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WüchternerAitung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 92.

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werden Bestellungen auf die Schlüchterner Zeltnug

mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tem erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Reich.

Der Reichstag wurde bei seinem Wiederzusammen- tritt nach sechsmonatiger Sommerpause vom Präsidenten Grafen Ballestrem mit einer kurzen Begrüßungsansprache eröffnet, in der er der drei Toten gedachte, die das Haus seitdem verloren hat, und deren Andenken das Haus durch Erheben von den Sitzen ehrte. Dann be­schäftigte sich das Haus ausschließlich mit der Erledigung von Petitionsberichten. Am Mittwoch stand die Interpellation Basserman (natl.) über die deutschen Beziehungen zu den übrigen Mächten auf der Tages­ordnung. Nachdem Abg. Bassermann die Interpellation ausführlich begründet, wurde sie vom Reichskanzler Fürsten Bülow sofort in langer Rede beantwortet. Derselbe führte aus, daß der Dreibund ungefährdet fortbestehe und auch die französisch-englische Annäherung für uns nichts Besorgliches habe. Der Reihe nach ging der Reichskanzler auf unsere Verhältnisse zu den einzelnen Staaten ein, mit Frankreich beginnend, über Italien und Oesterreich bis zu Amerika und Japan Von einer Isolierung Deutschlands könne keine Rede sein, unsere Beziehungen zu den Mächten seien durch nichts gestört, auch sei die Situation in Europa und in der Welt eine friedlichere geworden. Der Reichs­kanzler schloß seine Rede mit folgenden Worten: Sorgen wir dafür, daß unsere Machtmittel zu Lande und zu Wasser für unsere Verteidigung ausreichen i Vergessen wir endlich über unseren inneren, politischen, konfessionellen und wirtschaftlichen Streitigkeiten nicht das Interesse, die Wohlfahrt und das Recht des Ganzen, und das deutsche Volk wird seine Stellung in der Welt zu behaupten wissen !" Darauf wurde in die Besprechung der Interpellation eingetreten, an der sich die Abgg. v Vollmar (Soz), Graf Limburg-Stirum (kons.), Dr. Spähn (Z), Dr. Wiemer (frs. Vp.) und Frhr. von Thiedemann jResp.) beteiligten. Zum Schluß ergriff

Samstag, den 17. November

der Reichskanzler nochmals das Wort, um auf einige Bemerkungen der Vorredner zu erwidern.

Zur Grundsteinlegung des neuen deutschem Museums ist das Kaiserpaar in München eingetroffen. Unter Führung des Vorstandes des deutschen Museums besichtigte der Kaiser die im alten Nationalmuseum aufgestellten Gegenstände des Deutschen Museums und empfing dann eine Abordnung der Veteranen des 6. bayerischen Infanterieregiments. Abends fand im Palais des Prinzen Leopold zu Ehren des Kaiserpaares Festtafel und hierauf Festvorstellung im Hof- und Nationaltheater statt. Der Kaiser hat eine große Anzahl Ordensauszeichnungen verliehen.

Das Offiziersexamen hat Prinz Oskar von Preußen mit dem Prädikatvorzüglich" vor der Prüfungs­kommission und mit Allerhöchster Belobigung von Seiner Majestät mit seinen Mitschülern, den Fähnrichs von Unruh, von Dittfurth und von Kleist bestanden. Prinz Oskar wurde der 6. Kompagnie des ersten Garde- Regiments unter Hauptmann von Unruh zur Aus­bildung der Rekruten zugeteilt.

Der Rücktritt des Landwirtfchaftsministers von Podbielski wird imReichsanzeiger" in folgendem bekannt gemacht: Seine Majestät der König haben allergnädigst geruht, dem Staatsminister und Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten von Pod­bielski die nachgesuchte Entlassung aus seinem Amt unter Belastung des Titels und Ranges eines Staats­ministers und unter Verleihung der Brillanten zum Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe zu erteilen, und mit der einst­weiligen Leitung des Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten den Staatsminister des Innern von Bethmann-Hollweg zu beauftragen."

Der Großherzog von Hessen hat eine Amnestie aus Anlaß der Geburt eines Erbgroßherzogs erlassen, die sich auf alle Personen erstreckt, die im Großherzog- tum durch ein bei den bürgerlichen Gerichten ergangenes Urteil oder durch Strafbefehl zu Gefängnis, Festungs­haft oder Geldstrafe verurteilt worden sind, und zwar 1. wegen Majestätsbeleidigung: 2. wegen Beleidigung einer Behörde, eines Beamten, eines Religionsdieners oder eines Mitgliedes der bewaffneten Macht in Aus­übung ihres Berufes; 3. wegen Zuwiderhandlungen gegen Bestimmungen des Forst- und Feldstrafrechts, sofern nicht wegen Rückfalles, gewerbs- oder gewohn­heitsmäßiger Begehung auf Gefängnisstrafe erkannt ist

An den in Posen abgehaltenen Sitzungen der Ansiedelungskommission nahm auch der Unterstaats­sekretär im Ministerium des Innern v. Bischofshausen teil. In den Provinzen Posen und Westpreußen liegen

06. 57. Jahrgang. gegenwärtig 1300 Ansiedlerstellen von verschiedener Größe aus. Dazu kommen demnächst weitere 600 Stellen, so daß dann 1900 Ansiedlerstellen mit 120 000 Morgen zur Besiedelung ausliegen werden. Der Andrang von Ansiedelungslustige» ist in diesem Jahre stärker als im vergangenen.

