mit amtlichem Kreisblatt
Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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J.-Nr. 242. K.»A. Für 1907 sind folgende Bullen- körungstermine festgesetzt:
2. März in Schlüchtern
4. Mai „
6. Juli in Sterbfritz
7. September in Steinau 23. November in Schlüchtern.
Schlüchtern, den 21. Januar 1907.
Der Kgl. Landrat: Valentiner.
Zum Geburstage des Kaisers,
Heut' sollst du, Eos, roseuprächtig steigen Im fernen Osten zum Zenit empor, Zu schmücken hold den hehren Tagesreigen.
Erschließe ganz dein goldnes Strahlentor, Du sollst des Kaisers Wiegenfest verschönen, Brich glückverheißend durch der Wolken Flor, Und während frohe Jubellieder tönen, So mache, Hinimelstochter, dich bereit, Das Kaiserschloß mit Purpurglanz zu krönen! —
Und Hosianna, welche Herrlichkeit! Von Türmen, Haus und Hütte flattern Fahnen, Und Glockeuklang im Land weit und breit Will Deutschlands Gaun zur Festesfeier mahnen. Des Volkes Liebe hat sich zugesellt, Sie bleibt Dir, Kaiser, treu wie Deinen Ahnen.
So ist die Brust urkräftig Dir geschwellt, Dein Zollernthron auf Felsen fest gegründet Und, weil Du Gott vertraust, auch wohlbestellt.
Die deutschen Stämnie stehn um Dich verbündet, Daß sie entfalten sich als mächt'ge Eiche, Die Deutschlands Größe übers Meer verkündet — Drum Heil Dir, Kaiser! Heil dem DeutscheuReiche!
Kaisers Geburtstag.
Wieder ist ein inhaltreiches, bewegtes Jahr über das Haupt unseres Kaisers dahingegangen, und wieder hat es den Tag seines Wiegenfestes heraufgeführt, an dem aller Patrioten Sinne und Gedanken an den Stufen des Thrones weilen und aller Herzen sich in einer Glut, einer Liebe und einem Wunsche zusammen- schließen. Ein Band warmer herzlicher Liebe schlingt sich in unserm Vaterlande um Fürst und Volk. An den Freudentagen unseres Herrscherhauses fühlen wir u«s als eine große Familie, die glückwünschend und
Samstag, den 26. Januar
mitfühlend um den geliebten Landesherrn sich schart, in dem wir gewohnt sind den Vater des Vaterlandes zu verehren.
Unser Kaiser steht auf der Höhe seiner Kraft als ein Fertiger vor uns, dessen Art und Wesen Veränderungen im großen nicht mehr erfahren dürfte. Er ist unbestreitbar die interessanteste Persönlichkeit unseres Zeitalters geworden, sein Name wird heute im In- und Auslande mit hoher Achtung genannt, und zahlreiche Stimmen der Anerkennung und Bewunderung kommen von Seiten und Personen, denen nichts ferner liegt als irgend welche Schmeichelei. Und dem deutschen Volke ist sein Kaiser ein Hort und Hüter, zu dem wir felsenfestes Vertrauen haben. In steter treuer Pflichterfüllung, in rastloser Tätigkeit und in innigem Verein mit den verbündeten deutschen Fürsten setzt unser Kaiser seine ganze Kraft daran, den Frieden zu schirmen, die Wohlfahrt seines Volkes und jedes einzelnen seiner Glieder zu heben. Ohne Ueberhebung dürfen mir unter solcher Führung, im Besitze der schwer errungenen nationalen Güter, getrost in die Zukunft blicken; denn noch niemals hat es in der tausendjährigen Geschichte unseres Vaterlandes eine Periode gegeben, wo die Machtmittel und Einrichtungen zur Wahrung unserer Freiheit und Unabhängigkeit nach außen, sowie die Festigkeit und Lebenstäligkeit im Innern auf solcher Höhe standen wie heute. Durch einzelne trübe Erscheinungen, die der Zeitgeist gebar, dürfen wir uns in dieser Ueberzeugung nicht irre machen lassen, diese sollten vielmehr für jeden Vaterlandsfreund ein Ansporn sein, Verirrungen im Volksleben zu bekänipfen und nach seinen Kräften mitzuarbeiten an dem Wohle des uns allen teuren Ganzen.
Bei aller Friedensliebe, die unsern Kaiser beseelt, hat er es aber anderseits auch stets durchzusetzen gewußt, daß Deutschlands politische Bedeutung überall auf Erden gewürdigt und voll anerkannt wird. Und dennoch gibt es auch wieder keinen tieferen Wunsch in seiner Seele, als den Zusammenschluß der Völker im allgemeinen Kultur-interesse. Kaiser Wilhelm lebt mitten in den geistigen Strömungen und steht auf aller Höhe der wissenschaftlichen Erkenntnis unserer Tage. Das helle Licht der Forschung dringt durch die Fenster des Kaiserhauses und beleuchtet dort des Zeitalters Interessen, ibie vom Throne Schutz und Förderung erwarten; Kunst und Wissenschaft, Handel und Gewerbe, Landwirtschaft und Handwerk und nicht zum mindesten auch die deutsche Arbeiterschaft finden gleiche Beachtung bei ihm. Er wacht darüber, daß Gesetz-
7, 58. Jahrgang.
