Einzelbild herunterladen
 

Lokales und Prsvmzielles.

Schlüchtern, 25. Jan. 19(17.

*Wenn der Tag fängt an zu langen". Der Januar hat sich urplötzlich auf seine Bestimmung besonnen. Der milden Witterung ist vor einigen Tagen ganz unvermutet eine strenge Kälte gefolgt, die zwischen 10 und 20 Grad betrug und Teiche und Flüsse wieder mit einer festen Eisdecke versehen hat. Mit der Frühjahrstoilette, die man hier und da in ver­schiedenen Gegenden durch Beschneiden der Bäume und Sträucher, Umgraben des Bodens und Neuanpflanz- ungen vornahm, ist es bis auf weiteres also nichts und wenn die jetzige Kältperiode etwa länger anhalten sollte, so stände es schlimm um die schutzlos dem Frost Preisgegebenen Staaten, die wegen Mangels an Scknee stellenweise bereits stark gelitten haben.

* Kürzlich wurde aus Chemnitz berichtet, daß dort durch Genuß von Migränin mehrere Vergiftungen vorgekommen seien. Die gerichtliche Untersuchung der Leichen, sowie der Migräninvorräte in der fraglichen Apotheke haben jedoch ergeben, daß weder das Migränin noch eine Verwechslung desselben die Todesursache ge­wesen ist.

* Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß Fernsprechanschlüsse deren Herstellung in der Zeit vom 1. April 1907 (Beginn des ersten Bauabschnitts) bis Ende Juli gewünscht wird, spätestens bis zum 1. März bei der Fernsprech-Vermittelungsanstalt, an welche die Sprechstelle angeschlossen werden soll, angemeldet werden müssen. Verspätet angemeldete Fernsprechan- schlüsse werden innerhalb des Bauabschnitts, für den sie angemeldet sind, ohne besondere Kosten für den Antragsteller im allgemeinen nur dann hergestellt wenn die Anschlüsse während der allgemeinen Erweiterungs­und Jnstandsetzungsarbeiten und im Zusammenhänge mit diesen Arbeiten ohne Mehrkosten für die Postkasse noch ausgeführt werden können. Ist dies nicht der Fall, so macht die Reichs-Postverwaltung die Herstellung der verspätet angemeldeten Anschlüsse von der Be­dingung abhängig daß die Antragsteller die durch die gesonderte Herstellung der Anschlüsse entstehenden Mehr­kosten (z. B. durch besondere Entsendung eines Bau­trupps, Stellvertretungskosten der Baubeamten w.), mindestens jedoch einen festen Baukostenzuschuß von 15 Mark für jeden Anschluß entrichten.

* Am Sonntag den 20. Januar abends 8 Uhr fand nach vorhergegangener Bekanntmachung im Stoppelschen Saal in Elm eine gut besuchte Versamm­lung statt, in welcher Herr Pfarrer Meyer aus Spiel­berg, Kreis Gelnhausen, über Zweck und Ziel sowie über die Tätigkeit des evangelischen Bundes einen Vor- trag hielt. Die Versammelten lauschten mit Aufmerk­samkeit den überzeugenten und beredten Worten des Vortragenden, der in V^stündiger Rede an der Hand zahlreicher Beispiele bewies, wie notwendig die Gründung des evangelischen Bundes zum Schutz gegen Uebergrisfe des Ultromontanismus und zur Wahrung unb Stärkung der evangelischen Interessen ist. Er wies auch darauf hin, daß in Nachbarorten wie Steiuau, Schlüchtern und Neuhof bereits Zweigvereine des Bundes bestehen. Die Versammlung hatte den Erfolg, daß 48 Personen ihren Beitritt zu dem neugegründeten an den Haupt­verein Kassel angegliederten Zweigverein Elm erklärten.

* Die Maul- und Klauenseuche ist trotz aller Absperrmaßregeln an den Grenzen augenblicklich wieder in unerfreulicher Weise in Deutschland in Zunahme begriffen. Besonders stark grassiert sie in Elsaß-Loth­ringen, wo am Jahresanfang nickt weniger als 10 Kreise, 22 Gemeinden und 55 Gehöfte von der Seuche befallen waren. Inzwischen hat sie sich ja noch weiter ausgedehnt. Eingeschleppt soll sie von Frankreich aus sein.

