SchWernerMung
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Samstag, den 27. Oktober 1906.
57. Jahrgang.
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Schlüchterner Zeitung
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Die Mdeikommisse in Preußen.
Nach den in der „Statist. Korr." veröffentlichten Ergebnissen der neuesten Feststellung des Zu- und Abganges sowie des Bestandes haben die Fideikommisse im Jahre 1904 in Preußen eine recht erhebliche Zunahme erfahren. Am Jahresschlüsse 1904 war eine Fideikommißfläche von 2 232 591,8 ha oder 6,4 v. H. des Gesamtumfanges des Staates, darunter ein Waldbestand von 1035 424,2 ha, d. i. 3,0 v. H. der Staats- fläche, 12,5 v. H. der ganzen Waldfläche im Staate und 46,4 v. H. der Gesamtfideikommißfläche, vorhanden, während der Grundsteuerreinertrag der Fideikommisse 27 709 397,75 Mk. — 6,2 v. H. desjenigen der gesamten Staatsfläche ausmachte. Von Ende 1895 (dem ersten Erhebungsjahre) bis dahin 1904 nahm d> Fideikommißfläche überhaupt um 125 932,0 ha, oder • 6,0 v. H., die Fideikommißwaldfläche um 62 240,0 ha, d. i. 6,4 v. H., und der Grundsteuerreinertrag der gesamten Fideikommißfläche um 1 878 703,58 Mark = t 7,3 v. H. zu.
Im Berichtsjahre wurden 13 neue Fideikommisse, und zwar 3 in Schlesien, je 2 in den Provinzen Posen und Sachsen und je 1 in Ostpreußen, Brandenburg, Pommern, Schleswig-Holstein, Hannover und Rheinland, mit einer Gesamtfläche von 36 425,9 ha und einem Grundsteuerreinertrage von 413518,14 Mk. errichtet, wovon allein 29 839,7 ha bezw. 355 942,68 Mk. Reinertrag auf Schlesien entfallen; dazu kommen 51 - Erweiterungen bestehender Fideikommisse, so daß sich ein gesamter Zugang von 40042,9 ha, darunter p3 520,9 ha Waldfläche, mit 460001,86 Mk. Grund- - steuerreinertrag ergibt. Demgegenüber ist die Auflösung von 3 Fideikommisse», und zwar je 1 in Westpreußen, Brandenburg und Hannover, mit zusammen 4063,6 ha Fläche und 34 260,60 Mk. Grundsteuerreinertrag sowie • eine Verkleinerung bei 62 Fideikommifsen zu verzeichnen,
In Ketten der Kieöe.
Stammt von Scta v. Starkeustem.
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„Gnädiges Fräulein, der Herr Oberst von DeSmoud wünscht zu wissen, ob Sie in das Wohnzimmer Hinabzu- 3 komme» gedenken?" fragte die Zofe, leise die Tür von ' Wallys Zimmer öffnend.
„Bitten Sie den Herrn Obersten, einzutreten," ertvi- - bette da» junge Mädchen.
Als gleich darauf Richard DeSmond auf der Schwelle t erschien, lächelte sie ihm halb verlegen, halb freundschast- . lich entgegen. „Ich wollte Ihnen entwischen," flüsterte sie, . „und eS ist wahrlich nicht notwendig, daß Sie sich mei- uettvege» so sehr bemühen, obwohl ich Ihre LiebeuSwür- , digkeit dankbarst anerkenue "
„Ich sagte ja doch, daß ich für Sie Sorge trage» wollte, Fee, und Sie mühten gar schlau sein, wenn eS Ihnen gelinge» sollte, »sich zu übertrumpfen."
„Aber ich kann ja ganz gut gehen, Oberst DeSmond, viel besser mit Ihnen als mit meinem Dienstmädchen, da Sie ja so viel stärker sind und mich weit besser stützen, denn jene."
„Nun, wir wollen den Versuch machen."
