SchWernerAttung
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Mittwoch, den 29. August 1906.
57. Jahrgang.
Deutsches Reich.
— Von den Vertretern ausländischer Taufpaten zur Feier am 29. ds. Mts. sind laut „Nordd. Allg. Ztg." bisher angemeldet: Für den Kaiser von Oesterreich Erzherzog Josef, für den Zaren der Großfürst Wladimir, für den König von England Prinz Christian von Schleswig-Holstein und für den König von Italien der Herzog von Genua.
— In letzter Zeit ist durch die Presse die Nachricht gegangen, daß die Prägung von Fünfmarkstücken auf allen Münzstätten wieder ausgenommen worden ist. Die Nachricht bedarf der Berichtigung. Fünfmarkstücke sind in letzter Zeit nur auf der Hamburgischen Münze und auf der Großherzoglich badischen Münzstätte in Karlsruhe ausgemünzt worden Die auf der ersteren Münze hergestellten Fünfmarkstücke im Betrage von rund 200 000 Mark tragen das Hoheitszeichen der Freien Hansestadt Bremen und stammen aus einer bereits im November 1904 eingeleiteten Prägung; die auf der badischen Münzstätte hergestellten Fünfmarkstücke (rund 300 000 Mark) sind Denkmünzen, die aus An« laß der Feier der goldenen Hochzeit Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin von Baden geprägt worden sind. Im übrigen haben seit Januar 1905 keine Ausmünzungen von Fünfmarkstücken stattgefunden.
— Im adligen Damenstifte zu Kappel bei Lemgo, dessen Aebtissin sie war, ist Prinzessin Pauline zur Lippe gestorben. Die Prinzessin war bereits vor längerer Zeit lebensgefährlich erkrankt. Sie stand im 73. Lebensjahre. Mit dem Tode der Prinzessin Pauline ist die ehemals im Fürstentum Lippe regierende ältere Line des ltppeschen Hauses ganz erloschen, nachdem sie mit den beiden letzten Fürsten Waldemar und Alexander bereits im Mannesstamme ausgestorben ist.
— In Kassel ist der Allgemeine Genossenschaftstag zusammengetreten. Auf das an den Kaiser gesandte Huldigungstelegramm ging aus Schloß Wilhelmshöhe folgende Antwort ein: „Se. Majestät der Kaiser und König lassen für den treuen Gruß bestens danken. Auf Allerhöchsten Befehl der Geh. Kabinettsrat v Lucanus." Justizrat Hernier-Kassel sprach über Rechtsfragen aus dem Sparkassenverkehr. Ein Antrag des Gesamtaus» schusfes über die Behandlung der Giroverbindlichkeiten sowie ein solcher betreffend die Kreditgenossenschaften wurde angenommen. Justizrat Dr. Alberti-Wiesbaden referierte über einen Antrag des Anwalts Dr. Crüger, wonach unter § 49 Nr. 2 des Genossenschaftsgesetzes Kreditgewährungen jeder Art ohne Rücksicht auf die Art der Sicherstellung fallen sollten. Dagegen würden1
An Ketten der Kieöe.
Roman von Seta v. Starkenstein. 36
„ES mag ein harter Schlag für Sie gewesen sein, Lister, doch rate ich Ihnen, denselben zu tragen, wie eS dem Manne geziemt. Verzeihen Sie mir, daß ich so offen zu Ihnen spreche."
„Sie sind ein edler Charakter, ich erkenne Ihre gute Absicht und danke Ihnen für dieselbe," erwiderte Manfred Lister bewegt.
Die Hände der beiden Männer, welche in so gänzlich verschiedener Weise Wally Gerhard liebten, begegneten sich in festem Druck; dann verließ Richard DeSmond daS Zimmer und der andere blieb allein.
Manfred Lister glaubte im Moment wirklich, daß eS für ihn nie niehr im Leben Trost geben könne und doch sollte die Prophezeiung Richard DesmondS sich als richtig erweisen. Diesem aber würden sechs Monate, sechs Jahre, ja auch noch eine viel längere SpanneZeit gleich bleibe» in seiner unwandelbaren Liebe zu Wally. Gab es doch wenige Männer, die eine Herzenssache so aussaßten wie er.
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Frau Root sah ihre Richte erst am folgenden Morgen wieder und hütete sich auch dann gar wohl, Fragen an daS Mädchen zu stellen, obzwar sie bemerkte, daß dasselbe bleich auSsehe und dunkle Ränder die schönen Augen umgaben.
„Sie bildet sich ein, daß ihr Herz gebrochen sei," sagte sich die weltweiseDame, „doch über derlei Torheiten kommt »wn bald hinaus, viel rascher, als man annehmen sollte. Ich bin von Herzen froh, daß diese törichte Verlobung ihr Ende erreicht hat; eS hätte ja ohnedies nie etwa» daraus werden können."
Am Nachmittage machte Howard Gilman seinen Besuch. Wally aber erschien nicht.
