Einzelbild herunterladen
 

mit amtlichem Rreisblatt.

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis

A 15.

Eine in Stenersachen nicht blöde Regierung

ist von je die französische gewesen. Ob Monarchie oder Republick, in steuerlichen Angelegenheiten sind die Franzosen nie und unter keinen Umständen verwöhnt worden, alle Ministerien haben genommen, was sie be­kommen konnten. Bisher hatte Frankreich aber, dem Namen nach, noch eins voraus, es hatte keine Staats Einkommensteuer. Wir sagen, dem Xanten nach hatte es das voraus! Denn die übrigen Steuern sind so hoch, so vielseitig, daß die Franzosen auch ohne diese zu deu allerbelasteten Völkern Europas zählen. Da ist vor Allem die bis zu 14 Prozent gehende Erbschafts­steuer, die sogenannte Patent-Taxe, eine sehr beträchtliche Mietssteuer für Gewerbebetriebe, Fenstersteuer, Tabaks- Monopol, Zündhölzer-Monopol, Quittungs-Stempel, Juseraten-Steuer usw. und zu dem Allen hohe Zölle und die städtische Accise auf Lebens- und Genußmittel. Und jetzt kommt die von manchem Finanzminister ge­plante, diesmal aber besonders ernsthaft gemeinte Ein- tommenfteuer, die vielen Deutschen, die über Steuern zu klagen gewohnt waren, nahe legen dürfte, daß es sich wirklich nicht lohnt, nach Frankreich ausznwandrrn.

Die neue französische Staats-Einkommensteuer läßt Einkommen bis zu 1300 Frcs. 1040 Mk. steuer­frei. Wo bei uns kleine Steuerzahler mehrere Kinder haben, sind sie in den meisten Bundesstaaten bei diesem Einkommen schon staatssteuerfrei; über 1300 Frcs. Hin­aus wird vom Einkommen aus Arbeit ein Steuersatz von drei Prozent vorgeschlagen. Ein Steuerzahler von 1500 Frcs. == 1200 Mk. Einkommen würde also 45 Frcs. 36 Mk. jährlicher Staatseinkommensteuer in Frankreich fortan zahlen müssen. In Preußen hat ein Steuerzahler von 1200 Mk. Jahres-Eintommen 9 Mk. Staatssteuern zu entrichten, außerdem kommt noch Kindersegen in Berücksichtigung. Nun gibt es bei uns noch Kommunalzuschläge, die bei 100 Prozent in Summe erst 18 Mark machten, aber das ist immer die Hälfte des französischen Staatssatzes, und außerdem hat man jenseits der Vogesen als Kommunalsteuer die hohe Accise. Für Paris soll die Steuerfreiheit bis zu 2000 Mk. Einkommen gehen. Natürlich müssen die Pariser immer etwas voraus haben, wie Paris die einzige Stadt Frankreichs ist, in der tatsächlich der obligatorische Schulunterricht umgangen werden kann.

Nun kommt aber erst die Hauptsache. Für Ein­kommen aus Industrie, Handel und Gewerbe ist ein Steuersatz Ton 3 '/3 Prozent vorgesehen, für Einkommen aus beweglichem Besitz, also aus Kapital und Grund-

Ialsche Areunde.

Roman Don Elwin Stares. 40

Er erkannte aber bald genug den Eindruck, den er auf die Erbin machte, er hätte auch blind sein müs­sen, hätte er es nicht getan, und vergaß, ivas er seiner Braut und sich selber schuldig war. Ob Deine Schwe­ster durch andere gehört hatte, daß der Geliebte treulos geworden war, oder ob er es in einem Briese angedeutet hatte, daß er das Verhältnis mit ihr auflösen wolle, ge­nug, sie richtete bald darauf einen langen ausführlichen Brief an ihn, und er ließ ihn unbeantwortet. Was sie ge- schrieben hat, weiß niemand, aber das weiß man, daß sie nach Absendnug des Schreibens wie verstört herumgegan- ge» ist, und als Wochen ins Land gezogen und noch im­mer keine Antwort kam, da . . da geschah der Sturz ius Wasser, der auf einen Zufall zurückgeführt wurde."

