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mit amtlichem Areisblatt.

Alonalsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

^U 2. Samstag, den 5. Januar 1907. 58. Jahrgang.

Fortwährend

werden Bestellungen auf die

Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner Zeitung den meisten Erfolg, rflage der im Kreise Schlüch-

Inserate da sie die gröstte A

lein erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat das Haus in dem Kaiser Wilhelm I. die Nacht vor der Schlacht bei Gravelotte verbrachte, für 20000 Mark angekauft. Das Haus liegt am äußersten Ende des Dorfes Rezonville an der Straße nach Vionville. Der Eigentümer, ein Herr Baron, darf das Haus bis an sein Lebensende bewohnen.

Der Generalinspekteur der Marine Großadmiral V. Köller ist in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt worden. In Anerkennung der demKaiser geleisteten Dienste wird er auch ferner in der Marinerangliste geführt. Mit ihm verliert das aktive Seeoffizierkorps einen Flaggoffizier, der lange Jahre an der Spitze desselben stand, der bisher der einzige Großadmiral der Flotte war, und der gleichzeitig auch zum erstenmal die Dienststellung eines Generalinspekteurs in der Marine lange Jahre bekleidet hat.

Der zur Aufstellung im Berliner Dom bestimmte Bismarcksarkophag, den der Kaiser dem Andenken des eisernen Kanzlers gewidmet hat, ist jetzt vollendet und hat seinen Ehrenplatz in der Denkmalskirche im Berliner Dom erhalten.

Ein neuer Beweis der Fürsorge für die Eisen- bahnarbeiter ist ein Erlaß des Eisenbahnministers, wonach Arbeitern der Staatseisenbahnverwaltuilg bei guter Führung jährlich ein Erholungsurlaub erteilt werden kann, der bei Arbeitern, die mindestens fünf Jahre im Staatseisenbahndienst beschäftigt und in Hülfs- unterbeamtenstellungen tätig sind, je nach ihrer Ver­wendung bis zu sechs und acht Tagen, bei allen übrigen- Arbeitern des Betriebs- und Werkstättendienstes, sofern sie minbeftenS zehn Jahre beschäftigt sind, sechs Tage betragen darf. Wie die Erklärungen der Regierung

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Aakschs Irennde.

glommt von Elwin Starts. 26

Toni an ihrer Seite, in einem Kleide aus Tüll und glitzerndem Schmelz komponiert, das bei jeder Bewegung glitzernde Strahlen schoß, das Gesicht von der Seeluft ge­bräunt, und auf den zarten Wangen einen rosigen Hauch, sah allgemein frisch aus, ja Kleinau glaubte sie noch nie so blühend aussehend gefunden zu haben. Und nun dachte er an Geißler. Der Verbindung des genialen Technikers mit dem Direktor Möller stand nichts im Wege. War Toni etwa bestimmt das Band zwischen den beiden noch fester zu knüpfen?

Kleinau hatte eS eine Zeitlang gemutmaßt, jetzt glaubte rr es nicht mehr, ja seit dem Möllerschen Sommerfest war er eigentlich davon überzeugt, daß der Direktor eine der­artige Verbindung überhaupt nicht wünsche. Möller hatte damals einige Bemerkungen gemacht, die ihm zu denken gaben. Wenn nun die Hand der reichen Erbin nicht für Geißler bestimmt, so war, so folgerte er wenigstens, kein Grund vorhanden, warum er, Kleinau sich nicht darum be­mühen sollte. Möller hatte sich ihm gegenüber so außer­ordentlich liebenswürdig und zuvorkommend gezeigt, daß er es schon wagen durfte, sich gewissermaßen für seinen Schützling zu halten.

Einen Nebenbuhler, den er zu fürchten hätte, gab es also nicht; das war viel. Wenn er nun seine äußere gute Erscheinung, seine persönliche Liebenswürdigkeit bei Toni Möller ins Treffen führte, sollte es ihm da, noch dazu, da der Direktor ihm wohlwollte, nicht gelingen, den Sie­gespreis zugewinne»? Wagen wollte erdies, den Gewinn niufjte er freilich seinem günstigen Sterne anheimstellen.

Ganz mit seinen ehrgeizigen Zukunftsplänen beschäf- ligt, hatte er, seitdem die Equipage seinen Augen eilt« schwanden war, gar nicht auf seine Umgebung geachtet; wie von ungefähr blickte er in das Innere des Wagens.

Du lieber Himmel, da saß Elfe auf der Bank, und er $atte sie nicht einmal bemerkt! Sie hatte die Hände in den

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bei Gelegenheit der Beratung des Eisenbahnetats im Abgeordnetenhause im Monat März ergeben, war die Maßregel schon seit längerer Zeit geplant. Sie entspricht den besonderen Anforderungen des Betriebs- und Werk­stättendienstes sowie dem Vorgang anderer öffentlicher und privater Betriebe ähnlicher Art und wird von den Eisenbahnarbeitern freudig begrüßt werden.

