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SchlüchternerZeitung

mit amtlichem^Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblätt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

32 22. Samstag, den 16. März 1907. 58. Jahrgang.

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Die im 58. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.

W * TTM + nnli-HnnliiTn n daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der

11p p P1wolle dieselbe so bald wie möglich beiden, betreffenden Vostamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen ||| ]||| 11I fillll II llll Postabonnenten, welche bis spätestens 28. März unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, vuiuii MlUUUUUlj daß ihnen unsere Zeitung vom 1. April ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. April. 1907 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

dir Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Amtliches.

J.-Nr. 1190 K. A. Dem Kreis stehen für 1907 einige Freistellen in der Kinderheilanstalt Orb zur Verfügung.

Anträge auf Gewährung einer Freistelle sind bis spätestens 1. April er. hierher einzureichen.

Schlüchtern, den 14. März 1907.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Valentiner.

Diebstahl von vertraulichen Briefen im Motten-Perein.

Nachstehende Mitteilung ist allen Haupt-Ausschüssen des Deutschen Flotten-Vereins und einem Teil der Presse bereits zugegangen.

DerBayrische Kurier" veröffentlichte am 4. Feb. d. J. am Tage vor den letzten Stichwahlen Schriftstücke und Briefe, die in den Räumen der Präsidial-Geschäftsstelle des Deutschen Flotten-Vereins, Berlin, Wilhelmstraße 130, unter Verschluß aufbewahrt wurden. Es sind der Mehrzahl nach Privatb/iefe, welche sämtlich den VermerkVertraulich" trugen. In welchem Umfange Originale entwendet wurden, läßt sich vorläufig nicht feststellen. Von den meisten im Bayrischen Kurier" veröffentlichten Briefen befinden sich jedoch die Konzepte hier, so daß in diesen Fällen nur Abschriften genommen worden sind.

Was die bis jetzt ermittelten näheren Umstände der Entwendung betrifft, so deuten dieselben auf schweren Diebstahl. Jedenfalls ist hierbei systematische Arbeit geleistet worden, welche genaue und längere Vorbe­reitungen erheischte. Allein schon die Abschrift der im Bayrischen Kurier" veröffentlichten Schriftstücke und er schreibt, daß er nochBerge" solcher besitze erforderte sehr viel Zeit.

Es ist denn auch festgestellt worden, daß von Mitte bis Ende Januar in mehreren Nachten Diebe in den verschlossenen Räumen der Präsidial-Geschäftsstelle tätig gewesen sind.

Die Angelegenheit ist der Königlichen Staats­anwaltschaft zur weiteren Veranlassung übergeben worden.

Ein Briefwechsel mit dem Herrn Reichskanzler, wie in verschiedenen Blättern irrtümlich angegeben, hat von der Präsidial-Geschäftsstelle aus, auch in privater Form, nicht stattgeiunden.

Im Anschluß an vorstehendes sei noch folgendes bemerkt:

Einige Preßorgane haben aus einer Privat- korrespondenz zwischen einem Mitglied des Präsidiums und einem Mitglied des Flotten-Vereins den Schluß zu ziehen versucht, als ob jenes Präsidialmit^lied einem Vorschlag zugestimmt hätte, welcher die Sozialdemokratie bei der Stichwahl auch nur indirekt unterstützen sollte.

Diese Preßäußerungen entbehren jeder Berechtigung. Die Sozialdemokratie wird in jenem Antwortschreiben des Präsidialmitgliedes, welches der'Bayrische Kurier" außerdem verstümmelt wiedergibt, mit keinem Worte erwähnt.

Deutsches Reich.

Am vergangenen Sonntag Vormittag gegen 11 Uhr trafen in zwei Automobilen und zwei Hof- Equipagen der Kaiser und die Kaiserin sowie der Kron­prinz und die Prinzessin Viktoria Louise an dem Denkmal der Königin Louise im Tiergarten ein und besichtigten den herrlichen Blumenschmuck, der anläßlich des Geburtstages der Königin Louise an ihrem Denk­mal aufgebaut war. Vom Louisen-Denkmal begaben sich sdie hohen Herrschaften auch nach dem gegenüber liegenden Derkmal König Friedrich Wilhelm III. und traten dann die Rückfahrt nach dem Schlofft an.