Geißler stöhnte leise.

Karl aber ergriff die eiskalte Rechte des alten Man- neS und ließ sie in seinen Händen erwärme».Verzeihung für meine Offenheit," bat er in herzlichem Tone.Aber ich mußte einmal meinen Gefühlen Luft machen, Deine Vorliebe für Elsner ging mir zu weit. Ich wollte Dir ein­mal sein wahres Gesicht zeigen."

Der Reudant schwieg noch immer.

Bist Du ungehalten über mieb?" fragte Karl.Zürne mir nicht," setzte er hinzu, und dann:Siehst Du ein, daß es früher genau so war, wie es jetzt ist? Elsner, der sein Wort nicht hielt, Deine Schwester um Glück und Ehre be­trog, auch er war bei der Jagd nach bem Glück sich selbst der Nächste."

Der alte Herr atmete schwer und mühsam auf.Du tust mir weh, Karl," gestand er.DeineWorte sind bitter."

Ich fürchtete es, lieber Vater, darum schwieg ich, biS jetzt."

Allein eS verletzte mich bis ins Innerste, wenn ich von Deinen Lippen Elsner als unseren Wohltäter prei­sen hörte, während er doch in der Tat nur an uns, oder

mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.

Mittwoch, den 20. Februar 1907

58. Jahrgang.

besitz, ein solcher von 4 Prozent. Frei bleiben nur, und das ist für die französischen Auffassungen interessant, die Einkommen aus französischen Staatspapieren, die nur 3 Prozent Zinsen geben. Aber es geht noch weiter: fremde, nicht französische Werte unterliegen einer Steuer von 5 Prozent! Man denke sich mal das Gesicht eines deutschen Sparers, der 1000 Mk. Zinsen aus einem nicht deutschen Papier bezieht, wenn er dafür 50 Mk. auf dem Altar des Vaterlandes niederlegen sollte. Aber auch das ist noch nicht der Gipfel französischer Findigkeit: Es sollen, damit die Steuerpflichtigen keine Durchstechereien gegenüber dem Fiskus treiben können, die Bank- und verwandten Geschäfte einer strengen Kontrolle unterworfen werden, damit alle Leute, die Papiere kaufen, genau festgestellt werden können!

Man sieht, die französische Regierung macht ganze Arbeit; es wird viel Geld gebraucht, und da schreckt sie vor vollster Strenge nicht zurück. Die Tausende von kleinen Rentiers, die die französische Republik zählt, werden ja einiges Hallo machen, aber da die meisten von ihnen heimische Staatspapiere haben, bleiben sie also für das Einkommen daraus steuerfrei, um so mehr aber werden die größeren Kapitalisten und Grundbesitzer Lärm schlagen und von dieser Seite aus wird der heftigste Widerstand geleistet werden. Das alles sind indessen französische Sorgen. Was der Deutsche, und gerade der deutsche Arbeiter, aus diesen Dingen lernen kann, ist das, daß wir wahrlich noch keine Ueberbürd- ung in Steuerdingen haben. Haben wir keine billigen Zeiten mehr, so hängen die doch nicht mit Steuerfragen, sondern mit einer allgemeinen Aenderung der Gesamt- Verhältnisse zusammen, mit der neuen Lebenshaltung und dem gestiegenen Wohlstand.

Deutsches Reich.

Wie derTaunusbote" meldet, werden sich der Kaiser und die Kaiserin im April zu längerem Nnfeut- Halt nach Homburg begeben.

In Aussicht genommen ist im Mai ein Besuch des Kaiserpaares in Dresden zur Besichtigung der dortigen Gartenbauausstellung, und zur Erwiderung des Besuches, den Prinz und Prinzessin Johann Georg von Sachsen dem Berliner Hofe am 27. Januar ab- statteten. Auch die Teilnahme des Kaisers an der Mitte April stattfindenden silbernen Hochzeit des Schaum- burg-Lippe'schen Fürstenpaares wird erwartet.

