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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

H ~~ Mittwoch, den 10. Oktober 1906. 57. Jahrgang.

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SchUichterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt

von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

lncni«ai-£ finden in der Schlüchterner lllavra Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tein erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Deich.

In der braunschweigischen Thronfolgefrage ist nunmehr die Antwort des Fürsten Bülow an das braunschweigische Staatsministerium erfolgt. In seinem ersten Schreiben, das Fürst Bülow als Reichskanzler zeichnet, erinnert er an den Bundesratsbeschluß vom . 2. Juli 1885, durch den die Regierung des Herzogs mit den Grundsätzen der Bündnisverträge und der ' Reichsverfassung für unvereinbar erklärt wird, und er fügt hinzu, daß dieser Beschluß noch heute besteht, und daß er, der Kanzler nicht in der Lage sei, eine Auf­hebung oder Abänderung herbeizuführen. Demgeniäß habe er die Möglichkeit einer Uebernahme der Regierung von Braunschweig durch den Herzog von Cumberland unter der obwaltenden Sachlage außer Betracht zu lassen. Im zweiten, vom Fürsten Bülow als preußischen Minister gezeichneten Schreiben wird klar ausgesprochen, daß noch immer und mindestes unter stillschweigender Duldung des Herzogs welfische Bestrebungen bestehen, die sich in ihrem Endziel auf die preußische Provinz Hannover erstrecken. Preußen würde also einem A..« trag auf Aenderung des Bundesratsbeschlusses vom Jahre 1885 seine Zustimmung versagen müssen. Denn es könne Preußen nicht zugemutet werden, daß es in dem benachbarten Bundesstaat eine welfische Regierung dulde, durch die der preußische unter dem Schutze der Reichsverfassung stehende Besitzstand gefährdet werden würde. Das Antwortschreiben des Herzogs von Cumber­land ist nur eine formelle Empfangsbestätigung der braunschweigischen Resolution.

Der braunschweigische Regentschaftsrat hat in außerordentlicher Sitzung beschlossen, den Landtag zum 18. Oktober einberufen und ihm die Wahl des Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, des jüngsten Sohnes, des verstorbenen Regenten Prinzen Albrecht, zum Regenten vorzuschlagen. Prinz Friedrich Wilhelm steht'

An Kette« der Kieöe.

Roman von Seta v. Starkeustein. 51

Ein williges, wie es den Anschein hat," meinte dieser achfelzuckend; was immer er auch persönlich von Wally denken mochte, er vertrug eS nicht, wenn andere in einem gewissermaßen mißachtendenTone von ihr sprachen. Strebte er ja doch in seinem eigenen Herzen nach Kräften danach, sie nicht zu verurteilen, machte er sich ja doch einen Vor- Wurf daraus, daß er nicht wohl umhin konnte, sie für an­ders als oberflächlich und berechnend zu halten; auch sagte er sich unaufhörlich, daß sie doch mit ihrer edleren Natur im Kampfe sei und deshalb launenhaft und unbeständig erscheint.

Männerherzen sind keine so leicht zu befriedigende Gegenstände," fügte er leicht zu Frau Briston gewandt hinzu,und Frauen ..

Haben kein Herz, da» war eS doch wohl, war Sie sagen wollten?"

Ich fühle mich beinahe versucht, eS zu glauben."

Pfui, schämen Sie sich; ich will den Rest deS TageS gar nicht mehr mit Ihnen sprechen."

FürS erste müssen Sie ek aber doch wohl noch tun, da ich nun einmal an Ihrer Seite reite und Sie mich nicht so leichten Kaufe» losbekommen sollen."

Die beiden lachten unb scherzten, ohne daß dem Ober­sten eigentlich danach zn Mute gewesen wäre, bis man endlich zu einer Stelle kam, an der man einen breiten Graben üb rfetzen mußte.

Einige dec Pferde können denselben nehmen, aber nicht alle," bemerkte der Oberst, und ehe Frau Briston wußte, wie ihr geschah, hatte er ihre Seite verlassen und stand mit seinem Pferde neben Wally. Diese hatte sein Kommen gehört.

Lassen Sie uns den Sprung wagen!" rief sie zu Caste- lar gelvandt; doch während sie noch die Worte aussprach, war TeSmvud schon an ihrer Seite und griff rasch in die

im 27. Lebensjahre. Er ist Hauptmann im Kaiser Alexander-Gardegrenadierregiment und zurzeit zurDienst- leistung bei dem Großen Generalstabe kommandiert.

