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mit amtlichem Kreisblatt Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag - Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Deutsches Reich.

Am vergangenen Sonnabend traf der Kaiser von seiner Reise nach Wilhelmshaven und Bremen wieder in Berlin ein.

Wie verlautet unternimmt der Kaiser in diesem Jahre im April als Gast des Großherzogs von Sachsen Weimar einen mehrtägigen Aufenthalt auf der Wartburg. Auf der Rückreise von Hamburg nach Berlin wird dann der Kaiser einen mehrtägigen Aufenthalt in Eisennach nehmen.

Prinz ©Lei Friedrich ist vom Kaiser zum Ehren- ritter des Johanniterordens ernannt worden.

Der Besuch des deutschen Kaiserpaares am dänischen Hofe im Juli ds. Js. wird von längerer Dauer sein. Da die Kaiserin überhaupt noch nicht in Kopenhagen war, wird sie länger als der Kaiser ver­weilen. Der Kaiser wird den Besuch nicht mit einer Nordlandsreise verbinden. In jütländischen Kreisen heßt e's, Kaiser Wilhelm werde einen Abstecher nach Instand unternehmen.

Ueber die Umgestaltung des Gepäcktarifs, der am 1. Mai Angeführt werden soll, wird der Fkf. Ztg. Verachtet: Für Gepäck bis zu 25 Kg. soll die Fracht auf Entfernungen vis 50 Kilometer 20 Pfg. betragen, bis 300 Km. 50 Pf. und auf weitere Strecken 1 Mk. Die nächste Tarifstufe 26 bis 50 Kg. wird in zwei Stufen geteilt, deren erste bis 25 Kg. reicht. Für diese werden erhoben bis 25 Km. 20 Pfg., bis 50 Km. 25 Pfg., bis 100 Km. 50 Pf. bis 150 Km. 75 Pf., bis 200 Km. 1 Mk. und so fort bis zur 17, Zone (über 800 Km.) 5 Mk. Das kleine Reisegepäck bis 25 Kg soll künftig vom Gepäckträger direkt, ohne Ber- wieguug abgefertigt werden und der Reisende c.hält dann gegen Zahlung der Einschreibegebühr seinen Ge­päckschein.

Der neue Reichstag hatte am Montag seinen ersten wahrhaft großen Tag mit dem Beginn der EtatSberatung, die von dem Reichsschutzsekretär Freiherr» von Stengel durch eine längere UcversiH über den Stand der Reichsfinanzen eingeleiiet wurde. Er gab seiner Genug­tuung Ausdruck über die wesentliche Besserung, bieder Reichshaushalt durch die im vorigen Jahre zustande gekommene Steuerreform erfahren hat. Von einer Einbringung einer weiteren Steuervorlage hätten die verbündeten Regierungen zunächst abgesehen, um einst­weilen die weitere Entwickelung der Zoll- und Steuer- ertragnisse abzuwarten. Zum Schluß sprach der Staats­

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Falsche Aremrde.

Roman von Elwin Starck. 44

In allen Gliedern meldet sich der Rheumatismus. Ber- dämmte Geschichte! WaS sagst Du dazu, daß der Arzt mich nach Wiesbaden schicken will?"

Die Kur wird Dir gewiß gut tnn," meinte Paula nach­denklich.Wir könnten nach Verkauf des Gutes sofort von hier ins Bad reisen »nd dort in Ruhe die Wahl unseres zukünftigen Wohnortes treffen. Wenn Martin sich in Ber­lin habilitiert. . ."

Zieht es Dich natürlich nach Berlin," vollendete ihr Vater mürrisch.Nun, wir werben ja sehen."

Auf dem Hofe wurden laute Stimmen vernehmbar.

Wahrscheinlich sind es wieder Arbeiter, die sich uu- nützerweise bei mir zu tun machen," rief Wahlenburg är­gerlich.Nicht einen Augenblick mehr hat man Ruhe im eigenen Hause. Sieh' nach, Paula, was es gibt," fuhr er mifhorchend fort, als das Stimmengewirr vernehmlicher Würbe.Schicke den Diener hinunter und erkundige Dich nach dem Spektakel. Laß die Arbeiter vom Hof werfen! Ich will Ruhe haben."

Die Sonne war im Untergehen begriffen. Ihre letzten Strahlen vergoldeten das rote Dach des Hauses mib spiel- teil auf dem Kies des Hofes. Die Linden standen in Blüte, ober vielmehr hatten beinahe abgeblüht, denn gelbliche Sternchen lagen verstreut umher, doch der zarte Duft er­füllte noch die Lust. Drüben vom Wirtschaftshofe flog ein Schwärm weißer Tauben auf und freiste durch die Luft, die weißen Flügel glänzten wie Silber gegen das dunkle Blandes Sommerhimmels Paula, dieaufderRampestand, folgte ihren Lieblingen mit aufmerksamen Augen.

'Da kehrte der Diener zurück, den sie auf Wunsch ihres Paters zu den Arbeitern gesandt hatte.

Nun, Ludwig, was gibt es ?"

Großer Gott, gnädiges Fräulein, ein Unglück!"

