SchWernerAitung
Ersch"»t Riittwoch und Samstag. — Preis mit Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Mittwoch, den 7. November 1906
57. Jahrgang.
Fortwährend
werden Bestellungen auf die
Schlüchterner Zeitung
mit amtlichem Kreisblatt
von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.
IncPPüfct finden in der Schlüchterner Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Austage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.
Deutsches Kelch.
— Der Preis für das beste Schießen mit Küstengeschützen, ein vergoldeter silberner Tafelaufsatz, wurde vom Kaiser der 2. Matrosenartillerieabteilung verliehen. Der Preis wurde zum ersten Male verteilt.
— Prinz Eitel Friedrich von Preußen ist Montag in Wien angekomnien. Er wurde am Bahnhof vom Kaiser, dein deutschen Botschafter Grafen v. Wedel, dem Botschaftspersonal und dem Ehrendienst empfangen. Die Begrüßung des Kaisers und des Prinzen war eine sehr herzliche.
— Der preußische Hof legt für den verstorbenen Erzherzog Otto von Oesterreich auf 14 Tage (bis ein» schließlich 16. d. M) Trauer an. — Beim Leichenbegängnis des Erzherzogs wird Prinz Eitel Fritz den Kaiser vertreten.
— Der nationalliberale preußische Landtagsabge- ordnete von Eynern ist in Barmen in der Wohnung seines Sohnes, bei dem er zum Besuch weilte, im 69. Lebensjahre plötzlich gestorben. Er wurde im Schlaf. Zimmer tot aufgesunden. Die Ursache seines Todes is? eine Gasvergiftung infolge Nichtschließens des Gashahnes im Schlafzimmer. Seit langen Jahren nahm Herr von Eynern unter den parlamentarischen Führern der preußischen Nationalliberalen eine hervorragende Stellung ein, zu der ihn nicht nur der rastlose Eifer, mit dem er sich der parlamentarischen Tätigkeit widmete, sondern auch seine hervorragende Begabung, sein klares Urteil und eine glänzende Rednergabe berechtigten.
— Eine außerordentliche Viehzählung soll in Preußen am 1. Dezember 1906 stattfinden, um schon jetzt darüber klar zu sehen, ob der zur Zeit wenigstens in dem größten deutschen Bundesstaate vorhandene Viehstand dem ErnährungSbedürfnisse der rasch gewachsenen Bevölkerung genüge zu leisten vermag. Sie soll sich nur auf Pferde, Rinder, Schafe und Schweine
An Ketten der Kieve.
Roman von Seta v. Starkenstein.
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„Ich verstehe Dich nicht, Wally; für mich sprichst Du in Rätsel», ich will geduldig deren üöfmig abwartem So viel aber sehe ich mit unumstößlicher Klarheit, daß Du ’^^aetuMü^te, erwähle mir von Deinem Glück. Wann wollt Ihr heiraten ? Und wo werdet Ihr leben
Die Freundinnen plauderten eine Weile zusammen, bil endlich Betty von ihrem Verlobten gerufen ward und Wally, in tiefe Gedanken versunken, allein zurückblieb; sie konnte nichts tun, gar nichts, dein unseligen Mißverständnisse mußte sein Lauf gelassen werden.
Betty hatte inzwischen im Wohnzimmer die herzlichsten Glückwünsche de» Obersten DeSmond entgegengenom- meu, der ihr unverhohlen sagte, wie sehr er sich freue, daß sie die Gattin seines besten Freunde« werde. Dann fragte er lachend, wo sie den ganzen Nachmittag 'über gesteckt, er habe vergeblich allerorts nach ihr gesucht.
„Ich plauderte mit Wally; sie wird erst zu Tisch er scheinen." ..
Wally kam beim auch bald, nachdem die Speyeglocke erklungen und sah, allein äußeren Anscheine nach, ganz >o blühend au« ivie sonst. Nach dem Diner forderte man sie zum Singen auf und ihre Stimme hatte kaum jemals schöner geklungen. Man hätte annehmen können, daß das Mädchen kaun« wisse, was Tränen seien; trotzdem fühlte sie, daß Richard DeSmond sich nicht täuschen lasse, daß er ihre gedrückte Stimmung empfinde Noch ein Tag, dann wußte sie Tante Kouradine Antwort geben und diese Antwort war er, die sie für immer an» den Kreisen verbannte, in denen Richard DeSmond lebte.
Als man sich endlich zur Ruhe begab, während sie int Verlaufe der ganzen Abends kaum zehn Worte mit Richard gesprochen, teilte ihr ihre Zofe im größten Entzücken mit, daß das Ballkleid angekomnien, und daß c$ reizend vh vb dar .nädjgeFräulkin es denn nichtmiprpuicw 'vvlle.
erstrecken und von jeder dieser Viehgattungen nur die wesentlichsten Unterabteilungen erfasse».