Mit immer neuen Forderungen treten die Polen im westfälischen Jndustriebezirk hervor. Nachdem be­reits für sie in Recklinghausen eine bestimmte Stunde für Abhaltung von polnischem Gottesdienst festgesetzt worden ist trotz der Beschwerde der übrigen Gemeinde­glieder, gehen sie in andern Orten des westfälischen Jndstriebezirks noch weiter vor. So verlangen sie in Orten, in der die Polen nicht in so großer Zahl ver­treten sind wie in den Bezirken Gelsenkirchen, Reckling­hausen u.s.w., dieAnstellung polnischsprechender Geistlicher und die Errichtung polnischen Gottesdienstes. In der Gemeinde Linden stellen sie die gleichen Forderungen auf. Die Polen wollen ferner auch in dem Allgeineinen Knappschaftsverein vertreten sein; sie verlangen die Anstellung polnischer Knappschaftsältesten. Man sieht, die polnische Dreistigkeit geht immer weiter.

In Berlin ist die internationale Konferenz für Funkentelegraphie jm Reichstagsgebäude durch den Staatssekrekär des Reichspostamts Krätke mit einer Ansprache eröffnet worden, in welcher er am Schlüsse der Hoffnung Ausdruck gab, daß, wie es gelungen sei, die Anwendung der gewöhnlichen Telegraphie und in fünfter Zeit die der Telephonie, ihrer jüngeren Schwester, durch die Schaffung internationaler Grundlagen zu erleichtern und sie allen Völkern zugänglich zu machen, es durch einen »freundlichen Gedankenaustausch gelingen werde, ein analoges Ziel für die Funkentelegraphie zu erreichen. Die Verhandlungen sind nicht öffentlich.

Das Reichsversicherungsamt hat an alle deutschen Berufsgenossenschaften Anfragen darüber gerichtet, welche Schritte sie unternommen haben, um dem Mißbrauch geistiger Getränke unter den Arbeitern der ihnen unter« stellten Betriebe entgegenzutreten. Gleichzeitig werden die Berufsgenossenschaften aufgefordert, dieser Angelegen­heit fortgesetzt ihr Augenmerk zu schenken.

Ausland.

Der Bau des neuen englischen Kriegshafens in Dover ist begonnen worden. Es werden Anlege-Kais für 36 Torpedojäger und 6 Unterseeboote gebaut.

Die englischen Bergarbeiter scheinen nicht gewillt zu sein, die Torheit der Eisenbahner nachzumachen. Der Bergarbeiterverband von Swansea hat sich wenigstens gegen einen Anschluß an Kaier Hardie und die Arbeiterpartei ausgesprochen. Er hat, wie weiter gemeldet wird, einen Brief von dem deutschen Berg- arbeiterverband erhalten, in welchem die Möglichkeit eines Ausstandes in Deutschland wegen Lohnfragen

Nein!" sprach er rasch, beinahe strenge.Sie werden nicht springen!"

Wally sah zornig emporOberst Desmond, ich kann diesen Graben ganz leicht nehmen!"

Auch Castelar wandle ein:Aber, lieber Freund,Aron" ist ja viel zu gut geschult, um nicht leicht über dieses Hin­dernis hinwegzusetzen."

Aron könnte es allerdings, aber ich will nicht Ge­fahr laufen, daß Wally sich Hals und Beine bricht."

Aber sie wird eS nicht tun, sieh doch nur, Feodore und Frau Briston haben jetzt schon über den Graben hin­weggesetzt."

Die lernten beide schon reiten, als sie noch Kinder waren. Verzeihen Sie mir, Wally, aber ich kann und darf eS nicht zugeben, daß Sie sich dieser Gefahr anssetzen ; sprenge Du nur vorwärts, Castelar, ich werde mit Wally einen Umweg machen, der gefahrlos ist, und jenseits des GrabenS mit Euch anderen zusammentreffen."

Nein, nein!" warf das Mädchen ein, doch Lord Caste- lar hatte seinem Pferde bereits die Sporen gegeben, er wußte, daß so ziemlich jeder Einwand vergeblich sei, wenn DeSmond etwas ernstlich moltte.

Auch Wally machte Miene, sich zu fügen, aber sie sah Castelar nach, während er den kühnen Sprung über den Graben unternahm.

Nach einer minutenlangen Pause wandle sie sich wieder dem Obersten zu.Sie mögen die Zügel immerhin los­lassen, ich könnte nicht durchbrennen, auch wenn ich eS wollte."

Ich weiß eS und ich glaube, Sie mürben es auch gar nicht tun," entgegnete er, die Zügel sofort freigebend. Weiß Gott, Kind, ich will Sie nicht kränken oder ver- letzen, ich will Ihnen nicht ein Vergnügen verderben, ob- zwar Sie mich dessen für fähig z» halten scheinen! Doch ich war Ihretwegen in Sorge, zu ängstlich vielleicht, doch sollte das nicht verzeihlich sein'?"

Wallys dunkle Augen standen voll Tränen Wie selbst- stichtig, grausam, undankbar mor sie gewesen! Mit unter­

erwähnt und angefragt wird, ob im Falle, daß ein solcher Ausstand eintreten sollte, die englischen Berg­leute ihren deutschen Kameraden durch Verhinderung einer gesteigerterten Ausfuhr englischer Kohle nach Deutschland zu Hülfe kommen würden.