Ausland

Im spanischen Ministerium des Aeußern zu Madrid ist die Niederlegung der Ratifikationsurkunde für die Algeciras-Akte erfolgt. Von dem Vertreter der Vereinigten Staaten wurde dabei eine Erklärung zu Protokoll gegeben, daß die Ratifikation seitens der Ver­einigten Staaten erfolgt sei unter dem Vorbehalt der seinerzeit von dem ersten Delegierten bei der Schluß­sitzung abgegebenen Erklärung und der am 12. Dezember v. I. vom Senat beschlossenen Resolution.

Die Novelle zum französischen Trennungsgesetz ist auch vom französischen Senat angenommen worden. Durch die Wachsamkeit der Petersburger Polizei ist ein Massenattentat in Rußland vereitelt worden. Sie hob in Petersburg ein Anarchistennest auf, wobei ein Ver­zeichnis von 27 Würdenträgern gefunden wurde, die zusammen ermordet werden sollten. Das gleiche Er­gebnis hatten Haussuchungen in Moskau. Gleichzeitig wurde ein Attentat auf eine Ministerkonferenz, die zur Beratung von Finanzfragen stattfinden sollte, vereitelt.

Die Anarchisten in Barcelona lassen wieder von sich hören. Auf der Rambla de Flores explodierte eine Bombe, wodurch eine Person verwundet wurde. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen.

Aus Marokko kommt die Nachricht, daß Raisuli sich in feine Absetzung als Gouverneur bet Umgebung von Tanger gutwillig gefügt hat, nachdem die meisten seiner Anhänger ihn verlassen hatten.

Dio Hungersnot in China, welche infolge der durch übermäßige Regenfälle herbeigeführten Mißernte im Norden der Provinz Auhui, im östlichen Teile des Gouvernements Honan, im südlichen Teile des Gouverne­ments Schantung und dem ganzen Norden von Pingsu besteht, ist viel schlimmer, als eine solche in den letzten 40 Jahren vorgekommen ist. 4 Millionen Menschen sind dem Verschmachten nahe; Jehmausende befinden sich auf der Wanderung. Die Gefahr wird vermehrt durch die Tätigkeit der geheimen Gesellschaften, denen das Volk sich willig anschließt, um Reis zu erhalten.

50 000 Flüchtlinge sind in bedauernswertem Zustande

Schoß gelegt, den Kopf ein wenig zur Seite geneigt, so daß sie ihm gerade das liebliche Profil zuwandte, und blickte gedankenverloren vor sich hin. Das war ihre Lieb- lingshaltung, die er so gut kannte.

Früher hatte er die Schmiegsamkeit der jungen Gestalt, die in dieser Stellung etwas Rührendes hatte, bewundert, heute ärgerte ihn der verloren in die Ferne gerichtete, stiere Blick. Und doch, wie blaß und elend sie aussah! Ob er sie aurief?Jm nächsten Augenblick verwarf er jedoch den Gedanken als töricht, Elfe wäre im stände gewesen, ihm vor den Augen aller Leute eine Szene zu machen. Nein, es war schon besser, er zeigte sich nicht, sondern verließ stillschweigend den Wagen, bannt sie sich erst an dem Platze, den sie bezeichnet hatte, trafen.

Er glitt vom Trittbrett herab und bog in eine der Tiergartenalleen ein. Es war einsam und still hier. Große Schatten lagerten auf den weiten Rasenflächen, deren sauf- tes Grün in herrlichster Frische schimmerte, während hin und wieder wie bnnte Edelsteine der Herbst seine bunten Blätter darüber gestreut hatte.

Die Rasenfläche wurde durch einen kleinen See unter­brochen ; Erlen und Weiden umschatteten ihn liebevoll und tauchten ihre Zweige tief hinein in das Wasser, das gol- big unter den Strahlen der uutergeheudeu Sonne schim- merte. In der Ferne aber schwebte ein sanfter, blauer Dunst, der blaue, goldflnumernde Herbsthauch. Es war, als ob die sterbende Natur sich über ihr Schicksal durch ein wehmütiges Lächeln zu trösten versuchte.

Kleinau blickte nachdenklich vor sich hin, es überkam ihn so etwas wie Wehmut, ein Gefühl, das mehr oder weniger auch den oberflächlichen Menschen Heimsucht, zur Zeit, da die Blätter fallen.

Der Sommer ging zur Rüste, der Ring der Jahres- Reiten schloß sich und ein neues Glied an der unendlichen Kette war im Entstehen begriffen. Aber auch das ist dem Untergänge geweiht; immer das Gleiche in Vergangen­heit und Zukunft.

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in Nanking angekommen. Die Behörden sind außerstande, dem Elend wirksam abzuhelfen. Ausländische Hülfe ist willkommen.