* DieFrDaer Zeitung" hat in letzter Stunde noch vonkompetenter Seite" erfahren, daß Herr Amts­richter Hengsberger Antisemit sei. Diekompetente Seite folgert dies daraus, daß angeblich Herr Amts- Achter Hengsberger im Greife Gersfeld nicht von der konservativen, sondern von der antisemitischen Partei ausgestellt worden sei. Beides ist unwahr: Weder ist Herr Hengsberger Antisemit dies geht für jeden nicht voreingenommenen Wähler aus der klipp und klar gefaßten Erklärung des Herrn H. hervor noch auch ist er im Kreise Gersseld von der antisemitischen Partei aufgestellt worden, sondern er ist von allen im Gegen­satze zu den Zentrumswählernnational" denkenden Wählern aufgestellt worden, eine Tatsache, die der Fuldaer Zeitung" wohlbekannt aber unbequem ist und deshalb geleugnet wird. Diese unsere Feststellung wird auf den Wahlkampf selbst keinen Einfluß mehr haben können, denn zu der Zeit, wo diese Zeilen in Druck gehen, ist die Wahl schon im Gange. Wir halten uns gleichwohl zu der Feststellung für verpflichtet, um die Kandidatur Hengsberger nicht in falschem Lichte erscheinen zu lassen. Wir weisen dabei mich wiederholt auf die skruppellose Art hin, wie dieFuldaer Zeitung" den Wahlkampf geführt hat. In letzter Stunde veröffentlicht sie diese unwahre Mitteilung vonkompetenter Seite", wohl wissend, daß eine Richtigstellung nicht mehr recht­zeitig erfolgen kann. Sie beweist damit, daß es ihr , nur auf ein Wahlmanöver gröbster Art ankam, daß sie alle Mittel, für ihren Kandidaten Stimmen zu fangen,

Wie man Hort, gedenkt der Kaiser auch in diesem Frühjahr eine Erholnngssahrt nach dem Auslande zu unternehmen. Welches Ziel diese Fahrt haben wird, weiß man nicht; so viel aber steht fest, daß Italien das Ziel nicht sein wird.

Die deutsch-südwestafrikanische Feldpost besteht jetzt drei Jahre. In dieser Zeit sind 0 777 500 Briefe und Karten und 95 586 Pakete befördert worden.

Der Reichskanzler Fürst Bülow hielt bei dem vom kolonialpolitischen Aktionskomitee in Berlin ver- anstalteten Essen eine bedeutsanie Rede, in der er die Gründe für die Auflösung des Reichstages und die Forderungen des Tages darlegte. Nach der Haltung der Mehrheit im Reichstage fei der Regierung nichts übrig geblieben, als an das Volk zu appellieren. Die Behauptung des Zentrums und der Sozialdemokratie, das Budgetrecht des Reichstages sei verletzt, Volksrechte seien in Gefahr, sei nur eine Irreführung der Wähler über die Gründe der Reichstagsauflösung, ebenso wie die Redensart von der Gefahr des Absolutismus. Der Kaiser habe bei der Auflösung des Reichstages nichts anderes getan, als daß er den Rat des Reichskanzlers und den Vorschlag des Bundesrats gutgeheißen hat, von einem verfassungsmäßigen Rechte Gebrauch zu machen. Nächstes Ziel sei, eine Mehrheit von Konser­vativen und Liberalen zu schaffen und dem Zentrum die Möchlichkeit zu nehmen, an der Seite der grund­sätzlich auf Dissonanzen bedachten Sozialdemokratie zum Schaden des Vaterlandes Machlpolitik zu treiben gegen die verbündeten Regierungen und gegen alle andern Parteien. Ein Reichstag, dessen Mehrheit iu nationalen Fragen nicht versagt das sei die Forderung des Tages. Wer dieser Ueberzeugung sei, der solle ihr nachfolgen und nicht warten auf Anerkennungen und Versprechungen für die Zukunft, sondern sei Mannes genug, sich selber Geltung zu verschaffen. Der Reichs­kanzler schloß seine von anhaltendem Beifall begleitete Rede mit der Mahnung:Mögen so wie Sie hier, meine Herren, alle nationalen Elemente von der konser­vativen Rechten bis zur fortschrittlichen Linken ohne Ansehen der Religion bei den Wahlen ihre Sonder- interessen zurückstellen hinter die nationale Pflicht und Schuldigkeit!"

