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mit amtlichem Areisblatt.

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisolatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 12. Januar 1907

58. Jahrgang.

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Fortwährend

werden Bestellungen auf die Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von

er Schlüchterner den meisten Erfolg, im Kreise Schlüch-

der Expedition entgegengenommen.

Inserate N'»»/ da sie die größte Auflage der

teln erscheinenden Zeitungen besitzt.

Die Wahtaussichten.

Von Dr. Otto Arendt,

Mitglied des Hauses der Abgeordneten.

Handelt es sich um Südwestafrika?

Als nach der Ablehnung der Septennatsvorlage der Reichstag aufgelöst wurde, verließ ich den alten Reichstag in Gemeinschaft mit Herrn V. Kardorff. Neben uns ging Windthorst hinaus, der Führer der ablehnen­den Mehrheit. Da sagte Windthorst zu uns:Ich habe Bismarck immer für einen klugen Mann gehalten, aber diese Auflösung war keine Klugheit. Wir haben jeden Mann und jeden Groschen bewilligt. Wenn wir aber das Budgetrecht wahrnehmen und nicht gleich auf sieben Jahre voraus bewilligen wollen, das wird das Volk kalt lassen Bismarck mußte sich doch sagen, daß wir aus diesem Wahlkampf verstärkt zurückkommen werden."

Bisinarck erwies sich durch den Erfolg als der weitblickendere. Der seine Instinkt des Volkes verstand, daß hier mehr auf dem Spiele stand als bloße budgetäre Haarspaltereien. Das deutsche Volk wollte keinen Zweifel aufkommen lassen, daß es in Wehrfragen alle nötigen Opfer entschlossen zu tragen bereit ist. Der Ausfall der Septenuatswahlen machte einen tiefen Ein­druck im Ausland. So nahe wir in der Boulanger- Zeit dem Kriege standen, angesichts des nationalen Aufschwungs der Wahlen von 1887 blieb uns der Friede bewahrt.

Die Gegenwart hat auffallende Aehnlichkeit mit der Zeit vor 20 Jahren. Wir wissen jetzt, daß Delcaffö dem Kriege mit Deutschland, gestützt auf englische Versprechungen, zutrieb. Auch heut blickt das Ausland mit Spannung auf die deutschen Wahlen. Ein Sieg

des nationalen Gedankens bei den Wahlen wird auch diesmal wieder die Feinde Deutschlands bedenklich machen, eine Zuspitzung der inneren Krisis durch sozial­demokratische Fortschritte muß sie ermutigen. Insofern steht mehr auf dem Spiel als Südwestafrika. Der unselige Aufstand dort wird ja so oder so seinem Ende entgegengeführt, aber die Einmischung des Reichstags in die Festsetzung der Truppenzahl, während der Feind gegen deutsche Truppen in Waffen steyt, das geht weit hinaus über die Ablehnung des Septennats. Auch Herr Spahn berief sich darauf, daß seine Partei jeden Mann und jeden Groschen bewilligen wolle er ver­mocht aber nicht, seine unter dem verhängnisvollen Einfluß Erzbergers stehende Partei dahin zu bringen, die unannehmbare Festlegung der Truppenzahl auf 2500 Mann fallen zu lassen und sich auf den Antrag Ablaß zurückzuziehen, der wie der ganze Reichstag die Regierung zur möglichsten Sparsamkeit in Südwest- afrika ausforderte.

Es ist festgestellt, daß die stärkste Partei in Deutsch­land die Partei der Nichtwähler ist. Diese Partei der Parteilosen vermindert sich mit jeder Wahl ein Beweis dafür, daß das allgemeine Wahlrecht erzieherisch wirkt, und sie wird sich diesmal ganz besonders stark vermindern. Das kann zu sehr erheblichen Ueber« raschungen führen. Die Hoffnung ist wohl begründet, daß die Sozialdemokraten, die selbst 1903 acht der von ihnen früher besessenen Mandate verloren haben, dies­mal eine genügende Zahl Sitze einbüßen, um unter Hinzurechnung der Gewinne der nationalen Parteien vom Zentrum und seinen Verbündeten eine Mehrheit der Parteien herzustellen, die am 13. Dezember unter­legen sind. Das würde von unberechenbarem Segen für unsere künftige Entwicklung sein. Vielleicht zum letzten Male ist den deutschen Wählern Gelegenheit ge­boten, die Errungenschaften von 1870 unversehrt zu bewahren. Behält das Zentrum seine ausschlaggebende Stellung, so muß die Regierung sich mit ihm abfinden; breitet sich die Sozialdemokratie weiter aus, so treiben wir der Revolution zu, die in Deutschland nur in Ge statt eines Bürgerkriegs denkbar ist, der unter allen Umständen die Machtstellung des Reichs und den Wohlstand der Nation vernichtet. Ist das allgemeine Wahlrecht eine Schule für die politische Erziehung des Volkes, so sind die Wahlen die Ablegung der Prüfungen über die erzielten Leistungen. Hoffen wir, daß das deutsche Volk am 25. Januar 1907 sich das Zeugnis der Reife erwirbt. Der Tag.

