mit amtlichem Areisblatt,
Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Amtliches.
I-Nr. 1305. An einem Hunde in Gelnhausen ist die Tollwut festgestellt und die Hundesperre für den Kreis Gelnhausen angeordnet worden.
Schlüchtern, den 9. Februar 1907.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
I -Nr. 1312. Die Königlichen Beschäler treffen am 16. d. Mts. auf Station Schlüchtern ein. Die Herren Bürgermeister werden darauf aufmerksam ge- niacht, daß die Abfohlungsergebnisse in die ihnen demnächst zugehenden Deckregister recht genau einzutragen und letztere bis spätestens 20. Juni an den Stationswärter zurückzusenden sind; auch sind die Züchter darauf aufmerksam zu machen, daß die fälligen Deck- und Füllengelder ungesäumt an den Stationswärter zu zahlen sind.
Schlüchtern, den 11. Februar 1907.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
Bekanntmachung.
Zwecks Ablösung des Ostasiatischen Detachements für 1907 werden freiwillige Mannschaften aus dem Beurlaubtenstande angenommen.
Mannschaften der Reserve und Landwehr I. Aufgebots von durchaus guter Führung, die bereit sind auf einen Auwerbevertrag einzugehen, haben sich bei dem zuständigen Bezirksfeldwebel möglichst bald, jedoch spätestens bis zum 15. März er. zu Melden.
Die Betreffenden haben sich bis zum 30. September 1909 zum Dienst in Ostasien vertraglich zu verpflichten.
Vor Ablauf der übernommenen Dienstzeit können sie jedoch entlassen werden, sofern ihre Dienste in Ostasien früher entbehrlich werden.
Neben freiem Unterhalte und Gewährung eines jährlichen Kapitulationshandgeldes von 100 Mark belaufen sich die monatlichen Gebührnisse
für Unteroffiziere: 54,00 Mark
„ Gefreite: 34,50 „
* Gemeine: 31,50 „
Hierzu tritt noch für die Dauer des Aufenthalts auf chinesischem Boden eine Teuerungszulage von 1,75 M. täglich für Unseroffiziere und 1 Mk. tägllch für Gefreite und Gemeine.
Königliches Bezirks-Kommando Hanau.
Deutsches Reich.
— Mit Rücksicht auf die Eröffnung des Reichstages, die der Kaiser persönlich vornehmen, ist die Rekrulen-
Mittwoch, den 13. Februar
Vereidigung in Wilhelmshaven vom 19. auf den 20. Februar verschoben worden.
— Die kaiserliche Verordnung betreffend die Einberufung des neuen Reichstages am 19. Februar ist nunmehr im Reichsanzeiger veröffentlicht worden.
— Der älteste Sohn des Admirals Prinzen Heinrich von Preußen, Prinz Waldemar, der im März 18 Jahre alt wird, legt am 23. Februar sein Abiturientenexamen ab und tritt dann eine Reise nach Südeuropa und Nordafrika an.
— Freitag Vormittag um 11 Uhr ereignete sich an Bord des Torpedobootes 339 ein Unglück, durch das neun Mann getötet wurden; ein Mann erlitt schwere Verletzungen.
— Staatsminister von Möller nimmt als Vertreter unseres Kaisers an der Universität Pitsburg in Nord- Amerika teil und reist Mitte März, dorthin ab.
— Die „Nordd. Allgemeine Zeitung" stellt fest, daß in Bielefeld, Bochum, Hanau, Duisburg, München 2, Speyer, Durlach, Karlsruhe, Offenbach und Straßburg die Sozialdemokraten bei der letzten Reichstagswahl mit Hilfe des Zentrums in der Stichwahl gesiegt haben und auch in Dortmund und Wiesbaden der Sieg der Sozialdemokratie noch mit Zentrumshilfe erfochten sein dürfte.
— Das preußische Abgeordnetenhaus nahm am vergangenen Donnerstag seine Beratungen wieder auf und trat in die zweite Lesung des Etats der landwirtschaftlichen Verwaltung ein. Die Besprechung über den Ministertitel eröffnete der neue Landwirtschaftsminister v. Arnim mit einer längern Rede, in der er betonte, der Krebsschaden an dem die Landwirtschaft leide, sei die dauernd zunehmende Verschuldung der Grundbesitzer. Eine Hauptaufgabe sei es daher, die Entschuldung zu ermöglichen, da nur ein schuldenfreier Grundbesitz fähig sei, der ausländischen Konkurrenz standzuhalten. Der Minister stellte dann eine Verringerung der Konsumsteuer für Zucker in Aussicht, um die Zuckerindustrie konkurrenzfähig gegenüber dem Auslande zu erhalten. Abg. v. Bodelschwingh (kons.) trat für die Seßhastmachung der Landarbeiter ein. — Am Freitag wurde nach kurzer Diskussion der Titel „Minister" bewilligt. Beim Kapitel „Generalkommiffion" erklärte Unterstaatssekretär v. Conrad, daß ein Gesetzentwurf über die Umgestaltung der Generalkommissionen im Landwirtschaftsministerium ausgearbeitet sei und zunächst dem Staatsministerium vorgelegt werden müsse. Beim Kapitel „Landwirtschaftliche Hochschulen und andere! Lehranstalten" trat Abg. v. Pappenheim (kons.) für
)7. 58. Jahrgang.
