mit amtlichem Areisblatt
Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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32 9. Mittwoch, den 30. Januar 1907. 58. Jahrgang.
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Deutsches Reich.
— Durch einen deutsch-dänischen Vertrag, der soeben abgeschlossen worden ist, wird bestimmt, daß den sogenannten „staatenlosen Optantenkindern" in Schles- wig auf ihren Antrag die preußische Staatsangehörigkeit zu verleihen sei. Es bedeutet dies den festen Willen der beiden Regierungen, die in den Grenzgebieten bestehenden Spannungen zu beheben. Damit verlieren deutschfeindliche agitatorische Bestrebungen diesseits der Grenze jede Aussicht auf Rückhalt der dänischen Regierung. Der Vertrag wird in den beteiligten Be- Völkerungskreisen der Grenzbezirte den inneren Frieden fördern und das gut angebahnte freundnachbarliche Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und Dänemark weiter kräftigen.
— Wie mit zweierlei Maß die Polen messen, die über „Vergewaltigung" wegen des deutschen Religionsunterrichts schreien, zeigt folgendes Vorkommnis: In Schrobst hatten die deutschen Katholiken an das erz bischöfliche Ordinariat in Posen die Bitte gerichtet, ihnen in Schroda monatlich einmal eine deutsche Andacht zu gewähren, da viele von den deutschen Katholiken der polnischen Sprache nicht mächtig seien. Diese gewiß nicht unbescheidene Bitte ist vom Oberhaupte der Posener Geistlichkeit rundweg abgeschlagen worden. Das ist polnische „Toleranz"!
— Ueber eine schöne Ovation für den Fürsten Bülow wird aus Berlin berichtet. Am späten Abend des Wahltages zog eine 3 bis 4000köpfige Menge nach dem Reichskanzlerpalais und sang patriotische Lieder. Der Reichskanzler erschien und wurde mit brausendem Hurra empfangen. Er bedankte sich für die Begrüßung und sagte: „Mein großer Amtsvorgänger, vor dem Wir alle in Ehrfurcht uns neigen, hat vor bald 40 Jahren gesagt: „Setzen wir das deusche Volk in den Sattel, reiten wird es schon können." Ich hoffe und glaube, das deutsche Volk hat heute gezeigt, daß es noch reiten kann. Und wenn bei den Stichwahlen jeder seine Schuldigkeit tut, so wird die ganze Welt Erkennen, daß das deutsche Volk fest im Sattel sitzt und alles niederreitet, was sich seiner Wohlfahrt, seiner Größe in den Weg stellt. Und nun, meine Herren, bitte ich Sie, mit mir emzustimmen in den Ruf: Die Nation, das deutsche Volk, hoch, hoch, hoch!" Stürmischer Jubel der Menge beantwortete die Ansprache, und das Lied „Deutschland, Deutschland über alles" brauste durch die stille Nacht.
— Einen schönen Beweis der Arbeiterfürsorge hat der Minister der öffentlichen Arbeiten gegeben, indem
Iaksche Irennde.
Roman von Elwin Starck. 32
Er sah sie mit forschenden Augen an.
Sie errötete unter dem langen Blick und fragte doch beinahe herausfordernd: „Sie widersprechen mir ja gar nicht! Was haben Sie an meiner Bemerkung auszusetzen ?"
„AnSzusehen? Durchaus nichts, Fräulein Helene! Ich finde sogar, Sie haben recht, sehr recht; nur ist es nicht jedermann gegeben, Ihre Grundsätze zu befolgen."
Sie zuckie die Achseln. „Wohl möglich," meinte sie. „Das Leben ist eine Kunst, und wie ich glanbe, die schwierigste, denn gerade die besten Menschen scheitern an ihrer Ans- führnng. Doch begeben wir uns der philosophischen Gespräche, die Zeit ist nicht gut gewählt. Ich glaube, meine Koffer werben aus der Tür getragen, ich muß mich verabschieden."
„Schon?" fragte Martin tranrig.
Sie reichte ihm die Hand. „Ich wünsche Ihnen viel Glück für Ihr ferneres Leben, Herr v. Wahleuburg, oder wenn Sie es lieber hören: Becker Martin. Biel Glück auch für Ihr neues Werk; ich Hoffe, daß es Ihnen einen Namen machen und alle nur möglichen Ehren eintragen wird. Wenn es heranskommt, werde ich es hoffentlich erfahren. Paula wird mir schreiben, nicht wahr, Panla?"
Draußen fuhr der Wagen vor.
Paula nickte: „Selbstverständlich werde ich schreiben, und zwar recht oft. Schon aus lauter Egoismus werde ich es tun. Es wirb die beste Unterhaltung für mich sein, wenn ich wie bisher Gefühle und Gedanken mit Dir ans- tauschen kann. Und da Martin auf Reisen ist und ich viel allein sein werde, werde ich Zeit in Ueberflnß haben. Adieu, Helene, ober vielmehr, ich sage nichtLebewohl, ich sage auf Wiedersehen."
Noch einen Augenblick hielten sich beide Mädchen tränenden Auges umschlungen, dann riß sich Helene los und flog die Treppe hinunter.