Der Reichstag verhandelte am vergangenen

Sonnabend die Zentrumsinterpellation über das sozial­politische Programm der Regierung, die vom Staats­sekretär Grafen Posadowsky sofort beantwortet wurde. Er legte energisch für die Fortführung der Sozialpoliiik durch die Regierung Zeugnis ab. Aber mit der Ueber- schüttung der Regierung mit Anträgen sei es nicht getan; wenn man praktische Sozialpolitik treiben und vorwärts kommen wolle, so müsse man einige wenige große Aufgaben herausgreifen und sich mit diesen ernst­haft beschäftigen. Der Staatssekretär machte sodann Mitteilungen über verschiedene in Vorbereitung befind­liche Gesetze. In der weiteren Diskussion sprachen sich die Redner der verschiedenen Parteien gleichfalls für Fortführung der Sozialpolitik aus, wobei allerdings für die Praxis die Wünsche mehrfach auseinandergingen. Ani vergangenen Montag wurde die Besprechung der Interpellation fortgesetzt. Bei einer Rede des Abg. v. Dirksen (Rp.) versuchten die Sozialdemokraten, den Redner durch wüsten Lärm zu stören. Abg. Korfanty (Pole) wurde wegen seiner Ausfälle gegen den Fürsten Bülow und dessen Polenpolitik zur Ordnung gerufen. Abg. Pauli-Potsdam (dkons.) rückte den Sozialdemo­kraten auf den Leib und brach mutig eine Lanze für den Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Damit war die Interpellation erledigt.

Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am ver­gangenen Sonnabend die Beratung des Eisenbahneiats bei dein KapitelZugverbindungen" fort. Minister Breitenbach sagte eine sorgfältige Prüfung der zahlreich vorgebrachten Wünsche zu und stellte eine Besserstellung der Betriebssekretäre gelegentlich der Revision der Be­amtengehälter in Aussicht. Schließlich nahm er auf eine Bemerkung des Abg. v. Bockelberg (fonf.) noch Veranlassung zu erklären, daß er sozialdemokratische Agitation unter der in seiner Verwaltung stehenden Arbeiterschaft nicht dulde. Im übrigen wies er auf die vielen Verbesserungen hin, die den Unterbeamten und Arbeitern bereits zugute gekommen sind. Am Montag versagte zunächst das Haus dem Anträge der Geschäftsordnungskommission entsprechend die Genehmig ung zur strafrechtlichen Verfolgung einiger sozialdemo­kratischer Redakteure wegen Beleidigung des Hauses. Dann wurde die Beratung des Eisenbahnetats fort­gesetzt, bei der von allen Seiten Wünsche auf Besfer- stellung von Beamtenkategorien vorgebracht wurden.

Wegen Aufforderung zum Schulstreik und Ver­letzung des Kanzelparapraphen hat die Strafkammer zu Schrimm den Propst Okoniewski zu sechs Monaten Gefängnis und den Vikar Budarzewski zu vier Wochen Gefängnis verurteilt,

Ausland

Als erster Delegierter Deutschlands auf der zweiten Haager Konferenz ist der Botschafter in Konstantinopel, Frhr. Marschall v. Bieberstein, in Aus­sicht genommen.

Der Stand der österreichisck-ungarischen Aus­gleichsverhandlungen wird nach offiziöser Meldung in Budapest als günstig bezeichnet. Bezüglich der indirekten Steuern auf Zucker, Spiritus, Bier nnd Petroleum ist, wie derPester Lloyd" meldet, grundsätzlich eine ge­trennte Verwaltung ausgesprochen; in welcher Weise die Verzollung der eingeführten Produkte bei dem Ein- tritt über die Grenze des andern Staates durchgeführt werden soll, ist noch unbestimmt, ebenso liegt noch nichts Authentisches darüber vor, ob der Ausgleich auf eine längere Dauer als bis 1917 abgeschlossen werden wird.

