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mit amtlichem Kreisblatt.

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. ~ Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

Mittwoch, den 13. März 1907.

58. Jahrgang.

Die im 58. Jahrgang erscheinende Schlüchtertter Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.

W * » daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der

01Q 1 PPlIPPP 1] wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen

I 1I || mIi IIIII I Postabonnenten, welche bis spätestens 28. März unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen,

UUllUUy pgß ihnen unsere Zeitung vom 1. April ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß

nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt

und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. April. 1907 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Amtliches.

In Somborn und Leisenwalde, Kreis Gelnhausen, ist die Schweineseuche sestgestellt worden.

Schlüchtern, den H. März 1907.

Der Königliche Landrat: V a l e n t i n e r.

Ausländische Wanderarbeiter.

Aus- agrarischen Kreisen wird derOstdeutschen Korresp." geschrieben: Die meisten Gutsbesitzer haben jetzt wohl bereits die ihnen nötig erscheinende Zahl von Saisonarbeitern gesichert. Doch ist es noch nicht zu spät, nochmals, wie schon häufig, auf Die nationale Seite der Landarbeitersrage hinzuweisen. Der Wichtig­keit der Polenfrage ist sich wohl allmählich jeder Deutsche bewußt geworden, und ebenso einleuchtend dürfte es sein, daß die aus Rußland und Galizien alljährlich eindringenden Hunderttausende polnischer Sommerarbeiter die Polen der Ostmark stets stärken, daß sie viele Mill. deutschen Geldes ihren nationalpolnischen Sparbanken zuführen. Jeder deutsche Landwirt, dem die Interessen des Vaterlandes noch etwas gelten und diesen Ruhmestitel wollen wir Agrarier uns nicht nehmen lassen hat darum die Pflicht, an seinem Teil dahin zu wirken, daß der national höchst bedenkliche Strom von ausländischen polnischen Arbeitern eingeschränkt wird. Deutsche Sommerarbeiter aus Süd-Nord-Ungarn und Rußland stehen leider nur in sehr begrenztem Maße zur Verfügung, dagegen ist uns in den Ruthenen (Kleinrussen, Ukrainern) ein nahezu unerschöpfliches, national ungefährliches Arbeitermaterial gegeben. Wegen ihrer anderen Konfession (sie sind griechisch-katholisch) und ihrer jahrhundertelangen Underdrückung in Galizien ist keine Gefahr, daß sie mit den Polen in Preußen sympathisieren, im Gegenteil, das Geld, das wir ihnen zu verdienen geben, benutzen sie in Ostgalizien zum wirtschaftlichen Kampf gegen die Polen. Die Ruthenen sind äußerst anspruchslos, arbeitsam und im Lohne noch ein wenig bequemer, da sie sich auch auf Monats­lohn verpflichten, und billiger als die Polen. Der Preisunterschied wird allerdings wieder ausgeglichen durch die weitere Entfernung der Uebernahmestellen der russischen Polen in Posen und Niederschlesien. Der Zuzug von Ruthenen kann noch außerordentlich ge­steigert werden, da bislang nur die 4 Millionen gali- zischer, dagegen noch gar nicht die etwa 23 Millionen russischer Ruthenen herangezogen sind. Die Landwirt­schaftskammer der einzelnen Provinzen schicken den Interessenten auf Wunsch gedruckte Bezugsbedingungen für ruthenische, süd« und nordungarische Wanderarbeiter mit Kontraktvorschlägen und vermitteln den Bezug der Arbeiter. Dasselbe tut auch dieDeutsche Feldarbeiter­zentrale,, in Berlin SW., Hafenplatz 4 Ferner kann man sich Ruthenen auch selbst von der Uebergangsstelle Neu-Berun in Oberschlesien, Süd- und Nord-Ungarn von Oderberg O.-S. holen, doch ist es bei der großen Nachfrage geraten, sich baldmöglichst seinen Bedarf zu sichern.

Deutsches Reich.

Am Samstag morgen begaben sich die Majestäten in Begleitung des Prinzen August Wilhelm und der Prinzessin-Braut nach Charlottenburg zur Kranznieder­legung im Mausoleum als am Jahrestage des Todes weiland Kaiser Wilhelm des Großen. Der Kaiser hörte später im Schloß die Vorträge des Staatssekretärs des Marineamts und des Chefs des Marinekabinetts und nahm um 123/4 Uhr militärische Meldungen entgegen. Zur Tafel sind die Umgebungen ihrer hochseligen Majestäten Kaiser Wilhelms und der Kaiserin Augusta geladen.