Der Gesundheitszustand des Prinzen Heinrich von Preußen, der an Influenza erkrankt war, hat sich

sagen wir an mir, ein wenig gut zu machen suchte, waS er an der Toten verschuldet hat. Verschuldet, Vater, eS gibt kein anderes Wort für seine Verräterei. Soll ich gehen, willst Du allein sein ?" fragte Karl »ach einer kleinen Panse, in der er vergeblich auf Antwort gewartet hatte.

Der Reudant schüttelte schwermütig den Kopf.Nein, mein Sohn, ich suche nur mit bem fertig zu werden, was ich soeben gehört habe. Lernen in meinem Alter ist schwer. Nur das möchte ich noch wissen, wie oder durch wen bist Du mit den ganzen Verhältnissen bekannt geworden?"

Karl ging im Zimmer auf unb ab.DaS ist leicht er- klärt," sagte er.Zuerst war mir, um offen zu sein, Els- nerS Verhalten mir gegenüber ein wenig auffällig. Wa- runt stand er mir von Anfang an so wohlwollend gegen­über, er, der Arbeit und Lohn genau abmaß, der in der Auswahl seiner Beamten die peinlichste Sorgfalt walten ließ, niemanb fest anstellte, der nicht eine Probe seines Könnens abgelegt hatte. Als ich einige Zeit bei ihm ge­arbeitet hatte, kannte ich meinen Chef zu gut, um mich nicht zu fragen: Warum hat er mir eine Vertrauensstel­lung eingeräumt, mir, von dem er nichts, absolut nichts wußte. Und da tam Emil Fuchs und erzählte mir eines Tages, was sein Vater, der ehemalige Bürgermeister, von ElSner und Ottilie Geißler gehört, von ihn, erfuhr ich, waS ich Dir selbst erzählt habe. Da wurde ich aufgeklärt, da fand ich den Schlüssel zu dem rätselhafte» Betragen des Koinmerzieiirates. Und als ich dann mit Möller in Ver­bindung trat, da ahnst Du nicht, wie glücklich mich der Gedanke machte, daß ich fortan nicht länger von Elsner abhängig, sondern auf meine eigene Kraft angewiesen sein würde. Für mich will ich arbeiten," setzte er in fast trotzi­gem Tone hinzu,ich will mich vorwärts bringen. Klein- liche und sentimentale Bedenken habe ich, wie Möller, der in dieser Beziehung mein Lehrmeister ist, beiseite gewor­fen."

Ich glaube, Karl, daß Dein Lehrmeister in dieser Be­ziehung einen vortrefflichen Schüler an Dir hat," sagte er mit einem leichten Anfluge von Bitterkeit.Wenn Du

in Homburg im Taunus derart gebessert, daß der Prin- bereits Ausflüge im Automobil unternimmt.

Das preußische Abgeordnetenhaus verhandelte am Tonnerstag zunächst über den nationalliberalen Antrag auf Einsetzung einer besonderen Kommission für Vorschläge zur Regelung der Dienstbezüge der Staats­angestellten, der die einschlägigen Petitionen zu über­weisen seien. Der Antrag soll den Zweck haben, die Budgetkommission mnd das Haus zu entlasten sowie die gründliche Prüfung der Beamtenpetitionen und die Be­schleunigung der Revision der Beamtenbesoldungen her- beizuführen. Finanzminister Freiherr v. Rheinhaben lehnte den Antrag ab, indem er die Budgetkommission für die Beratung dieser Petitionen geeignet hielt schon mit Rücksicht auf die Frage erhöhter Ausgaben. Er­stellte für den Etat für 1908 die Einstellung von 20 Millionen Mark zur Aufbesserung der Unterbeamten in Aussicht. Für die Land- und Amtsrichter soll das System der Dienstaltersstufen eingeführt und ihr Höchst­gehalt mit dem der Regierungsräte gleichgestellt werden. Ferner sollen einige Kategorien von mittlern Beamten aufgebeffert werden. Der Antrag wurde nach längerer Debatte abgelehnt. Dann wurde der Etat der Gestüts­verwaltung sowie der Domänen-Etat nach längerer Debatte angenommen. Am Freitag wurden ver­schiedene Anträge wegen Erhöhung der Beamtenbesol- dungen erörtert, denen alle Parteien wohlwollend gegen« überstanden. Namentlich wurde aus den Reihen der Konservativen der Wunsch ausgesprochen, daß Beamte mit gleicher Vorbildung auch betreffs der Gehälter gleichgestellt werden möchten. Sämtliche Anträge wurden der Budgetkommission überwiesen. Dann wurde der Etat der Justizverwaltung beraten.