— Als neues sozialdemokratisches Kampfmittel sollen Deinonstrationsstreiks dienen. Unter den Vertrauensleuten der sozialdemokratischen Organisationen ist ein Rundschreiben der Parteileitung in Umlauf, das den Massenstreikbeschluß des Mannheimer Parteitages in recht eigenartigem Lichte erscheinen läßt. Nachdem der Massenstreik als Kampfmittel einstweilen zurückgestellt sei, heißt es da, liege der Schwerpunkt der Parleilättgteit dcmgeniäß z. B. auf dem Gebiet der Vorbereitung und bem der Organisation. Als geeignet, den genannten Zwecke» zu dienen und zugleich einen Ueberblick über die vorhandenen Kräfte zu geben, werden Demvnstralionsstreiks, b. h. allgemeine Arbeitseinstellungen empfohlen, die möglichst häufig in Anwendung zu bringen sind. Auf das sozialdemokratische Rundschreiben ist um so nachdrücklicher hinzuweisen, als das Ergebnis der Mannheimer Tagung ganz dazu angetan ist, eine gewisse Sorglosigkeit auf der Gegenseite auf- konmien zu lassen.
— In der am 7. d. M. in Berlin stattfindenden Sitzung des „Central-VereinS für Hebung der deutschen Fluß und Kanalschiffahrt" wird an erster Stelle über eine Reihe bedeutender Fragen, welche den neuen Großschiffahrtsweg Berlin - Stettin angehen, nämlich die Abmessungen der Schleusen und die etwaige Einführung
des staatlichen Schleppmonopols zur Verhandlung stehen. Bei der hohen Bedeutung, welche die Größenverhält- nisse der Schleusen auf den neuen preußischen Kanälen für die gesamte künftige Entwickelung unserer Verkehrsverhältnisse ist, wird es sich darum handeln, einen Ausgleich zwischen den Ansprüchen der Verkehrsinteressen und den Rücksichten auf die finanzielle Seite zu suchen. Weiterhin wird der Entwurf einer Königlichen Verordnung, betreffend die Einsetzung eines Landeslvaff.er- straßcnbeirats und von sechs Bezirkswasserstraßenbei- raten, erörtert werden. Dem Vernehmen »ach bestehen anf Seiten der Verkehrsinteressenten eine Reihe von Wünschen, die in dem Entwürfe Berücksichtigung finden sollen, bamit die neuen Beiräte tatsächlich eine wirkungsvolle Tätigkeit entfalten und ihrer Zweckbestimmung gerecht werden können. Endlich soll Stellung genommen werden zu der von der Reichsregierug geplanten einheitlichen Regelung des Befähigungsnachweises für Schiffsführer und Maschinisten in der Binnenschiffahrt, so daß an den Beratungsgegenständen dieser Sitzung die verschiedensten Kreise das lebhafteste
Heeres niederzulegen. Sein Scheiden von diesem Posten wurde in der Arnree allgemein bedauert, in der sich der Erzherzog großer Beliebtheit erfreute. Das Fortschreiten des Halsübels machte alsbald eine» operativen Eingriff erforderlich, und seitdeni erfolgte die Atmung teilweise durch eine Kanüle. Der Entschlafene hat nur ein Alter von 41 Jahren erreicht. — Im französischen Ministerrat teilte der Minister des Aeußeren mit, daß man beabsichtige, durch Ver- mittemng des Militärattaches bei der französischen Botschaft in Berlin dem deutschen Kaiser die Gefühle der Dankbarkeit der Regierung der Republik auszu- drücken für die persönliche Intervention des Kaisers bei der Ueberführung der Gebeine der in Mainz verstorbenen französischen Soldaten.
— Die Schaffung einer starken englische» Heimat- flotte bestätigt sich. Auf eine Anfrage des Liberalen Ricksdale, ob nach dem letzten Memorandum der Ad- miralität über die Zusammensetzung der heimischen Flotte die Zahl der Linienschiffe in voller Dienstbereitschaft vermindert werden solle, erwiderte im Unterhaus Interesse nehmen. lAdmiralitätssekretär Robertson, daß die Admiralität
— Die gewaltige Flotte des Norddeutschen Lloyd eine günstigere Verteilung der Linienschiffe inbezug auf wird in den nächsten Tagen wiederum einen neue»'ihre kriegerische Verwendung herbeiführen wolle, und
„Nein, ich bin heute zu müde, morgen ist auch noch ein Tag," erwiderte das junge Mädchen; da aber die Tante eintrat und ihre Bitte mit jener Mirjams vereinte, gab sie nach. Die Toilette war wirklich reizend, aber Wally sagte sich voll Bitterkeit, daß sie dieselbe ja doch niemals tragen werde unb entledigte sich des kostbaren Kleides mit solcher Ungeduld, daß Frau Root sie besorgt fragte, waS ihr dem« eigentlich fehle; sie sei gar nicht wie sonst, son- der» scheine in einer ganz unnötig erregten Stimmung.
„Meinst Du im Verlaufe deS ganzen Abends, oder nur jetzt?"
",Achdacht' ich'S doch, Du hältst immer die MaSke für Wirklichkeit und die Wirklichkeit für Maske."
