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mit amtlichem Areisblatt

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 2. Februar 1907

58. Jahrgang.

Amtliches.

Für unsere in Südwest-Afrika kämpfenden Truppen sind folgende Liebesgaben im Dezember und Januar

hier eingegangen von:

Herrn E. Weichel-Hier

Frau Amalie Wichard-Hier

Ungenannt

Gemeinde Breitenbach

3

10

3

10

Mk.

Herrn Fabrik-Direktor Scherer-Sterbfritz Herrn Frischauf ru Konsum-Verein-Weichersbach Sammlung

unter seinen Mitgliedern 14,25

Sa 60,25 M.

Die Sammelliste wird am 6. Februar geschlossen und obige Beträge werden an ihren Bestimmungort ab- geführt.

Weitere Gaben werden jederzeit gern entgegen ge­nommen.

Schlächtern, den 1. Februar 1907.

Der Kgl. Landrat: Valentin er.

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat zu seinem Geburtstage verfügt, daß zu einer Stiftung für die Schiffsjungen der Marine 100000 Mark von den aus Anlaß seiner silbernen Hochzeit von Schülern und Schülerinnen höherer Schulen zu Marinezwecken gesammelten Geldmitteln verwendet soerden sollen. Dabei hat der Kaiser Unterstützungen tind die Förderung der Berufsfreudigkeit unb eines ge­sunden Sportsinnes der Marinejugend aus unbemittelten Kreisen im Auge.

Auf der deutschen Geweihausstellung in Berlin erhielt den ersten Kaiserbecher für den besten deutschen Rothirsch der Herzog von Pleß für einen Dreizehnender, den zweiten Kaiserbecher der Kaiser selbst für einen ungeraden Zweiundzwanzigender. Den ersten Schild für Einzelgeweihe erhielt der König von Sachsen für einen Zweiundzwanzigender

Man nimmt allgemein an, daß der neue Reichs­tag am 14. Februar eröffnet werden wird, und zwar vom Kaiser selbst mit einer Thronrede. Am 15. würde die Wahl des Präsidiums stattfinden.

Der Etat für 1907, der dem alten Reichstag schon im Dezember zugegangen war, wird dem neuen unverändert vorgelegt werden. Manche Aenderungen, auch mit Bezug auf Südwestafrika, werden sich während der Beratung im Reichstag ergeben.

Iaksche Areunde.

Roman von Elwin Starck.

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Lassen wir meine Empfindungen aus dem Spiel," sagte Paula kühl,und behalten wir das Praktische im Auge. Sie gebrauchen also die Ländereien?"

Ich gebrauche sie," bestätigte der Direktor, der sich in der unangenehmen Lage befand, Teilnahme zu heucheln, dieernicht empfand.WenndieBahn weitergeführt wird, und sie wird es unbedingt, sobald die Fabrik steht, da­für bürge ich, dann wird der Schienenstrang mitten durch den Park gelegt werden. Sehen Sie, bitte, einmal hier­her."

Mechanisch blickte Paula auf dieSpezialkarte, die Möl­ler vor ihr ausbreitete.

Hier werden die Schienen liegen," sagte er.

Warum gerade dort?" fragte Paula mechanisch.

Weil es die gerade Richtung ist," antwortete Möller. Ich verstehe vollkommen," sagte sie, sich zur Ruhe zwingend.Der Eisenbahn müssen wir weichen."

Müssen . . nicht," entgegnete der Direktor, indem er sicherhob.Der Entschluß liegt bei Ihrem Herrn Vater. Herr Baron, ich darf Sie wohl bitten, mir Ihre Ent­scheidung möglichst bald zukomme» zu lassen," fuhr er, sich verabschiedend, fort,bald, ich betone daS wieder. Sie fassen ich habe bereits seit Wochen mit den Vor- und Erdarbeiten begonnen; jede Stunde kostet Geld, und soll­ten die Verhandlungen scheitern, wären Arbeit und Ko- sten uiipoiist gewesen. Ich will zwar nicht hoffen, daß bieS ßsb^lleht, allem," er zuckte die Achseln,ich muß doch mit dreier Möglichkeit rechnen. Mein gnädiges Fräulein, ich habe die Ehre, mich zu empfehlen; darf ich hoffen, Sie nun auch einmal in Berlin begrüßen zu können?"

Paula biß sich auf die Lippen.Ich mu6 sehr um Cut- schuldigung bitten, den Besuch Ihrer Dainen noch nicht erwidert zu haben," entgegnete sie.Ich werbe ..." Sie HEe sagen wollen, ich werde ihn nächstens abstatten, al- lein sie brächte die Worte nicht über die Lippe».

