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ZWchternerZckung

mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 104.

Samstag, den 29. Dezember 1906.

57. Jahrgang.

Die im 58. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise

Wer eine üiMmtog

Schlächtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.

daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Dez. unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, w daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Jan. ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Jan. 1907 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat das Weihnachtsfest in der üb­lichen Weise im Kreise seiner Familie verlebt. Wie stets am Heiligen Abend besuchte der Kaiser die Be­scherungsfeiern der Mannschaften des 1. Garde-Regi­ments zu Fuß. Nachmittags sanden auch die Bescherungen im Schlosse statt.

Gleich dem Kaiser beschenkte der Kronprinz auf seinem Spaziergange die ihm Begegnenden mit Silber­geld in Form von blanken Markstücken. Die Geldstücke, die der Kaiser zu verschenken pflegt, werden in der Königl. Münze durch ein Polierverfahren eigenes für ihn hergestellt.

Prinz August Wilhelm hat sich mit der Prinzessin Alexandra Viktoria von Schleswig-Holstein verlobt. Die Verlobung fand im Schlosse zu Glücksburg statt. Prinz August Wilhelm von Preußen ist der viertälteste Sohn des Kaisers Wilhelm II. und der Kaiserin Auguste Viktoria und ist geboren den 29. Januar 1887 zu Potsdam, also nahezu zwanzig Jahre alt. Der Prinz ist Leutnant im 1. Garderegiment zu Fuß in Potsdam. Prinzessin Alexandra Viktoria zu Schleswig-Holstein- Sonderburg-Glücksburg ist die Tochter des Herzogs Friedrich Ferdinand zu Schleswig-Holstein-Sonderburg- Glücksburg auf Schloß Glücksburg, Kgl. preußischer Generalmajors ä la suite, und seiner Gemahlin Prin­zessin Karoline Mathilde geb. Prinzessin zu Schleswig- Hvlstein-Sonderburg-Augustenburg, einer Schwester der Kaiserin. Die Prinzessin Alexandra Viktoria ist also eine Cousine des Bräutigams und ist am 27. April 1887 geboren, mit ihm nahezu in dem gletchen Alter.

Die Thronfolge in Braunschweig wird nach einer Mitteilung derBraunschw. Landeszeitung" der Regentschaftsrat nach der ablehnenden Haltung des Herzogs von Cumberland nunmehr vor den Bundesrat dringen.

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- IaWe Freunde.

Roman von Elwin Starck. 24

Warum die weitläufige Entschuldigung ?" fragte Geiß­le» etwas erregt, den die erteilte Antwort eigentümlich berührte.Sie haben meine harmlose Frage ganz falsch verstanden; ich habe nicht getan, als seien Sie mir Re- chenschaKber Ihren Verkehr schuldig. Im Gegenteil, ich..."

Aber Geißler, ich bitte Sie, Sie sind doch nicht etwa verletzt?" rief Kleinau, um ironisch fortzufahren:Ganz der berühmte Mann, bei dem leisesten Tadel empfindlich. Nun, lassen wir weitere Erörterungen darüber. Also Sie »vollen dicKüudiguug annehmen?"

Selbstverständlich, doch da sehe ich den Wagen.. ElS- ner kommt...."

Und Geißler hatte die Türe inS Schloß gedrückt und ging in die unteren Säle.

Der Kommerzienrat lvar anS dem Wagen gestiegen und sprach mit einem Werkführer.

Als ihn Geißler begrüßte, nickte er kurz mit dem Kopfe. Wünschen Sie etwas?" fragte er.

Jawohl, Herr Kommerzienrat. Ich habe Ihren Brief empfangen und bitte um eine Unterredung unter vier Au­gen."

Wie Sie wünschen," sagte ElSner mit eisiger Höflich­keitHaben Sie einige Minuten Gednld, ich will durch die Säle gehen, dann stehe ich zu Ihrer Berfilgung."

Als der Kommerzienrat den Gang durch die Säle been­det hatte, schloß er ein Kontor auf, zu dem er nur allein den Schlüssel besaß. Obgleich der kleine Raum dicht hin­ter dem Maschiucnsaale lag, so lvar nichts oder doch nur wenig von dem Getöse nebenan zu vernehmen, da Wände und Türen mit Polstern versehen waren. So wie man hier rintrat, war man wie mit einem Zauberschlage dem Fa­briklärm entzogen.

