgemeiuen und gegen eine solche Ausstellung zur Feier seines Negierungsjubiläums im besonderen ausgesprochen habe. Der Kaiser habe hierbei auch Gelegenheit genommen, die Gründe, die ihn zu dieser ablehnenden Haltung'bestimmen, darzulegen. In den weitesten Kreisen der deutschen Industrie werde man gewiß mit besonderer Befriedigung von dieser Willensäußerung Kenntnis nehmen.
— Unsere Marine wurde am Sonnabend um einen Kreuzer verstärkt. Es ist die „Königsberg, die unter die Flagge trat.
— Oberst Stoffel, der von 1860 bis 1870 französischer Militärattache in Berlin war und in seinen Berichten über die preußische Armee Napoleon III. vor einem Kriege mit Deutschland warnte, ist im Alter von 88 Jahren gestorben.
— König Viktor Emanuel trat am Freitag vergangener Woche abends seine Reise nach Griechenland an. Obgleich er von den Ministern des Aeußern und der Marine begleitet wird und die Reise mit großem
Ialsche Irermde.
Roman von Elwin Starck.
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„Lassen Sie mir," sagte Martin abwehrend, „vorläufig ist Möllerder große Mann und wirb noch eine Zeitlang eine Rolle in der Welt spielen, aber die Tage werden auch erscheinen, ivo er ausgespielt haben luirb. Kommen wird sein Sturz oder der Bankerott, was Sie wollen, das ist sicher."
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Paula war hinausgegaugeu. Als Karl nach der Fabrik zurückkehrte, traf er sie im Park. Siesaß auf einer Stein- dank in der Nähe des alten Friedhofs, dort, wo sie sich vor fast zwei Jahren zuerst begegnet waren. Sie war so mit ihren Gedanken beschäftigt, daß sie die Schritte des Nahenden überhörte. Erst als der junge Ingenieur unmittelbar vor ihr stand, schaute sie auf.
„GnädigesFräulein," sagte er, ihrdie Hand eutgegeu- strcckeud, „habeuSie einen AngeublickZeit für mich übrig ?"
Und als sie nickte, nahm er an ihrer Seite Platz. Es luar bereits spät am Abend, nur vereinzelt fielen die Strahlen der Sonne durchs Gezweig der Blichen, und spielten in Paulas lichten Haaren. Still war eS rings umher, nur in der Ferne girrten melancholisch die Holztauben.
Als der junge Mann minutenlang in Schweigen ver- harrte, blickte Paula anf.
„Herr Geißler," begann sie, „Sie wollten mich sprechen. Bitte, ich warte auf Ihre Mitteilung."
„Gnädiges Fräulein," begann er, nein, das ging nicht an er verbesserte sich und sagte: „Fräulein Paula, ver- zeiheu Sie, wenn mir die Worte augenblicklich nicht so zu Gebote stehen, wie sie sollten. Indiskret null ich nicht lern. Warum sind Sie so bekümmert ?"
. »Die Nachricht, die mein Bruder aus Berlin gebracht YP, ist em Schlag für mich gewesen, für mich und für ihn, S11 sueine ich. Er wird Ihnen wohl Näheres über un- lereVerhaltmsse erzählt haben. Nur ein Bruchteil unseres
höfischen Glänze erfolgt, so finden sich doch in den Blättern offiziöse Winke, wonach Rumänien, das mit Griechenland in diplomatischen Konflikt steht, keine lln= ruhe über die Königsreise zu zeichen brauche, da sie nur einen unpolitischen Gegenbesuch darstelle.
— Der Terrorismus der Hamburger Schauerlente wird immer bedenklicher. Als mit einem Schlepper Arbeitswillige von den verschiedenen Kähnen abgeholt werden sollten und sich bereits 60 Mann an Bord befanden, wurde plötzlich in den Haufen hineingeschossen, ohne daß jedoch jemand verletzt wurde. Die Täter sind unbekannt. Mehrere Schauerleute, die Arbeitswillige mit Totschlag bedrohten, wurden verhaftet.
— "lach erheblichen Unterschlagungen in der Gewerkschaftskasse und zahlreichen andern Schwindeleien ist der Führer der in Lothringen ansässigen italienischen Sozialdemokraten, „Genosse" Prunetti, flüchtig geworden.
— Nach einer Mitteilung aus Posen sind Anzeichen von einer Wiederansachung des polnischen Schulstreiks vorhanden. Als neuestes Mittel dient die Nachricht polnischer Blätter, der Papst werde in nächster Zeit den Grundsatz verkünden, der Religionsunterricht müsse in der Muttersprache erteilt werden.