Der Geburtstag des Kaisers ist im ganzen Reiche diesmal besonders festlich begangen worden. Behörden, Gesellschaften und Vereine hatten Festmahle veranstaltet, und überall gaben die Festredner in patriotischen Worten ihrer Freude über den Ausfall der Wahlen Ausdruck. In Berlin begann die Feier um 8 Uhr morgens mit demgroßen Wecken", um 7211 Uhr fand in der Schloßkapelle feierlicher Gottesdienst statt, und hieran schloß sich im Weißen Saale die Gratulationscour, bei welcher der Kaiser zunächst die Glückwünsche der kaiser­lichen Familie, sodann die des Hofes, der kaiserlichen Allerhöchsten und Höchsten Gäste, der Diplomatie und des Staatsministeriums entgegennahm. Um 7S1 Uhr erfolte die Paroleausgabe und die Nagelung und Weihe einiger Feldzeichen im Lichthofe des Zeughauses, wohin sich der Kaiser in Begleitung des Kronprinzen und der Prinzen Eitel-Fritz, Adalbert, August Wilhelm und Oskar vom Eckstoß aus zu Fuß begeben hatte. Die Reichshauptstadt war festlich geschmückt und am Abend glänzend illuminiert.

Ein hochherziger Erlaß des Kaisers, der dazu bestimmt ist, auf eine Einschränkung der Majestäts- beleidigungsprozeffe hinzuwirken, wird imReichsan­zeiger" zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Er lautet: Es entspricht meinem Wunsche, daß wegen Majestäts­beleidigung oder Beleidigung eines Mitgliedes meines Königlichen Hauses nur solche Personen die gesetzliche Strafe erleiden, welche sich jener Vergehen mit Vor­bedacht und in böser Absicht und nicht bloß aus Un­verstand, Unbesonnenheit, Uebereilung oder sonst ohne bösen Willen schuldig gemacht haben. Ich beauftrage daher Sie, den Justizminister, mir, solange nicht das Gesetz eine entsprechende Einschränkung der Strafbarkeit enthält, fortlaufend von Amts wegen über alle nach dem Angeführten berücksichtigungswerten Verurteilungen behufs meiner Entschließung über Ausübung des Be­gnadigungsrechts zu berichten.

Berlin, den 27. Januar 1907. Wilhelm. E."

Das Gesamtresultat der Reichstagswahlen ist folgendes: Endgültig gewählt wurden 237, Stichwahlen davon 160 stattzufinden. Gewählt sind 4 t Konservative, 10 Reichspartei, 18 Polen, 89 Zentrum 20 National­liberale, 6 Freisinnige Volkspartei, 1 Freisinnige Ver­einigung, 29 Sozialdemokraten, 1 Mittelstandspartei, 1 Däne, 10 Fraktionslose und Elsässer, 3 Reform­partei, 2 Bund der Landwirte, 4 Wirtschaftliche Ver­einigung, 2 Deutsche Bolkspartei. An Stichwahlen sind beteiligt 29 Konservative, 19 Reichspartei, 5 Polen,

Der Baron drückte Möller die Hand.Meine Toch­ter wird das Versäumte nachholen, iverter Herr," ver­sicherte er.

Unb Möller sprach etwas von Ehre und Freude und bat den Baron noch einmal, ihm bis morgen telegraphisch seinen endgültigen Bescheid znkvmmen zu lassen. Dann ging er.

Paula stand schweigend am Fenster.

Ihr Vater, der den Gast hinaus begleitet hatte, trat zu ihr.

Nun, Kind, was sagst Du denn zu Möller« Borschlag ?"

Er erschreckt mich und doch habe ich ihn fast vvrans- gesehen," entgegnete sie leise.Mir ahnte, daß unsere Tage in Waldau gezählt seien."

Der Baron ging unruhig im Zimmer auf und ab.Ja, wenn ich frei wäre . . wäre ich nicht gebunben an Händen und Füßen. .."

Dann?" forschte sie gespannt.

Dann würde ich den Vorschlag zurückweisen, allein unter den jetzigen Umständen ist es mir leider unmöglich. Nur zum Schein habe ich um Bedenkzeit gebeten, denn ich kann nicht zurücktreten, kann das Geld nicht zurück- geben, das mir Möller vorgeschossen hat."

Paula wurde blaß.Die Miene des Direktors, als er Dir zum Abschied die Hand gab, ist mir aufgefallen. Ich glaube, er weiß umwehte Verlegenheit. Und warum kannst Du ihm das Geld nicht wieder zurückgeben?"

Weil eingroßerTeil bereits verwendet ist. Dein un» glücklicher, ältester Bruder hat Schulden hinterlassen, Eh­renschulden, deren Tilgung ich übernommen hatte!"

Sie schüttelte den Kopf.Vater, diese Schulden, mit denen ein unbedachter, junger Mensch sich in einer schwü­len Stunde belastet hat, wie kannst Du da von Ehre spre­chen, wie kannst Du ihnen so schwere Opfer bringen."

