SchlüchtemerÄltung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 62.
Amtliches.
J.-Nr. 1399 L- U. Jm Anschluß an die im Kreisblatt Nr. 37 pr. 1905 veröffentlichte Bekanntmach vom 27. August 1905 — Nr. 1883 L. U. sehe ich mich veranlaßt, die Landwirte des Kreises darauf aufmerksam zu machen, daß vom 1. Januar 1907 ab sämmtliche lanvwirtschafiliche Maschinen, mit den durch die bekannt gegebenen Unfallverhütungsvorschriften vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen versehen sein müssen.
Es kommen hier namentlich in Betracht: Goepelwerke, Dreschmaschinen, Häckselmaschinen, Häckselladen,
Rübenschneidemaschinen, Frucht-Reinigungsmaschinen, Quetsch- und Preßmaschinen, Milchzentrifugen, Kreissägen, Säemaschinen, Hackmaschinen, Mähmaschinen, Heurechen rc.
Schlächtern, den 24. Juli 1906.
Der eom- Kgl, Landrat: Valentiner.
l . "»' "III ■|np1»WM»M«HW—■IIIWJMI iwyJM»m
Deutsches Reich.
— Von der Lehrerfahrt des Deutschen Flotten- Vereins wird dem „B L.-A." von einem TeiliKhmer aus Hamburg berichtet: Die erste Nacht verbrachten die Lehrer auf dem Wörmanndampfer „Lucie Wörmann", der neben dem „Prinz-Regent" im Hafen lag. Im Kaischuppen hatte die Wörmannlinie eine Ueberraschung vorbereitet, indem sie durch den bekannten „Afrikusier" Müller aus Altenburg kinematographische Bilder aus Afrika vorführen ließ. Dr. Gerhard, der Leiter der Fahrt, hielt eine Ansprache an die Gesellschaft, in deren Namen Herr v. Hostrupp dankte. Am Freitag früh wurde zunächst eine Besichtigungsfahrt mit dem „Primus" durch sämtliche Hamburger Häfen gemacht. Um 5 Uhr nachmittags ging es nach Kiel, wo festlich geflaggt war. Beim Marsch durch die Stqdt marschierte die Marinekapelle voran. — Die Lehrer, die nur ans kleinen Städten und vom platten Lande angewählt sind, und für die die gesamte Fahrt kostenlos ist, find von den bisherigen Eindrücken begeistert. Per deutsche Flottengedanke dürfte hier auf den fruchtbarsten Boden fallen!
— Für die Retchstagsersatzwahl in Hadersleben-
In Ketten der Kieve.
Roman von Seta v. Starkenstein. 87
„Ich kann Dir nicht so unrecht geben, Betty, aber Du weißt ja, daß Tante Konradine mich nur zu sich genommen hat, damit ich eine gute Heirat eingehe."
„Und würdest Du nicht lieber auf da» Land zurückteh- rrn, al» de» Gelde» wegen heiraten?"
„Wieder jene eintönige, langweilige Existenz führen, unter der ich jahrelang gelitten? Nein, nein, nur daS nicht, ich wäre nicht mehr im stände, sie zu ertragen,"
Betty blickte ihre Freundin unverwandt an; diese» gold- haarige Mädchen von achtzehn Jahren war für sie ein Rätsel.
In tiefem Augenblick brächte die Zofe die Abendblätter, in welche Wally sich angelegentlich vertiefte und auS denen sie alsbald entnahm, daß Oberst DeSmond bereits von Gibraltar nach PlymoUth abgesegelt sei. Folglich mußte er in den nächsten Tagen bereits eintreffen. Mit fröhlichem Lächeln erzählte Wally ihrer Freundin, wie sie sich freue, alle die Herren wiederzusehen, mit denen sie sich auf tem unvergeßlichen Ball so gut unterhalten habe. Sie bedauere nur sehr, daß Frau Jermingham nicht ebenfalls zurückkehre, der General aber bleibe beiderOkkupationS- Armee.
„Da wird e» aber zur Feier der Heimkehr der Krieger hübsche Feste geben," meinte Betty, nun ihrerseits enthusiasmiert. „Natürlich hat Dir der Oberst am besten gefallen?" fragte sie lebhaft. „Ich freue mich so sehr, ihn zu sehen; Du doch auch?"