Deutsches Reich.

Am Montag, am Todestage der Kaiserin Augusta begab sich das Kaiserpaar im Automobil vom Berliner Schloß nach dem Charlottenburger Mausoleum, um in der Gruft am Sarkophage der Verewigten einige Zeit im Gebet zu verweilen. In der Gruft legte das Kaiser­paar einen großen Kranz aus Palmen, Chrysanthemen und Marschall-Nilrosen mit prächtiger Widmungsschleife nieder. Im Laufe des Tages wurden noch Kränze durch Vertreter des Großherzogspaares und des Erb« großherzogs von Baden, des Osfizierkorps des Kaiserin Augusta-Regiments, sowie der Kaiserin Augusta-Sliftung zu Potsdam im Mausoleum niedergelegt.

Aus Gmunden kommt die Nachricht von dem Tode der Königin Marie von Hannover, der Witwe des letzten Welsenskönigs Georg V. Sie ist den Folgen einer schweren Erkrankung und dadurch notwendig ge­wordenen Operation erlegen und hat ein Alter von fast 89 Jahren erreicht.

Anläßlich des Ablebens der Königin Marie von Hannover ist auf Befehl des Kaisers chie Vorstellung am 9. Januar im königlichen Theater zu Hannover abgesagt worden.

In amtlichen Kreisen ist man sich nicht zweifel­haft darüber, daß die Regierung zur Fortführung der Ansiedelungspolitik in den vom Polentum bedrohten Landesteilen für den 1. April d. I. neue Mittel an- fordern muß, da bis zu diesem Zeitpunkt der An- fiedelungsfonds bis auf einen geringfügigen Rest erschöpft sein wird. Im landwirtschaftlichen Ministerium fand wieder eine Beratung der verschiedenen bei der Auffüllung des Ansiedelungsfonds beteiligten Ressortminister statt, und die Verhandlungen sind nun soweit gediehen, daß über eine neue Polenvorlage in nächster Zeit im Staats­ministerium beraten werden wird. Auch darüber scheint in amtlichen Kreisen kaum noch ein Zweifel zu bestehen, daß die bisherige Ansiedelungspolitik in mancher Be­ziehung fehlerhaft gewesen ist und daß es in Zukunft, um zu einem Erfolg 'zu gelangen, in verschiedenen Richtungen einer Abänderung der bisherigen Maßnahmen bedarf. Ob hierzu auch eine Verstärkung der bisherigen Machtmittel des Staates notwendig sein wird, um zum Ziele zu gelangen, tvird eingehend erwogen. Irgend ein Weg, um das fortwährend ungesunde Steigen der Grundstückspreise infolge der Tätigkeit der Ansiedelungs- kommisfion zu verhindern, wird allerdings wohl gefunden werden müssen.

Falsche Freunde.

Stimmn von Elwin Starck. 28

Ich habe Arbeiten vor, habe viel zu tun, wirklich sehr viel. Du wirst begreifen, daß ich nicht Herr meiner Zeit bin. Du wirst verstehen . ." Er sprach hastig, abge­brochen, offenbar suchte er nach passenden Worte» zu fei« lies Rechtfertigung.

Elfe verstand ihn.Du Bist meiner überdrüssig gewor­den, Oskar," sagte sie leise.Warum sagst Du eS nicht ge­rade heraus?"

Dummes Zeug, Kind, Du bist heute mir ein wenig empfindlich. Ich rate Dir dringend, Dich mit Deiner Ver- wandten auSzusöhnen. Tue es, tu's mir zu Liebe, versuche es wenigstens, das Trotzköpfchen abzulegen. Sei ein ver­ständiges, gutes Mädchen und laß Dir zu Deinem Beste» raten. Siehst Du, es kann zwischen Dir und mir wirklich nicht so weiter gehe» wie bisher."

Sie schwieg und hob, als er geendet hatte, die dunklen Augen, in denen große Tränen schimmerten.

Oskar sah sie deutlich im Mondschein leuchte», sah ihr blasses, verhärmtes Gesicht, und tiefes Mitleid überkam ihn.Mein liebes, kleines Mädchen," bat er, steh mich doch nicht so verzweifelt an, ich kann es nicht ertragen."

Da schluckte sie die Tränen tapfer hinunter und sagte: Willst Du mir einen Gefallen tun?"

d If®etn' Ich möchte nur wissen, um was eS sich han-

Du kannst eS tun, Oskar, ohne wenn und aber, es handelt sich nur um die Beantwortung einer Frage. Ich wollte Dich bitte», mir etwas zu sagen."