Martin und Paula folgten ihr und kamen noch zur
er in Würdigung der gegenwärtig an vielen Orten bestehenden Teuerungsverhältnisse den Eisenbahndirektionen besondere Mittel zur Bewilligung von Unterstützungen an bedürftige Hülfsbedienstete und Arbeiter zur Verfügung gestellt hat. Bei der Verteilung der Mittel, die ungesäumt in die Wege zu leiten ist, sollen insbesondere Bedienstete mit kinderreicher Familie und solche berücksichtigt werden, die infolge von Krankheiten u. s. w. einer außerordentlichen Beihülfe bedürfen. Die den einzelnen Eisenbahndirektionen zur Verfügung gestellten Mittel belaufen sich auf 10 000—66 000 Mk. Insgesamt soll eine halbe Million Mark für diesen Zweck sofort und zum Beginne des nächsten Jahres weiter eine halbe Million Mark aufgewendet werden.
Ausland
— Zur Krisis im ungarischen Ministerium wird aus Budapest gemeldet, daß in dortigen politischen Kreisen der Rücktritt des Justizministers Polonyi als feststehend gelte. Infolge eines Beschlusses, der im Ministerrat gefaßt wurde, hat Polonyi den Slaatsan- walt beauftrat, einen Prozeß wegen Verleumdung gegen seine Angreifer anzustrengen
— Im englischen Ministerium sind wichtige Personalveränderungen vorgenommen worden. Amtlich wird bekanntgegeben, daß der bisherige Unterrichtsminister Birrell das früher von Bryce verwaltete Amt des Staatssekretärs für Irland übernimmt und der jetzige Schatzsekretär Mc. Kennst als Nachfoger Birrells Unterrichtsminister wird.
— Der englisch-amerikanische Zwischenfall ist offiziell auch für England erledigt. Der Staatssekretär der Auswärtigen Altgelegenheiten Sir Edward Grey beauftragte den englischen Geschäftsträger in Washington, Howard, seinen Dank auszusprechen für die Note des stellvenretenden Staatssekretärs Bacon und zu erkären, daß das freunschaftliche Verhalten des Präsidenten Roosevelt und der amerikanischen Regierung von der britischen Regierung sehr geschätzt werde.
— Die Demission des spanischen Kabinetts ist erfolgt und ein neues, konservatives Kabinett gebildet worden. Der König hat bereits das neue Ministerium bestätigt, welches sich folgendermaßen zusammensetzt: Ministerpräsident Maura, Auswärtiges: Allende Salazar Inneres-: Lacierva, Finanzen: Osma, Oeffentliche Arbeiten: Beseda, Krieg: Lona, Marine: Fercandez, Untterricht: Rodriquez Sampedro, Justiz: Marquis Figueroa:
rechten Zeit, um dein scheidenden Gäste noch einmal die Hand zum Abschied zu reichen.
„Lebe lovhl. Auf Wiedersehen!"
Der Kutscher gab einen leichten Schlag mit der Peitsche, die Pferde zogen an und der leichte Wagen knirschte über den Kies und donnerte über die Steine des Torweges.
Die Geschwister gingen stumm ins Hans zurück. Beiden erschien es jetzt leer, öde, verlassen. Etwas Liebes war aus ihrem Leben gegangen.
Da kam der Diener und meldete: Der Herr Baron lasse das gnädige Fräulein bitten, sich in sein Zimmer zu bemühen. Herr Direktor Möller befinde sich bei ihm.
„Einen Augenblick, Martin," sagte Paula, den Bruder zurückhaltend, "der bereits die Tür in der Hand hatte. „Kommst Dn mit, um Herrn Möller guten Morgen zu wünschen?"
Martin schüttelte den Kopf. „Ich will an meine Arbeit gehen," entgegnete er, „das ist das einzige Mittel, um seiner rebellischen Gedanken Herr zu werden. Uebrigens wirst Du jetzt die Nachricht, von der ich vorhin sprach, erfahren; es ist das beste, der Vater teilt sie Dir selber mit."
Er nickte ihr zu und ging zn seinen Büchern.
♦ *
*
Als Paula in das Arbeitszimmer ihres Vaters trat, eilte ihr Möller sogleich entgegen, küßte ihr galant die Hand unb überschüttete sie förmlich mit einem Schwall von Redensarten, die ihr in tiefster Seele zuwider waren.
Ihre ürwibernng klang kühl, sie bat ihn, Platz zu behalten, und wandte sich dann an ihren Vater, der auf dem Sofa saß.
Sein Gesicht war gerötet und die Blicke, die er zuerst auf sie, dann auf den Direktor warf, hatten etwas unsicheres. „Helene ist abgereist?" fragte er. „Gut. Ich wollte Dich eigentlich bitten, das Frühstück zu bestellen, allein der Herr Direktor weist jede Erfrischung zurück, und so bleibt mir nichts weiter übrig . . ."
