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SWchternerZeitlmg

mit amtlichem Areisblatt.

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 28.

Samstag, den 6. April 1907.

Fortwährend

werden Bestellungen aus die

Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt

von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

dvssLLKaLS^^ finden in der Schlüchterner leööi Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auslage der im Kreise Schlüch- tem erscheinenden Zeitungen besitzt.

Nachrichtendienst des Deutschen Handwerks­und Gewerbekammertages.

Die Vergebung öffentlicher Lieferungen an Hand­werkervereinigungen, die in Deutschland von den maßgebenden amtlichen Stellen noch immer erwogen wird, hat sich in Oesterreich, wie aus einer dem Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertage auf dessen Ersuchen vom Gewerbeförderungsdienst des K. K. Handelsministeriums in Wien übermittelten, im Aprilheft desDeutschen Handwerksblattes" veröffent­lichten Uebersicht hervorgeht, bereits in erheblichem Maße eingebürgert.

So beschaffen von Staatsverwaltungen nicht allein das K. K. Reichskriegsministerium seit dem Jahre 1891 den 4, Teil des Heeresbedarfs an Fußbekleidungen im Betrage von rund 650000 Kr. und an anderen Ausrüstungsgegenständen an Leder im Betrage von rund 250000 Kr. und das K. K. Landesverteidigungs- uiinisterium den vierten Teil des jährlich rund 1250000 Kr. betragenden Bedarfes für die Landwehr durch kleingewerbliche Genossenschaften und einzelne Hand­werksmeister, sondern auch die Vewaltung der K K. Post pflegt Lieferungen von Leinentuch- und Woll- waren und Dienstmützen an Handwerkergenossenschaften zu vergeben. Außerdem vergeben die einzelnen Post­direktionen die Anfertigung von Dienstkleidern (Uni­formen, Blusen, Mäntel usw.) und Schuhen an Hand­werkergenossenschaften.

Sehr beträchtlich ist die Beteiligung des Kleinge­werbes an Lieferungen für die Landesverwaltungen, am ausgiebigsten in Niederösterreich, wo der gesamte ziemlich umfangreiche Bedarf der Landes-Wohltätig- keitsanstalten an Schuhen, Kleidern, Wäsche, Möbeln,

Tapeziererwaren, Korbflechtwaren und Weberwaren durch Kleingewerbetreibende gedeckt wird. Auch bei der Herstellung von Bauten finden konkurrenzfähige Genossenschaften z. B.Schlosferinnungen Berücksichtigung.

Ferner kommt ein Teil der Gemeindelieferungen dem Kleingewerbe zugute, namentlich lassen größere Gemeinden Bedarfsartikel auch durch Handwerkerver- emignngen Her-stellen. So werden in Wien gegenwärtig die Uniformen für die Straßenbahnbediensteten und die Gemeindediener, sowie der städtische Bedarf an Schuhen und an Sattlerwaren von den betreffenden Fachinnungen, die die ihnen übertragenen Arbeiten wieder unter ihre Mitglieder, namentlich unter Inhaber kleinerer und mittlerer Betriebe verteilen, geliefert.

Deutsches Reich.

Prinz Oskar soll im Herbst ds. Js. für zwei Semester die Harvard-Universität in Cambridge beziehen. Begleiten wird ihn ein höherer Offizier.

Durch allerhöchste Entschließung ist der bayerische Landtag aufgelöst worden. Die Neuwahlen sind aus den 31. Mai festgesetzt.

Der bekannte freikonservative Reichstags- und Landtagsabgeordnete Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Gamp ist in den Adelsstand erhoben und ihm zugleich der Freiherrntitel verliehen worden. Geheimrat Gamp ist Besitzer des Fideikommisses Mafsaunen in der Pro­vinz Ostpreußen.

Zur Bekämpfung des Schulstreiks in der Ost­mark hat der preußische Kultusminister Dr. 0. Studt wiederum die Anwendung einer neuen Zwangsmeihode verfügt. Allen Schulgemeinden, in denen unvermindert der Schulstreik sortdauert, ist nämlich der ihr bisher gewährte Staatsbeitrag vom 1. April ab entzogen worden. Es kommen etwa 40 Schulgemeinden in Be­tracht. Die Folge davon ist, daß zur Beschaffung der Mittel für die Bestreitung der erforderlichen Schulaus­gaben die Schulsteuern ganz erheblich hinaufgesetzt werden müssen

Ein Beispiel des polnischen Terrorismus bringt das Berliner Polenblatt, das eine schwarze Liste der­jenigen Berliner Polen, welche ihre Kinder unter Ver­zicht auf eine besondere polnische Ansprache gemeinsam mit den Kindern ihrer deutschen Glaubensgenossen zur ersten Kommunion geschickt haben, veröffentlicht. Von Interesse ist dabei, daß an der Spitze der alsschlechte Polen" Gebrandmarkten der frühere Führer der Ber­liner Polenbewegung, Wrobel, steht, der selbst mehrere Jahre hindurch Herausgeber und leitender Redakteur

58. Jahrgang.

«WWRKraBMHM«^ desDziennik Beclinski" gewesen ist. Nur 14 Polen­kinder sind in der Piusgemeinde nicht zur heiligen Kommunion erschienen, weil für sie keine besondere polnische Ansprache gehalten wurde.