Der Baron blieb am Tische stehen.Paula, dergleichen Dinge verstehst Du nicht," rief er.Sprich nicht über Sa­chen, die Dir fern liegen 1"

31 Zentrum, 58 Nationalliberale, 27 Freisinnige Bolkspartei. 12 Freisinnige Vereinigung, 92 Sozial- demokraten, 2 Mittelstandspartei, 3 Wildliberale, 4 Welsen, 4 Fraktionslose, 3 Reformpartei, 8 Bund der Landwirte, 12 Wirtschaftliche Vereinigung, 11 Deutsche Volkspartei. Die Größe des diesmaligen Erfolges der bürgerlichen Parteien ist daran zu ermessen, daß bei den Hauptwahlen von 1903 bereits 54 Sozialdemokraten endgültig gewühlt wurden.

Ein schreckliches Grubenunglück hat sich im Wildstock-Schacht bei St. Johann ereignet. Ueber 150 Arbeiter sind das Opfer einer Slagwetter-Explosion geworden. Mehrere hundert Bergleute sind noch ver­schüttet.

Die Erwägungen über die Einrichtung des elektrischen Betriebes auf preußischen Vollbahnen sind, wie aus sicherer Quelle verlautet, im bejahenden Sinne abgeschlossen worden. Zunächst soll auf der 100 Kilo­meter langen Strecke Altona Kiel mit dem elektrischen Betriebe ein Versuch gemacht werden, von dessen Aus- fall es abhängen wird, ob auch längere Strecken für einen solchen Betrieb in Aussicht zu nehmen sind. Der elektrische Betrieb AltonaKiel wird nicht allein den Personen-, sodern von vornherein auch den gesamten Güterverkehr umfassen.

Die Verhandlungen der deutschen und amerika­nischen Tarifkommissare, die in Berlin geführt wurden, sind beendet. Ein Handelsvertrag ist nicht vereinbart worden, weil die amerikanischen Unterhändler keine Vollmacht dazu besaßen. Man hat sich jedoch über die Grundlage verständigt, auf der eventuell mit Zu- stimmung des Reichstags unb des Kongresses ein Handelsvertrag abgeschlossen werden könnte.

Wieder ist die Verurteilung eines polnischen Geistlichen erfolgt. Der päpstliche Kammerherr, Präben- dar Josef Klos, Redakteur des katholischenWegweiser" in Posen, wurde wegen Vergehens gegen § HO St. G. B. in drei Fällen der Aufreizung polnischer Kinder zum Schulstreik durch imWegweiser" veröffentlichte Artikel im ersten Falle zu 400 Mark Geldstrafe, im zweiten Falle zu 300 Mark Geldstrafe und im dritten Falle zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt, insgesamt zu elfhundert Mark Geldstrafe.

Zu erheblichen Ausschreitungen infolge des polnischen Schulstreiks kam es im Dorfe Casparus, Kr. Tuchel. Ein großer Haufe Polen drang in das Schulhaus ein, mißhandelte den Lehrer, zerschlug die Möbel und zertrümmerte das Telephon. Zur Aufrecht-

Und Martin?" fragte Paula.Die Rücksicht auf den Toten überwiegt am Ende doch nicht die Pflicht gegen den Lebenden."

O, mit Martin habe ich bereits gesprochen," sagte der Baron, und zuckte die Schultern.Er wird sich in das Unvermeidliche fügen, sich an den Schreibtisch setzen, in sei- neu Büchern kramen und wissenschaftliche Abhandlungen schreiben. Ueber kurz oder lang hat er Waldau vergessen. Ich kenne ihn. Wenn er anders wäre, so., doch warum Sachen erörtern, die nicht zu ändern sind. Martin hat auch nicht einen Tropfen meiner Blutes in den Adern," setzte er zornig hinzu.

Paula schwieg.

Wenn er anders wäre, wenn er Ottomar gliche," setzte der Baron hinzu,dann .. ja dann. Doch warum sich mit Hypothesen plagen?"

Vater, Du hast mir soeben erzählt, in welch' schwere Verlegenheit Dich Ottomars Leichtsinn gestürzt hat," sagte Paula und ihre Stimme klang vorwurfsvoll.

Der arme Junge starb, sonst wäre es natürlich an« ders gekommen," belehrte sie ihr Vater.Einem Kavalier von Ottomars Vorzügen bleibt immer die reiche Frau, um seine mißlichen Vermögensverhältnisse zu rangieren. Ma» tin . ." er machte eine wegwerfende Handbewegung.

Martin würde zu stolz sein, um zu derartigen Mit- teln zu greifen," widersprach Paula.

Der Baron lachte höhnisch auf.Wenn man Dich reden hört, so sollte man meinen, Du wüßtest nicht, wie es in der Welt zugeht. Hundert und aberhundert Standesge­nossen haben getan, wie ich sagte, haben nach Geld ge­heiratet, und kein vernünftiger Mensch hat es ihnen ver­dacht." 135,18

Paula richtete die schönen Augen auf den Vater.Ich fürchte, ich werde Dich nicht verstehen," sagte sie.Seit unvordenklichen Zeiten hat es unter den Wuhlenburgs kei­nen Kaufmann gegeben, sie haben nie Talent zum Rech- neu gezeigt, ja ich gestehe es, vielleicht zu wenig."