Die terroristischen Verbrechen in Rußland nehmen kein Ende. In Kutais (Transkaukasien) wurden gegen einen Wagen, in dem ein Renteikassierer in Begleitung von einem andern Renteibeamten und zwei Polizei­

beamten einen Geldtransport ausführte, von Unbekannten drei Bomben geworfen und mehrere Revolverschüsse abgeseuert. Der Renteibeamte, der Kutscher, und beide Polizeibeamte sind getötet, der Kassierer und vier andere Personen verwundet. Das Geld im Betrage von 15 000 Rubeln wurde geraubt; die Täter sind ent­kommen.

Aus Sofia kommt die Kunde von der Ermordung des bulgarischen Ministerpräsidenten Petkow, der, als er mit den übrigen Ministern im Borisgarten zu Sofia promenierte, von einem entlassenen Beamten durch drei Revolverschüsse getötet wurde. Der Handels­minister Genadjew wurde ant Arm verwundet. Die Tat scheint ein Racheakt gewesen zu sein.

Ein Sieg der Truppen des Sultans in Marokko wird aus Tanger gemeldet. In einem Gefechte gegen die Beni Äros trieb die Mahallah die Aufständischen vor sich her, verbrannte sieben Dörfer und zog sich dann in ihr Feldlager zurück. Von den Aufrührern sind 20 Mann gefallen, mehrere wurden gefangen. Raisuli befinde! sich nicht bei den Aufständischen. Er soll sich nach Taziront geflüchtet haben.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 15. März 1907'

* Der Name des morgigen Sonntags Judika ist dem Anfänge des 43. Psalms entnommen. Judika heißt: Richte! Gott ist der höchste Richter und deshalb mahnt der Heiland in der Bergpredigt:Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet". Damit ist das lieblose Aburteilen der Menschen untereinander gemeint, das schon so manches Unheil angerichtet hat, das falsche und kalte Siabbrechen über vermeintliche Fehler und Gebrechen Anderer, das Sehen des Splitters i n Auge des Nächsten, während man des Balkens im eigenen Auge nicht gewahr wird. Möge drum ein jeder Gut­gesinnte an seinem Teile mitarbeiten zur Bekämpfung dieses Schadens an der Seele unseres Volkes, der Sonntag Judika erinnert an diese Pflicht, indem er uns mit Allgewalt darauf hinweist, daß Gott die Liebe ist und wir Gottes Kinder heißen sollen.

* Herr Kantor Allvater in Heubach tritt mit dem ersten April in den wohlverdienten Ruhestand. Herr Altvater wirkt in Heubach seit dem 16. April 1868 und sieht überhaupt auf eine 45jährige Amts­tätigkeit zurück.

* Die durch den Tod des Herrn Lehrers Wissenbach in Hütten frei gewordene 1. Lehrerstelle wurde Herrn Lehrer Heinrich Groh übertragen.

* Die vakanten Lehrerstellen im Kreise Schlüchtern sind fast alle wieder besetzt. Die Zahl der unbesetzten Lehrerstellen in Preußen beträgt rund 3000. Dazu sind noch etwa 10000 Schulen überfüllt. Um über- füllte Schulen kennen zu lernen, in denen ein Lehrer- mehr als 100 Kinder unterrichten muß, braucht man aber nicht nach Ostpreußen oder auf den Westerwald zu gehen.

* Herr Seminar-Musiklehrer Ferreau wird vom l. Mai ab auf seinen Wunsch nach Dillenburg versetzt.

* Der Kreiskriegerverband Schlüchtern verzeichnet nach Eingang der Jahresrapporte wieder eine Erhöhung der Mitgliederzahl. Den 33 Vereinen desselben ge­hören nunmehr 1950 Kameraden, darunter 288 Kriegs- veteranen an, sodaß nach Neugründung eines Vereins in Breunings und durch Anwachsen des Vereins in Sterbsritz der Verband noch vor Ablauf dieses Jahres die Zahl 2000 überschreiten dürfte. Die Vereine besitzen insgesamt ein Vereinsvermögen von 20916 Mk. und zählen zum Teil jährlich namhafte Unter­stützungen an bedürftige Kameraden. Außerdem sind sämtliche Mitglieder den Unterst ützungskaffm des Deutschen Kriegerbundes und Kurhesf. Kriegerbundes