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SchWernerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 8. September 1906.

57. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Am nächsten Sonntag den 9. September feiert ein mit der Geschichte des deutschen Reiches ruhmvoll und eng verbundener Fürst, einer der Paladinen Kaiser Wilhelms des Großen seinen 80. Geburtstag: Groß- Herzog Friedrich von Baden. Nicht nur seine treuen Badenser, die den Ehrentag ihres allverehrten Groß- Herzogs besonders festlich begehen, sondern das ganze deutsche Volk bringt dem verdienten Fürsten zu seinem 80. Geburtstage die aufrichtigsten und herzlichsten Glückwünsche dar. Hat Großherzog Friedrich von Baden sich 3o$ in seinem arbeitsreichen Leben und während seiner langeu und reichgesegneten Regierungs­zeit als ein ebenso umsichtiger als von wärmster Für­sorge für sein Volk erfüllter Herrscher, als ein Mehrer und Förderer deutscher Macht und Herrlichkeit erwiesen, weshalb die schönste Gabe des ganzen Volkes zu Groß­herzog Friedrichs 80. Geburtstag der Wunsch ist, daß es dem allverehrten Fürsten und treuen Mitarbeiter am deutschen Reiche durch Gottes Gnade vergönnt sein möge, an der , Seite seiner Gemahlin noch viele Jahre in ungeschwächter Tatkraft zum Heile seines Bolkes (wie zum Besten des deutschen Vaterlandes zu wirken und uns Allen ein glänzendes Vorbild echt deutscher Gesinnung und unwandelbarer Treue zu Kaiser und Vaterland zu sein.

Zur Einweihung des Kaiser Wilhelm-Denkmals in Bonn am 16. Oktober haben der Kaiser, der Kron­prinz und Prinz Eitel-Friedrich ihr Erscheinen zugesagt. Es wird ein großer Kommers stattfinden, zu dem alle Fürstlichkeiten, die in Bonn studiert haben, eingeladen sind. Der Kaiser wird dem Kommers präsidieren.

Der Kronprinz ist am vergangenen Sonntag nachmittag von Tegernsee aus im Automobil zur Jagd nach Kreuth gefügten, wohin kurz darauf auch die Kronprinzessin einen Ausflug machte.

Aus Anlaß der Anwesenheit des schwedischen und dänischen Geschwaders in Kiel fand bei dem Prinzen Heinrich eine Tafel statt, zu der an den Prinzen Adalbert, die fremden Admirale und Kommandanten, an Großadmiral von Koester sowie eine Reihe von höheren Offizieren Einladungen ergangen waren. Während der Tafel brächte Prinz Heinrich einen Trink- spruch auf die Könige von Schweden und Dänemark aus. Hierauf erwiderte der Kommandant des schwedischen Geschwaders Admiral Olsen, zugleich auch im Namen seiner dänischen Kameraden, mit einem Trinkspruch auf Seine Majestät den Kaiser.

Ueber die Demission des Erbprinzen zu Hohen- lohe schreibt dieNordd. Allg. Ztg." : Der mit der

Leitung der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts betraute Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg hat, wie wir hören, gebeten, ihn von dieser Stellung zu ent­binden. Es ist in Aussicht genommen, dem Direktor der Bank für Handel und Industrie, Bernhard Dern- bürg, die Leitung der Kolonial-Abteilung zu übertragen.

In Dresden ist der alldeutsche Verbandstag unter Vorsitz des Prof. Hasse abgehalten worden. Nach dem vom Verbandsgeschäftsführer erstatteten Jahres­bericht gehören dem Verband 101 Vereine mit ins­gesamt rund 130,000 Mitgliedern körperschaftlich an. Das Verhältnis zu t.m übrigen nationalen Vereinen war auch in dem letzten Jahre durchaus gut und führte, zumal mit dem Allgemeinen Deutschen Schulverein und dem Deutschen Flottenverein, häufig zu nutzbringen­dem Zusammenarbeiten.'

