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SchlWernerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 13. Oktober 1906.

57. Jahrgang.

Fortwährend

werden Bestellungen auf die Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbrieflrägern sowie von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner Zeitung den meisten Erfolg, »flage der im Kreise Schlüch-

Inserate da sie die größte

teln erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Deich.

Der Kaiser und die Kaiserin sind Dienstag morgen in Hubertusstock eingetroffeu. Die Jagd­beute des Kaisers in Rominten beträgt insgesamt 20 St. Hirsche. Unter ihnen befinden sich ein kapitaler Zweiundzwanzigender, vier Achtzehnender, fünf Sech- zehnender, drei Vierzehnender und sieben Zwölfender Die drei besten Geweihe wogen 9, 8'/, und 8 Kilo­gramm. Nach der während der Brunstzeit vorge­nommenen Zählung der Hirsche in den Romintener Jagdforsten beträgt der Bestand rund tausend Stück.

Als Hochzeitsgeschenk der Stadt Essen für die am 15. d. M. stattfindende Vermählung des Fräulein Berta Krupp mit dem Legätionsrat von Bohlen und Halbach hat die Stadt einen silbernen Tafelaufsatz im Werte von 15,000 Mark in Auftrag gegeben.

Die Arbeiten an dem auf der Werst des Stettiner Vulcan in Bredow bei Stettin für Rechnung des Norddeutschen Lloyd iin Bau befindlichen neue» großen Doppelschrauben-SchnellpostdampfecsKran- Prinzessin Ceeilie" nehmen einen raschen Fortgang. Hunderte von Arbeitern der verschiedensten Branchen sind gegenwärtig bei dem Bau des Schiffes beschäftigt, um dasselbe für den Stapellauf fertig zu stellen. Der neue .Ozeanflieger", wie die Amerikaner diese großen Schnelldampfer bezeichnen, wird ein Schwesterschiff des bekannten SchnelldampfersKaiser Wilhelm II.", welcher ebenfalls zu der Flotte des Norddeutschen Lloyd gehört. Bei einer Länge von 215 m und einem Raumgehalt von etwa 20 000 Brutto Registertons wird der neue Niesendampfer zwei vierfache Expan­sionsmaschinen von zusammen 46000 Pferdestärken erhalten. Der Stapellauf des DampfersKronprinzessin Ceeilie" wird voraussichtlich im Dezenber d. J. statt- finden.

Eine neue Lüge Bebels wird jetzt gebührend

zurückgewiesen. Auf dem Mannheimer Parteitage hatte Bebel erzählt, Fürst Bismarck habe sofort nach dem Ankause von Varzin 1866 dort eine kleine Papier­fabrik errichtet, deren Fabrikate er der R»spostver- waltung zu Monopolpreisen verkauft ^ Demgegen» über bemerkt jetzt diePapierztg." :' ^se Angabe über den Fürsten Bismarck ist unwc.^ Fürst Bismarck war iueber Eigentümer der Varziner Papierfabrik noch an deren Ertrag beteilgt. Die Fabrik wurde vorn Kommerzienrat Behrend erbaut und auf eigene Rechnung betrieben und erst 1890 in eine Aktiengesellschaft um« gewandelt. Fürst Bismark erhielt von der Papier­fabrik nur Pachtzins für Grundstück und Wasserkräfte. Die Varziner Papierfabrik hat niemals Papier an die Postverwaltung oder an eine andere' Staatsbehörde verkauft und Fürst Bismarcks Mithülfe für ihre Geschäfte nie in Anspruch genommen." Herr Bebel hat also wieder einmal gelogen. Ob er nun wohl feine unwahre Behauptung öffentlich richtig stellen wird ?

Deni Präsidenten des braunschweigischen Land­tages ging ans wölfischen Abgeordnetenkreisen ein An­trag zu, den Regentschaftsrat zu Einigungsversuchen mit dem Herzog von Cumberland aufzufordern.

Die Prüfungsordnung für das höhere Lehramt hat neuerdings eine wichtige Aenderung erfahren. Bis­her mußte das sogenannte. Kulturexamen, d. h. der Nachweis der allgemeinen Bildung in Religion, Deutsch, Philosophie und Pädagogik, zusammen mit der Fach» Prüfung und an demselben Termin abgelegt werden. Dem entgegen hat der Kultusminister jetzt verfügt, daß diese beiden Prüfungen getrennt abgelegt werden dürfen, wenn auch nicht müssen. Zwischen beiden darf ein Zeitraum bis zu drei Monaten liegen.