- «3$ 'glaube, sie weicht mir au«, gnädige Frau," sprach
Bürgschaftsübernahmen von § 49 Nr. 2 nicht betroffen, sie seien jedoch bei der Beurteilung der Kreditfähigkeit des betreffenden Mitgliedes in Betracht zu ziehen. Nach sehr lebhafter Debatte schlug Pröbst-München vor, das Thema, über welches die Meinungen noch sehr auseinandergehen, auf den Unterverbandstagen zu besprechen und den Antrag zur Beschlußfassung dem nächsten Allgemeinen Genoffenschaftstag zu überweisen. Dein Antrag schloß sich die Versammlung an. Justizrat Gebhardt- Zweibrücken sprach über Erfahrungen mit bem Genossen- schaftsgesetz, Verb-Rev. Schumacher-Stuttgart über Erfahrungen mit Handwerker-Genossenschaften.
Ausland.
— Die Regierung und der Crziehungsrat des Kantons Zürich haben Verschärfungen des Aufnahmestatuts der Hochschule in Zürich verfügt, um den Zu- drang der fremdländischen Studierenden an die Hochschule einigermaßen einzuschränken.
— Die Schleifung norwegischer Grenzfestungen ist nun erledigt. Die Kommission zur Kontrollierunc dieser im Karlstader Uebereinkommen festgesetzten Maßnahmen hat der schwedischen und der norwegischen Regierung ihren Bericht erstattet. Danach sind sämtliche vereinbarte Maßregeln ausgeführl und somit die betreffenden Bestimmungen des Karlstader Ueberein- kommens erfüllt worden.
— Der französische Ministerpräsident Sarrien erklärte im Generalrat, die Regierung werde das Trennungsgesetz in vollem Umfang zur Ausführung bringen. Was die auswärtigen Beziehungen angehe, so habe die Regierung den festen Willen, die guten Beziehungen, die sie bis dahin mit allen Mächten unterhalten habe, und die für den Weltfrieden unerläßlich seien, weiter zu erhalten und zu festigen.
— Eine völlige Neugestaltung der französischen Kirche plant der Papst, wie in Kreisen, die bem Vatikan nahestehen^ versichert wird, und zwar beabsichtige der Kirchenfürst 15 neue Bischofssitze zu schaffen. Die Oberleitung soll einem päpstlichen Legatex mit dem Sitze in Paris übertragen werden.
— Der in Marseille verhaftete italienische Anarchist Franzesco, der unter dem Verdacht der Teilnahme an einem anarchistischen Komplott steht, hat sich bisher geweigert, dem Untersuchungsrichter Auskunft zu geben. Die Polizei ist jetzt der Ansicht, daß das Attentat nicht gegen k» Präsidenten Falliäres, sondern gegen den König von Italien vorbeieitet wurde.
— Der spanische Bergarbeiterstreik in Bilbao nimmt rasch zu. Die Zahl der Ausständigen beträgt bereits 3000. Truppen in Stärke von 4000 Mann, die an
Howard zu der Tante. „Sie ist mir überhaupt in ihrer Launenhaftigkeit ein vollständiges Rätsel."
„Bester Freund, Sie dürfen doch nicht erwarten, daß ein Mädchen von achtzehn Frühlingen sich so weltklug be- nehme, wie eine Dame von fünfundzwanzig Jahren ! Wally mag Sie ganz gerne leiden, dessen bin ich gewiß, und mehr dürfen Sie fürs erste vernünftigerweise nicht fordern."
„Sie glauben wirklich, daß sie mich gerne hat? Ich bilde mir nicht ein, Mädchenherzen ergründen zu können, zuweilen aber lommt es mir doch vor, als wenn ich diesem holden Wesen gegenüber auch nicht um einen Schritt weiter vorgekommen sei während unserer nun doch schon ziemlich lange währenden Bekanntschaft."
„Ich kann Ihnen nur den Rat erteilen, geduldig zu sein. Wally ist schwer zu befriedigen, das gebe ich zu, nebstbei dürfen Sie nicht vergessen, daß man ihr hier ganz ungeheuer schmeichelt und sie mit Aufmerksamkeiten überschüttet."
„Da» ist richtig; trotzdem würde e» wenigen Männern angenehm sein, wenn das Mädchen ihrer Wahl sich so sehr von aller Welt den Hof machen ließe, wie dies bei Gilman der Fall ist."
„Sie haben veraltete Anschauungen, Herr Gilman; ich will nicht behaupten, daß dieselben unrichtig seien, aber wir werden eine verwöhnte Ballschönheit nimmer dazu überreden, die Welt mit unseren Augen anzusehen. Ich kann nur wiederholen, daß ich überzeugt bin, im Grunde des Herzens ist Wally Ihnen zugetan."
Es war dies ein recht hübsches Märchen, welches Howard Gilman jedoch gerne geneigt war, als bare Münze anzusehen.
Gilman hatte kaum daS Haus verlassen, als eine Einladung von Gräfin Peal DeSmond eintraf. „Friedrich," so schrieb die Dame, „hatte die Absicht, erst nächste Woche die Stadt zu verlassen, da er sich aber nicht ganz wohl fühlt, reist er bereit» morgen und ich möchte Sie deshalb heute nochmals zu mir zu Tisch bitten."