Mäßigkeit herrsche und auch dem Niedrigsten und Ge Ängsten sein Recht werde.
An dem Geburtstage unseres Kaisers sollen wir aber immer wieder daran denken, woraus die deutsche Kaisermacht mit allen ihren Segnungen hervorgegangen. Die herrliche Krone ist geschmiedet auf dem Felsen von Erz, als welchen sich in den Kämpfen und Umwälzungen der Jahrhunderte das preußische Königstum, dank der Pflichttreue der Hohenzollern und dank der Opferfreudigkeit eines braven Volkes, bewährt hat. An diesem Fels von Erz, von Kaiser Wilhelm I., dem ewig unvergeßlichen großen Herrscher, durch ein einiges Deutschland vergrößert und verstärkt, der ebenso das herrliche, unveräußerliche Palladium seines erlauchten Enkels Wilhelm II. ist, werden sich auch die brandenden Wogen der kommenden Jahrhunderte brechen.
So feiern wir denn Kaisers Geburtstag mir Dank gegen Gott, der unsern Kaiser und sein Haus auch in dem verflossenen Lebensjahre treu beschirmt und sein Walten für das deutsche Volk und Vaterland gesegnet hat. Möge unserm Kaiser ein langes, glückliches Leben beschieden sein, möge er nach einem Menschen- alter noch und darüber hinaus wie heute ein Mehrer des Reichs, ein Wächter des Friedens und Hüter aller Wohlfahrt des Landes sein! Das sei unser Geburtstagswunsch !
Deutsches Reich.
— Der Kaiser begab sich Mittwoch morgen 9 Uhr im Automobil nach Potsdam, um dort den Rekrutenbesichtigungen beim 1. Garde-Regiment beizuwohnen.
— Mittwoch abend hielten Ihre Majestäten im Rittersaals des Kgl. Schlosses die diesjährige Dcfilier- kour für alle Herren vom Militär ab unter gleichem Zeremonell wie am Dienstag in Gegenwart der Prinzen und Prinzessinnen des Kgl. Hauses, des Hofstaates, Umgebung und Gefolges. Die Musik führte auch am Mittwoch die Kapelle des Garde-Füselierregimentes aus. Unter den Klängen des Krönungsinarsches aus den „Folkungen" begannen die Admirale und Generale zu defilieren, die Offizierkorps der Berliner militärischen und Marinebehörden, der Garde und übrigen Truppenteile und militärischen Anstalten von Berlin Potsdam u. s. w.
— Der Kaiser hat dem Fürsten und der Fürstin zu Schaumburg-Lippe bei seinem letzten Aufenthalte in Bückeburg die Zusage erteilt, ihrer silbernen Hochzeit, deren Feier am 16. April dieses Jahres vor sich gehen wird, beizuwohnen, „falls er dann in Deutschland sei."
Ialsche Ireunde.
Montan von Elwin Starck. 31
ES war früh am Tage. An schwankenden Gräsern spannte der Tau weißschimmernde Netze auf, die weiten Glasflächen waren wie mit Perlenschnüren umzogen. Hin- ter den grauen Wolken aber blinzelte die Sonne so schläfrig hervor, als lohne es sich nicht mehr, die müde nud alt gewordene Natur mit ihrem Gold zu überkleiden.
Kühl wehte der Wind, fegte das Laub von den Zweigen und streute braune Blätter über die Wege, die Bäume waren kahl geworden, nur hier und da an den «lackten Aesten leuchteten die Beeren der Ebereschen, und ihr Rot brächte etwas Farbe in das dnnkle Bild.
Paula band das schwarze Spitzentuch, da» ihr der Wind zu entführen drohte, fester um die Haare und raffte das Kleid ein wenig höher. In Gedanken versunken, wollte sie ihren Weg fortsetzen, als sie plötzlich stehen blieb, während ein Schatten über ihre Züge flog. Helene hatte ihre Abreise für heute festgesetzt; die wenigen Stunden die ihr, Paula, in der Gesellschaft der lieben Gefährtin vergönnt waren, wollte sie nicht versäumen. Sie wandle also ihre Schritte und ging dem Hause zu.
Helene würde ihr fehlen, sehr fehlen, ganz sicherlich. Und doch, wie schwer ihr auch der Abschied fiel, trotz- dem sagte sie sich, daß für das lebhafte und an Tätigkeit gewöhnte Mädchen die Stille des Landlebens auf die Dauer nicht zuträglich, ja nicht einmal wünschenswert sei.
Helene hatte in dem Hause eines Botschaftssekretärs in London eilte, wie es schien, sehr günstige Stellung gefunden und würde dort sicherlich viel Anregung haben.
