Einzelbild herunterladen
 

SGichtemerMun g

mit amtlichem Kreisblatt, Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die flirte Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 6. Februar 1907.

Amtliches.

Die Ortspolizeibehörden sind an erster Stelle ver­pflichtet, für die Offenhaltung des Verkehrs auf allen öffentlichen Straßen und Wegen innerhalb der Ge- markungsgrenzen des Ortspolizeibezirks zu sorgen und jede Störung des Verkehrs, insbesondere der durch Naturereignisse (Schneewehen, Vereisung u. s. w.) ver­ursach ^ mit tunlichster Beschleunigung zu beseitigen. Die v ' Ortspolizeibehörden aus dieser Verpflichtung entste ^. Ausgaben fallen als Polizeiverwaltungs- koste» '^meinden zu Last.

D ^aben aber auch die Beamten der ständischen Lander altung die Aufgabe, ihrerseits für schleunige Beseitigung aller Verkehrshinderungen auf den Landstraßen und Landwegen, insbesondere auch der Schneewehen Sorge zu tragen. Die dadurch ent­stehenden Ausgaben übernimmt der zur Unterhaltung der betr. Straße rc. verpflichtete kommunale Verband.

Diese Bestimmungen werden zwecks genauester Be­achtung hiermit in Erinnerung gebracht.

Schlüchtern, den 4. Februar 1907.

Der Königliche Landrat I. V.: Schultheis.

Vaterländischer Irauenverein.

Zweigvcrei» Schlüchtern.

Der unterzeichnete Vorstand des Vereins einpsindet das aufrichtige Bedürfnis, am Schlüsse des soeben abgelaufenen Geschäftsjahres allen bisherigen und den neuhinzugetretenen Vereinsmitgliedern seinen wärmsten Dank für die in mannigfacher Form geleistete Unter­stützung der guten Sache auszusprechen. Der Vorstand ist erfreut über die erhebliche Vermehrung de. Mit­gliederzahl und dankt den uneigennützigen Persönlich­keiten, welche in Ahlersbach, Altengronau, Bellings, Elm, Hohenzell, Mottgers, Oberzell, Ramholz Roms- thal und Umgebung, Sterbfritz und Vollmerz in dieser Richtung gewirkt haben.

Mehrfach ist der Wunsch ausgesprochen worden, die Ziele und Aufgaben des Vaterländischen Frauenvereins besser bekannt zu geben, und es ist daran die Er­wartung geknüpft worden, daß alsdann eine immer stärker wachsende Zahl von Frauen aus dem ganzen Kreise sich gern in den Dienst des Vereins, sei es auch nur mit dem niedrigsten jährlichen Vereinsbeitrag von 50 Pfg. stellen würden. Der Vorstand kommt dieser Anregung mit Freuden und voller Hoffnung nach.

Der Verein stellt sich in Friedenszeiten als dringendste Ausgabe die Abhülfe aller hervortretenden Not im

Falsche Freunde.

Roman von Elwin Starck. 34

WaS willst Du damit sagen, Paula?"

Verstehst Du mich nicht? Soll ein Wahlenburg die Heirat als Recheuexempel auffassen?"

Genug," rief Wahlenburg bissig.Ich habe genug von Deinen überspannten Ideen! Diese Helene ist viel zu lange im Hause gewesen, und Martin hat ihr zu viel Albernhei­ten gesagt. Lieber Himmel, er kann doch keine Erzieherin betraten, ein Mädchen, das sich ihr Brot selber verdient! Da ist die Nichte des Direktors Möller, ein hübsches, rei­cher und kluges Mädchen. Wenn Martin da sein Glück ver- suchen wollte."

Und womit hat Möller sein Geld verdient?" wagte Paula noch einmal einzuwerfen.

Weiß ich nicht und ist mir auch völlig gleich. Nach dem: Woher? fragt aber in diesein Falle kein Mensch," wurde ihr bedeutet.

* *

In seinem Zimmer saß Martin und las oder ver- suchte wenigstens zu lesen. Aber er konnte den Sinn der Worte nicht fassen, seine Gedanken waren fern, waren bei ihr, bei Helene, die heute hinaus in die Welt gegangen war. Er ließ das Buch sinken und schaute vor sich hin.

Er liebte sie, das fühlte er, und dennoch hatte er ihr daS nicht gesagt, hatte sie nicht gebeten, sein Weib zu wer- den. Er wußte nur zu gut, lvie sein Vater dachte, und da er »och von ihm abhängig war, wagte er nicht, sich in direkten Widerspruch mit ihm zu setzen. Aus diesem Grunde hatte er gegen Helene über seine Gefühle geschwiegen. Ob er recht getan, wußte er nicht, aber er fühlte, daß, wenn sie empfand wie er, die Entfernung noch keine Trennung bedeutete. Wenn sie Vertrauen zu ihm besäße, was er be- siinlnlt hoffte, würde sie wissen, daß er, auch ohne laut gewordene Versicherung, die Liebe, die er ihr deutlich ge- zeigt, auch ferner bewahren würde, bis es Zeit sei, sie offen zu bekennen.

