SchlüchtemerMun g
mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Mittwoch, den 9. Januar 1907.
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Fortwährend
werden Bestellungen auf die
Schlüchterner Zeitung
mit amtlichem Kreisblatt
von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.
InenHafA finden in der Schlüchterner ■ aZeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Anstage der im Kreise Schlüch- tein erscheinenden Zeitungen besitzt.
Amtliches.
Die Herren Bürgermeister und Gemeinderechner mache ich darauf aufmerksam, daß die Ablieferung der restlichen Kreis steuern für das Jahr 1906, an die Kreiskommunalkasse dahier, bis zum 1. Februar d. Js. zu erfolgen hat.
Schlüchtern, den 10. Januar 1907.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Valentiner.
Deutsches Deich.
— Der Kaiser hat sechs Offiziere beauftragt, auf seine Kosten eine mehrmonatliche Reise durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika zu unternehmen. Es sollen für die Offiziere keinerlei militärische Gesichtspunkte in Betracht kommen, sie sollen nur Land und Leute kennen lernen.
— Der Kaiser hat dem Hannoverscken Dragonerregiment Nr. 9 den Namen Dragonerregiment König Karl I. von Rumänien verliehen.
— Die Oberpräsidenten treten, wie üblich zu Beginn des Jahres, im Ministerium des Innern in Berlin zusammen, um dienstliche Angelegenheiten zu besprechen.
— Die deutsche Marine wird im neuen Jahre auf 46 747 Offiziere und Mannschaften gebracht werden. Die Verstärkung beträgt 3273 Köpfe.
— Zum hessischen Minister des Innern ist der Präsident des Ministeriums des Innern, Braun, ernannt worden.
— Durch den soeben erfolgten Profesforenschub sind die Oberlehrer der preußischen höheren Lehranstalten mit der Anciennität vom 1. April 1889 bis 1. April 1890 zu Professoren ernant worden. Gleichzeitig sind eine größere Anzahl von Uebergangenen aus früheren Jahrgängen befördert worden, so daß z. B. in der
s Falsche Freunde.
Roman von Elwin Starck. 27
„Warum hat man Dir gekündigt?" setzte er hinzu: „WaS hast Du angegeben? Nicht aufgemerkt? Statt Nummer fünfdreiviertel Handschuhe Nummer acht gegeben? Irgend etwas wirst Du wohl versäumt haben, hast jeden- falls nicht auf die Kunden geachtet, sondern geträumt."
„Ja, von Dir," antwortete sie und stützte sich schwer auf seinen Arm.
„Ich fürchte fast, ich habe von Dir geträumt und dabei meine Pflicht vernachlässigt. Das ist nicht recht, ich weiß «S, aber ich liebe Dich, Du weißt nicht, wie sehr! Keinen andern Gedanken habe ich, als Dich .. Dich ..."
Er räusperte sich, halb verlegen, halb ärgerlich. „Liebes Kind," begann er, „hm, mit solchen Tränmereienaber tust Du mir wirklich eiuen recht schlechten Gefallen, glaube mir. Was soll ich wohl dazu sagen ? Du mußt Dir Dein Brot selber verdienen, ich, obscho» ich Dir, wie Du iveißt, herzlich gern helfe, ich habe wirklich nicht soviel übrig, um Dich völlig unterhalten zu könne»."
„Aber Oskar," entgegnete sie niedergeschlagen, „Du weißt doch, daß ich alles was ich von Dir erhalten habe, nur als Darlehen betrachte. Etwas habe ich Dir ja auch bereits zurückgezahlt. Hätte ich mir nicht die Wohnung nehmen müssen, so wäre ich mit meinem Gehalt ausgekommen."
„Papperlapapp, lieber Kind, daS sind Kleinigkeiten," meinte er, wider Willen unter ihren Worten errötend, und fuhr dann fort: „Selbstverständlich spreche ich nicht von dem Gelde, daS ich Dir vorschoß, ich will Dich nur erinnern, damit Du nicht leichtsinnig solche Stellungen, die schwer zu erhalten sind, aufgibst. Soll ich Dir übrigens aushelfen?" fragte er freundlicher. „Du iveißt, ich tue es gern. Ich betrachte es, wie gesagt, nur für meine Pflicht, Dich auf die Schwierigkeiten Deiner Lage aufmerksam zu machen."
Sie schüttelte abweisend den Kopf. Sie hätte ihn gern
Provinz Brandenburg und in Berlin keiner mehr nach« zuholen bleibt.
— Jnr kommenden Frühjahr steht der deutschen Reichshauptstadt wieder ein fürstlicher Besuch bevor. Und zwar ist es diesmal der König von Siam, der am kaiserlichen Hofe seine Aufwartung machen wird.
— Kaiser Franz Joseph ist am Mittwoch zu 14tägigem Aufenthalt nach Budapest abgereist.