Ein Unglück! Was ist geschehen?"

Im Kesselhause ist ein Rohr geplatzt. Die Arbeiter,

sekretär mit besonderer Betonung für die Kolonial- forderungen die Erwartung aus, daß der Reichstag es an der erforderlichen Bewilligung nicht fehlen lassen werde. Abg. Spähn (Z.) warf dem Fürsten Bülow Mißbrauch seiner Amtsgewalt vor, der an napoleomsche Zeiten erinnere. Als er von der selbstlosen Mitarbeit des Zentrums an allen großen Gesetzen der letzten Jahre sprach und behauptete, daß sich das Zentrum nie von Partei-Interessen leiten ließ, ertönte auf zahlreichen Bänken des Hauses schallendes Gelächter. Abg. Bässer« mann (natl.) bezeichnete als Quintessenz des Wahl­kampfes die Ausschaltung des Zentrums aus der Ent­scheidung über nationale Fragen, die durch das zu politischem Verständnis erwachte deutsche Bürgertum erfolgt sei. Hierauf präzisierte Reichskanzler Fürst Bülow in einer längeren, glänzenden Rede seine Stellung zum Zentrum, mit dem er solange zusammengearbeitet habe, bis es in nationalen Dingen versagt habe, und wies die Angriffe des Abg. Spähn sehr energisch zurück. Als er geendet, würbe er mit stürmischem Beifall und Händeklatschen auf den Tribünen begrüßt.

Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am vergangenen Sonnabend die Interpellation über das Redner Grubenunglück. In seiner Beantwortung schilderte Minister Dr. Delbrück die Vorgänge vor und nach dem Unglück und kam dabei zu beut Schluß, daß den Be- triebseinrichtungen auf der Grube Reden keine Schuld beizumessen sei. Maßnahmen zur Erhöhung der Sicher­heit seien bereits getroffen worden. Der Ministerwendete sich gegen die Beteiligung der Arbeiter an der Gruben- kontrolle und zollte den Arbeitern und Beamten An­erkennung für ihre Haltung bei bem Unglück. Er schloß mit der Versicherung, daß die Regierung mit der Ge­währung von Renten und agieren dauernden Unter­stützungen weit über die berufsgenossenschastlichen Leistungen hinausgehen werde. Bei der Besprechung der Interpellation erklärte Abg. Stackmann namens der konservativen Partei das Einverständnis mit den Aus­führungen des Ministers, der zum Schlüsse nochmals versicherte, daß in Zukunft alles getan werden solle, was zur Sicherung des Lebens und der Gesundheit der Bergarbeiter beitragen könne. Am Montag wurde die Novelle zum Berggesetz beraten. Minister Dr. Dcl- brück leitete die Verhandlungen mit einem geschichtlichen Rückblick auf die Entwickelung des Bergbaues bei uns ein und betonte die Notwendigkeit, bem Staate einen größeren Einfluß auf dieGeschüftsgebahrung der Syndikate zu sichern. Das sei der Zweck der Vorlage. In der

die zunächst standen, wurden von dem Helgen Wasserstrahl verbrüht. Mehrere sind verwundet, leichter uubschwerer, je nachdem und Ingenieur Geißler . . ."

Nun? WaS ist's mit ihm ?" rief Paula erschrocken.

Wurde ohnmächtig vom Platze getragen," vollendete der Sprecher.Er hat als das Unglück geschah, am näch­sten gestanden und am meisten gelitten Noch lebt er, aber sie meinen ..."

Paula würbe sehr blaß.

Lassen Sie auspaunen, Ludwig, ich will sofort an der Unglücksstelle Erkundigungen eiuziehew Vertreten Sie so lange, bis ich zurückkomme, meine Stelle bei dem Herrn und helfen Sie jetzt bem Kutscher beim Aufschirren. Ich fahre sogleich."

Herr von Wahlenburg würbe ärgerlich, als er den Plan der Tochter vernahm.

Lade mir keine Verantwortung mit einem so schwer­kranken Menschen auf den Hals," sagte erkurz.Warum willst Du ihn nicht nach Berlin schaffen lassen? Viel wei­ter ist es auch nicht nach dort, als nach hierher. Wie ge­sagt, ich will keine Berautworstmg übernehmen."

Paula lächelte bitter.Wir hätten vielleicht eine grö­ßere, wenn wir ihn nicht aufnehmen," eutgegucresie.Wie, wenn Ingenieur Geißler durch denTrauSport unmrstbl' barerGefahr ausgesetzt würbe ? Wenn er unterwegs stürbe- Wie dann?"

Wahlenburg wußte nicht recht, WaS er erwidern sollte. Ueberspannte Ideen!" stieß er endlich hervor.

Paula blickte ihm fest in die Bügen.Wasmeuyi Du ?" fragte sie ruhig.BistDwzumEnischluß gekommen öder .."

Meinetwegen," brummle der Baron.Ich will Dich nicht beeinflussen, tue, was Du willst."