Die Berechtigungen der höheren Schulen.

Die einschneidende Umgestaltung, welche das Be­rechtigungswesen der höheren Schulen in den letzten Jahren erfahren hat, tst noch bei weitem nicht so gut bekannt, wie es wünschenswert wäre. Selbst in den Kreisen akademisch gebildeter Männer, soweit sie nicht unmittelbar mit der Schule zu tun haben, findet ^man hierüber vielfach unzutreffende Anschauungen. Das kann verhängnisvoll werden, wenn z. B. Eltern bei der Wahl eines Berufes für ihren Sohn und bei der Frage nach der besten Vorbildung dazu solche Akademiker ihrer Bekanntschaft um Rat angehen. Da erlebt man e$* denn, daß falsche Auskunft erteilt wird und daß ein solcher akademisch gebildeter Herr mit ungläubigem Er­staunen von einem Oberrealschüler die Behauptung entgegennimmt, daß Abiturienten seiner Anstalt sich dem juristischen Studium oder bem höheren Lehrfache zu- wenden. Es durfte angezeigt sein, diese wichtige An« gelegenheit vor einem größeren Publikum von Interes­senten klar zu stellen.

Um mit den Universitäten zu beginnen, so ist das theologische Studium nach wie vor an das Reifezeugnis eines Gymnasiums geknüpft, sowohl in der evangelischen wie in der katholischen Kirch. Doch hat jüngst der badische Oberkirchenrat den Oberrealschulabiturienten die Zulassung zum Studium der evangelischen Theologie gewährt.

Durch das vorgeschriebene Studium in der philo­sophischen Fakultät können Oberrealschulabiturienten sich die Befähigung für das höhere Lehramt in allen Fächern erwerben. Daß sie an der Mehrzahl der Uni verspäten sich auch den philosophischen Doktorhut holen können nur einige Halten an dem alten Zopfe eines rigorosum im Griechischen fest sei nebenbei gesagt. Daß ihnen alle einschlägigen Berufe im freien Erwerbs­leben bei Handelskammern, als Chemiker, als Journalisten usw. offen stehen, ist selbstverständlich.

In der juristischen Fakultät werden Oberrealschul­abiturienten ohne weiteres auf Grund ihres Reifezeug­nisses immatrikuliert und auch zu den nachfolgenden Prüfungen zugelassen mit dem Rechte auf Anstellung im Staatsdienste. Indes muß der Nichtlateiner Sorge tragen, daß er sich für die Referendarprüfung die zum Verständnisse der lateinischen Rechtsquellen erforderliche

Kleinau fröstelte ein wenig. Diese unbehaglich elegi- sche Stimmung, in der er sich jetzt befand, hatte ihm der Herbst gebracht, und sie paßte gar nicht zu den ehrgeizi- gen Plänen, mit denen er sich vorher beschäftigt hatte.

Endlich griff er nach der Uhr. Wo sie nur bleibt? dachte er, aber diese Empfindung hatte nichts mit der schmerz- lich süße» Ungeduld des Liebhabers gemein.

Da raschelte» die Blätter unter einem leichten Tritt das Rauschen von Franenkleideru wurde vernehmbar, und da, ja da war sie, die Erwartete.

Er streckte ihr die Hand entgegen, in die sie die ihre legte, und er fühlte, die heißen, zuckenden Fingerchen in seiner Rechten beben.Was ist geschehen, El e?" fragte er.Warum bestelltest Du mich hierher, an einen Platz, der eine halbe Ewigkeit von meiner Fabrik entfernt liegt? Was hast Du mir so Wichtiges mitzuteilen

Die Worte klangen ein wenig gereizt, sie zuckte unter der Frage wie ein gescholtenes Kind zusammen.Verzeihe, Oskar," sagte sie,ich fühle mich so todunglücklich; da hatte ich das dringende Bedürfnis, Dich einmal zu sehen und zu sprechen!"

Er machte eine Gebärde der Ungeduld, gleich darauf aber^bezwäng er sich und sagte möglichst ruhig:Die alte Geschichte, Ehe. Wann wirst Du endlich einmal vernünf- tig werden? Komm Kind, sprich Dich aus, sage mir: Wa- turnt ist Du todunglücklich?"

Warum ? Du kannst noch fragen ? Weil ich Dich so we­nig sehe, so ivenig von Dir habe, und dann, denke Dir " sie ließ beschämt den Kopf sinken,ich bin ohne Arbeit. Man hat mir meine Stellung gekündigt."

_ Er hatte ihren Arm durch deu seinen gezogen, an den sie sich titmg schmiegte. Langsam wandelten sie die Allee auf und ab.

Ihre Beuierkuug verstimmte ihn; nervös biß er sich auf die Lippen ,Schou wieder," sagte Oskar, und seine helle Stimme klang ärgerlich und gereizt. t 35 18