Vereinsgebiet. Dazu gehört in erster Linie die Kranken- und Armenpflege entweder direkt, oder in den Orten wo diese in den Händen der Gemeindeschwester ruht, indem derselben eine Beihülfe geleistet wird. Dann aber bezweckt der Verein, diejenigen sozialen Einrichtungen welche grade den werktätigen Frauen den Kampf ums dasein erleichtern sollen, wie Kleinkinderbewahrschulen, Schwesterstationen und ähnliche Anstalten dort, wo sie im Kreise bereits bestehen, zu unterstützen und da, wo sie noch fehlen, anzuregen und zu fördern.

Hieraus erhellt, wie sehr der Verein des Interesses jeder einzelnen Frau bedarf, um sein schönes Ziel auch nur annähernd zu erreichen.

Mitglied des Zweigvereins Schlüchtern kann jede Frau oder Jungfrau werden, welche einen Beitrag von 50 Pfg. oder mehr jährlich zu zahlen bereit ist. Wieviele Frauen und Jungfrauen im Kreise Schlüchtern wären gewiß geneicst, ihr Scherflein in dieser Weise beizu- steuern, wo es gilt, ihren Mitschwestern und oft auch sich selbst zu helfen!

Mit dem wärmsten Dank für die bisher gefundene Unterstützung verbindet somit der Vorstand die Bitte um die fernere Treue seiner bisherigen und zahlreichen Zuspruch neuer Mitglieder.

Der Vorstand:

Frau Landrat Valentiner. Frau Superintendent Orth.

Vorsitzende. stellv. Vorsitzende

Frau Bürgermeister Albrecht. Frau Fabrikant Bratfisch, Salmünster. Frau Dr. Cauer. Frau Ernestine Schäfer. Frau Benedikt Strauß. Frau Brauereibesitzer Thaler.

Frau Oekonom Zorn, Steinau.

Orth Rollmann Kaufmann

Superintendent. Pfarrer. Lehrer.

Schiffbau der Welt im Jahre 1906.

Die Gesamtproduktion an Kauffahrteischiffen Hat sich im Jahre 1906 um ungefähr 400 000 Tonnen gegenüber dem Vorjahre vergrößert; sie beträgt im letzten Jahre 2919 763 Tonnen, ohne die Kriegsschiffe. In England wurden allein 1 828 343 Tonnen gebaut; die Kanffarteiflotte Englands hat im vorigen Jahre einen Nettozuwachs von ungefähr 764 000 Tonnen erhalten. Hierbei sind Verluste und Verkäufe an das Ausland berücksichtigt. Diese Zunahme von 764 000 Tonnen bedeutet jedoch nur'/,"/ der Gesamtzunahme der Handelsflotten aller Länder. Die Gesamtzunahme im Jahre 1906 beträgt nicht weniger als 2 158 000 Tonnen.

Und während er so sinnend und grübelnd dasaß, rührte etwas Weiches,Warmes seineHand, und aufschauend, blickte er in die treuen Hundeaugen seines Tello, der ihm die Hand leckte.

Der junge Mann fuhr sich mit der Hand über die Stirn, um die trüben Gedanken zu verscheuchen, und ließ den Hund sich niederlegen.

Tello wurde still, nicht so Martins rebellisches Herz, es murrte weiter.

* *

Der Bau der Möllerscheu Fabrik nahm seinen Fort­gang, bis der Winter ins Land zog und allen Arbeite» im Freie» ein Ende bereitete. Da lag dann der weite Platz öde und verlassen da. Aber es war ein milder Winter, der nur wenig Frost brächte unb schon im Februar konnte die Arb eit, wenigstens teilweise, wieder ausgenommen werden.

Fast jeden Tag fuhr an bem Bau-Terrain der leichte Jagdwagen des Barons Wahlenburg vorüber, der jeden Fortschritt mit regstem Interesse betrachtete. Zuweilen sah man ihn auch selbst über den Platz wandeln und persönlich durch die Aufseher nähere Erkundigungen einziehen. Bei seinen Besuchen begleitete ihn meistens seine Tochter Paula, und da auch Direktor Möller und Ingenieur Geißler viel in Waldau zu tun hatten, war es natürlich, daß man sich zuweilen begegnete.

Karl hatte den Austritt anS der ElSuerschen Fabrik überwunden und widmete sich dafür mit Feuereifer den Privatstudien. Allein es gab doch auch Tage, an denen er den Mangel einer angespannten Tätigkeit sehr schmerz- lich empfand.

Als er eines TageS darüber zu Paula eine Bemer­kung machte, blickte sie ihn von der Seite an.Es ist schade, daß man solche Urteile so selten hört," sagte sie.

Selten? Das glaube ich nicht," entgegnete er.Ar­beiten müssen wir alle."