Er ließ sie fahren, war »her durchaus nicht mit ihr einverstanden. Die Katastrophe hatte ihn tief verstinnut. Der Anfang des Unternehmens ivar, wie er sich selbst ein- gWeheu nu'lßtesiiichtviel versprechend. Mit einem Unglück, vielleicht gar mit einem Verlast an Menschenleben, begann

Debatte wurden von allen Rednern verschiedene Bedenken gegen die Vorlage erhoben, die schließlich einer besonderen Kommission überwiesen wurde. ______________

Ausland

Die zweite Hanger Konferenz wird, wie nunmehr feststeht, zu Anfang Juni eröffnet werden. Die holländische Regierung hat bereits amtlich bekannt gegeben, daß sie zum Empfang der Delegierten für die zweite Friedens­konferenz gegen den 1. Juni d. I. bereit sei.

Zur österreichisch-ungarischen Ausgleichsfrage er­läutert derPester Lloyd" den Standpunkt der ungarischen Regierung bezüglich des vom Handelsminister aufgestellten PräklusivterminS für den Abschluß der Aus­gleichsverhandlungen dahin, daß die Bezeichnung der Osterferien als des Termins, der die endgültige Ent­scheidung bringen müsse, nicht mißverstanden werden dürfe. Die ungarische Regierung werde nur von der Absicht geleitet, bis Ostern eine Situation herbeizuführen, in der sie klar sehen könne. Nur falls die Regierung zu der Erkenntnis gelangen sollte, daß Oesterreich den wichtigsten Interessen Ungarns nicht Rechnung trage, wird Ministerpräsident Weckerle jede weitere Verschlepp­ung für zwecklos erklären.

Die terroristischen Verbrechen in Rußland nehmen kein Ende. In Lodz wurden von einer bewaffneten Bande zwei Fabriken ausgeraubt, der Sohn eines Fabrik­besitzers wurde tödlich verwundet. Gegen den Chef der Odessaer Polizei v. Hosberg wurde ein Bombenattentat verübt, wobei m Hosberg leicht verwundet wurde. In Warschau ist der Universitätsprofessor und Vorsteher desVerbandes wahrhaft russischer Leute, Dawidow, Überfällen worden, von den Revolverschüssen aber un- verletzt geblieben.__

M-RrstM

Schlüchtern, 1. März 1907-

* In der Nacht zum 27. Februar wären beinahe zwei Kinder imb das Dienstmädchen des Herrn Lehrers Fischlein zu Niederzell an giftigen Kohlengasen erstickt, die einem neuen, probenweise in Brand gesetzten Ofen entwichest. Den fortgesetzten ärztlichen Bemühungen gelang eS, die schon Bewußtlosen wieder ins Leben zurückzurusen und das Schlimmste abzuwenden.

* Wie wir hören, hat die hiesige Stdtverordneten- Versammlung die Jmmobilien-Umsätzsteuer in der Sitzung vom 28. Februar angenommen.

* Dienstag, den 5. März ds. Js., findet dahier der erste diesjährige Viehmarkt statt.

die Fabrik ihre Tätigkeit. Abergläubisch war er nicht und doch, doch ...

Und Baron Wahleabnrg starrte gedankenvoll inS Fener. * *

*

Der alte Nendaut Geißler saß in der Krankenstube seines Sohnes, die sich noch immer im Herrenhanse zu Waldau befand. Den Tag über hielt er sich in Waldau auf und fuhr erst am Abend nach Berlin zurück.

Karl war ans beut Wnudfieber, in dem er eine Zeit­lang völlig besimmugSlos gelegen hatte, erivacht »nd hatte allmählich das Belvnßtsein Wiebereriaugt. In einigen Ta­gen Würbe er, wie per Arzt versicherte, transportfähig sein, allein es konnten noch Wochen darüber hingehen, ehe er­bte Direktion der Fabrik würde übernehmen können. Und doch war ein Anfschieben des Betriebes säum möglich Nur im Kesselhaicse wurde noch gearbeitet. Da man die eigentlichen Ursachen des Unglücks ermittelt hatte, wur­den Geißlers Ratschläge, die Möller zllvor mißachtete, we­nigstens teilweise befolgt. Das alte Sprichivort bewahr­heitete sich wieder einmal:- sobald das Kind in den Brun­nen gefafien ist, wird er zngeschüttet.

Möller hatte aus dem Kreise seiner Beamten einen Vertreter für Karl.gesunden mib meinte, es würde schwer halten, die Fabrik in eine Aktiengesellschaft -;uSerWaiibeln. Trotzdem aber warben bereits Aktien an der Börse auS- gegeben, und diesen Papieren war fast in allen Blättern eine ausführliche güustigeBesprechnug gewidmet worden. Emil Fuchs, der jetzt im Fahrwasser der Möllerschen Politik trieb, hatte für eine möglichst günstige Säuberung der be- treffenden Notiz in ben Zeitungen Sorge getragen.

Und heute in aller Frühe hatte er, @mii, den» Rendau- teu seinen Besnch gemacht, um sich nach Karls Befinden zu erkundigen, Fräulein Toni Möller hatte ihn, wie er sagte, besonders abgesandt, um genaue Nachrichten über den dreien Blessiertet! einzuWen.

Karl blickte vor sich hin, als ihm der Vater diese Mit­teilung machte 135,18