Was wünschen Sie, Geißler?" fragte bet Sommer« t>enrat. Er hatte sich nicht gesetzt, und auch Geißler keinen

Die Abordnung der Halloren, die alljährlich am Neujahrstage dem Kaiseipaare Wurst, Eier und Salz überbringt, besteht diesmal aus den Salzwirkern Puppe, Moritz und Frosch. Sie erscheinen in ihrer historischen Tracht, in den langen Hallorenröcken, mit Wadenstrümpfen und Schnallenschuhen. Die Wurst ist wie seit Jahren vom Hosfleischermeister Halke zu Halle hergestellt. Natürlich ist, wie die Allg. Fleischerzeitung" schreibt, das denkbar beste Material verwendet worden, und zwar von auserlesenen Masttieren, die aus der Gegend von Halle a. d. S. selbst stammen. Die Schlack­wurst ist in Kranzdärme gefüllt, wie dies früher bei Hausschlachtungen der Fall war. Dem Geschmack des Kaisers entsprechend, werden die Würste scharf geräuchert. Die Kaiserin erhält außer der Schlackwurst eine Gänse- leberwurst im Fettdarm. Sämtliche Gaben werden in zierlichen Körbchen überreicht. Die der Kaiserin ge­widmeten Würste sind mit rotem, die für die Prinzen mit blauem und für die Prinzessin mit rosa Band ge­ziert. Die Geschenke sind stets von einem Gedicht be­gleitet, in dem die besten Wünsche zum neuen Jahr dargebracht werden.

Unter der Ueberschrift: Saalverweigerung schreibt dieNordd. Allg. Ztg." : Wir betrachten es als unsere Pflicht, immer wieder darauf hinzuweisen, daß der Wahlkampf zwischen Kandidaten von Parteien, die am 13. Dezember gemeinsam für die kolonialen Forder­ungen gestimmt haben, unter strenger Vermeidung aller Gehässigkeiten geführt werden muß. Durch illoyale Kampfesweise würde zwischen diesen Parteien eine Ver­bitterung hervorgerufen werden, die sich unter Umständen bei den Stichwahlen schwer rächen könnte. Zu den gehässigen Kampfmitteln gehört auch die Saalverweiger­ung. Es ist selbstverständlich, daß derartige Ungehörig- feiten bei den zu strenger Neutralität verpflichteten amtlichen Stellen in keiner Weise auf Billigung zu rechnen haben würden.

Stuhl augebotcu, offenbar lvollte er die Unterhaltung so bald als möglich beenden.

Geißler ränsperte sich.Ich erhielt heute morgen einen Brief von Ihnen, Herr Kommerzienrat. Und da ich die Gründe liicht verstehe, die bei der Abfassung des Schrei­bens maßgebend gewesen sind, so bitte ich mir diese zu er- klären."

ElSner nickte:Wenn Sie wünschen, gewiß." Erschöpft zog er sich einen Stuhl heran und bat nun auch den jun­gen Mann, Platz zu nehmen

Die Gründe, die für mich maßgebend waren, und mit beneu ich eigentlich Ihren Wünschen entgegenznkommen gedachte, sind in lvenigen Worten erklärt," 'sagte er und fuhr sich mit der Hand über die leicht gerötete Stirn.

Ich meinte ich .. ich. . ." Ersetzte noch ein paarmal zum Sprechen an, aber er bewegte nur die Lippen, ohne ein Wort zu bilden. Plötzlich sank der Oberkörper vorn­über, ein Röcheln entrang sich der mühsam arbeitenden Brnst.

Karl sprang anf.Herr Kommerzienrat, sind Sie un­wohl?" rief er.Kann ich Ihnen in irgend einer Weise behilflich sein?"

Wasser!" stöhnte dieser,Wasser!"

Als Karl mit einem Glase Wasser zurückkehrte, war bei dem alten Herrn der Schwindelanfall vorübergcgangcn. ElSner netzte die Lippen und Karl, der daS Glas hielt, fand, daß sein Chef entsetzlich alt und elend auSsah.

Nach lvenigen Minuten hatte der Kommerzienrat die Schwäche überwunden, er sprach ein paar entschnldigeude Worte und kam dann auf GeißlerS Anliegen zurück. Die Unterredung war kurz; sofort darauf verließ der junge Mann daS Kontor und begab sich nach Hanse.