Er hob sie empor und fest aus seinen Arm gelegt, kam | sie bis zum Korridor.
„Sie sehen, er geht vortrefflich, mein verletzter Fuß hat kaum den Boden berührt."
„Aber selbst da» schmerzte Sie, obschon Sie e» mir nach Möglichkeit zu verbergen bestrebt waren."
„Ein kleiner Schmerz ist ja nicht nennenswert."
„Und doch möchte ich selbst diesen Ihnen gerne ersparen können; kommen Sie, Fee, ich will Sie bis an die Wohuziminertür tragen und dort niederlassen." Er fügte dem Worte die Tat hinzu.
Wally gab ohne Widerrede nach, umsvmehr, als sie recht gut wußte, daß er unter dein Bewußtsein, sie er- tzulde Schmerzen, heftig leide. „Ich danke Ihnen viel-
womit sich der Gesamtabgang auf 4962,5 ha, darunter 2191,4 ha Waldflüche, mit 49 415,67 Mk. Grund« sieuerreinertrag belauft. Hiernach erhielt der Bestand am Jahresschlüsse 1903 im Berichtsjahre einen Zuwachs von insgesamt 35080,4 ha oder 1,6 v. H. an Fidei- kommißfläche, von 21329,5 ha, d. i. 2,1 v. H. an Fideikommißwaldfläche und von 410 586,19 Mk. = 1,5 v. H. an Grundsteuerreinertrag. Der Mehrzugang an fideikommissarisch gebundener Fläche war also 1904 recht bedeutend, bestand aber in der Hauptsache, nämlich zu mehr als drei Fünfteln, aus Wald. Die Gesamtzahl der Fideikommisse bezifferte sich am Schlüsse des Berichtsjahres auf 1165 gegen 1152 Ende 1903 und 1045 Ende 1895.
Am verbreitetsten waren Ende 1904 die Fideikom- mifse in Hohenzollern, wo sie 16,3 v. H. des gesamten Flächeninhalts ausmachten; dann folgten Schlesien mit 15,5 v. H-, Brandenburg mit 7,9, Westfalen mit 7,7, Schleswig-Holstein mit 7,6, Pommern mit 7,4 Posen mit 5,8, Sachsen mit 5,0, Hessen Nassau mit 4,0, Westpreußen mit 3,7, Ostpreußen mit 3,5, Rheinland mit 2,8 und Hannover mit 2,0 v. H. der Gesanttfläche. Im Reg.-Bezirk Oppeln steigt der Anteil der Fidei- kommisse an der Gesamtfläche auf 20,6, im Reg.-Bezirk Stralsund auf 20,8 v. H. Von der gesamten Wald« fläche waren in Hohenzollern 32,7 v. H. Fideikominisse, in Schlesien 30,8, in Schleswig-Holstein 22,3 v. H.
Bei dieser Vergleichung tritt namentlich die große Ausdehnung des Fideikommißbesitzes in Schlesien und Hohenzollern, wo der Anteil der Fideikoniniiß- an der Gesanttfläche mit je annähernd einem Sechstel rund zweieinhalb»««! — in den Regierungsbezirken Oppeln mit 20,6 und Stralsund mit 20,3 v. H. sogar mehr als dreimal — so groß wie im Staatsdurchschnitt ist, sowie die volkswirtschaftliche Bedeutung der Fideikom- misse für die Erhaltung eines größeren Waldbestandes hervor. Während die gesamten Waldungen Preußens nur 23,6 v. H., also saunt ein Viertel der Staats fläche ausmachen, geben mit Ausnahme von Schleswig- Holstein die Fideikommißfolsten in allen Provinzen über diesen Durchschnitt größtenteils sehr erheblich und im Gesanitstaate fast um das Doppelte hinaus.
Deutsches Deich.