Aber mit Unterschied," meinte sie.Sehr vielen ist Arbeit nur Mittel zum Zweck, und der Ziveck heißt Ge- nuß. Viele wissen überhaupt nicht mehr, was ehrliche, red-

Etwas über 20% der in England gebauten Schiffe waren für Rechnung des Auslandes, und hier war wieder Deutschland der beste Kunde Englands. Ungfähr 5%% der Gesamtproduktion in England, also von 1 828 000 Tonnen, waren für Deutschlands Rechnung. Dabei ist Deutschlands Schiffbau ständig gestiegen. Während der Jahre 1896 bis 1899 wurden in Deutsch­land durchschnittlich 152000 Tonnen gebaut; in den Jahren 1900 bis 1903 waren es 205 000 Tonnen; im Jahre 1904 202 000 Tonnen, im Jahre 1905 wurden 255 000 Tonnen gebaut und 1906 waren es 318 000 Tonnen. Gegenüber 1905 sind demnach im vorigen Jahre ca 63 000 Tonnen in Deutschland mehr gebaut worden. Seit dem Jahre 1898 hat sich die Produktion in Deutschland also verdoppelt. Der größte Dampfer, welcher im vorigen Jahre vom Stapel lies, war der DampferKronprinzessin Cecilie" von 194000 Tonnen, dem Norddeutschen Lloyd gehörig; ferner lief in Deutschland im vorigen Jahre der größte Segler vom Stapel, nämlich der FünfmasterR. C. Rickmers" von 5548 Tonnen, welcher bekanntlich mit einer Hilfs- Maschine ausgerüstet ist, und an der Weser gebaut wurde. Der größte Dampfer, welcher in England im vorigen Jahre zu Wasser gelassen wurde, war die Lusitana" von 32 000.

Während in Deutschland die Produktion an Schiffen beständig zugenommen hat, verhält die Sache sich in Frankreich umgekehrt. Noch im Jahre 1905 baute Frankreich 73 000 Tonnen, doch im vorigen Jahre waren es nur noch 35 000 Tonnen. In den Jahren 1901 und 1902 wurden dagegen in Frankreich noch 177600 bezw. 192000 Tonnen gebaut. Auch der Schiffbau in Italien hat erheblich abgenommen, während u. a. Norwegen eine Zunahme aufweist.

Deutsches Deich.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht einen Erlaß des Kaisers, in welchem dieser für die patriotischen Kundgebungen zu seinem Geburtstage feinen Dank ausspricht und hervorhebt, daß die Mehrzahl ter deutschen Wähler ein glänzendes Zeugnis von bem gesunden und patriotischen Sinn des deutschen Volkes, seinem Ver» ständnis für die großen Kulturaüfgaben der Zeit, seinem Vertrauen in die Zukunft des Vaterlandes und seiner unerschütterlichen Anhänglichkeit an Kaiser und Reich vor aller Welt abgelegt habe.

Der Reichskanzler hat derOffenbacher Ztg." auf eine Anfrage mitgeteilt, die deutsche Sozialpolitik

liche Arbeit ist, da sie durch die Spekulation verdrängt worden!"

Vielleicht fühlte Paula, daß ein Vergleich nahe lag, sie brach dar Thema ab, und gab ihrer Verwunderung Aus- druck, daß ihm und verhältnismäßig in so jungen Jahren die selbständige Leitung der im Entstehen begriffenen, groß­artigen Maschinenwerke zugedacht war. Dann fragte sie nach seiner bisherigen Tätigkeit.

KommerzienratElSuer dürfte Ihnen bekanntsein, we- nigsteus dem Namen nach, gnädiges Fräulein," sagte Karl und erzählte von seiner Stellung.

Kommerzienrat ElSner, geiviß, sie hatte den Rainen be- reits mehrfach gehört. Ob ihn in der Fabrik beim Strei­ter Möller eine ähnliche Tätigkeit erwarte, wie beim Herrn ElSner?

Gewiß, die gleiche, da die Möllersche Fabrik ein Kon­kurrenzunternehmen ist."

Sie blickte erstaunt zu ihm auf.Sehen Sie, das hörte ich, ein Konkurrenzunternehmen," sagte sie.

Also es ist wahr, was man mir sagte, und Sie sind Ih­ren» alten Chef untreu geworben?"

Karl fühlte sich durch die Worte unangenehm berührt. Wie meinen Sie, gnädiges Fräulein?" fragte er steif. Kommerzienrat ElSner und ich sind übereingekommen, unS zu trennen, das ist das Ganze."

Wissen Sie, daß der Kommerzienrat sehr leidend ist?" fragte sie, zu ihm aufblickend.

Nein, davon hatte er noch nichts gewußt.

Direktor Möller erzählte es vor einigen Tagen, als er bei uns war."

Sie waren stehen geblieben und ihre Augen folgten der Gestalt des Barons, der von einem der Bauaufseher ge­führt wurde. u

Sind Sie schon im Kesselhaus gewesen?" fragte Karl, »Da Ihr Herr Vater hineingeht, schlage ich vor, i^n zu folgen. Ich bin heute nur herausgekommen, um es zu be- sichtigen." 135,18