Die Generalaussperrung im deutschen Schneider- gewerbe ist in Kraft getreten. Wie in einer Versamm­lung der streikenden und ansgesperrten Berliner Herren- maßschneidec mitgeteilt wurde, würden sich genaue Feststellungen über den Umfang der Aussperrung erst nach Ostern machen lassen. Der christliche Schneider­verband (Sitz Köln) und der Hirsch - Dunckersche Gewerkverein (Sitz Potsdam) hätten dem Verbands­vorstand mitgeteilt, daß sie gleichfalls das Ultimatum der Arbeitgeber ablehnen und sich auf denselbenStandpunkt stellen wie der freie Verband. Der Kampf sei jetzt ans einer Lohnbewegung zu einem Machtkampf geworden und werde voraussichtlich von längerer Dauer sein. Die Tarife beider Organisationen kämen jetzt gar nicht mehr in Frage.

Der Justizminister hat eine Verfügung über das Verfahren bei Strafanfragen von Ersatzbehörden erlassen. Darin wirb darauf hingewiesen, daß nach einer Mitteilung des Kriegsministers wiederholt militär­pflichtige Personen, denen Strafaufschub auf Grund des Erlasses vom 23. Oktober 1895 bewilligt war, ent­gegen der Vorschrift des § 18 des Reichsmilitärgesetzes vom 2. Mai 1874 in das Heer eingestellt worden sind, weil die Ersatzbehörden von dem Strafaufschub keine Kenntnis hatten. Zur Vermeidung solcher Einstellung ist künftig den Ersatzbehörden auf Strafanfragen außer den. Bestrafungen auch die Bewilligung eines Straf« aufschubes von der Strafregisterbehörde nlitzuteilen.

Durch eine Verfügung des Kriegsministeriums sind die Betriebe der Heeresverwaltung, u. a. also die Proviantämter, die Armee-Konservenfabrik, die Be­kleidungsämter und die Garnison« und Lazarett-Ver­waltungen angewiesen, den bei ihnen dauernd beschäftigten Arbeitern künftighin unter Fortzahlung des Lohnes alljährlich einen Erholungsurlaub zu bewilligen. Für Arbeiter, die 7 Jahre lang im Betriebe beschäftigt sind, soll dieser Urlaub 4 Tage, für die 10 Jahre und länger Beschäftigten 7 Tage betragen.

Ausland

Das spanische Regiment Numanieia, dessen Ehrenoberst der deutsche Kaiser ist, beging in Barcelona die Feier seines 200jährigen Bestehens. Kaiser Wilhelm ließ dem Regiment durch einen seiner Flügeladjutanten sein Bildnis überreichen.

Iaksche Arermde.

Roman von Elwin Starck. 56

Karl lächelte. Es freute ihn, daß es Beziehungen zwi­schen ihm und ihr gab, daß sie, wie sie sich auSdrückte, zu­sammen gehörten. Er sagte es ihr, wobei über ihre Züge ein leises Rot huschte.

Eigentlich sollte mich Ihr AuSspruch bekümmern, gän- diges Fräulein," meinte er dann.Aller Anfang ist schwer, und jedes neue Unternehmen hat mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die je nachdem leichterer oder schwererer Art sind. Auch unsere Fabrik hat dergleichen zu überstehen. Sieh da! Ihr Herr Bruder."

Martin war indem Augenblick über die Schloelle ge­treten, er sah blaß und erregt ans, und Paula merkte sogleich, daß ihn: irgend etwas Unangenehmes begegnet [ein müsse.

»Was hast Du, Martin?" rief sie.

Er aber umging die Frage und wandte sich an den Gast:Gut, daß ich Sie treffe, Herr Geißler," begrüßte er Karl,so kaun ich Ihnen sogleich das Weiteste mittei- lem Oder haben Sie etwa auch schon erfahren?"

WaS meinen Sie, Herr von Wahlenburg?"

Also Sie wissen es nicht? Ihr sauberer Herr Möller hat nämlich die Elsuersche Fabrik übernommen. Eine schöne Geschichte. Die Aktien fallen rapide, selbstverständlich, der Herr Direktor hat kein Interesse daran, sie auf normaler Höye zu halten. Viel fehlt nicht, dann können wir betteln gehen."