— Der Magistrat von Würzburg hat eine eigenartige Maßregel gegen die Leutenot auf dem Lande beschlossen. Er hat verfügt, daß die Naturalverpflegungs- station vom 1. April bis 1. Oktober für ungelernte und landwirtschaftliche Arbeiter gesperrt wird. Die Arbeitslosen sollen darauf hingewiesen werden, baß auf dem Lande Arbeitsgelegenheit in Hülle und Fülle vorhanden ist.
— Die Einfuhr von lebenden Wiederkäuern und Schweinen aus Belgien und den Niederlanden nach Preußen ist wegen Seuchengefahr von dem Landwirt- schaflsminister verboten worden. Ebenso ist die Einfuhr von Milch und Rahm, von frischen und frisch gesalzenen Häuten und Fellen, von frischen Hörnern und Klauen der Wiederkäuer, von frischen Klauen der Schweine, von tierischem Dünger sowie von unbearbeiteter oder keiner Fabrikwäsche unterworfener Wolle, von ebensolchen Haaren und Borsten aus Belgien und den Niederlanden verboten. Die Einfuhr überseeischer roher Wolle, die die vorgenannten Länder nur im Wege des unmittelbaren Durchgangsverkehrs berührt, bleibt gestattet.
— In einem Ministerialerlaß betr. eine weitere Ausdehnung der Fürsorge für Tuberkulöse wird auf Grund der Feststellungen der wissenschaftlichen Deputation 'für das Medizinalwesen in Preußen die Schaffung
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Vermögens ist sicher gestellt, aber davon können wir nicht leben."
„Ich weiß," fiel ihr Karl in die Rede, „und daS be- kümmert Sie. Ich dachte . . ."
„Was dachten Sie?"
„Ich glaubte, Sie hätten anderen Stummer.* „Warum?"
„Ich will offen sein, Paula," sagte Geißler ernst. „Mir ist einmal eine Geschichte erzählt worden, ich weiß nicht, ob sie wahr ist, und diese bezieht sich auf Sie," fuhr er fort, und merkte mit Trauer, daß sie heftig zusammeu- schrak. „Es handelt sich um einen Offizier, mit dem Sie, wie die Leute wissen wollen, verlobt gewesen sind, und der vor einigen Jahren, so heißt es, plötzlich gestorben ist."
„Das haben Sie gehört," entgegnete Paula leise, „West* ter oder vielmehr: War wollen Sie eigentlich von mir wissen?"
„Trauern Sie noch um ihn?" fragte Karl und schaute ihr in die Augen.
„Sie sind in einer Beziehung falsch berichtet," entgeg- nete sie dann. „Er, von dem Sie sprechen, ist nicht gestorben, er lebt, doch unser Verlöbnis ging zurück." Und als seine Blicke zu fragen schienen: „Warum?" setzte sie hinzu: „Die Verhältnisse erlaubten es nicht. Nein," fuhr sie fort, indem sieben feinen Kopf answarf und ihm das Antlitz voll zMvandte, „einen eigentlichen, zwingenden Grund, warum unser Verhältnis gelöst wurde, gab es nicht, und das war der Stachel, der bis jetzt davon zurückgeblieben ist. Ferdinand war ein liebenswürdiger und ein guter Mensch, aber schwach, beweglich, wie die Ranke im Svm- merwiude." Sie blickte einen Augenblick vor sich hin und sagte: „Der Schlag kam unerwartet. Er mußte das stark verschuldete Gut seines Vaters übernehmen, und bei dieser Aufgabe, die die Energie eines ganzen Mannes erforderte, versagte seine Kraft. Es war ihm unmöglich, mich als einfache Landfrau darben zu sehen, so sagte er wenigstens, und ich glaubte ihm. Arbeiten konnte er nicht, selbst
besonderer H.ilstätten für Schwerkranke sowie besonderer Räume für Tuberkulöse in den allgemeinen Krankenhäusern für nötig erklärt; auch wird empfohlen, Konzessionen für Krankenhausneubauten künftig nur zu erteilen, wenn für Tuberkulöse besondere Einrichtungen nach den in den Volksheilstätten erprobten Erfahrungen getroffen we.den Die Gemeinden werden zu Aeußerungen über die bevorstehenden Anforderungen ersucht.