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eine stärkere Betonung der praktischen Ausbildung in den mit den Hochschulen verbundenen Versuchsanstalten sowie für eine ausgiebigere Förderung des ländlichen Fortbildungsschulwesens ein. Minister v. Arnim gab eine entgegenkommende Erklärung ab. Von der Rechten wurden im weiteren Verlaufe der Beratungen noch Wünsche nach höherer Unterstützung der Pferderennen und der Viehzucht geäußert.
— Der würtrembergische Landtag ist durch den König persönlich eröffnet worden. Auch die Sozialdemokraten legten den Ständeeid in die Hand des Monarchen ab. In der Thronrede wird die Feststellung des Staatshaushaltsetats für die kommenden zwei Finanzjahre als der nächste und dringendste Gegenstand der Beratung bezeichnet. Durch die zunehmende Verteuerung der meisten Lebensbedürfnisse sei für die Regierung die unabweisbare Pflicht der Besserstellung sämtlicher Staatsbeamten sowie der Kirchen- und Schul- diener entstanden. Darum werde eine Vorlage betreffend Neuordnung der Wohnungsgelder und eine Novelle zum Beamtengesetz vorgelegt werden.
— Gegen mehrere ausländische Studenten der hessischen Hochschulen, die bei der Reichstagswahl für die Sozialdemokratie Schlepperdienste verrichtet hatten, ist das Ausweisungsverfahren eingeleitet worden. Dasselbe ist auch von der mecklenburgischen Regierung geschehen.
— Wie sozialdemokratische Vertrauensmänner aussehen, zeigt folgender Vorfall. In dem kleinen Dorfe Dölau bei Halle a. S. wurden zwei Männer, als sie im Begriffe waren, eine Bohle im Werte von achtzehn Mark zu stehlen, von einem dortigen Bauunternehmer abgefaßt. Einer der Abgefaßten entpuppte sich als der sozialdemokratische Vertrauensmann Schlotte, ter auch Mitglied des Aufsichtsrates des Dölauer Konsumvereins ist. Der Titel „Vertrauensmaun" paßt entschieden ausgezeichnet für diesen Genossen.
— Zum polnischen Schulstreik hat die Bromberger Regierung angevrdnet, daß diejenigen polnischen Schulkinder, welche über den 1. Februar im Streik verharren, zu Ostern weder versetzt noch entlassen werden dürfen. Auch sollen für diejenigen Schulen, deren Kinder nicht zum Gehorsam in der angegebenen Frist zurückkehren, alle Vergünstigungen in Bezug auf Beurlaubung zu landwirtschaftlichen Arbeiten, Einrichtung von Halbtags- Unterricht usw. für den Sommer wegfallen.
— Ein Riesenprozeß gegen 25 katholische Geistliche des Dekanats Löbau in Westpreußen beschäftigt das Landgericht zu Thorn. Die Angeklagten haben am
Ialsche Irsrinde.
Roman von Elwin Starck. 37
„Aber erlauben Sie, mein Fräulein, wie ich gehört, sollen die Ansprüche de» Künstler» unerfüllbar gewesen sein."
„Schadet nicht»," lachte Toni. „Irgend etwa» wird in Szene gesetzt und zwar nach Schluß des Stückes. Nach dem Fallen des Vorhanges beginnt erst da» Jntereffan- leste des Abends. Ihr Freund Fuchs hat mir das Thea- ter-GeheinmiS anvertrant, er weiß hinter den Kulissen Bescheid.«
„So, Fuchs," sagteKarl ernüchtert. „Sie irren, gnädi- ge» Fräulein, mein Freund ist er nicht, nur ein Bekannter von mir."
Toni schüttelte den Kopf. „Sie sind ein Philister," schalt sie. „Fuchs ist ein interessanter Mensch, seine Freundschaft könnte Ihnen von Nutzen sein. Also, sehe» wir un» in der Oper?"
Karl zögerte. „Kanin, gitäbigeR Fräulein. Offen gesagt, der Skandal auf der Bühne lockt mich nicht. Sollte wirklich er eS sein, der Sie inS Theater zieht."
„Der Skandal? Behüte, nein, aber die Spannung. Mein Himmel, gäbe es nicht noch da» bißchen Spannung in der Welt, das Leben wäre nicht mehr zu ertragen." Ein langer Blick ihrer dunklen Augen streifte ihn.
Nachdenklich, beinahe fragend erwiderte er ihn. Ein sonderbares Geschöpf war sie doch! Welch' eigenen Ausdruck sie hatte und ivie verschieden sie sich gab. Zuivei- len ausgelassen lustig, burschikos, beinahe frei und dann wieder so zurückhaltend, daß sie fast für scheu gelten konnte.