Prinz Eitel Friedrich ist in dem am Freitag zu Sonnenburg abgehaltenen Kapitel der Balley Brandenburg des Johanniterordens zum Herren- meifter gewählt worden. Die Investitur des Prinzen soll am Montag, den 1«. März, in der Kapelle des Schlosses in Berlin stattfinden.

Der Reichstag beschäftigte sich am vergangenen Donnerstag zunächst mit der ersten Lesung des Etats­notgesetzes für April und Mai, dessen Notwendigkeit der Schatzsekretär Frhr. v. Stengel kurz begründete. Es wurde nach kurzer Diskussion der Budgetkommission überwiesen. Es folgte dann die Besprechung der Inter­pellationen über die Revision des Weingesetzes von 1901, bei der Staassekretär von Posadowsky eine Er­gänzung zum Weingesetz bezw. eine reichsgesetzliche Regelung der Nahrungsmittelkontrolle in Aussicht stellte. Am Freitag wurden nicht weniger als zwölf Punkte der Tagesordnung in V« Stunden erledigt. Die kolonialen Nachtragsetats, in denen die nachträgliche Bewilligung von 29 Millionen Mark für das Rechnungs­jahr 1906 und die Bewilligung von 8,9 Millionen Mark für den Bahnbau Kubub Keetmanshoop aus­gesprochen wird, wurden ohne Debatte gegen die Stimmen der Mehrheit vom 13. Dezember angenommen. Dann folgten eine Reihe von Rechnungssachen, die ohne um­fangreichere Debatte der Rechnungskommission über­wiesen werden.

Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am ver­gangenen Donnerstag die Beratung des Eisenbahnetats fort. Dabei griff Minister Breuenbach auf die Aeußerung vom Mittwoch über die Störungen bei der Eröffnung des neuen Hamburger Bahnhofs zurück und meinte, daß sie durch ungewöhnlich schwierige Verhält­nisse verursacht seien, freilich sei d>e Altonaer Direktion im letzten Augenblick nicht ganz vorsichtig gewesen. Im übrigen wurden mehrfach Wünsche nach einer Revision der Gütertarife ausgesprochen. Am Schluß der Sitzung entspann sich noch eine längere Geschäftsordnungsdebatte, in der die Abgg. Frhr. v. Zedlttz (frkons.), Dr Fried­berg (natl.), Dr. Porsch (Z) und Dr. v. Jazdzewski (Pole) sich für eine Hinausschiebung der Beratung des Kultusetats bis nach Ostern aussprachen, während Präsident v. Kröcher diesen noch vorher erledigt sehen will. Am Freitag wurde bei Beratung der Personen- tarifreform ein freisinniger Antrag auf Verbilligung des Reiseverkehrs und Aufhebung der Fahrkartensteuer sowie ein nanonalliberaler Antrag auf Ermäßigung der Personentarife abgelehnt. Dagegen wurde ein An- trag der Abgg. v. Heydebrand (kons.) und Frhr. V. Zedlitz (frkons), die Regierung wolle darauf hinwirken, daß die Fahrkartensteuer in eine andere, die Einnahmen des Personenverkehrs minder schädigende Form gebracht werde, angenommen. Schließlich wurde bei Besprechung von Zugverbindungen eine ganze Anzahl lokaler Wünsche zum Ausdruck gebracht.

Ein neues Lehrerbesoldungsgesetz, das bereits in der Ausarbeitung begriffen ist, soll, wie Kultus­minister v. Studt in der Budgetkommission milteilte, dem preußischen Landtage schon in der nächsten Session vorgelegt werden. Zugleich erklärte der Minister, daß die Entwürfe der Novellen zu den Gesetzen über die Pensionierung der Volksschullehrer und über die Für­sorge für ihre Witwen und Waisen dem Landtage schon in der gegenwärtigen Session im tunlichst baldigen An- scklusse an die ihm vorzulegenden Novellen zu den Gesetzen über die "Pensionierung der Staatsbeamten und deren Reliktenversorgung zugehen würden.