Ausland
— Die fortschreitende Slawisierung des deutschen Sprachgebietes in Böhmen kommt in einem vom Plenum des Landesschulrales' (deutsche und tschechische Sektion vereint) gegen die deutschen Stimmen gefaßten Beschluß zum Ausdruck, nach welchem in den Gemeinden Mal- theueru (bei Brüx) und Kosten (bei Teplitz) zwei neue tschechische Volksschulen, sogenannte „Minoritätsschulen", errichtet werden sollen. Durch solche Beschlüsse, durch welche die Deutschen im Landesschulrate inajorisiert werden, wird die nationale Teilung dieser unter dem Vorsitz des Statthalters beratenden obersten Landes- schulbehörde illusorisch gemacht. ' Die nationalen Interessen der Deutschen in Böhmen können eben nur durch die völlige Zweiteilung der gesamten Landesverwaltung dauernd gegen das Slawentum gesichert werden.
— Von einem ernsten Konflikt zwischen der russischen Duma und der Regierung meldet ein Telegramm des Wolffschen Telegraphischen Bureaus. Danach hat Ministerpräsident Stoltzpin dein Präsidenten derReichs- duma mitgeteilt, die Regierung werde unmittelbare Beziehungen zwischen der Duma und den Semstwos, weil sie ungesetzlich seien, unter keinen Umständen zulassen. Anlaß zu dieser Erklärung hat der Umstand gegeben, daß der Vorsitzende der Notstandskommission der Duma an einige Semstwos das Ersuchen gerichtet hat, ihr Berichte über die Verpflegungsrationen zur Einsicht zu überlassen.
— Ueber die Beraubung eines Petersburger Post, amts wird aus Petersburg folgendes gemeldet: Zwölf mit Revolvern bewaffnete Leute drangen in das Postamt in der Zwerinskajastraße. Sie befahlen, daß niemand sich rühren solle besetzten die Ausgänge, be- mächtigten sich des in der Kasse befindlichen Geldes im Betrage von 597 Rubeln und entflohen. Einem Beamten gelang es, 1800 Rubel dadurch zu retten, daß er sie in seiner Tasche verbarg. Wer die Uebeltätsr gewesen sind, ist unbekannt.
— Die Verstärkung der japanischen Marine wird beständig fortgesetzt. Wie das „Bureau Reuter" meldet,
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nicht für mich. AnS der glänzenden Uniform des Garde- offizierS in die Stulpstiefel des im Schweiße seines Angesichts um fein täglich Brot arbeitenden Sandmannes, vom Parkett Berliner Salons in den einsamen Gutshof, daS paßte nicht, für ihn nicht. DaS sah ich ein, gab ihm sein Wort zurück und seine Freiheit wieder.
Er wollte sie nicht nehmen, er bat, er beschwor mich, ihm treu zu bleiben und dann .. eine reiche Frau, daS war das Ende meiner Jugendliebe." Sie hattezuletzt, vielleicht ohne ihr Wissen und Wollen ein wenig bitter gesprochen.
Karl ergriff ihre Hand und drückte sie herzlich. „Ich danke Ihnen," sagte er innig, und als sie geendet hatte, fragte er: „Und nun?"
Sie lächelte eigen. „Nun bin ich still geworden und einsam. Ich will zu Martin ziehen und ihn unterstützen, so lange, bis er seine Braut heimführen kann. Freilich wird eine Zeit darüber hiugeheu, darf er doch die Hochzeit nicht eher rüsten, als bis er sich in gesicherter Stellung befindet. Ich weiß, daß er gehofft hatte, nach der Regelung des Verkaufs der pekuniären Sorgen ledig zu sein. Dar ist nicht der Fall. Helene und er, die armen Kinder, tun mir herzlich leid!" 135,18
„Paula," sagte Karl vorwurfsvoll, „Sie sprechen immer nur von den anderen, sprechen Sie doch anch von sich."
„DaS tat ich ja," gab sie ihm mit einem halben Lächeln zur Antwort. „Ich habe Ihnen meine Lebensge- schichte erzählt, von den Sorgen meines Bruders gesprochen und dabei garnicht nach Ihnen gefragt. Sie haben, ich weiß es, einen schweren Stand als Leiter der Fabrik und werden von Herzen bedauern, daß Sie Ihre sichere StellungbeimKommerzienrat Elsuer aufgegeben haben."
„Nein," entgegnete Karl, „das tue ich nicht und lverde eS niemals tun. Mein Verhältnis zu ihm ivar derartig, daß ich gern auf Sicherheit, mie Sie es nennen, verzichtete. Verzagen Sie nicht, Fräulein Paula, bie Fabrik, die einst nur Spekulation baute, soll Ihnen den Lebensunterhalt schaffen. Ich will und ich werde arbeiten für Sie . Paula."