Auch in Bayreuth waren Streik-Krawalle ge­plant, wie sie kürzlich in Nürnberg vorgekommen sind. Streikende Arbeiter wollten die Arbeitswilligen von dem Kasernenneubau vertreiben. Als zur Tat geschritten werden sollte, rückte von den nicht ins Manöver ab­gegangenen Depotmannschaften eine Abteilung Infanterie und Kavallerie, jeder Mann mit sechs scharfen Patronen ausgerüstet, zu der Arbeitsstelle vor. Der Aufforderung, sofort auseinander zu gehen, leisteten jedoch die Streiken­den schleunigst Folge

Ausland.

Die in den letzten Tagen geführten vertraulichen Verhandlungen ergaben den Abschluß eines Handels« Vertrages zwischen der Schweiz und Spanien, demzufolge die Differenzialtarife aufgehoben werden und beide Länder sich vom 5. September an auf dem Fuße der meistbegünstigten Nation behandeln. Der Inhalt des Vertrages, der am 20. November in Kraft treten soll, wird bis zum Zeitpunkt, an dem er den Parlamenten vorgelegt wird, geheim gehalten.

Ein großer Bergarbeiterausstand in England ist ausgebrochen. 11000 in den Kohlenbergwerken von Wales beschäftigte Arbeiter haben infolge der Weigerung der Nichtorganisierten Arbeiter, dem Beraarbeiterver- bande beizutreten, die Arbeit niedergelegt, und 10 000 weitere haben die Absicht kundgegeben, aus demselben Grunde ebenfalls in den Ausstand zu treten.

Bei Streiktumulten ungarischer Bergarbeiter in den Petrosenyer Kohlenbergwerken (Ungarn) mußte Militär eingreifen, wobei über 203 Personen verwundet wurden.

Der russische Ministerral hat beschlossen, trotz« dem einige Minister dagegen stimmten, die Duma erst für Ende Februar einzuberufen, da die Ausarbeitung

des nenen Wahlgesetzes noch längere Zeit in Anspruch nimmt. Wie es heißt, soll Ministerpräsident Stolypin zugunsten der durch die Mißernte geschädigten Bauern auf sein Gehalt als Ministerpräsident für dieses Jahr verzichtet haben.

Eine sensationelle Entdeckung, sensationell wenigstens für Leute, die an geordnete staatliche Zu­stände gewöhnt sind, ist soeben in Rußland gemacht worden. Die Untersuchungsbehörde stellte nämlich fest, daß der am 29. August in Kiew verhaftete Staats­anwalt für besonders wichtige Angelegenheiten, Mininko, im Dienste der sozialrevolutionären Partei stand.

Die Plünderungen und Räubereien in Rußland nehmen kein Ende. Auf der Güterstation Tula der Bahn Moskau - Kursk erbrachen fünf mit Revolver bewaffnete Personen die Kasse und raubten 2000 Rubel. Unweit der Stadt Morschansk wurden dem Kassierer einer staatlichen Branntwnnniederlage von einer be­waffneten Bande 16 000 Rubel geraubt. Auch mehrere Meldungen über neue Morde und Mordanschläge liegen vor. In Tula wurde der Präsident des Bezirksgerichts Remezow in seiner Villa durch acht Revolverschüsse ermordet. Die Täter entkamen. In Grodno wurde auf Polizisten, die auf dem Gymnasiumplatze standen, von einem Manne eine Bombe geworfen, durch die fünf Personen 'verwundet wurden. In Lennewarden bei Riga ist der lutherische Pastor mit seiner Frau ermordet worden.

Lokales und Provinzielles. Schlüchteru, 7. Sep't. 1906.