Martin hatte sich zwar gegen die Annahme des Postens erklärt und verschiedene dunkle Punkte herauSgefun- den, allein, da er wünschte, die Consine zum Bleiben zu bewegen, n>av er selbstverständlich nicht unparteiisch im Urteil.
Im Blumengarten machte Paula Halt, brach einen
Geraniumsteugel und pflückte die letzten Rosen, die noch an einem geschützt stehenden Bäumchen erblüht waren, als sie die Treppenstufen zur Veranda Hinaufstieg.
Als sie über den laugen Korridor des Erdgeschosses ging, in dem die Arbeitsräume des Barons lagen, hörte sie den Klang lauterStimmen. Inder einen erkannte sie die ihres Vaters, doch die andere? Wem gehörte sie? „Direktor Möller," murmelte die junge Dame, während sich ein bitterer Zug um die schön geschwungenen Lippen legte. „Was führt ihn abermals hierher? Ich fürchte, wir werden nicht zur Ruhe kommen, so lange er uns mit seinen Besuchen beehrt!"
Da wurde Martins schlanke Gestalt auf der Treppen- stufe sichtbar. Er lehnte sich über die Brüstung und nickte ihrzn: „Schwesterlein, kommst Du endlich zum Frühstück! Da Helene es verschmähte, den Kaffee allein mit mir zu trinken, haben wir uns beide im Hungern geübt und sind bereits dem Tode nahe."
Martin versuchte einen scherzenden Ton anzuschlagen, allein, daß ihm die neckenden Worte nicht recht aus bem Herzen kamen, sah man seiner bedrückten Miene an.
„Direktor Möller ist beim Vater," sagte Paula.
Er nickte: „Ja, vor einer kleinen Viertelstunde ist der hohe Herr eiugetroffeu. Weißt Du, welcher Art seine Ge- schäfte sind?"
„Keine Ahnung, Martin. Was ist? Er bringt doch nichts Unangenehmes, oder gar Schlimmes?"
„Schlimmes?" Der Brnder zuckte die Achsel». „Jedenfalls war ich von vornherein auf dergleichen gefaßt."
„Aber Martin, so sprich doch," drängte Paula.
„Nachher," entgegnete der junge Mann, „die Sache ist nicht mit wenigen Worten erklärt." Er zog die Schwester ins Frühstückszimmer, wo Helene bereits im Rei- sekleide am Fenster saß, doch sogleich aufsprang, um die Freundin zu begrüßen.
Paula gab ihr die Blumen. „Nimm sie mit auf die Reife, mein Liebliug^uud erinnere Dich meiner dabei.
Möchten alle Wünsche, die ich für Dein Glück hege in Erfüllung gehen."
Helene warf sich in ihre Arme. „DuLiebe, Gute," rief sie. „Wenn Du wüßtest, wie schwer mir der Abschied von Dir wird, und doch darf ich mich diesem Gefühle nicht hingeben; ivaS sollte aus meinem Beruf werden? Aber an einem nicht zu fernen Wiedersehen halte ich fest. Heut« zutage gibt es ja keine Entfernungen mehr."
Paula zuckte abwehrend die Achseln. „So sagen die Lente, mein Kind. Aber ich finde dieWorte nicht zutreffend. Für mich wenigstens bleibt London noch immer sehr weit von Waldau entfernt."
„Wer weiß, vielleicht bist Du nicht immer in Waldau, Paula?"
Man iiahin am Kaffeetisch Platz, und das Gespräch drehte sich um Helenes Reiseroute.
Martin saß der Cousine gegenüber und verwandte keinen Blick von dem schmale», brünette» Gesichtchen mit der sammetweichen Haut, auf dem ein rosiger Hauch wie bei deni zarten Flaum des Pfirsichs durchschimmerte. Es war, als wollte er es sich Zug für Zug einprägen.
. Wenn Helene die liebkosenden Blicke des jungen Man- nes fühlte, senkte sie beschämt die Wimpern. Endlich legte sie Messer und Gabel fort und schob die Tasse zurück: „Wollen Sie so gut sein, und den Wagen zur Bahn be- stellen, Herr von Wahlenburg? Von Ihrem Herrn Ba- ter habe ich mich schon vorher verabschiedet. Er hat Besuch, da will ich jetzt nicht mehr stören."
„Darf ich Sie zur Stationbegleiten?" fragte Martin, gehorsam den Knopf der elektrischen Klingel berührend, die den Diener rief.
Helene schüttelte energisch den Kopf. „Wissen Sie nicht, um was ich Sie gebeten habe? Lassen Sie mich allein sah- ren, es ist wirklich das beste," sagte sie, um nach einer kleinen Pause hinznznfügen: „Man muß nicht unangenehme oder gar wehe Gefühle bis zum letzten Augenblicke durchkosten. Je schneller man mit ihnen fertig wird, je besser ist es für uns und für andere." . • 135,18