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WichternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 3. Oktober 1906.

57. Jahrgang.

Fortwährend

werden Bestellungen auf die

Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tein erscheinenden Zeitungen besitzt.

Amtliches.

Die ledige Theresia Fuchs zu Herolz hat zwecks Reise nach Amerika um Erteilung eines Reisepasses nachgesucht.

Schlächtern, den 2. Oktober 1906.

Der Kgl. Landrat: Valentin er.

Deutsches Deich.

Dem Kaiser wurden in Rominten Abordnungen der Infanterie-Regimenter Nr. 3 und Nr. 44 vor­gestellt, die italienische Uniformen in der Art unseres Waffenrocks und der Litewka probeweise trugen. Die Uniform ist ostpreußischen Blättern zufolge blau, nur zeigt sie Aufschläge von hellerem Rot, auch sind die hohen weißen Binden unseren Augen ungewohnt.

Der Aufenthalt unseres Kaiserpaares im Jagd­schloß Rominten schließt mit der ersten Hälfte dieser Woche. Die Majestäten besuchen dann für kurze Zeit ihre Ostseebesitzung Kabinen.

Die große Liebesgabe des Gustav-Adolf-Vereins im Betrage von 28832 Mark hat in diesem Jahre Leoben in Steiermark erhalten. Windhuk in Südwest- afrika und Stahlheim in Lothringen bekommen 7000 und 6900 Mark.

Der Fahrkartenstempel hat im Bereich der sächsischen Staatsbahnverwaltung im August einen Ertrag von etwa 150 000 Mark gebracht. Die Fahr­geldeinnahme ist dabei nicht zurückgegangen, sondern nach vorläufiger Schätzung um 250 000 Mark höher gewesen als im Vorjahre.

Das Reichsversicherungsamt hat an alle deutschen Berufsgenossenschaften Anfragen darüber gerichtet, welche Schritte sie unternommen haben, um dem Mißbrauch geistiger Getränke unter den Arbeitern der ihnen unter­stellten Betriebe entgegenzutreten. Gleichzeitig werden

An Ketten der Kieve.

Roman von Seta v. Starkenstein. 48

Und er soll, er muß einst Dir gehören," dachte die weltkluge Frau Root, aber sie schwieg wohlweislich.

Der Wagen fuhr vor dem Portal des Schlosses vor und Richard DeSmond kam die Freitreppe herab, um die Gäste zu begrüßen.

Während er Wally den Arm bot, um sie in das Schloß zu führen, sprach er mit tiefem Gefühl:Ich hoffe, wir werden es zu stände bringen) Ihren Aufenthalt hier zu einem recht angenehmen zu machen."

Tränen traten in die Augen des jungen Mädchen» und mit sichtlicher Anstrengung entgegnete sie, daß sie ihm tau­sendfach für diesen freundlichen Wunsch Dank sage.

Die Zimmer, welche man den beiden Damen zur Ber- fügung stellte, waren mit dem auserlesensten LuxuS ein­gerichtet und die vielen zierlichen Nippgegenstände und Raritäten nahmen Wally dermaßen in Anspruch, daß sie zur größten Verzweiflung ihrer Zofe gar nicht daran dachte, Toilette zu machen. Die natürliche Folge war denn auch, daß sie zu allerletzt fertig wurde und erst in den Sa­lon trat, al» bereit» alle anderen versammelt waren. In ihrer HerzenSelnfalt fiel eS ihr gar nicht ein, daß man mög­licherweise denken könnte, eS sei dies absichtlich geschehen.

Richard DeSmond, der mit Frau Root sprach, blickte empor und jcderNerv an ihm zuckte, als er de» schönen Mäd­chens, welche» er so leidenschaftlich liebte, ansichtig ward.

Gräfin Peal sah unwillkürlich von Wally zu Feodore hinüber und preßte die Lippen auseinander. Alle begrüß­ten Wally auf da» zuvorkonunenste und Gräfin Peal schlug ihr lächelnd mit bem Fächer an den Arm und rief:Wir fürchteten schon, Kind, Sie hätten sich verirrt, so lange sind «ie nicht gekommen!"

Rein," lachte Wally,da» ist nicht der Fall gewesen, «der irf) habe so wunderbar schöne Antiquitäten in mei­nen, Zimmer gefunden, daß ich mich von denselben kaum >»»>»« lpmU,."

die Berufsgenossenschaften aufgefordert, dieser Angelegen­heit fortgesetzt ihr Augenmerk zu schenken.

Dem Bischof von Ermland Dr. Andreas Thiel hat aus Anlaß seines 80 Geburtstages der Kaiser ein in sehr warmen Worten gehaltenes Glückwunschtele­gramm übersandt und den Roten Adlerorden 1. Klasse verliehen. Dr. Thiel gehört zu den wenigen hohen kirchlichen Würdenträgern im Osten, die sich stets durch ihre deutsche Gesinnung ausgezeichnet haben.