* Der September wird sich, wie. Falb junior meint, in feiner ersten Woche kühl und feucht erweisen, dann aber ^ll uns bis Mitte des Monats hinaus schönes, wenn auch etwas windiges Wetter veschieden sein. Hierauf wäre wieder starke Abkühlung und un­beständige Witterung zu gewärtigen. Ende September aber sollen die Niederschläge in erhöhtem Maße auf­treten und stürmische Tage kommen. Im 6. des Monats erblickt Otto Falb einen kritischen Tag mittlerer Stärke, im 18. einen solchen hoher Ordnung. Dem 100jährigen Kalender nach dürfte in der Zeit vom 1.12 September schönes Wetter herrschen, vom 17.25. soll es dann kühl und feucht werden, vom 26. bis zum Schlüsse jedoch ließen sich wieder schöne Tage erwarten.

* Die Grummeternte konnte bei gutem Wettcr glatt von statten gehen. Die zunehmende Abendröte mahnt zur Eile beim Heimbringen, denn das Wetter nahm bereits an verschiedenen Abenden einen Anlauf, sich zu verändern, das Barometer fiel und die Bewölk-

In Ketten der Kieöe.

Roman von Seta v. Starkenstein. 40

Ich hoffe nur, Ihre Liebe hat dieses Mädchen nicht errungen," schloß Frau Jermingham ihren-Brief,denn Sie sind nicht der Mann, welchen eine gemütlose Frau glücklich machen könnte."

Glücklich, nein," sagte sich der Oberst.Die Frau, welche ich zum Weibe nehme, mich ich sowohl lieben als auch achten können, ich muß überzeugt sein, daß sie nur in mir lebt, aber ach, wenn ich nur im staube wäre, mit starker Hand die Neigung zu Wally aus meinem Herzen zu reißen! Nutzlos, den Versuch zu machen! Sie ist ein Teil meines Seins und ich muß sie als Kette mit mir durch's Leben schleppen, so lange ich lebe!"

Während er noch über diese seine Gefühle nachsauu, wurde Howard Gilmans Besuch augemeldet.

Gräfin Pcal begrüßte den Hüttenbesitzer in liebens­würdigster Weise. Man plauderte von diesem und jenem, natürlich auch von Wally Gerhard, Gilman aber war in übelster Laune und er gestand es auch offen ein.

Das Mädchen hat Ihre Werbung doch nicht zurück- gewiesen?" fragte die Dame des HauseS.

Nein, denn ich habe ihr noch keinen Heiratsantrag gemacht, aber ich werbe es bald tun. Ihre Tante rät mir immer zur Geduld . . nun, die meine ist erschöpft; man hat'ihr nur allzu viel Zeit gelassen, mit allen Männern zu kokettieren, die ihren Pfad kreuzten!"

Hüten Sie sich, vielleicht macht sie es mit Ihnen ebenso, um Ihre Liebe zur höheren Leidenschaft auzufachen."

Sie ist zu klug," entgegnete Gilmau im Bewußtsein seiner gesellschaftlichen Borzüge.Würde es auch schwer- lief) wagen, Frau Pools Wünschen schnurstracks entgegen- zuhaudeln, weil sie recht gut weiß, daß sie dann Gefahr laust, sofort aufs Laub zurückgeschickt zu werben 'Natür­lich würde ich unter keiner Bedingung ihr Jawort nuueh- men, wenn es erzwungen ist, doch bin ich mir ja darüber im klaren, daß sie mich nicht ungern hat und nur versuchen

will, wie weit ihre Macht über mich reicht! Kein Mann fühlt sich aber geneigt, allzu lange mit sich spielen zu las- feu!"

Geht sie nicht mit Ihnen und Ihrer Schwester auf das Land?"

Sie hat sich noch nicht zu einer definitiven Antwort entscheiden können, vbzwar wir sie schon mehrmals drin- geud aufgeforbert."

Hm, sie spielt die Kokette wirklich mit seltener Vir­tuosität, im ganzen glaube ich aber nicht, daß Sie viel zu befürchten haben."

Jedenfalls will ich mich bestreben, ihr begreiflich zu mache», daß ich nicht nach Willkür und Gutdünken mit mir spielen lasse."