Präsident Roosevelt hielt bei der Einweihung des neuen Parlamentsgebäudes zu Harrisburg (Penn- sylvanien) eine Rede, in der er ausführte, die genaue Klarstellung der Befugnisse der Regierung sei das Haupt­bollwerk gegen diejenigen großen Geldinteressen, die sich dem Versuch wiedersetzten, sie unter eine wirksame Staatskontrolle zu stellen. Dem Einflüsse der Erwerbs­gier müsse ein Riegel vorgeschoben werden, um der Arbeit, dem Kapital und dem Publikum ihr Recht zu sichern. Pflicht der Amerikaner sei es, nach der rechten Art von Zivilisation zu streben, die nicht eine bloße Plutokratie eines Bank- und Wallstreei-Syndikats sein dürfe.

Der Afstand in Deutsch-Ostafrika darf als zum größten Teil erloschen betrachtet werden. Gouverneur von Rechenberger meldet nämlich telegraphisch:Der Kriegszustand und die vorläufige Sperrung der Bezirke Dilwa, Lindi, Ssongea, Langerburg, Jringa, Wahenge, Muanza ist bis auf zwei kleine Gebiete im Westen und Norden von Ssongea aufgehoben worden."

Ueber den serbisch-österreichen Zollkonflikt ver­lautet, daß der serbische Ministerpräsident Paschilsch, um sich gegenüber Oesterreich-Ungarn wenigstens schein­bar entgegenkommend zu zeigen, bereit sei, die Gebirgs- geschütze bei Skoda in Pilsen zu bestellen, wenn Oester­reich-Ungarn auf die Lieferung der Feldgeschütze gänzlich verzichten wolle. Diese Bedingung anzunehmen ist für die österreichisch-ungarische Regierung natürlich unmög­lich, sie hat aber der serbischen Regierung noch einige Tage Bedenkzeit gewährt, bis von Wien aus derZoil- frie mit allen seinen schwerwiegenden Folgen prokla­miert werden wird.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 9. Okt. 1906.

* Der vom Touristen Club Haffia Fulda projek­tierte Dauermarsch Fulda«Gelnhausen, wie auch der eingelegte Dauerlauf über die gleiche Strecke wurde am Sonntag bei günstiger Witterung zum Austrag gebracht. Zum Wettgehen, das in erster Linie den Zweck hatte, den bestehenden Rekord über die Strecke Fulda-Schlüchtern (27.4 Kilometer) zu verbessern und über die Distanz Fulda-Gelnhausen einen neuen aufzu- stellen, hatten sich wie bekannt, zwei Herren vom T. C. H. gemeldet, die Herren Hünniger und Günther. Der Letztere startete in Fulda Kilometer Stein 83.9 drückten! Schluchzen bot sie ihm die Hand.Verzeihen Sle mir, Oberst Desmond! Ich sollte Ihnen dankbar sein und nicht böse, umsomehr, als ich ja gar nicht glaube, daß Sie mir ein Vergnügen verderben wollten."

Richard DeSmond faßte nach der Hand, welche sie ihm unter Tränen lächelnd bot und drückte sie mit einer Lei- deufchaft an feine Lippen, die zu beherrschen er sich im Moment vollkommen unfähig fühlte.

Still," bat er,Sie führen mich zu sehr in Verfu- chung,"er wandle sich ab und ritt einige Schritte vorau», offenbar einen harten Kampf mit sich selbst ringend.

Als er sich ihr wieder zuwandte, da war sein Antlitz ruhig und freundlich wie immer, vielleicht etwa» ernster noch als sonst.Wir verzeihen einander also gegenseitig und sind quitt," sprach er mit dem matten Aufluae eine» Lächelns.

Sie nickte bejahend, nicht, weil sie fand, daß sie ihm etwas zu verzeihen habe, sondern weil sie fühlte, daß sie nicht die Kraft deS Widerspruchs besitze. Jener Kuß auf ihrer Hand brannte sie tief in der Seele, und sie hatte Mühe, des nervösen Zitterns Herr zu werden, welches sie auf einmal befallen. Sie atmete erst erleichtert auf, at» der erforderliche Umweg zurückgelegt und der Rest der Ge­sellschaft erreicht war.

Weitere zehn Tage veranlaßten Frau Root, mit ihren Wünschen und Hoffnungen in Bezug auf Wally bis aus den Gefrierpunkt herabzusinken, denn die welterfahrene Frau sah, daß das Mädchen nicht nur nichts tat, um den Oberst heranzuziehen, sondern daß sie vielmehr in einer Weise mit Force und Castelar kokettierte, welche aus Richard Desmond geradezu abstoßend wirken mußte; ja, sie über- ließ ihn beinahe ausschließlich der liebenswürdigen Für- sorge FeodoreS und Frau Briston». Der Oberst seiner- seits machte durchaus keine Miene, Wally aufzusuchen; Frau Root aber entdeckte auch nicht, daß er dem Mäd­chen auSweiche. . 128,18