Gewiß, Elfe, sehr gern, vorausgesetzt natürlich, daß ich es weiß."

Sie schüttelte den Kopf.Du willst mit mir Verstecken spielen, ich höre es Deinen Worten an. Aber OSkar, ich bitte Dich, sage mir die Wahrheit, wenn ich Dich frage. Gib mir die Hand darauf, daß Du es tun willst."

Ihm wurde ein wenig unbehaglich zu Mute.Warum so feierlich, Kind?" entgegnete er, bemüht einen leichten Ton anzuschlagen.Es tvird kühl, und die Promenade muß ein Ende nehmen. Wollen wir das übrige nicht brief­lich abmachen? Ich habe heute abend noch eine Verabre­dung, und es ist bereits spät gelvorden."

Da sich die Unterredung, wie Oskar wohl merkte, zu einer Entscheidung zuspitzte, hätte er sie am liebsten wieder hinansgeschoben, obwohl dies durchaus nicht in seiner Ab- ficht gelegen hatte. Aber er fürchtete sich, töricht genug, vor ihren Tränen. Du lieber Himmel, hätte er nur eine Ahnung davon gehabt, wie sensitiv sie war, so hätte er sich nun und nimmer mit der Kleinen eingelassen. Wie konnte man nur alles so tragisch nehmen.

Nein, Oskar, Du entgehst mir nicht," sagte Elfe.Ich habe Dich um Wahrheit gebeten, vergiß nicht, daß Du sie mir schuldig bist."

Diese Worte, obwohl leise gesprochen, verfehlten nicht, gewissen Eindruck auf ihn zu machen. Sein Gesicht wurde ernst. Er war ihr Wahrheit schuldig, daS fühlte er. Sanft zog er ihren Arm durch den seinen.Mein liebes Herz, Elfe," begann ersei verständig ..."

Sie zuckte leicht zusammen.Hast Du mich noch lieb, Oskar?" fragte sie angstvoll.

Gewiß, Kind, ich habe es Dir ja oft gesagt."

Dann ist alles gut, dann will ich auch verständig sein."

Beide wandelten, Seite an Seite geschmiegt, die ein­same Allee auf und ab. Der junge Ingenieur sprach leise und eindringlich anf das Mädchen ein, das nur von Zeit zu Zeit mit zitteruder Stimme ei» Wort dazwischen warf, Wurde das arme Ding bei seinen Auseinandersetzungen wirklich verständig ? Er wußte es nicht, er hielt nur ihre kleine, kalte Hand in der seinen, während er sie von der Richtigkeit seiner Ansicht zu überzeugen suchte.

Endlich entzog sie sich ihm.Ich habe verstanden, Oskar, alles, alles verstanden," sagte sie.Du hast nicht nötig, Dich zu verteidige», ich weiß, daß Du mich nicht Wehr

liebst. Du liebst eine andere, willst eine andere heira­ten."

Aber Kind, ich ..."

Widersprich nicht, Oskar, Du sollst nicht lügen, sollst mir nicht in der letzten Stunde unseres Beisammenseins eine Unwahrheit sagen." Sie hob das geneigte Haupt und sah ihm fest in die Augen.Freigeben kann ich Dich nicht, Du hast Dich in keiner Weise gebunden. Aber ich werde auch keinen Anspruch an Deine Zeit machen, davon fei überzeugt."

Am Ende der Allee befand sich eine Bank; ermattet ließ sie sich darauf nieder, während er vor ihr stehen blieb."

Mit einem sonderbaren Gefühl, das halb dem Mitleid mit ihr, halb der Erleichterung entsprang, daß die Unter- redung beendet war, blickte er auf das junge Mädchen. Er ergriff ihre Hand und streichelte sie.Vergiß nicht, Elfe, um was ich Dich gebeten habe,"sagte er dann.Ich werde wirklich erst Ruhe finden, wenn ich weiß, daß Du in da» Hails Deiner Tante zurückgekehrt bist. Schreibe mir, so- bald dies geschieht."

Sie nickte stumm.

Ich werde Dich nach Hause bringen," schlug Oskar nach einer etwas verlegenen Pause vor.

»Ach danke, Oskar, bemühe Dich nicht. Ich finde mei- neu Weg selbst, zuvor möchte ich mich jedoch ein wenig ausruhen." *

Er zögerte ein toenig.Hier kann ich Dich nicht allein lassen, es geht nicht."

Und warum nicht?"

Die Gegend ist abgelegen, unsicher. Dem der jetzt noch vorüberkommt, ist nicht zu trauen, denn Du darfst nicht vergessen, daß es bereits spät ist. Wer weiß, wofür man Dich hält."

Du hast recht, Oskar, wie immer, doch siehst Du, mir ist s gleich, wofür man mich hält. Borwurfe mache ich Dir nicht. Aber ich bitte Dich, laß mich allein.. ich möchte allein fein." 135,18