Ich möchte Ihnen aber doch den wohlmeinenden Rat geben, sanft mit Wally zu verfahren; sie hat einen eiser- neu Willen und ist dergestalt verwöhnt worden, daß ich wirklich glaube, sie ahnt gar nicht, daß eS auch eine Grenze geben könne, über die hinaus man sich nicht wagen soll."

Ich habe sie zu gerne, als daß ich anders wie sanft mit ihr verfahren würde, doch bin ich auch kein Knabe, der nach Willkür mit sich spielen läßt; jedenfalls schreibe ich ihr, um eine Entscheidung herbeizuführen, bevor sie aufs Land zu uns kommt, und hoffe, bald Ihre Glück- wüusche entgegeunehmen zu können!"

DaS soll mich sehr freuen," entgegnete Gräfin Peal, sich nun ebenfalls erhebend, da ihr Gast sich abschiedneh- mend verbeugte.Grüßen Sie Ihre Schwester bestens von mit!"

Die Tür schloß sich hinter Howard Gilmau und die Gräfin wandte sich lachend an ihren Schwager.Armer Mensch! Wally behandelt ihn wirklich schlecht!"

Er ist ein unerträglicher Zierbengel," rief der Oberst heftig,doch verzeih', Peal, ich lasse mich zu größerer Heftigkeit hinreißen, als recht ist, weil der Mensch mir antipathisch!"

*

ES ist seine leichte Aufgabe, einen Heiratsantrag zu

schreiben, wenigstens Howard Gilman wußte nicht, wie er sich dabei zu benehmen habe, wählte aber doch eine schriftliche Kundgebung seiner Gefühle, weil er sich münd­lich noch schwerer zurechtgefunden haben würde.

Wie viele Briefe er zerriß, bis er einen zu stande brächte, welcher ihm zusagte, wäre schwer anzugeben gewesen; er war einen ganzen Vormittag in seinem Schreibzimmer eingesperrt, bis es ihm gelang, das Gewünschte zu Tag« zu fördern; endlich aber war er doch fertig und sandte den Diener mit dem Briefe nach Frau Root» Wohnung.

Wally war eben von einem Morgenritte nach Haus« zurückgekehrt, als ihr das Schreiben übergeben wurde; sie steckte es in die Tasche, um in aller Ruhe mit den Freun- den, welche sie auf ihrem Spazierritte begleitet, daS Ga­belfrühstück einnehmen zu können. Erst nach Verlauf einer Stunde etwa war sie allein uud machte sich nun mit be­benden Fingern daran, das Siegel des Schreiben» zu lö­sen. Langsam durchlaS sie es, bald errötend, bald erblei- chend; int ganzen genommen, verriet sich doch mehr wirk- liches Gefühl in diesen Zeilen, als sie Howard Gilman zugemutet haben würde. Er bat sie, die Seine werden zu wollen, sagte ihr, daß er sie grenzenlos liebe und die Mi­nuten zähle, bis er ihre Amwort in Händen halte. SS solle, so behauptete er, sein einziges Streben sein, sie wahr- haft glücklich zu machen. Dann aber erinnerte er sie auch daran, daß sie seiner Werbung immer liebenswürdig ent- gegeugekommen und daß ihre Tante dieselbe begünstige.

DaS ganze Schreiben war mit einer Sicherheit ver­faßt, die den Stolz des Mädchens nicht wenig verletzte, sah sie doch darin, wie sicher er sich fühle, daß seine Wer- bung angenommen werden müsse, daß er eS als eine Ehre ansehe, die ihr widerfahre, wenn er ihr seine Hand, fein Herz und seine Millionen zu Füßen lege 128,18

Habe ich ihm daS Recht gegeben, in diesem selbst- bewußten, überzeugten Tone gegen mich aufzutreten ? S» macht mir fast den Eindruck, als begehre er fein ihm zu- kommendes Eigentum, nicht aber, aU erflehe er von mir die größte Gunst, bte die Frau dem Manne gewähren tan».*z