Bei der Landtagsersatzwahl in Hildesheim wurde mit 270 Stimmen Landgerichtsdirektor Dr. v. Canipe in Hildesheim (natlib.) wiedergewählt. Sein Gegenkandidat, Gemeindevorsteher Rautenberg in Lähnde (Bund der Landwirte), erhielt 95 Stimmen.

Bei der Landtagsersatzwahl in Aurich wurde Dr. Jderhoff (freikons), der in der letzten Sitzung des Abgeordnetenhal ses sein Mandat, nachdem es von der Wahlprüfungskommission für ungültig erklärt war, niedergelegt hatte, mit allen 199 abgegebenen Stimmen wiedergewählt.

Ein Strafverfahren wegen Beamtenbeleidigung sowie wegen Vorgehens gegen das Vereins- und Ver­sammlungsgesetz ist gegen den polnischen Abgeordneten Dr. v. Chlapowski, den Besitzer von Kurzgurze, ein­geleitet worden, bei dem s. Zt. eine polizeilich nicht angemeldete Sokolversammlung durch den Distrikts- kommissar von Hellmann und eine Anzahl von Gen, darmen polizeilich aufgelöst worden ist, zu welchem Zwecke die Beamten die Parkmauer überklettern mußten.

Polnischen Blättern zufolge hat die Behörde dem Rechtsanwalt Wyczynski in Straßburg (Westpr.) das Notariat abgenommen, weil Wyczynski einen Ver­trag betreffend den Verkauf eines deutschen Gutes an einen von polnischer Seite vorgeschobenen Teutschen abgeschlossen hatte. Wyczynski soll hiervon Kenntnis gehabt und somit bewußt zum Nachteil des Deutschtums an dem betreffenden Verkauf mitgewirkt haben.

Ausland.

In Genf ist eine Konferenz der internationalen Bereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz zusammen­getreten. Dr. Koch-Berlin überbrachte als Delegierter der deutschen Regierung die Grüße des Staatssekretärs Dr. Grafen v. Posadowsky. Staatsrat Fary begrüßte die Versammlung im Namen der Genfer Behörden. Es sprachen dann Mataja-Oesterreich, Monte Martini- Italien und Dr. v. Gaal-Ungarn. Hierauf wurde mit der Erledigung der Kommissionsarbeiten begonnen.

Der Papst bleibt unversöhnlich gegenüber bem französischen Trennungsgesetz. Ein Mitarbeiter des!

DaS Gespräch war bald ein allgemeines; man neckte Richard DeSmond, weil man behauptete, er habe irgend etwas sagen wollen, hätte aber plötzlich stillgeschwiegen. Nun drangen alle in ihn und wollten wissen, was es war.

Fräulein Gerhard, so bringen doch Sie ihn zum Re­den !" rief Lord Castelar.

Er würde mir eS doch nicht sagen; es wäre unnütz, ihn darum zu bitten."

Fräulein Gerhard, als ob irgend jemand widerstehen könnte, wenn Sie ettvaS fordern!"

Sie vermöchten eS vielleicht nicht," meinte Wally la­chend,aber der Oberst DeSmond ist aus festerem Stoff geschmiedet, überdies bin ich nicht neugierig."

Aber wir sind eS, und da eine Frau doch niemals ein Geheimnis zu wahren im staube ist, so erfahren wir ja, um was e» sich handelt, sobald Sie es nur missen."

Eine Frau kann besser ein Geheimnis wahren, als ein Mann, wenn sie eS nur mill!" entgegnete Wally mit seltsamem Tonfall der Stimme; hatte sie dies ja doch zu ihrem eigenen Schmerze in Erfahrung gebracht.

Der Eintritt deS Dieners, welcher meldete, daß aufge­tragen sei, schnitt für den Moment jedes Gespräch ab. AlS man nach eingenomniener Mahlzeit wieder beisammensaß, bemerkte Frau Root, daß alles sich um Wally gruppiere und e» verdroß sie, daß diese durchaus keine Miene machte, speziell den Herrn des HauseS an sich zu fesseln, doch auch dieser überließ sie ruhig den anderen und gab sich viel- mehr, als eS der berechnenden Tante angenehm war, mit der hübschen, koketten Witwe Briston ab.

Ich möchte wohl wissen, ob Fräulein Gerhard den armen Castelar um den letzten Rest seines ohnehin nicht bedeutenden Verstandes bringen mill," bemerkte Frau Briston zu dem Obersten, indem sie ein Album mit Photo- graphien durchblätterte.

Der arme Castelar," meinte Oberst Desmond lachend, er sieht doch nicht wie ein Märtyrer auS, weshalb be- mitkiben Sie ihn also deshalb?"