Der Diener wartete auf Antwort.
den beherrschenden Punkten aufgestellt sind, schützen die Stadt. Die Bergwerksbesitzer lehnen die Forderungen der Ausständigen als übertrieben ab. Am Mittag sollte, falls keine Einigung erzielt wird, der Generalausstand proklamiert werden. Das Geschwader wird aus Ferrol erwartet. Man vermutet, daß die Bewegung von dem revolutionären Komitee organisiert ist.
— Wegen der griechenfeindlichen Ausschreitungen richtete die Pforte eine Note an die bulgarische Regierung. Bulgarien betrachtet diese als nicht eingegangen, da der Pforte nicht das Recht zustehe, sich in innere Angelegenheiten des Fürstentums zu mischen.
— In allen griechischen Kirchen Konstantinopels wurden für die griechischen Opfer in Bulgarien Trauer- : gottesdienste abgehalten, an denen viele Personen teil- nahmen. Die Gottesdienste verliefen ohne Störung. In der Patriarchatkirche hielt der Patriarch Joachim eine Rede, in der er einerseits die Ausscheitungen der Bulgaren brandmarkte, anderseits aber die Griechen zur Ruhe ermähnte, weil die Kirche nur die Anwendung gesetzlicher Mittel erlaube. Auf dem Vorplatz der Kirche wurden Pereatrufe gegen die Bulgaren ausgestoßen. Das ökumenische Patriarchat hat beim Großwesir Schritte zur Freilassung des in Anchialo verhafteten griechischen Metropoliten Wassilos unternommen.
— Die Kaiserin-Witwe von China beabsichtigt, nach einer „Reuter"-Meldung aus Peking, eine Konferenz von hohen Würdenträgern, darunter einigen Vizekönigen, einzuberufen, um über die Annahme einer Berfasfung zu beraten.__________________________
Ein Desinfektion-- und Keuerlöschfahrzeug für Ostafrika.
Von der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts in Berlin wurde vor einigen Monaten ein komplettes Desinfektions- undFeuerlöschfahrzeugfürDar-es-Salaam der Norddeutschen Maschinen- und Armaturen-Fabrik G. m. b. H. in Bremen in Auftrag gegeben. Das von der Fabrik kürzlich fertiggestellte Fahrzeug ist am 18. d. Mts. mit dem Dampfer „Prinzessin" der Deutschen Ostafrika-Linie nach seinem Bestimmungsort abgegangen.
Das Leichterfahrzeug ist 15 m lang, 4 m breit, 1,4 m tief mit 0,6 m Freibord, es enthält außer einem Clayton-Apparat des größten Modells B einen wrizontalen Röhrendampfkessel von ca. 40 qm Heiz- läche, der den Dampf für den Betrieb des Clayton- Apparates und eine noch aufzustellende Feuerlöschpumpe von ca. 150 cbm stündlicher Leistung an Wasser her- gibt. Das Fahrzeug ist mit einem Wellblechdach versehen und hat in allen Teilen eine besonders gute
Frau Root nahm die Einladung sofort an und machte Wally erst nachträglich Mitteilung davon.
I Wally nahm die Sache anscheinend gleichgültig hin, so sehr ihr Herz auch dabei pochte. Sie hatte den Oberst seit dem Ballfeste nicht wieder gesehen und fürchtete sich vor einer Begegnung mit ihm. Jetzt aber war nicht der Moment für solche Bedenken, sie hatte kaum Zeit, sich an- zukleiden und dann schon mußte sie mit ihrer Tonte fort, fahren.
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Als Wally und Frau Root in den Salon der Gräfin traten, genügte für Wally ein Blick, um sich zu überzeugen, daß der Oberst nicht zugegen sei, und war sie auch einerseits erleichtert, so empfand sie doch andererseit» bit- tere Enttäuschung.
Die Gräfin kam ihren Gästen mit großer Herzlichkeit entgegen. „Wie gütig von Euch, daß Ihr kommt, wir sind ganz allein, leider konnte ich die Einladung nicht frü- her ergehen lassen, weil ich selbst nicht wußte, daß der Aufenthalt meine» Mannes in der Stadt eine so plötzlich, Kürzung erfahren werde."
„Ich fühle mich durchaus nicht wohl, und ich glaube, daß nur da» Landleben im stande sein wird, mich aufzu- frtschen," meinte FriedrichDesmond, und Frau Root konnte nicht umhin, zu bemerken, daß er wirklich übel auSsehe.
„Ja, deshalb lasse ich auch Peal unter der Obhut meine» Bruders Richard hier zurück; sie wird zeitweise hinausfahren, um mich zu besuchen."
„Richard begleitet ihn morgen, kehrt aber abend» schon zurück," erzählte nun die Gräfin.
„Wirklich, und werden wir heute nicht daS Beranü- gen haben, den schönen Oberst zu sehen ?" fragte Frau Root unbefangen.
„O, ja doch, da ist er schon."
Und wirklich trat der Oberst in diesem Augenblick ein, begrüßte die älteren Damen verbindlich und wandte sich „ dann an Wally. 128, ld