„Verzeihung, Herr Baron. Ich möchte das gnädige Frätt-
—■ Ueber die Vorgänge in Marokko und die Verfolgung des Kaib Zellal werden folgende Einzelheiten gemeldet: Die Mahalla brach morgens auf, verbrannte mehrere Dörfer und wurde von der ersten Gruppe der Beni Msuar angehalten, die sie durch Kanonenschüsse auseinandertrieb und dann umzingelte. Es wurden 15 Gefangene gemacht. Die Mahalla stieß später noch» mals auf einen zweistündigen Widerstand vor einem andern Dorfe, das von El Ghamit, dem Bruder des Kaid Zellal, besetzt war. Ghamit wurde verwundet und eiligst weggeschafft. Abends griff die Mahalla vergeblich das stark verteidigte Haus des Kaid Zellal an, in dem Zellal und Raisuli sich befanden. Die Verluste der Mahalla belaufen sich auf zwanzig Tote. Etwa 1000 Mann von den Bergstämmen haben sich der Mahalla angeschlossen. Raisuli soll abermals entwischt und nach dem Süden in das fast unzugängliche Gebirge geflüchtet sein.
— Die Räumung der Mandschurei durch Rußland wird beschleunigt. Die russische Regierungchat beschlossen, den durch das Abkommen mit Japan für die Zurückziehung der russischen Truppen aus der Mandschurei festgesetzten Termin bis zum 15. April nicht abzuwarten und die Mandschurei schon jetzt von Truppen zu räumen. Die für die Durchführung des Beschlusses erforderlichen Maßnahmen werden bereits zur Ausführung gebracht, so daß die Zurückziehung der Truppen binnen kurzem beendet sein wird. Die Regierungen von China und von Japan sind von diesem Beschluß durch die dortigen Vertreter Rußlands in Kenntnis gesetzt worden.
— Eine Zuspitzung des amerikanisch-japanischen Konfliktes scheint aus einem Telegramm aus San Francisco hervorzugehen, wonach auf Grund von Anweisungen aus Washington der Einwanderungskommissar 200 japanischen Arbeitern, die aus Honolulu eintrafen, die Erlaubnis zu landen verweigert hat.
Lokales und Provinzielles. Schluchten«, 29. Jan. 1907.
—* Kaisers Geburtstag ist bei uns auch diesmal wieder unter freudiger Anteilnahme der gesamte» Bewohnerschaft festlich begangen worden. Der Schulfeier »m Sonnabend folgten am Sonntag vom Kriegerverein und Turnverein veranstalteten Festlichkeiten, sowie am Sonntag Mittag das offizielle Festessen im prächtig dekorierten Saale zum Deutschen Kaiser, bei dem Herr Landrat Valentiner die Tischrede hielt. In seeinr Rede schickte Herr Valentiner das Motto voraus: „Der
lein nur bitten, sich in keiner Weise zu inkommodieren, und wollte mir nur erlanben, Ihnen „guten Tag" zu sagen, oder vielmehr „guten Morgen". Bei der Erledigung von Geschäftsangelegenheiten darf man eben nicht Rücksicht auf die Zeit nehmen, und so war ich gezwungen, Ihren Herrn Vater schon in früher Stunde anfzusuchen."
„Auf dem Lande ist man an frühe Stunden gewöhnt," sagte Paula kühl. „Bitte, lassen Sie sich nicht stören."
„Ich bin fertig," lächelte Möller, die Papiere ordnend, die er auf dem Tisch ausgebreitet hatte, „fürchte jedoch, daß die Mitteilungen, die ich Ihrem Herrn Vater machte, auch auf Sie, mein gnädiges Fräulein, verstimmend Wirten dürften. Um es kurz zu machen, ich bin nämlich gezwungen, dem Herrn Baron das ganze Terrain des Gutes Waldau abzukaufen oder von dem Kauf über. Haupt abzustehen."
Paula blickte entsetzt auf. „Ganz Waldau," wiederholte sie entsetzt, „und warum das, Herr Direktor?"
„Wie gesagt, ganz Waldau," antwortete Möller, und die kleinen, grünlichen Augen, die die Fähigkeit besaßen, im geeigneten Moment auch gutmütig zu blicken, ruhten teilnehmend auf der Fragstellcriu. „Ich bin untröstlich, Ihnen derartige Forderungen stellen zu müssen, da ich weiß, wie sehr Sie an Ihrer Heimat hängen. Allein, glauben Sie mir, es ist mir unmöglich, von meinen Forderungen abzustehen, die Fabrikanlage bedingt eine derartig erweiterte Ausbreitung; ich bedarf des ganzen Terrains. Allein, wäre das nicht notwendig, ich setze nur den Fall, würden Sie von Ihrem Fenster ans den unschönen Anblick über Fabrikschornsteine haben, würde übelriechender Qualm in die Wohnung ziehen und würben Sie all die Unannehmlichkeiten durchkosten, in allernächster Nähe einer Arbeiterkolonie zu wohnen. . so . . Bitte, malen Sie sich das weitere aus. Mein gnädiges Fräulein, ich wage zu behaupten, daß es für Ihre werte Familie, so wie für Sie das beste ist, derartigen Uebelständen zu entgehen." 135,18