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mit amtlichem Kreisblatt

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten dir kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 30. März 1907.

58. Jahrgang.

Erstes Blatt.

Ostern!

Nun lacht uns wieder in hellgoldenem Schein

Die Sonne vom Himmel entgegen, Und ruft zum Erwachen, was starr war und tot Auf Fluren, an Rainen und Wegen.

Nun ziehet aufs neue die Hoffnung ins Herz Bannt Trübsal und Kummer und Sorgen, Aus finsterer Nacht steigt zum Lichte empor Ein herrlicher, köstlicher Morgen.

Vom ehernen Munde der Glocken gegrüßt, Gegrüßt rings von frommen Gesängen, Von Blüten und Blumen, die schüchtern und leis Hervor aus dem Schlafe sich drängen, Gegrüßt mit dem Gruße, so heilig und hehr Den Völkern in jeglichen Landen, Da Ostern aufs neue beschieden der Welt: Der Herr ist wahrhaftig erstanden!

Nun richte von Gräbern und Grüften den Blick, Und wandle in Freude die Schmerzen, Besiegt ist der Tod und die finstere Macht, Vom Leide sind ledig die Herzen.

Und wie durch die Fluren, vom Eise befreit Zieht rings nun ein Brausen und Wehen, So giebts auch für dich, schließt dein Auge sich müd', Einst ein herrliches Auferstehen.

So sei uns willkommen, du seliges Fest, Gegrüßt uns, du Lenz voller Wonne, So zieh in die Brust, in die frohe uns ein Im strahlenden Glänze der Sonne.

Und wo in Palästen, in Hütte und Hans Die Menschen sich deiner erfreuen, Da mögest du Segen und Frieden und Glück Und göttliche Liebe ausstreuen.

Es jubelns die Sänger da draußen im Hain, Es singens die murmelnden Quellen, Es preisens die Knospen, die allüberall An Bäumen und Sträuchern jetzt schwellen. Die Blumen, sie kündens in Garten und Feld Den Völkern in jeglichen Landen: Aufs neue ward Ostern beschieden der Welt, Der Herr ist wahrhaftig erstanden! M. L.

Aalsche Irennds.

Roman von Elwin Starck. 52

Uebrigens zeigte sich Direktor Möller während der Trauerzeit den Geschwistern Wahlenburg gegenüber als die Güte und Liebenswürdigkeit selbst. Er hatte sie gebe­ten, daS Hans vorläufig als das ihre zu betrachte» und zu bewohnen, und mit dein Mieten des neuen Quartiers sich in keiner Weise zu beeilen, ein Anerbieten, daS gern angenommen wurde, da Martins Habilitierung an der Universität Berlin erst im Sommersemester stattfand.

Möller empfing den jungen Baron, der infolge all die­ser geschäftlichen Angelegenheiten häufig bei ihm vorsprach, stets mit ausgesuchter Höflichkeit, eiuer Höflichkeit, die Mar­tin zuweilen in Erstaunen setzte. Wo soll das hinaus? dachte er, und siehe da! Eines Tages ward ihin der Grund all dieser Aufmerksamkeiten klar. Toni, Toni! . . Lieber Himmel, daß er auch nicht eher auf diesen Gedanken ge- kommen war. Möller vertraute ihn, im Geheimen an, daß ihre Mitgift sicher gestellt, und für sie und den Gatten ein hübsches Sümmchen abwerfen würde.

Als Antwort darauf erzählte Martin seine Verlobung mit Helene, und daß nur die Trauer um den Tod des Vaters die Veröffentlichung verschoben habe. Der Direk­tor lächelte und wünschte ihm Glück, und nun war der junge Baron für ihn abgetan.

Bald darauf wurde der Verkauf von Wäldau gericht­lich Perfekt. Martin nahm die Aktien in Empfang, mit der Absicht, sie baldigst gegen andere umzusetzen. Allein, da die Papiere jetzt plötzlich fielen, wollte er einen günstigeren Zeitpunkt abwarten.

* ,

Seitdem Baron Wahlenburg das Möllersche HauS nicht mehr betrat, ging dort ein anderer Gast einund auS: In- genieur Kleinau.

Toni beobachtete die Intimität und wußte, was ihr bevorstand. Kleinau und Geißler, der Unterschied war zu «roß Geißler, der stattliche Mann, der bei allem, was

Ostern.

Ostern, Ostern, Frühlingswehen, Ostern, Ostern, Auferstehen

Aus der tiefen Grabesnacht;

Blumen sollen fröhlich blühen,

Herzen sollen heimlich glühen,

Denn der Heiland ist erwacht!