Ausland

Betreffs Deutschlands Handelsverhältnis zu den Vereinigten Staaten schreibt der New DörferSun", daß die Politik der amerikanischen Regierung, die da­hin gehe, einen Doppeltarif einzuführen, täglich mehr Anhänger gewinne. Roosevelt beabsichtige, den Bericht der Berliner Tarifkommission dem Kongreß mit einer so nachdrücklichen Empfehlung vorzulegen, daß die An­nahme eines Doppeltarifes keineswegs ausgeschlossen sei. Jedenfalls sind die Aussichten auf eine handels­politische Verständigung mit Deutschland bedeutend günstigere geworden.

Die französische Bischofskonferenz hat in ihrer Adresse an den Papst ihn ihrer einmütigen und über­zeugten Zustimmung zu dem Urteil des Heiligen Stuhles über das Kultusgesetz versichert. Die Bischöfe erklären, der religiöse Friede werde erst wieder hergestellt werden durch die Achtung vor der kirchlichen Hierarchie, die Unverletzlichkeit der Güter und der Freiheit. Sie weisen energisch die Unterstellung zurück, daß der Papst unter ausländischem Einfluß handle, und daß der französische Episkopat mit mehr Disziplin als Ueberzeugung seinen Anweisungen Folge leiste. Die Bischöfe betonen, daß sie arbeiten werden in voller Freiheit, und schließen mit der Versicherung ihrer Liebe für Frankreich, ihrer Unterwerfung unter die staatlichen Einrichtungen, ihres Respektes vor der obersten Gewalt und ihrer Entschlossen­heit, dem Vaterlande alle Opfer zu bringen, die mit dem Glauben und der Ehre vereinbar sind.

In der spanischen Provinz Santander hat ein blutiger Zusammenstoß wegen der Konsumsteuer zwischen der Einwohnerschaft und der Gendarmerie stattgefunden. Die Gendarmen machten von ihren Schußwaffen Ge­brauch ; acht Demonstranten wurden erschossen, viele schwer verwundet.

In Rußland haben die Wahlen zur Reichsduma begonnen, und zwar mit den Wahlen ersten Grades in der Arbeiterschaft der Petersburger Fabrikeu. In 27 Fabriken wurde nicht gewält, weil die Polizei den Termin zu spät bekannt gegeben hatte. Nach dem Ergebnis, das aus 49 Betrieben vorliegt, sind 53 Wahlmänner ersten Grades gewählt, darunter ein revolutionärer Sozialist, 21 Sozialdemokraten, 19 Anhänger der Linken, 2 Kadetten, 9 Gemäßigte und ein Anhänger der Rechten. In 128 weiteren Betrieben finden die Wahlen am 27. Januar statt.

Ein ernster englisch-amerikanischer Konflikt ist wegen der amerikanischen Hülfeleistung für die auf der Insel Jamaika gelegene und durch ein Erdbeben zer­störte Stadt Kingston ausgebrochen. Der englische Gouverneur verbat sich die Hülfe der amerikanischen Marine, worauf die amerikanischen Schiffe abdampften. Die Sammlungen für Kingston in New Aork sind ein­gestellt worden.

als durch diesen Zweck geheiligte anfleht. Daß die Fuldaer Zeitung" in der gleichen Nr. 20 unsere Aus­führungen zur Wahl in unserer vorigen Nummer als krampfhaften Wiederlegungsversuch" als verlorene Liebesmüh hinstellt, sachlich aber nicht ein Wort zu erwidern weiß, zeigt dentlich, wie Recht wir hatten, als wir letzthin feststellten, daß dieFuldaer Zeitung" mit ihrem Wahl-Latein zu Ende war, daß sie einfach sachlich nichts zu erwidern weiß.