- Folgender Brief eines polnischen Arbeiters gegen die Polen wurde jüngst imGeselligen" veröffentlicht: Vor fünf Jahren ist bei Neuenburg ein deutscher Herr auf einem Gute gestorben, und das Gut ist in polnische Hände übergegangen; wie sich die polnischen Herren betragten, das wird wohl schon jedem Deutschen klar sein. Der Pole hat die Witwen und Waisen auf die Gemeinde abgeschoben, während früher die deutschen Herren sie allein verpflegt haben; ferner jagt er alle alten Leute, die schon mehrere Jahre bei ihm wohnen, raus, und das Land ist nicht so in Kultur, wie es früher war, als die Deutschen Herren waren Solange ich denken kann, gab es immer Erntefeste; aber als die polnische Herrschaft kam, hat das aufgehört, und die polnische Wirtschaft bringt nur Unterdrückung der Menschen. Deshalb bitte ich jeden deutschen Herrn, nie einem Polen ein Gut zu verkaufen, sonst können wir polnischen Arbeiter nackt und barfuß gehen, wenn

wir alle polnische Herren hätten. Gott bewahre uns vor der polnischen Herrschaft in Preußen!" Was sagen die polnischen Hetzer dazu?

DieNeue Hamb. Ztg." kann auf Grund er­neuter Erkundigungen versichern, daß der Landwirt- schaftsminister v. Podbielski am 26. September ein formelles Entlassungsgesuch eingereicht hat. Eine gewisse Bestätigung dieser Nachricht wird man in einet anderen Meldung erblicken, wonach Herr v. Podbielski wieder von seinem Gallensteinleiden geplagt sein soll.

Ausland.

Erzherzog Otto, Neffe des Kaisers, ist in be­sorgniserregender Weise an Lungenentzündung erkrankt. Spät am Abend wird gemeldet, daß Erzherzog Otto an schwerer Bronchitis erkrankt sei. Die Erkrankung erscheine bedenklich wegen des Umstandes, daß der Herzog seit seiner Operation am Kehlkopse durch eine Kanüle atmen muß.

In Paris ist die Konferenz für Abänderung der deutsch-französischen Literarkonvention zusammen­getreten, an der als deutsche Delegierten der Direktor im Auswärtigen Amt Wirklicher Geheimer Rat von Koerner, der Vortragende Rad im Auswärtigen Amt Geheimer Legationsrat Goebel von Harrant und der Vortragende Rat im Reichs-Jnstizamt Geheimer Ober- Regierungsrat Dungs teilnahmen. In der ersten Sitzung wurde eine Einigung erzielt über die Fassung der beiden ersten Artikel der Konvention, welche an Stelle der entsprechenden Artikel der Konvention von 1883 treten sollen.

Die Verteuerung der Lebensmittel in Italien nimmt immer größere Dimensionen an und hält fast gleichen Schritt mit dem Steigen der Wohnungsmieten. In R m beschloß die Vereinigung der Molkereibesitzer, den Milchpreis auf 50 Centesimi pro Liter zu erhöhen. Fleisch ist überhaupt schon fast unbezahlbar. Und da wird bei uns in Deutschland überFleischnot" geschrieen!

Aus Rußland werden neue Bombenattentate gemeldet. In Sebastopol wurde auf den Gendarmeriechef Generalmajor Dombadje eine Bombe geschleudert, als dieser in einer Equipage nach der Kaserne des Brest- Regiments fuhr. Der General wurde leicht verwundet und schoß aus den davoneilenden Täter. Zwischen diesem und den in der Nähe der Kaserne stehenden Soldaten entspann sich eine Schlägerei, jedoch gelang es ihm, zu entkommen. Der Kutscher und zwei den General begleitende Soldaten wurden schwer verletzt. In Kasan wurden auf den Vizegouverneur Kobeko von einem Unbekannten zwei Bomben geschleudert, deren

In Ketten der KieSe.

Roman von Seta v. Starkenstein. 52

Feodore ihrerseits verstand es vortrefflich, die Ge­legenheiten anszunützen, welche sich ihr boten, um den Obersten in Beschlag zu nehmen; das aber bereitete Frau Root nur geringe Sorge, denn sie wußte recht gut, daß Feodore nicht das Mädchen sei, welches dem Obersten DeSmond gefährlich merbeu konnte. Was aber mochte Wally dazu veranlassen, dem Manne anszuweichen, um dessen Willen sie ja doch Howard Gilman aufgegeben hatte.

Frau Root flüg an, die Geduld zu verlieren. War er denkbar, daß Wally noch immer die Erinnerung an Man- fred in ihrem Herzen nährte? Unsinn! Und doch gestand sich die welterfahrene Dame, daß bei diesem seltsamen Mädchen jeder Unsinn möglich sei.

Ich muß mit ihr sprechen," sagte sich die Tante ;ich dachte, eS werde alles auch ohne eingehendere Auseinan­dersetzung in das richtige Geleise kommen, aber eS hat nicht den Anschein nnd man kann die Dinge unmöglich so fortschreiten lassen "

ES traf sich, daß Frau Root eines Morgens sich allein heim Frühstück befand, als die Tür aufging und Wally, mit welcher sie sich in Gedanken gerade lebhaft befaßt hatte, «intrat.