— Eine bemerkenswerte Arbeiterstimme zur Reichstagswahl veröffentlicht ein Berliner Blatt, dem ein Gewerkschaftsmitglied „im Namen vieler Arbeitskollegen" schreibt: „Ich gehöre auch zu den Arbeitern, die 1903 für Fischer gestimmt haben, aber es war das letzte Mal! Ein Arbeiter, der einen Funken Ehrgefühl und Klassenbewußtsein besitzt, kann diesen Mann, der schlimmer als irgend ein bürgerlicher Ausbeuter hantiert hat, und der für jeden anständigen Menschen gerichtet ist, auf keinen Fall wählen ! Herr Fischer wird wohl selbst nicht verlangen, von Arbeitern, die nach seinem Ausspruch keine persönliche Ehre haben, Stimmen zu bekommen. Wünschenswert wäre es, wenn von anderer Seite Arbeiterkandidaten ausgestellt würden, damit der sozialdemokratischen Parteileitung auf ihre unerhörte Herausforderung der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft durch Wiederaufstellung dieses Herrn die gebührende Antwort gegeben würde." — Wann werden einmal auch den übrigen deutschen Arbeitern, die leider in ihrer Mehrheit noch immer den sozialdemokratischen Irrlehren blindlings Glauben schenken, die Augen geöffnet werden, daß sie sich ermannen zu dem Rufe: Los vom Joche der Sozialdemokratie!
Ausland
— Der schweizerische Bundesrat beschäftigte sich mit der Note "ber spanischen Regierung über die Beschlüsse der Konferenz in Algesiras. Die Frage, betreffend den Vorschlag einer Persönlichkeit als maroka- nischer Generalpolizei-Jnspektor, welcher dem Sultan unterbreitet werden muß, wurde dem politischen Departement überwiesen, das dem Bundesrat Vorschläge zu geben hat. Die Beschlußfassung soll voraussichtlich erst nach einiger Zeit erfolgen.
— Ein Vorstoß gegen die preußische Polenpolitik ist abermals von polnischer Seite in der österreichischen Delegation gemacht worden. Der Pole Madeyski erklärte, daß keine Verfolgung imstande sei, eine kulturell bedeutende Nation zu internationalisieren. Das geeignetste Mittel für die sittliche Erziehung der Staatsbürger sei
um Hilfe gebeten, nun konnte sie es nicht mehr, jetzt nicht. „Ich danke, Oskar," sagte sie fest, „augenblicklich bin ich mit allem versehen, ich brauche nichts."
Nach der erhaltenen Abweisung sprach Kleinau von den Schwierigkeiten der Lage des jungen Mädchens. Hatte er damals, als es not tat, sie darauf aufmerksam gemacht?
Als Elses Verwandte nämlich erfuhr, daß das junge Mädchen in Begleitung eines Herrn Ausflüge in die Umgegend unternahm, hatte die streng denkende alte Frau erklärt, daß sie derartige Verhältnisse nicht dulde, daß der junge Mann, da er sich nicht im Hause vorgestellt, auch keine ernstlichen Absichten habe, und daß Else daher vor die Wahl gestellt sei, entweder ein- für allemal derartige» Vergnügungen zu entsagen, oder ihr Haus zu verlassen.
Und das Mädchen, so töricht und verblendet, wie nur ein liebendes Herz sein kann, wählte das letztere, und OSkar hatte ihr beigestimmt. Und jetzt?
Jetzt gab er ihr gute Lehren.
Unter den egoistischen Worten des jungen Mannes stampfte sich ihr Herz zusammen und füllte eS mit unsäglicher Bitterkeit.
Elses abschlägige Antwort hatte Oskar verletzt, er drang nicht weiter in sie, Hilfe anzunehmen; schweigsam wanderte daS junge Paar dahin. Unter feinen Füßen knisterten die Blätter, und der Nachtwind flüsterte geheimnisvoll in den Zweigen. Drüben am blauen Himmel stand die blasse Scheibe des vollen MondeS. Da zog das junge Mädchen ihren Arm aus dem ihres Begleiters, hemmte den Schritt und blieb stehen.
„Was hast Du, Kind?" fragte Kleinau, der das leise Schluchzen des Mädchens vernahm.
„Nichts, Oskar, nichts," entgegnete sie, bemüht,die Trä- nen, die wiber Willen kamen, zu trocknen. „Mir ist so ster- benSweh zu Mute! Der Herbst macht trübe Stimmungen," fuhr sie fort, das Tüchlein gegen die Auge» drückend, „aber ich darf mich ihnen nicht hingeben." Und trotz dieses Aus- sprucheS weinte sie heftiger und klagte: „Die Aufregungen der letzten Tage haben mich arg mitgenommen."
der Religionsunterricht in der Muttersprache. Wenn die nationalen und religiösen Empfindungen verletzt werden, müsse Erbitterung gegen die Staatsverwaltung hervorgerufen werden.
— Von einem Revolutionär wurde in Petersburg der Petersburger Stadthauptmann v. d. Launitz erschossen, als er nach dem Gottesdienste im Institut für experi« mentale Medizin die Kirche verließ. Der Mörder tötete sich dann selbst durch einen Revolverschuß.