Der posener Erzbischof v. Stablewski hat sich im polnischen Schulkinderstreik nunmehr ganz offen auf die Seite der Polen gestellt. Wie aus Posen ge­meldet wird, empfing der Erzbischof eine große Polen- Abordnung der Provinz, die dem Erzbischof für seinen Standpunkt in dem Schulstreik dankte. Der Sprecher der Deputierten war der Rittergutsbesitzer Dr. v. Ja- kowski. Der Erzbischof dankte für die Huldigung und sprach die Hoffnung aus, daß Gott den Polen den Sieg verleihen möge. Die Zahl der gegenwärtig beim deutschen Religionsunterricht streikenden polnischen Kinder übersteigt 40 000.

In Kandrzin, Regierungsbezirk Oppeln, wurde ein Zentralverein öer oberschlesischen katholischen Geist­lichkeit gegründet. Vorsitzender ist der Erzpriester Abg. Glowatzki. Der Verein mißbilligte den Eintritt von Zentrumsgeistlichen in das polnische Komitee zur Vor­bereitung der geplanten Schulstreikversammlung, den der Kardinal Kopp verhindert hat, und verurteilte scharf das gemeingefährliche Treiben der oberschlesischen Großpolenblätter, besonders ihre steten Verunglimpfungen des Kardinals Kopp.

Eine neue sozialdeinokralische Gefühlsroheit wird aus München-Gladbach gemeldet. Bei der Beerdigung eines Polizei - Inspektors folgte ein Arbeiter in einem zerrissenen grünen Anzüge und mit einem hohen Zy­linderhut dem Leichenzuge und verhöhnte die Leid­tragenden durch Ausringen eines roten Taschentuches. Die Polizei ermittelte, daß der Arbeiter ein Sozial- demokrat ist, der diese Verhöhnung infolge einer Wette um zwei Liter Schnapps ausführte. Das ist das Bildungsniveau", das sich, wie ein Redner auf dem Mannheimer Parteitage behauptete, seit Gründung der sozialdemokratischen Partei unter den Arbeitet» ge­hoben hat!

Ausland

Der erste Gouvernementsrat von Deutsch-Süd­westafrika ist in Windhuk durch den Goüverneur von Lindequist mit einer längeren Rede eröffnet worden, in welcher er dem Wunsche Ausdruck gab, daß die Beratungen befruchtend auf das durch den Krieg ver­ödete Land einwirken und es der gemeinsamen, ange­strengten, aber, wie er hoffe, einträchtlichen Arbeit gelingen möge, für eine neue Epoche neue Grundlagen

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Roman von Elwiu Starck. 2

Wohin?" wiederholte sie träumerisch für sich.

Ach, sie hatte rechte Sehnsucht nach Wiese und Wald, nach den: frischen Atem des Winde», der über freie» Feld Bangen war und nicht den Staub der Großstadt mit führte Sie dachte an ihre Heimat, an da» stille, mär- tische Dorf und an sein LehrcrhanS, da» sie und ihr Va­ter, der Küster und Organist, bewohnt hatte, bis . . nun, bis man den alte» Mann eine» Tage» auf den Friedhof trug.

Mit wundem Herzen und müden Augen war sie nach dem Begräbnis in das HanS zurückgekehrt, in dem sich die alten Freunde und Bekannten fast vollzählig einfauden, um ihr weitläufig zu erzählen, daß ihr Vater ein unpraktischer Mann gewesen sei, der für sie nicht da» geringste, und da» sei unrecht geling, erübrigt habe. Sie sei mitello» und müsse sich fortan jeden Bissen Brot, den sie essen wolle, selber verdienen. Und al» sie daS alles endlich und muh- fam begriffen hatte, erhielt sie einen Brief von einer ent­fernten Verwandten, die wie sie schrieb von, El;eS be­drängter Lage Kenntnis erhalten und sich an» Barmyer- zigkeit eptschloffen hatte, die Nichte bei sich anszunchmen, bamit sich diese in Ruhe nach Arbeit musehen könne. Ber­lin sei groß, Arbeit würde sich hier am schnellsten finden.

Ihr langes Schweigen verletzte den jungen Mann.Ha­ben Sie auf den Borschlag nicht wenigsten» eine »mroon. fragte er ungeduldig. Hat er nicht ihren Beifall. Warn» verstimmten Sie?" , .