Tante Kouradine!" rief das junge Mädchen.Gräfin Peul möchte missen, ob Dir eine Spazierfahrt, später im Laufe des Vormittags, angenehm sein mürbe ? Es ist wirk- l>cb gor nicht lästig heiß draußen, selbst für Dich nicht zu heiß."

Ja, ich fahre recht gerne, doch was treibst Du? Und Wo sind alle die anderen?"

Ich habe im Garten gelesen, die anderen . . o, die sitzen auf der Terrasse. DeSmond mit Feodore natürlich «war abseits von den übrigen, da er sie im Schachspiel unterrichtet."

. .Und was veranlaßt Dich, die Du sonst doch die ver­

körperte Geselligkeit bist, Dich von allen anderen fern zu s halten?"

Ich wollte lesen . . und lesen und schwatzen zugleich, i daS geht doch nicht."

Ich brauche gerade mehr als andere Leute zuweilen eine Spanne Zeit, in der ich für mich allein leben, in der ich ! überlegen kann; ich bin zuweilen todmüde."

DaS geht den Schönheiten immer so. Du scheinst aber ; die Unterhaltung mit Castelar durchaus nicht langweilig I zu finden."

Ich habe Castelar recht gern," entgegnete Wally, die sofort begriff, daß dies nur die Präliminarien seien, welche dem offenen Angriffe voranSgingen.Mit Force kann ich ja wegen Betty Mills ohnehin nicht viel kokettieren und einen Zeitvertreib muß der Mensch doch haben."

Frau Root schlürfte schweigend ihre Schokolade, dann fragte sie:Wer hat denn jene Schachpartie vorgeschla- gen? DeSmond oder Feodore?"

So viel ich weiß, Feodore, aber sie wird dar Spiel doch nie lernen," meinte Wally mit gleichgültigem Lachen.

Du bildest Dir doch nicht ein, daß Richard DeSmond Feodore liebt?"

Rein, daS glaubte Wally allerdings nicht, aber sie würde um keinen Preis gezeigt haben, wie viel ihr daran liege, daß dem nicht so sei.

Vielleicht liebt er sie jetzt noch nicht," sprach sie ernst, aber er wird eS lernen, ich bin dessen gewiß. Feodore hat ihn heute schon sehr gerne."

Und tust Du deshalb Dein möglichstes, um Richard DeSmond zu versichern, daß er Dir vollkommen gleich- gültig ist?"

Wally sah ihrer Tante unverwandt in die Augen, aber sie erwiderte kein Wort und diese schlug den Blick als­bald zu Bode».

Laß nnS zu einer Berstä ndigung kommen Wally," sprach sie nach einer Panse,soll ich denn mirhictf uub wahr- hastig annehmeu müssen, daß Du Manfred Lister noch im­mer liebst?"

Ich war ihm stets zugetan."

Keine Scherze, Wally, die doch nicht am Platze sind, Du weißt recht gut, was ich meine."

Ich habe ihn gar nie geliebt, daS war nur ein be- bäuerlicher Irrtum."

Antwortest Du mir auch die Wahrheit?"

Die volle Wahrheit. Darf ich mich nun aber auch entfernen, um mich der Lektüre meines BucheS zuzuwen-

«Ja, Du kannst gehen, und sage Gräfin Peal, daß ich etlva um zwölf Uhr sehr gerne bereit sein merbe, mit ihr anSznfahren.

Frau Root hatte diese Antwort gegeben, weil sie zu der Ueberzeugung gekommen, daß eS für jetzt das beste sei nichts mehr zu reden, so viel hatte sie ja doch festaestellt' daß Wally Manfred Aster nicht liebe. Jetzt dünkteeSent- schieden klüger, alles weitere der Zeit zu überlassen.

Das Mädchen trat inzwischen wieder hinaus auf die Terrasse, sie sah. lote Richard anscheinend in sein Spiel uertieftmar und nicht einmal den Kopfwandte, als sie an den beiden vorüberschritt.

Ein falscher Zug," sprach er in diesem Augenblick zu Feodoredie Königin kann ja auf dieser Linie gar nicht nehmen."

ierneut' ^" mehl ®ott'$ werde daS Schachspiel nie

O doch Du lernst eS, wenn Du einigermaßen acht geben wirft.

Wie kann ich daS, wenn Du mein Lehrnlcistcr ?" Diese Frage ivar S, die in Feodores Blick lag, dir sie aber doch nicht anslprach.

»u biefem^ rief der Oberst Wallys Namen nnd btt,e trat nachlässig an die Schachspieler heran.

»AH wollte Feodore unterrichten, sie begeht aber einen um den anderen; wollen Sie die Partie überneh- inen ? tote fielen, so viel ich meist, sehr gut "

Ich bin ziemlich einaeübt. überlasse aber Feodore sehr gerne Ihrer Milde und Nachsicht." 12^13