In Freiburg i. Br. ist der frühere preußische Handelsminister Brefeld gestorben. Er hat ein Alter von nicht ganz 70 Jahren erreicht. Am 27. Juni 1890 zum Handelsminister ernannt, sind ihn: das Zustande­kommen des neuen Handelskammergesetzes und ber Ausbau der Handwerkskammerorganisation in Preußen in erster Linie zu danken. Umfaffenbe Förderung erfuhr unter seiner Verwaltung das technische Unterrichtswesen und die Gewerbeaufsicht; auch auf dem Gebiete der Arbeiterfürsorge und des Arbeiterschutzes sowie im Reiche der Bergverwaltung und der Berggesetzgebung sind während seiner fünfjährigen Ministertätigkeit vielfache Fortschritte durchgeführt oder angebahnt worden. Eine Zierde des ireußischen Beamtenstandes ist mit Staatsminister Brefeld dahingegangen.

Der Kurator der Universität Bonn, Wirkl. Geh.

noch schreiben willst, laß Dich nicht störe»; ich möchtejetzt lesen."

Der alte Herr griff zur Zeitung, aber er las nicht, seine Augen schauten über die Spalten der Blätter hinweg ins Leere.

*

Wer klopft? Toni? Ganz recht."

Sie ließen mich rufen; da kam ich."

Nimm Platz, Toni," sagte Direktor Möller, ohne auf- zublickeii,und entschuldige mich für wenige Minuten. Ich bin sofort mit der Durchsicht meiner Bücher fertig, dann können wir in Ruhe verhandeln."

Toni setzte sich und wartete, bis der kleine, starke Herr die Rechuungsbücher zuklappte und sich dann in den Sessel ihr gegenüber mit einem Seufzer der Erleichterung fallen ließ.Sie wünschen?" begann Toni.

Was ich wünsche, liebes Kind, hm," und Möller be­sah sich angelegentlich seine wohlgepflegten, weißen Fin­gernägel.Ich vertrete sozusagen Vaterstelle an Dir, und da ist mein Interesse an Deinem Schicksal erklärlich. Sage einmal, wie denkst Du Dir Deine Zukunft?"

Meine Zukunft?"

Gewiß, mein Schatz, Du bist ein kluge», em sehr kluges Mädchen, widersprich mir nicht, Toni," fuhr er fort, als diese einige Einwendungen machte,und ohne Zweifel hast Du darüber nachgedacht und Dir diese vorge­zeichnet. Aber in welcherWeise ? Sieh, das interessiert mich!"

Ich verstehe, Sie sind meiner überdrüssig geworden, unb wurden zufrieden sein, wenn ich Ihnen nicht länger beschluerlich fiele."

Ueberdrüssig! Beschwerlich! WaS sind das fürWorte!" Der Ton klang vorwurfsvoll, allein da Toni sich damit begnügte, abweisend die Achseln zu zucke», fuhr Möller ein wenig salbungsvoll fort:Ich würde Deinen Fort- gang nicht beklagen, allein mich doch auch in gewisser Weise freuen, wenn Du nämlich mein Haus verließest, um es mit dem Deines zukünftigen Gatten zu vertauschen. Dein Glück mein Kind .. ." 135,18