Karl war aufgesprungen.Möller hat die ElSnersche Fabrrk erworben, also das ist Tatsache!" rief er.Mir wurde die Nachricht allerdings schon unter der Hand mit'

«t, doch ich wollte sie nicht ohne Bestätigung glan- ven. Daß es Toni Möller war, die ihm jene Mitteilung gemacht hatte, verschwieg er selbstverständlich.

Paula starrte den Bruder mit entsetzten Augen an.Mar­tin sprichst Du wahr ?" jammerte sie.Um alles in der Welt,

was beabsichtigt Möller, daß er diese Fabrik übernimmt und seiner ersten Gründung gleichsam Konkurrenz macht?"

Was? Kind, das ist klar genug. Er will Geld verdie­nen, auf welche Weise ist schließlich gleichgültig. Die Eis- nersche Fabrik ist die ältere und hat insofern besseren Klang, als die neue Gründung. Und Möller, hat in der Geschäftswelt genug Verbindungen, um sich für die Er- zeuguisse seiner Fabrikate, sofern er daran interessiert ist, reiches Absatzgebiet zu sichern. Es steht schlecht mit uns, bester Geißler, soviel ist sicher."

Es steht allerdings nicht gut," meinte Karl,allein es ist noch kein Grund zum Verzweifeln vorhanden. Ein Jahr, oder vielleicht ein paar können freilich vergehen, ehe wir Erfolg haben werden, aber dann . . ."

Und wenn er dann noch nicht kommt?"

Geißler schüttelte Martin die Hand und tröstete:Ich glaube ganz bestimmt, daß er nicht ausbleiben wird."

Martin und Geißler rückten zusammen und besprachen geschäftliche Angelegenheiten.

Paula ging ab und zu, stellte eine Flasche Wein und eine Schale mit Früchte» auf den Tisch und bat die Her­ren zuzugreifen.

Der Garten verwildert," klagte sie,auf den Beeten schießt das Unkraut üppig empor, und auf den Wegen wuchert Gras. Ich kann der Verwüstung leidbr nicht Ein­halt gebieten, und Direktor Möller läßt den Dingen freien Lauf. Das Dienstpersonal ist sämtlich entlassen worden, ich wirtschafte mit einem einzigen Mädchen, das im Hause mehr denn zuviel Arbeit findet."

Martin hatte nach den Postsachen gefragt, die während seiner Abwesenheit eingelaufen waren, und ging ans Fen­ster, um sie in Ruhe zu lesen.

Was wird aus diesem Hause?" wandte sich Karl an Paula.Sie hätten es, ehe der GutS-Berkauf abgeschlossen war, für sich zurückbehalten sollen."

»Dem Ansinnen hätte der Direktor sicherlich Schwierig­

keiten in den Weg gelegt, er wäre, wie ich ihn kenne, nicht darauf eiugegangen," meinte Fräulein von Wahlenburg, und ich glaube auch nicht, daß uns das Leben hierauf die Länge der Zeit behagt hätte. Jenseits des Dorfes wird der Boden als Banterrain verkauft, Villen und Arbeits­häuser schießen wie Pilze aus der Erde."

Aber wer wird das Haus bewohnen?" meinte Karl. Ich glaube nicht, daß Möller die Absicht hat, eS für sich einzurichten."

Natürlich nicht. Für eine Existenz wie die feinige ist der einzig richtige Boden Berlin, und Erholung kann ein Mann wie Möller auch nur in einem Luxusbade finden."

Martin hatte unterdes seine Lektüre beendet, er war blaß, als er der Schwester einen Brief einhändigte.

Da lies," sagte er; Paula entfaltete das Blatt.

Möller teilte den Geschwistern in diesem Schreiben mit, daß er sie bäte, das Haus zu räumen, da er es einer städti- schenBlindenanstaltüberwiesen habe, die hierein Som­merheim für ihre Kranken gründen würde.

Geißler war aufs höchste überrascht.

Nun wird ergar wohltätig," riefersarkastisch.Sicher- lich fahndet er auf Orden oder Titel. Warum blicken Sie mich so vorwurfsvoll an, Fräulein Paula? Ein Mann wie Möller teilt nicht ohne Grund fürstliche Geschenke aus und läßt sich die Gelegenheit entgehen, mit einem alten Her­rensitz ein feines Geschäft zu machen."

Spotten Sie nicht," sagte Paula.Ich muß gestehen, daß mir die Blindenanstalt ein lieber Gedanke ist. Es hätte mich traurig gestimmt, wenn mit dem alten Hause Scha­cher getrieben worben wäre,nun kaun ich an die, die eS nach uns bewohnen werden, ohne Bitterkeit denken. Jedes häßliche oder unangenehme Gefühl bringt das Unglück der armen Geschöpfe zum Schweigen. Wirklich, wenn mich irgend etwas gewissermaßen mit Möller versöhnen kann, so ist es diese Tat."

Und doch ist sein Geschenk an die Anstalt nur Mittel zum Zipeck," meinte Karl, 135,18