* Bei der heute Freitag stattgefundenen Reichs­tagsmahl fielen die Stimmen-der Stadt Schlüchtern auf folgende Herren:

Amtsricht. Hengsberger-Schlüchtern (natl.) 543 Stimmen. Richard Müller-Fulda (Zentr) 26 Stimmen. Romanus Göller-Frankfurt (Soz.) 8 Stimmen. Ferner erhielt Herr Amtsrichter Hengsberger Stimmen ; In Heubach 159 Sterbfritz 225 Breitenbach 126 Oberzell 175 Schwarzenfels 100 Elm 217 Niederzell 76 Altengronau 204 Neuengronau 79 Marjoß 125

* Die Stadtverordnetenversammlung in Gelnhausen hat den Ausbau der bestehenden Mittelschule zu einer Oberrealschule beschlossen. Die Errichtung einer höheren Mädchenschule soll erwogen werben.,

Vermischtes.

Die zahlreichen Einbrüche, die in letzter Zeit in Thüringen, besonders in Thal und Heiligenstein verübt wurden, stammen von einer Diebsgesellschaft in Eisenach, bereit Führer von der Eisenacher Polizei verhaftet wurde. Man fand bei ihnen ein großes Schlächtermesser und zahlreiche Werkzeuge vor, ferner die Photographien seiner Komplizen, denen man auf der Spur ist.

Unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung in Straßburg, wurden dieser Tage die letzten Reste der verunglückten Opfer von Geispolsheim beigesetzt. Eine einzige große Kiste, die gerade Raum für einen Menschen bot, hatte genügt, die Reste von 21 Leichen aufzunehmen.

Der des Mordes an seiner Schwiegermutter verdächtige Rechtsanwalt Hau in Baden-Baden wurde am Montag durch den Untersuchungsrichter Fischer- Karlsruhe am Tatorte in Baden-Baden mit Personen, die den Mörder zur Zeit gesehen hatten, konfrontiert. Wie verlautet, wurde ein positives Ergebnis nicht er­zielt. Hau leugnet nach wie vor die Tat.

Aus dem Haag wurde gemeldet, daß die ost- indische Insel Simeulu bei Atjeh von einer ungeheuren Springflut heimgesucht wurde. Auf der Insel wurde die ganze Südküste zerstört. Die Insel Simelnatwet ist fast ganz im Meere verschwunden. Der Verlust an Menschenleben ist groß, es wird von 1500 berichtet.

Am vergangenen Sonntag wütete in Buffalo ein heftiger Sturm, der einen Schaden von über einer Million Dollars anrichtete; fünf Seedampfer sind auf Grund geraten. Soweit bisher bekannt, haben zwei Menschen dabei ihr Leben eingebüßt.

Die Artilleriekaserne in Torgau a. d. Elbe ge­riet in Brand. Der Feuerwehr und den Truppen gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Der Dachstuhl der Kaserne I wurde vernichtet, die Be­kleidungskammer und die Regimentshandwerksstätte bräunten aus.

Auf der Bigford-Eiseubahn in Sandford wurden am vergangenen Samstag durch die Explosion einer Ladung Petroleum eines Güterwagens 19 Personen getötet und mehrere schwer verwundet.

Bochum. In einem Geräteschuppen auf einer Ruhrwiese bei Willen wurde ein unbekannter, etwa zwölfjähriger Knabe erfroren aufgesunden.

In einer Familie in Aachen ereignete sich ein tragischer Fall, daß an einem Tage 3 Angehörige der Familie starben. Zuerst starb die 40jährige Tochter, eine halbe Stunde später die 61jährige Mutter, und unmittelbar darauf der 80jährige alte Vater.

Ein auswärtiger Albeiter, der seit einiger Zeit in Wanfried wohnte, wurde wegen Bigamie verhaftet. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß er vor zirka 15 Jahren sich in einem Orte in Schlesien und dann später vor vier Jahren in Wanfried nochmals in Hessen verheiratet hat.

MESSMERth"

Ferd. Fenner, J. Fehl u. Apotheker Aug. Müller.

Kirchlicher Anzeiger für Schlächter«.

Evangelische Gemeinde:

Sonntag, den 27. Januar 1907.

Morgengottesdienst Herr Superintendent Orth' Abeudsgottesdienst (7 Uhr) Herr Pfarrer Rollmann.

Wochendieust: Herr Superintendent Orth.

Katholische Gemeinde Gottesdienst: 10 Uhr Herr Pfarrer Richter-Herolz.