Man kann sich das Osterfest nicht gut ohne Glocken und ohne Lieder denken. Osterglocken und Engels­gesang sind es, die dem am Leben und an seiner Kunst verzweifelnden Goetheschen Faust den Giftpokal von den Lippen wegziehen. Von der Herrnhuter Brüder­gemeine ist die Sitte ausgegangen, beim Tagesanbruch des Ostermorgens auf den Friedhöfen Auferstehungs­lieder anzustimmen. Der deutschen Dichterwald sonder­lich, von Luther bis Paul Gerhardt bis Schenkendorf, von dem die vorangestellten Zeilen stammen, hallt wider von Ostergesängen.

Das liegt im Wesen des heutigen Festes begründet. Ein Mensch, auf dem ein Druck lastet, kann nicht gut singen. Die befreite Brust aber macht sich in Liedern Lust. Unsere Kinder, die mit dem Kuckuk um die Wette rufen, ermuntern sich gegenseitig:Lasset uns singen, tanzen und springen, Frühling, Frühling, wird es nun bald." Wir haben in diesem Jahre lange warten müs« sen, bis das Eis des harten Winters endlich brach. Nun atmen wir um so dankbarer die warme, würzige Frühlingsluft ein und haben ein neues Verständnis für das, was man je vom Lenze sang.

Die Auferstehung Jesu bedeutet auch den Anfang eines Frühlings. Wie ein schwerer Alp lag die kalte Hand des Todes auf der Menschheit, bis das befreiende Wort laut wurde:Der Herr ist auferstanden",Er ist wahrhaftig auferstanden". Das gesprengte Siegel am Felsengrab besiegelt nicht bloß das Lebenswerk Jesu, sondern sichert auch das Leben der Menschen, die nicht mehr Knechte des Todes, sondern Brüder des Lebendigen sind.

Man hat dasewige Leben" schmählich gekürzt, ioenn man es auf das Jenseits verschob. Jesus weiß ganz Anders davon. Wo Gotteserkenntnis ist, da hat das Leben begonnen, das nicht sterben kann. Wo Gemeinschaft mit dem Ewigen ist, da ist die Grabes­kluft überbrückt. Es gibt Menschen, die vor lauter Todesfurcht das Leben nicht sehen. Ostern will uns dazu helfen, daß wir den Tod vor lauter Leben nicht mehr sehen.

er tat, seine eigene kraftvolle Persönlichkeit zur Geltung brächte, und daneben Kleinau, geschmeidig, höflich, liebens­würdig und doch auf den hübschen Zügen daS untrügliche Zeichen der Verlebtheit. Ihr schauderte davor, diesem Manne ihr Selbst zum Opfer zu bringen, und Möller be- obachtete unwillig, daß sie sich seinem Günstling so wenig entgegenkommend zeigte.

Warum so unnahbar, Toni?" fragte er.Ich habe Dir meine Wünsche sehr deutlich mitgeteilt. Kleinau weiß, daß ich ihm wohl will. Sei nicht so spröde ihm gegen- über, über kurz oder lang werde ich Deine Verlobung ver­öffentlichen."

Was zieht Sie zu Kleinau?" fragte dann wohl Toni. Was soll er Ihnen? Was planen Sie?" Und Direktor Möller pflegte darauf diplomatisch die Achseln zu zucken.

Toni, Du bist ein kluges, ein sehr kluges Mädchen," meinte er,Du wächst mir noch über den Kopf." Oder er streichelte ihr väterlich-zärtlich die Wangen und trö- stete dabei:Kleinau wird Karriere machen, dafür laß mich nur sorgen. Schade, Baronin Wahlenburg klänge so übel nicht, doch es sollte nicht sein. Waö ist der Mann am Ende? Nichts weiter, als eiu simpler Gelehrter, der sich recht und schlecht durchstümpern muß."

Tonihorchte auf.Wie geht denn die Fabrik ?" fragte sie.

O gut, ich denke wenigstens. Die Aktien sind bereits sämtlich in KurS gesetzt, und somit geht mich die Sache nichts weiter an. Geißler soll, wie ich höre Tag und Nacht arbeiten, um die Sache in Gang zu bringen. Arbeiten kann er, aber weiter nichts, da ist Kleinau ein ganz anderer Kerl. Er versteht es, rücksichtslos seine Interessen ohne jeden sentimentalen Beigeschmack zur Geltung zu bringen. Das ist mein Mann! Ihm steht, tuenu mich nicht alle» trügt, eine große Zukunft bevor.

Er lächelte, und Toni wurde nachdenklich.

Als Kleinau erschien, empfing sie ihn liebenswürdiger und zuvorkommender denn sonst, erkundigte sich eingehend nach seiner Tätigkeit und der Elsnerschen Fabrik. Nun I

Deutsches Reich.

Prinz Heinrich von Preußen übernimmt erst am 21. April wieder den Befehl über die Hochseeflotte Der Kaiser hat den Urlaub um 14 Tage verlängert, daniit der Prinz in Algeciras von den Nachwirkungen der Influenza völlig befreit werde. Der Flottenchef tritt Anfang Mai die erste große Verbandsübungsfahrt an.