Frau Root mußte sich mit dieser Antwort zufrieden geben, konnte aber nicht umhin, sich zu sagen, daß Wally ein Rätsel sei. *
Der Freitag brach sonnenhell an. Wally stand früh auf und fing an, ihre Sachen zu ordnen unb zusammen- -ulegen, wie man es etwa vor einer größeren Reise tut. In ein Schubfach legte sie allerhand kleine Erinnerungen, die sie alle mit ihrem Taschengelde gekauft
Ich werde Mirjam später sagen, welche Kleider sie einpacken soll, auf den Schmuck habe ich ja ohnehin kei-
war bleich und entschlossen, während sie ihre seltsame Aufgabe erfüllte. Eine große Kassette von Sandelholz, mit eingelegtem Silber mar es, der sie ganz besondere Aufmerksamkeit zuwandte sie zog einen kle«- neu Schlüssel, den sie um den Hals trug, hervor und op- "^T^lagchorgfältig in Matte eingehüllt, ein getrockne- tes Bukett vor ihr. Wally drückte bleibe an die Lippen, bann sank sie plötzlich in die Knie und brach in einen hecpen, ““'Ä^ - «• Met. stgn'din habe," flüsterte sie leise vor sich hin. ,O, wenn
wertvollen Zuwachs erhalten. Der neue, auf der Werft der Firma F. Schichau-Danzig erbaute Reichspostdampfer „Porck" soll am 4. November seine Probefahrt abhalten, worauf er sofort nach Bremerhaven weitergehen wird. Der Dampfer „Porck", nach der höchsten Klasse des Germanischen Lloyd ganz aus Stahh erbaut, ist ein erstklassiger Passagierdampfer von 146 m Länge, 17,5 m Breite und 12 m Tiefe und mit einem Raumgehalt von etwa 9000 Brutto Reg.-Tons. Die Einrichtungen und Ausstattung des Dampfers entsprechen den höchsten Anforderungen, wobei auf die Bestimmung des Schiffes, vornehmlich für die Tropenfahrte», besondere Rücksicht genommen worden ist. Der Dampfer wird vor seiner Einstellung in den Reichspostdampferdienst zunächst auch zwei Reisen nach Newyork unternehmen und alsdann am 20. Februar nächsten Jahres seine erste Reise nach Australien antreten.
Ausland.
. — Aus Wien kommt die Kunde von bem Tod des Erzherzogs Otto von Oesterreich, des zweiten Sohnes des verstorbenen Erzherzogs Karl Ludwig, Zweitälteste» Bruders oes Kaisers Franz Josef. Schon vor mehr als Jahresfrifst erkrankte der Erzherzog an einem chronischen Halsleiden, das ihn zunächst zwang, aus dem aktiven Militärdienste auszuscheiden und sein Amt als Generalinspekteur der Kavallerie des österreichischen
mir nur das Herz nicht so weh tun wollte! Richard, ja, ja, Du liebst mid) und trotzdem müssen wir scheiden! Ich kann die Vergangenheit nicht auSlöschen, aber ich kann und will in Zukunft ein besseres, edlere» Leben führen. O,gibt eS denn keine Menschenseele, welche ihm die Wahrheit zuflüstert unb unS beide vor namenlosem Unglück er- rettet!"
Sie erhob sich und legte die Blumen in die Kassette zurück. Dann stellte sie diese in ein Schubfach ihres Kasten» und sperrte dasselbe sorgfältig ab.
ES war inzwischen acht Uhr geworden. Wally aber blieb noch immer in ihrem Zimmer; sie wußte, daß der Oberst zeitig anfstehe unb wollte einer Begegnung unter vier Augen um jeden Preis aus dem Wege gehen. Als sie hörte. daß sich auch andere bereits hinab begaben, ging auch sie in das Frühstückszimmer.
Oberst Desmond, Force und Betty hatten sich in bem- selben eingefunden. Das Brautpaar aber war sofort auf die Terrasse hinausgetreten, während der Oberst diskret zurückblieb, anscheinend in eine Lektüre vertieft, welche ex jedoch bei Wallys Eintritt sofort weglegte.
Richard Desmond warf einen scharfen Blick auf da« junge Mädchen; seine Hand umschloß die ihre mit krampf- haftem Druck, als er ihr „Guten Morgen!" wünschte.
„Uebrigens sehen Sie nicht aus, als ob Sie gut geschlafen hatten, Fee," fügte er lächelnd hinzu.
„Nein, da« habe ich auch nicht," entgegnete sie, bestrebt, einen gleichgültigen Ton anzuschlagen, dabei innerlich wünschend, er möge ihre Hand freigeben, und andererseits doch froh, daß er dieselbe halte. ^Eine schlechte Nacht schadet ja ziüvcilen gar nichts."
„Zuweilen vielleicht nicht," sprach der Oberst ernst, „doch verzeihen Sie, Fee, ich hätte außer dein banalen Moraengruß Ihnen nichts wriker jagen sollen; meine Rolle all Arzt ist auSgespielt, Ihr Fuß scheiiit schon «vieder ganz gut." Er gab ihre Hand ftii, während er wach, unb wandte sich ab. 128. .8