Die für die polnischen Eltern unangenehmen Folgen des Schulstreiks mehren sich. 54 Schüler, deren die Volksschule besuchenden Geschwister sich weigern, im Religionsunterricht deutsch zu antworten, sind von

den höheren Schulen emlassen worden. In dein den Eltern zugegangenen Schreiben heißt es, die Entlassung sei erfolgt, weil die Eltern sich durch die fördernde Teilnahme am Schulstreik in Widerspruch mit den Gesetzen des Staates gesetzt und dadurch das Recht auf Ausbildung ihrer Kinder in den höhern Lehranstalten verwirkt hätten.

Ausland

In Wien fanden abermals österreichisch-ungarische Ausgleichsverhandlungen zwischen dem ungarischen Ministerpräsidenten Wekerle und dem österreichischen Finanzminister statt. Wie verlautet, betrafen die Ver­handlungen die Frage der Einführung selbständiger ungarischer Verbrauchssteuern. Ueber das Ergebnis ist bisher nichts bekannt geworden. Die weiteren Ver­handlungen in Budapest, die bereits am 1. März be­ginnen sollten, sind auf den 17. oder 18. März verschoben worden, da bis dahin noch mehrere wichtige Detail­fragen klargestellt werden sollen.

Die Besprechung der englischenFrauenstimmrechts- vorlage im Unterhause wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Die Vorlage gilt damit für gefallen, da die Regierung zu einer ferneren Besprechung keine Gelegen­heit bieten wird.

Die Frage des wöchentlichen Ruhetages in Frankreich droht eine Kabinettskrisis herbeizuführen. Der französische Arbeitsminister Sarrien erklärte, daß er im Namen des gesamten französischen Kabinetts die Vertrauensfrage stellen werde, falls seitens" der Depu­tierten Abänderungen des von ihm vorgelegten Gesetzes über den wöchentlichen Ruhetag gefordert würden.

Aus Rom kommt die Kunde vom Tod des italienischen Justizministers Gallo, der in seinem Zimmer von seinem Diener tot aufgefunden wurde. Da er sich vorher anscheinend ganz wohl befand, glaubt man, daß er einem Schlaganfall erlegen ist. Die Nachricht von dem Tode des Justizministers hat namentlich in poli­tischen Kreisen Italiens großen Eindruck gemacht.

Der Empfang des russischen Duma-Präsidenten beim Zaren war ein sehr gnädiger. Der Kaiser sprach seine Genugtuung über die Eröffnung der zweiten Duma aus und wies auf die der Duma bevorstehende schwierige Aufgabe hin, die um so schwieriger sei, als in bet Duma zahlreiche politische Parteien vertreten seien. Golowin sprach seinerseits die Hoffnung aus, daß in allen für das Wohl des Landes bedeutsamen Fragen eine Einigung der verschiedenartigsten Fraktionen erzielt werden würde, die dem gleichen Ziele zustreben würden, nämlich das Wohl des Landes zu fördern. Der Kaiser- tat hierauf der großen vorbereitenden Arbeit des Ministeriums Erwähnung sowie der zahlreichen der Duma vorgelegten Gesetzesvorlagen, die das Resultat dieser Arbeit seien, und sprach die Zuversicht aus, daß die Duma die gesetzgeberische Arbeit aufnehmen werde. Präsident Golowin teilte dem Kaiser mit, daß die Mitglieder der Duma ganz von dem Bestreben erfüllt seien, das Vertrauen des Monarchen zu rechtfertigen.

Immer wieder werden neue Untaten der russischen Terroristen gemeldet. In Sebastopol wurde unter den Wagen des Feftungskommandanten General Nepljujew eine Bombe geworfen. Der General wurde an den Beinen verwundet. Auch der Kutscher und die Pferde wurden verletzt. Der Wagen wurde zertrümmert. Dem Verbrecher gelang es zu entkommen. In Moskau ist die Universitätskasse von acht bewaffneten jungen Leuten, die in Sindenteuuniform waren, ausgeraubt worden. Ein die Räuber verfolgender Beamter wurde getötet. In das Direktorzimmer dnet Realschule in Warschau wurde eine Bombe geworfen, die das Zimmer vollständig zerstörte. Menschen wurden nicht verletzt.