* *

Der Rendant war auSgegangen, er hatte einen AnS' fing in die Umgegend unternommen und ließ durch die Wirtin bestellen, daß er erst gegen Abend zurückkehren lverde.

Wegen Aufreizung zum Ungehorsam gegen die Staatsgewalt ist Anklage gegen elf polnische Pfarrer des Löbauer Dekanats im Regierungsbezirk Bromberg erhoben worden, die kürzlich imLech" eine Erklärung gegen den deutschen Religionsunterricht veröffentlichten, weshalb das Blatt konfisziert wurde.

Die Köln, Volksztg. und sozialistische Blätter wiederholen in den verschiedensten Wendungen die Agitationsphrese vom Kampfe gegen denAbsolutismus". Es handelt sich hier um ein Schlagwort ohne jeden tatsächlichen Gehalt, mit dem man auf den Wähler nur dann Eindruck zu machen vermag, wenn man ihn über das Wesen des verfassungsmäßigen Lebens im Deutschen Reiche im dunkeln läßt. In Wahrheit ist im Bundesstaate Deutschland bei der Verteilung der Gewalten, wie die Verfassung sie vorsieht, für eine Be- tätigung des Absolutismus kein Raum gelassen; ebeu- sowenig Raum allerdings für die Einrichtung einer parlamentarischen Fraktionsherrschaft. Nicht aus An­schauungen, die demfürstlichen Absolutismus ver­gangener Jahrhunderte" angehörten, ergab sich der einstimmige Beschluß des Bundesrats über die Not­wendigkeit der Auflösung des Reichstags, sondern aus der patriotischen Ueberzeugung, daß Fragen der^Waffeil- ehre und des nationalen Ansehens nicht zum Spielball von Parteiintereffen werden dürfen.

Ausland

In Londoner Blättern wird über deutsch-eng» lische Verhandlungen über Südwestafrika berichtet. Es würden zurzeit Verhandlungen zlvischen dem Staats­sekretär Sir Edward Grey und dem deutschen Botschafter Grafen Wolfs Metternich sowie dem Gouverneur von Lindequist geführt über gemeinsame deutsch-englische Maßnahmen zur Pazifizierung des Grenzgebietes zwischen der Kapkolonie und Deutsch-Südwestafrika. Die Ver­handlungen seien schon vor dem Schluß des Reichs-

Karl war eS lieb, so lvar er allein, konnte seine Ge- danken sammeln und in Ruhe seiue Entscheidung treffen.

Am Abend, nachdem die Fabrik ihre Tore geschloffen hatte, stellte sich Kleinau ein.

Geißler hörte, wie er auf dem-Vorflur mit der Wirtin sich in etwas gewagten Scherzen erging.

Dann trat er ins Zimmer, eine Modeblume, wie int« mer, im Knopfloch.

Nun, Geißler.. .

Nun, Kleinau . . ."

Wieder im Bau! Ich dachte e» mir. Warum habe ich Sie heute mittag nicht mehr zu sehen bekommen?" fragte Kleinau vorwurfsvoll.

Sehr einfach, weil ich sortgiug," entgegnete Geißlet, den das lächelnde Gesicht der Besucher» nicht eben auge- nehm berührte.

Und was ist aus Ihrer Geschichte geworden? DaS wenigstens hätten Sie mir doch mitteilen können!"

_ Geißler erhob sich und ging im Zimmer auf und ab. Sein Gesicht war blaß, und um die Augen zirkelten sich dunkle Schatten.Ich habe die Kündigung des Kommer- zienratS angenommen," sagte er.ES ist besser, wir schei­den jetzt als später. Bis Mitte des nächsten Jahres hätte ich in der Stellung bleiben müssen, und dieS hatte immer- hin seine Schwierigkeiten gehabt, da Möller schon vorher auf meine Dienste reflektiert. Ich habe mit dem Sommer« Zienrat eine tätigere Anssprache gehabt, und . . und

Er suchte nach Worten.Da sind wir also zu diesem Eut- schluß gekommen," fügte er hinzu.In den Papieren wird er übrigens benierken, daß die Entlassung auf meinen Wunsch geschieht."

Auf Ihren Wunsch, sieh, sieh, da» wird er also doch tun! Und die unglückliche ZeitungSgeschichte? Hat er da­von gesprochen?"

Ja, und sie hat den Stein inS Rollen gebracht!" meinte GeißlerInder Beziehnng hatten Sie ganz recht, obgleich ich Ihnen nicht glauben wollte." 135