„Warum blicken Sie mich so unverwandt an ?" fragte sie plötzlich. „Ich mödjte wohl wissen, was Sie denken?"
„Da» kann ich Ihnen sagen," entgegnete er und gab seinen stillen Beobachtungen Ausdruck.
Toni hörte ihm aufmerksam zu, dann lachte sie ihm hell ins Gesicht. „Kontraste sind immer schick," belehrte Jie ihn spöttisch, halb ernsthaft: „Gute Nacht!"
Die Seide knisterte und rauschte, die Schleppe ihres Kleide» berührte, als sie an ihm vorbei die Treppe Hin- unterschwebte, seinen Fuß, und das weichliche Heliotrop- Parfüm, da» aus ihrem Kleide strömte, umschmeichelte seine Sinne.
„Kontraste sind immer schick! Ist sie darum so wech- selnder Laune?" dachte er, ihr nachblickeud.
♦ * ♦
Direktor Möller saß vor seinem Schreibtisch liebevoll die Spitzen seines dunklen, stark ins Graue schattierten Schnurrbarte» durch die Finger ziehend.
Al» Karl eintrat, blickte er auf. „Ah, da sind Sie ja, liebster Geißler," rief er freudig überrascht aus. „Ich habe Sie längst erwartet. Gut, daß Sie sich einmal blicke» lassen, habe ich doch noch manches mit Ihnen zu bereden. Bor allen Dingen, wie weit sind Sie mit Ihrer neuen Erfindung in Betreff der HeizungSanlage?"
Karl zuckte die Achseln.
„Die Arbeit noch nicht beendet?" fragte Möller erstaunt.
„Nein und . .."
„Und waS?" fiel ihm der andere ungeduldig in die Rede.
Karl fuhr sich mit der Hand durch das dichte, blonde Haar. „Es ist eine dumme Geschichte," erwiderte er. „Kurz und gut, ich kann die Papiere, auf denen ich die endgültige Berechnung aufstellte, nicht iviederfiuden."
„Können die Papiere nicht finden?" echote Möller. „Mein Himmel, wie ist das möglich ! Sie werden sie doch nicht verloren haben?"
„Das scheint mir undenkbar," antwortete Karl, „ich glaube entschieden, daß ich sie verlegt habe. In der Zeit, als ich die Elsnersche Fabrik verlies, war ich, ivie ich offen gestehe, etwas erregt, und in diesem Zustande muß ich meine Arbeit zwischen Bücher und Papiere, Gott weiß wohin, gepackt haben. Vielleicht finde ich sie wieder, vielleicht auch nicht." •
„Unter diesen Umständen hielt ich es für richtig, sie von neuem zu beginnen. Sie können sich denken, wie müh- selig und iveitläufigSbas alles ist, an ein Fertigsten«» ist vorläufig nicht zu denken."
„Das ist schade, schade," sagte Möller, bedauerlich den ; Kopf wiegend, „das ist schade. Ich hätte die Heizung gern ; in der Fabrik eingeführt, nun ist's unmöglich. Aber, mein i Bester, gesetzt den Fall, Sie hätten, waS Sie allerdings : leugnen, die Papiere, nehmen wir an auf der Siraße, ! verloren, und es ginge eines Tages der unehrliche Fiii- - der damit auf das Patentamt und heimste die Ihnen gebührenden Ehren ei», könnte» Sie den Mann bestrafen lassen, können Sie wenigstens Ihre geistige Urheberschaft der Dokomente beweisen?"
Geißler zögerte mit der Antwort.
„Nnn?" fragte der Direktor, „warum so stumm? Haben Sie Beweise?"
„Ich glaube nicht," entgegnete Karlzurückhaltend, „doch ich verstehe nicht recht Ihr Interesse an diesem angeuvm- menen Fall."
„Sie sind ein unpraktischer Mensch," rief Müller, „nun zu meiner Angelegenheit. Im Sommer, wenn irgend möglich im Juli oder August, soll die Fabrik in Tätigkeit sei», und ich habe mich weder um die Engagements der Arbeiter, noch der Beamten kümmern können. Wollen Sie vielleicht die Sache in die Hand nehmen? Wissen Sie übrigens das Neueste?" fuhr er fort, ohne eine Antwort ab» zuwarten. „Kommerzienrat Elsner ist heute morgen gestorben."
„Ist er tot?" rief Geißler überrascht. „Bor wenige» Stunden erst erfuhr, ich, daß er krank sei, und schon weilt er nicht mehr unter den Lebenden. Hat er lange gelitten?"
„Er ist einem Schlaganfalle erlegen," berichtete der Direktor, „und man munkelt so allerlei." Er reichte dem Gast eine Zigarre und fuhr fort: „Man spricht nichts Gutes, Elsner habe falsch spekuliert, auch mit der Fabrik stände es nicht gut usw." . 135,18