— Unsere Kaiserin hat am Montag ihren 48. Geburtstag int stillen Familienkreise begangen. Das deutsche Volk hat in allen Ständen und Schichten an der Feier dieses Tages wiederum herzlichsten Anteil ge- »ommen und durch zahllose Kundgebungen von neuem bewiesen, welche Fülle von Liebe und Verehrung es der edlen Frau auf dem Kaiserthron entgegenbringt.
mals," sprach sie leise, als er sie endlich vor der Wohnzimmertür wieder auf die Füße stellte.
„Ich danke Ihnen, Fee, daß Sie meiner Männerschwäche nabgegeben haben; eS ist so furchtbar hart, eine Frau leiden zu sehen, und ihr Schmerzen erleichtern zu können, das ist das höchste Glück."
Es war ihm furchtbar, eine Frau leiden zu sehen und doch hatte sie nicht wenig dazu beigetragen, ihm herbe» Leid widerfahren zu lassen; seine Worte waren für sie ein Dolchstich, obschon er dieselben sicherlich nicht böse gemeint hatte.
Im Salon war ein Ruhebett für Wally zurechtgerückt warben. Alle umdräugte» sie mit liebenswürdigen Fragen, Richard Tesmoud aber trachtete, während er mit Frau Root sprach, sein Herz zu stählen gegen da» Mädchen, welches er so wahnsinnig liebte.
Gräfin Peal winkte plötzlich ihren Schwager an sich heran.
„Was willst Du, Peal, kann ich etwa» für Dich tun?" forschte er, an ihrer Seite Platz nehmend.
„Nein, ich wollte Dich nur fragen, ob Du gewußt, daß Kouradine Root heute einen Brief von Gilman erhalten hat."
„Wie hätte ich das wissen sollen, und wa» ist mir auch weiter daran gelegen!"
„Es war auch eine Einlage für Wally darin," fuhr Gräfin Peal fort, ihre» Fächer leise hin und her bewegend, inbent sie dabei verstohlen da» famigebräunte Ant- litz ihres Schwagers musterte.
„Nun, und ist da» alles?"
„Alles? Fürwahr,Richard, ichverstehe Dich nicht."
„Möchtest Du nicht lieber den Versuch aufgeben, eS z» tun?"
„Unmöglich! Hatte wirklich schon angefangen, zu glau- bcn, daß Wallys Ränke von Erfolg wären und ich weiß, daß auch sie sich dieser Hoffnung hingab."
— Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hatte sich in ihrer letzten Wochenrundschau über die Bergarbeiterbewegung in einer Weise geäußert, die als einseitige Parteinahme für die Arbeiter gedeutet werden konnte. Hierzu schreibt nun das Blatt: „In einzelnen Blättern werden unsere in den letzten Rückblicken enthaltenen Ausführungen über die Slreikgefahr im Ruhrrevier als Regierungskundgebung bezeichnet und behandelt. Demgegenüber stellen wir fest, daß diese Auslassung redaktionellen und nicht amtlichen Ursprungs ist." Die Beunruhigung, welche die betreffenden Aeußerungen des Regierungsblattes in Arbeitgeberkreisen hervorgerufen hatten, dürfte damit zerstreut sein.
— Ueber die Fleischbeschau hat die sächsische Regierung mit den Regierungen von Preußen (ausgenommen, für die Hohenzollernschen Lande), Sachsen-Weimar, Oldenburg, Braunschweig, Sachsen-Meiningen, Sachsen« Altenburg, Sachsen-Koburg-Gotha, Anhalt, Schwarz- burg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen, Waldeck, Reuß älterer Linie, Reuß jüngerer Linie, Schaumburg- Lippe, Lippe, Hamburg, Lübeck und Bremen folgende Vereinbarung getroffen: „Alles Fleisch von Schweinen, das innerhalb des Gebietes der beteiligten Staaten in Verkehr kommt und aus einem dieser Staaten stammt, wird als auf Trichinen untersucht angesehen, weil in allen Vertragsstaaten die Untersuchung nach im wesentlichen gleichen Grundsätzen vorgeschrieben ist. Für Schweinefleisch, das aus einem an der Vereinbarung nicht beteiligten Bundesstaate oder den Hohenzollernschen Lande» stammt, oder bei dem der Nachweis der Her- kunft aus einem der Vertragsstaaten nicht mit der genügenden Sicherheit geführt erscheint oder sonst der Verdacht vorliegt, daß es nach der Einfuhr in das Vertragsgebiet noch nicht der Trichinenschau unterlegen hat, ist nach wie vor ein ausdrücklicher Nachweis für die erfolgte Trichinenschau zu fordern oder das Fleisch in Sachsen zu untersuchen." Diese Vereinbarung tritt am 1. Dezember d. I in Kraft.