— Ueber die Lage in Marokko wird aus Tanger berichtet, daß Raisuli sich in seiner Festung Zinat zum Widerstände rüstet. Um seine Vorräte zu vervollständigen, habe er das Warenlager eines Franzosen namens L'Hermitte geplündert. Raisuli hat die Gefangenen, die er bisher in Zinat untergebracht hatte, nach Arzila gesandt. Er hat den Befehl erteilt, die Tore der Stadt für die Truppen des Maghzen zu schließen. Daraufhin hat Kriegsminister Gebbas beschlossen, 600 Mann mit drei Gebirgsgeschützen gegen Arzila zu senden. Die Truppenabteilung, die bereits Tanger verlassen hat, hat den Auftrag, sich jedem Versuche Raisulis, die Stadt zu betreten oder anzugreifen, zu widersetzen. In Tanger heißt es jetzt, Raisuli bestreite die Echtheit des Schreibens des Sultans, das ihn absetze, und sende einen Kurier an den Hof, um sich zu beschweren.
— Zum bulgarischen Eisenbahnerstreik wird aus Sofia amtlich gemeldet: Dank den Maßnahmen, welche die Regierung wegen des Ausstandes der Eisenbahner ergriffen hat, haben sich keine nennenswerten Ruhestörungen ereignet. Der allgemeine Ausstand dauert an, der Personenverkehr ist jedoch mit Hülfe von Mannschaften des Eisenbahnbataillvns wieder aufgenommen worden Die meisten Bahnhöfe sind durch Militär besetzt. Zahlreiche Verhaftungen sind vorgenommen worden. Am Abend veranstalteten die Ausständigen Umzüge durch die Stadt; die Ruhe wurde dabei nicht gestört.
— Zur Aufstandsbewegung in Südchina wird ge- nieldet, daß es dank dem Eingreifen der Truppen nun» mehr anscheinend gelungen ist, die Unruhen im Pingh- siang zu unterdrücken. Indessen ist in chinesischen Kreisen die Besorgnis, daß es zu einer allgemeinen gegen die Dynastie gerichteten Erhebung im südlichen China und im Tale des Jangtsekiang kommen werde, noch keineswegs erloschen. Die chinesischen Behörden in Nanking, Wutschang, Futschau und Kanton haben als Vorsichtsmaßnahme umfassende Anordnungen zur Verhütung des Waffenschmuggels ergehen lassen.
— Die Hülfstätigkeit zur Bekämpfung der Hungers-
Er wartete, bis sie sich ein wenig gefaßt hatte, und sagte baun ernst: „Du bist, wie Du erklärst, ohne Stel- lung, Elfe, und da Du von mir nichts annehmen willst, befindest Du Dich in einer unhaltbaren Lage. Ich habe in der Großstadt gelebt, ich weiß, welche Gefahren Dich von allen Seiten umgarnen, Dich bedrohen. Ein junges, unerfahrenes Mädchen, ohne Stellung, ohne Anhalt, ohne Mittel und dazu hübsch begehrenswert. Kindchasist schlimm. Ich rate Dir allen Ernstes: suche eine Annäherung an Deine Verwandte, suche Dich mit ihr, selbst mit Hintenan- setzung Deines Stolzes, zu versöhnen. Vielleicht" wirst Du manch bitteres Wort einstecken müssen, aber .." und er zuckte die Achseln und sagte energisch: „ES ist daS beste für Dich."
Mit gesenkten Auge» lauschte sie seinen Worten. Als er schwieg, blickte sie auf. Sie schien nicht sofort eine Antwort zu finden, erst »ach einer Pause sagte sie gedrückt: „Ich soll eine Annäherung an meine Verwandte suchen? Ach, Oskar, Dukennst die strenge, alte Frau nicht, Du weißt nicht, was Du verlangst! Unmögliches! Sie wird mich nie wieder aufnehmen, nachdem sie mir ein für allemal ihr Haus verboten hat. Ich kenne sie nur zu gut."
Er fuhr sich erregt mit der Hand durch daSHaar. „Aber was soll denn werben," rief er ungeduldia, „wenn Du durchaus auf Deinem Trotzkopf beharrst, Hich durchaus nicht in die veränderte Lage der Dinge finden willst? Du weißt nicht, welche» Gefahre» ein unbeschütztes, junges Mädchen ausgesetzt ist, oder Du würdest mir nicht entgegen sein."
„Ich bin nicht unbeschützt, Oskar, ich habe Dich!" und damit klammerte sie sich Trost und Hilfesuchend an seinen Arm.
„Mich ?" Er lachte verlege» auf, und beugte sich zu ihr nieder. „Ja, Kind, ich möchte Dir von Herzen gern behilflich sein, aber sieh doch ein, daß es mit uns nicht so weiter gehen kann, wie bisher. Mit beginnendem Winter müssen wir unsere Ausflüge einschränken, ich werde mich Dir nur wenig widmen können. Leider! Ich bebaute es, kann es aber nicht ändern." 135,18