Gaulois" berichtet über eine Unterredung, die der Papst mit ihm über das Trennungsgesetz gehabt hat. Der Papst äußerte sich, er habe seine Pflicht getan, die ihm das Wohl der Kirche und die Achtung vor der katholischen Lehre auferlege; über die Zuknnft werde die Vorsehung entscheiden. Bezüglich der Kultus, Vereinigungen meinte der Papst, wenn die französischen Gesetzgeber aufrichtig von ihrem Irrtum loskommen würden, so würden sie in Rom das Verlangen nach Aussöhnung und Vergessen des Vorgefallenen finden, wenn sie aber vorsätzlich den Kampf suchten, so würden sie dem energischen Verteidiger der Lehre Christi und der Rechte der Kirche begegnen.

Immer wieder werden neue Brandstiftnngen der russischen Revolutionäre gemeldet. Im Kreise Jamburg des Gouvernements Petersburg sucht eine Bande von etwa 20 Esthen die Bevölkerung dadurch zu terrorisieren, daß sie Brandstiftungen auf großen Gütern verübt; sie hat das bereits in acht Fällen getan. Der Aufenthaltsort der Bande ist noch nicht ermittelt.

Zur Lage auf Kuba wird gemeldet, daß die Führer der Gemäßigten, der Liberalen und Nationalisten auf Kuba entschlossen sind, alles zuzugestehen, um eine Intervention zu vermeiden. Der kubanische Präsident Palma ist erkrankt und hat sich auf seinen Landsitz begeben.

Eine schaurige Statistik hat die russische Zeitung Stimme der Wahrheit- veröffentlicht. Danach wurden in Rußland von Mitte bis Ende Juli dieses Jahres 143 Mordanfälle ausgeführt, von denen 12 mißlangen. Es kanien dabei 65 Menschen ums Leben, während 66 verwundet wurden. Von Mitte bis Ende August wan <70 Mordanfälle zu verzeichnen, von denen 26 fehlschlugen. Bei ihnen kamen 179 Menschen ums Leben und 265 wurden verwundet. In den beiden letzten Juliwochen konnten 115 Raubüberfälle verzeichnet werden, von denen 8 mißlangen, während 30 den Räubern 151319 Rubel eintrugen. In 78 Fällen ließ sich der Maubertrag nicht feststellen. Für die entsprechenden Zeiten im August steigern sich die Raub­überfälle schon auf 164 mit 23 mißlungenen. 90 Ueber- fälle lieferten den Räubern 340 893 Rubel, in 51 Fällen blieb die geraubte Summe unbekannt.__

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 2. Okt. 1906.

* Der heutigen Nummer liegt der vom 1. Oktober in Kraft getretene Eisenbahnfahrplan für das Winter­halbjahr bei, worauf wir unsere werten Leser auf­merksam machen.

Weil er nur einer mehr in der unabsehbaren Reihe der Opfer eines Mädchens ist."

Sie sind nicht großmütig; Sie sollten doch wahrlich eine schöne Frau nicht tadeln, weil dieselbe sich geneigt fühlt, Eroberungen zu machen. Wie kann sie anders?"

Frau Briston errötete, denn sie fühlte, daß diese Worte auch als Komplinient gelten konnten, welches man ihr zollte. Eine Frau kann aber auch barmherzig sein," bemerkte sie nicht ohne Absichtlichkeit.

Woher kommt denn diese» plötzliche Interesse, wel- ches Sie Castelar entgegenbringen ? Man sollte meinen, Sie wären auf ihn eifersüchtig," lachte der Oberst.

Ich? O nein, das können Sie nicht glauben," ent­gegnete sie, ihre Worte deutungsvoll betonend.

Warum nicht, Ihr Frauen werdet e» ja doch nie müde, Herzen zu brechen."

Bevor Frau Briston etwa» erwidern konnte, rief Ca- rew:He, Desmond, komm doch einen Augenblick hier herüber."

Nein, nein, bemühen Sie ihn nicht," bat Wally.

Desmond aber hatte sich schon erhoben und trat aus die Gruppe zu.Wozu benötigt man meiner?" fragte er, sich an Wally menbenb.

O, Kapitän Carew hätte Sie nicht zu stören gebraucht, mir wußten nur nicht, was eine dieser Ansichten hier vor- stelle, und er wollte Sie darum befragen." 128,18

Richard nahm das Buch, welches sie in Händen hielt. Das ist die Höhle von Abbot," entgegnete der Oberst.

Ach, und au der hängt irgend eine alte, merkwürdige Geschichte. Du könntest sie erzählen," warf Carew ein.

Ach nein, jetzt nicht," entgegnete Wally, indem sie da» Blatt umwandte, und der Oberst kehrte zu Frau Briston zurück und forderte dieselbe zum Singen auf. Wollte Wally ihn zurückzugewinnen trachten, indem sie ihn verletzte ? DaS schien denn doch eine höchst seltsame Maxime. Frau Briston begab sich aus Klavier; sie sang gut.. barmfpielte Feodore und der Oberst drehte die Notenblätter für sie um.