— Eie exemplarische Strafe für einen rohen Streikexzeß hat das Schöffengericht in Düsseldorf über einen „Genossen" verhängt. Der Zementarbeiter Friedrich Schmidt hatte auf der Straße einen unbekannten Mann, den er irrtümlich für einen Streikbrecher hielt, überfallen, beschimpft und erheblich mißhandelt. Das Urteil gegen den Exzedenten lautete auf 6 Monate 2 Wochen Gefängnis, auch wurde er sofort verhaftet.
— München. Gräfin Monlignoso, ihre Mutter, die Großherzogin von Toskana und ihre Tochter, Prinzessin Anna Monika Pia, fuhren am Donnerstag Vormittag nach der sächsischen Gesandtschaft, wo sie um 9 Uhr eintrafen und vom sächsischen Gesandten Frecherm von
„Ich glaube, Wally ist alt genug, um selbst auf sich acht zu geben, Peal," erwiderte DeSmond ruhig.
„Gewiß kann sie das . . niemand besser als sie. . . Gil-
reS kann er
teilte mir mit,
man macht ihr natürlich wieder einen Antrag, denn ande- ihr doch nicht zu schreiben ha"
it, daß sie den Brief erhalten."
haben, grau Root
„Auch, daß Du eS mir bekanntgeben sollest?"
„Ich weiß nicht, ob dies in ihrer Absicht lag, jeden- falls dachte ich, eS könne für Dich nur förderlich sein, wenn Du eS weißt."
„Wirklich? Meinst Du? Nun, wenn Du nichts vage- gen einzuwenden hast, würde ich es doch vorziehen, auf ein anderes Gesprächsthema Überzugehen."
So gleichgültig Richard DeSmond aber auch tat, empfand er die Mitteilungen seiner Schwägerin doch als einen erneuten Stich in eine blutende Wunde. Hatte Wally wirk- lich irgend einen Schritt getan, durch welchen sie jenem armseligen Parvenu, der nur um seines Gelde» wegen in der Gesellschaft eine Rolle spielte, wieder an sich heran- lockte? Nein, er konnte und wollte da» nicht von ihr den- ken; aber er zweifelte nicht, daß Frau Root einen derartigen Schritt getan haben mochte. Und würde Wally dem Drängen ihrer Tante nachgeben? Hatte Wally Gilman» Brief gelesen? Wartete sie mit der Entscheidung, welche sie darüber fällen wollte, bis zu dem Augenblicke, der ihr Klarheit darüber brächte, ob wirklich keinerlei Hoffnung bestehe, daß sie Richard DeSmond, den Schloßherr» von Abbot, doch noch gewinnen könne?
ES lag eine namenlose Qual darin, sich bezüglich Wally» auch nur solche Fragen zu stelle»! Und doch konnte erdiese Pein nicht abschütteln; kein Wunder, daß sie ihn verstimmte. Erst spät am Abend trat er an Wallys Ruhebett heran und fragte sie, ob sie die neulich begonnene Schachpartie am folgenden Tage beenden wollten?"
„Ja, morgen, wenn eS Ihnen recht ist; ich kann mich ,a ohnedem nicht regen und bin den ganzen Tag zu Ihrer Berfügung."
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