Graf Posadowsky legt, wie derVoss. Ztg." mitgeteilt, wird, Wert darauf, festzustellen, daß er die ihm zugeschriebene Aeußerung, die Reichstagsauflösung sei eine unüberlegte Handlung gewesen, weder dem Abgeordneten Trtmborn noch sonst irgend wem gegen­über getan habe. Schade, so bemerkt dieVoss. Ztg." dazu, daß Graf Posadowsky nicht auch Wert darauf legt, festzustellen, wie er über die Reichstagsauflösung gedacht hat.

Der Reichstagsabgeordnete Prinz v. Arenberg ist am vergangenen Montag vormittag gestorben.

In Krefeld ist der bekannte Zentrumsabgeordnete Prinz von Arenberg gestorben, der schon seit einiger Zeit hoffnungslos daruiederlag. Er ist das erste Mit­glied des neuen Reichstags, das der Tod dahingerafft hat. Er war im Zentrum einer der wenigen, welche die kolonialen Fragen sachlich und ohne Voreingenommen- yeit prüften und auf Grund tatsächlicher Vertiefung ein Urteil fällten. Ihm mag die neue Richtung im Zent­rum, wie sie Erzberger und Gröber repräsentieren, nicht minder widerwärtig gewesen sein wie den nationalen Parteien. Die Szenen vor der Reichstagsauflösung hat er nicht mehr mitgemacht; wenn er aber zugegen­gewesen wäre, hätte er sicher alles versucht, sie zu verhindern. Der Tod des Prinzen Arenberg bedingt eine Ersatzwahl im Reichstagswahlkreise Malmedy- Montjnie-Schleiden. Bei der letzten Wahl erhielt Prinz Arenberg 17 418 Stimmen, während die sämtlichen Gegenkandioaten nur etwa 1100 Stimmen auf sich ver­einigten. Uebrigens war Prinz Arenberg auch preußischer Landtagsabgeordneter für Malmedy, und zwar schon seit 18«2, während er den Wahlkreis im Reichstage erst seit 1890 vertrat.

In Hamburg sind verschiedentlich Ausschreitungen ausständiger Schauerleute gegen Arbeitswillige vorge­kommen, wobei ein englischer Arbeitswilliger schwer verletzt wurde. Bei der Neberführung nach dem Hannoverschen Bahnhof wurde ein mit Arbeitswilligen besetzter Waggon mit Steinen bombardiert, wobei die Fenster des Waggons zertrümmert wurden. Einige Verhaftungen wurden vorgenommen.

erfuhr auch Toni, weshalb Kleinau so besonders vom Di. rektor bevorzugt wurde.

Am nächsten Tage beurlaubte sie wieder einmal ihre Gesellschafterin und ging, was sie jetzt häufig tat, allein aus. Als sie zurückkehrte, war eS bereits dunkel gewor- den. Herr Kleinau, so meldete daS Mädchen, da» ihr öff- nete, sei im Salon beim Herrn Direktor; beide Herren hätten bereits mehrmals nach ihr gefragt.

Sie machte ein wenig Toilette, vertauschte ihr Stra- ßenkleid mit einem hellen Kostüm und ging dann in den Salon.

Wo bist Du gewesen, Toni?" fragte der Direktor. Herr Kleinau wartet bereits drei volle Stunden auf Dich - er wollte Dich sprechen und glaubte jeden Augenblick, Du würdest zurückkommen. So half ich ihm dieZeit vertreiben."

Kleinau im schwarzen GesellschaftSanzuge und weißer Binde sah ungemein feierlich aus, Toni ahnte, daß er ihret- wegen gekommen sei. Und nun verkündete der Direktor in wohlgesetzten Worten, daß Kleinau um ihre Hand ange- halten habe, wie der junge Mann bestimmt hoffe, ihrer Neigung sicher zu sein, eine Meinung, die er, Möller, nach bestem Wissen bestätigen könne.

Toni ließ den Wortschwall ruhig über sich ergeben. Schon letzt?" dachte sie. Der Antrag überraschte sie wei- ter nicht, allein sie hatte gehofft, den Zeitpunkt dafür ein wenig huiausschieben zu können. Nach wenigen Sekunden Ueberlegung jedoch war ihr Entschluß gefaßt. Sie bat um acht Tage Bedenkzeit, eine Bedingung, die ihr Möller mit eiiieur hämischen Seitenblicke zugestand. In seinen Augen gab es für sie doch kein Entrinnen mehr.

Ingenieur Geißler oder derHerr Direktor", wie Karl letzt als Leiter der Fabrik genannt wurde, saß in seinem Arbeitszimmer, er hatte jetzt seine Wohnung auf unbe­stimmte Zeit nach Waldau verlegt, und studierte die Rech- nungsbücher. Die Lektüre war nicht erfreulicher Art seine Stirne verdüsterte sich merklich^ 1'35 ig