Ja, so, verzeihen Sie," Elfe erwachte wie -m» einem Traume, und ihre Augen lasen ein wenig ängstlich m neu ZügenKann ich denn allein mit Ihnen fahren.

Nnn lachte er hellauf.Seien Sie außer Sorge Fräu­lein Elfe, aus der Bahn gibt e» immer genug Leute, o,e Sie zu Hilfe rufen sönnen, sollte ich Ihnen beschwerlich fallen.Doch im Ernst, fürchten Sie sich vor mir ?

Nein, ach nein," stotterte sie, ich dachte nur. ."

ES blieb unSauSgesprochen, was sie dachte, doch seine hübschen Augen blickten sie so zärtlich und treuherzig an, daß sie ihre Verlegenheit überwand und auf die Verabre­dung für nächsten Sonntag entging.

Ingenieur Geißler hatte inzwischen seine Wohnung er- reicht. Sie lag weit ab von der Fabrik in einer erst vor wenig Jahren »engebauten Straße; das Hans war statt­lich und mit allen bequemen Einrichtungen der Neuzeit versehen.

Karl Geißler besaß einen ausgesprochenen vornehmen Geschmack, und wenn er sich den Tag über in den öden Räumen der Fabrik aufgehalten hatte, so verlangte er zu Hanse Eleganz.

Als er die bequeme Treppe hinanssprang, öffnete je­mand leise die Korridortür; es war seine Wirtin, die, wie eS schien, auf ihn gewartet hatte.

Der Herr Rendant ist wohlbehalten eingetroffen," sagte die behäbige Frau,ich habe ihm Frühstück besorgt und dann hat er sich hingelegt, um sich von der Reise zn erholen. Ich glaube, er schläft, bitte, stören Sie ihn nicht."

Und Sie haben jedenfalls im Vorsaal gewartet, bis Sie meine Schritte auf der Treppe hörten, um mich zur Vorsicht zu ermähnen," eutgeguetcGeißler lächelnd.Frau Fröhlich, Sie sind die Perle aller Wirtinnen. Was brauche ich Glücklicher noch eine Frau. Sorgsamer als Sie könnte diese doch nicht sein!"

Nee, nee, Herr Ingenieur, unsereiner tut ja, was er kann, aber mit der Frau, wirklich, eSwird Zeit," meinte Frau Fröhlich halb geschmeichelt, halb ermahnend, undzog sich diskret zurück.

Geißler öffnete die Tür des Wohnzimmers. Sein Juug- gesellcnheim war hübsch, nicht ohne Luxus eingerichtet, und zwar mit jenem gediegenen, der zugleich künstlerisches Ver­ständnis beweist. Die Möbel waren anS Hellem Eichenholz geschnitzt, die Pauelsofas aus Mvquette-Plüjch mitSattel-

I tasche». In den echten Kelims schwebte noch der Duft seiner Morgenzigarre. Der junge Mann sah sich einen Augenblick vefrtebigt in dem behaglichen Raume um, keine Spur von Ueberladung, alles echt und gediegen, dann ging er ge­räuschlos ins Neben- und Arbeitszimmer, der dickeSmyrna fing feine» Schritte auf.

Auch hier war alles Komfort und Behagen, schwere Stoffgarbienen an den Fenstern, und vor den Türen und auf dem Parkett ein echter Perser Teppich. Der große Schreibtisch aber, auf den: Mappen, Bücher und Blätter lagen, zwar nicht im wüsten: Chaos, aber doch ohne Pe­danterie geordnet, damit jedes Stück gleich zur Hand pe- iwmmen werden konnte, zeigte, daß hier wirklich gearbeitet wurde.

Karl setzte sich sofort an den Tisch, schlug eine Mappe auf und war völlig bei der Arbeit. Noch war es hell ge- nug, die Zeichnungen zu erlernten. Er sortierte, prüfte und war bald so in seine Berechnungen vertieft, daß er überhörte, wie eine Tür leise klinkte, in deren Oeffnnug die Gestalt eines alten Herrn zum Vorschein kam Ein freundliches, weißbärtiges Gesicht tauchte zwischen den Portieren auf, und zwei gute Augen ruhten gedankenvoll auf dem blonden Kopf, der sich tief über die Mappe neigte So also sah sein Sohn jetzt aus! Den Vollbart mußte er sich jetzt erst haben wachen lassen, er staub den: Junge» gut, obgleich er den alten Herrn zuerst ein wenig störte, da erchm bekannte Züge verdeckte. Aber jetzt die Bewe- gung mit der Karl das Blatt beiseite schob und baun mit der Hand durch das üppige Haar fuhr, die lannte er Ge- nau io hatte der blonde, wilbe Junge bei feinen Schul- anfgaben gesessen. '

Hm, Karl ..."

Bei dem Klang dieser Stimme sprang der junge Mann aus tnib stürzte dem Alten in die Arme.Vater, lieber Ba- ter, herzlich willkommen! Verzeihe, daß ich Dich nicht gleich

^"f1 begrüßte, ich wollte Dich »ich: im Schlafe stören."