„Gewiß, er war sehr freundlich mit mir in Donning- ton," entgegnete Wally, welcher da» Gespräch qualvoll zu werde» begann und die demselben für ihr Leben gern ein Ende gemacht hätte.
Durch den Eintritt Frau RootS sollte ihr endlich Er- leichterung werde». Dieselbe forderte die junge» Mädchen M, doch rasch zum Dmer zu kommen,«» je» hohe Zeit,
Samstag, den 4. August 1906.
Sonderburg ist von dem dänischen Wählerkomitee einstimmig der preußische Landtagsabgeordnete Hansen- Apenrade aufgestellt worden. Hansen gilt als entschiedener Anhänger der am weitesten gehenden dänischen Protestier.
— Die Bevölkerung des Deutschen Reiches ist im „Statist. Jahrb. f. d. Deutsche Reich" nach dem Stande um Mitte d. J auf 61 102 000 Köpfe berechnet. Da die Volkszählung vom 1. Dezember 1905 nach der vorläufigen Feststellung eine Bevölkerungszahl von 60 605 183 ergeben hatte, hat in den letzten sieben Monaten eine Zunahme von nahezu eine halbe Million stattgefanden. In zehn Jahren hat sich die Bevölkerung des Deutschen Reiches um 8,35 Millionen vermehrt, in 20 Jahren hat sie um 13,47 Millionen zugenommen. Seit der Gründung des Deutschen Reiches hat die Bevölkerungszunahme 20,1 Millionen Köpfe oder 43 v. H. betragen.
— Nach dem Statistischen Jahrbuche haben die Fideikommiffe in Preußen folgenden Anteil an der Gesamtbodenfläche: Die größte Ausdehnung hatten die Fideikommiffe in den Kreisen Wiltgenstein, mit 53 v. H., Hirschberg mit 35,6 v. H., Plön mit 47,7 v. H. Tost-Gleiwitz mit 35 v. H, Militsch mit 42,9 v. H., Oldenburg mit 32,6 v. H., Tarnowitz mit 41,8 v. H., Reichenbach mit 32,3 v. H., Pleß mit 41,8 v. H., Schmalkalden mit 32,3 v. H., Adelnau mit 40,06 v. H., Groß-Wartenburg mit 32,3 v, H. der Gesamtfläche. In allen übrigen Kreisen war der Anteil geringer als 30 v. H. Bon den Regierungsbezirken gingen Stral- sund mit 20,7, Oppeln mit 19,9, Sigmaringen mit 16,3 und Breslau mit 15,1 über den Satz von 10 v. H. hinaus, während die Bezirke Gumbinnen, Danzig, Hannover, Lüneburg, Stade, Trier und Aachen nicht 2 v. H, erreichten.
Ausland.
— Im englischen Unterhaus gab der Premierminister Campbell- Bannermann dem Wunsche der Regierung Ausdruck, dem Wettkampfe in den Rüstungen ein Ende zu machen, und trat dafür ein, daß England seine Bereitwilligkeit dazu zeige. Hierauf wurden die Marinevoranschläge der Regierung vom Hause einstimmig angenommen.
— Der serbischen Skupschtina sind von der Regierung die Gesetzentwürfe zugegangen, durch die sie zum Abschluß von Handelsprovisorien mit dem Auslande ermächtigt wird. Der Finanzminister hat einen Kredit von 500 000 Dinars gefordert, um neue Wege und Märkte für die Ausfuhr heimischer Produkte ausfindig zu machen.
da man unmittelbar nach demselben die Oper besuchen wolle.
Im Opernhause kam Howard Gilman in die Loge der Damen.
Wally aber beachtete ihn so gar nicht, daß die Tante sich zu der Warnung veranlaßt sah, daS Mädchen solle vor- sichtig sein; ein Mann von dem Alter und der Lebensstellung Howards lasse nicht dergestalt mit sich spielen.
Wally zuckte die Achseln, und als sie, vor Ueberraschung sicher, sich allein sah, nahin sie Richard Desmonds Bild zur Hand und drückte es zum erstenmal in ihrem Leben mit leidenschaftliche,» Kuß an ihre Lippen. „Auch Du wirst mich falsch beurteilen," flüsterte sie mit brechender Stinime, „Du wirst mich für kalt und herzlos halten, Du wirst glauben, daß mir nur nach Reichtum gelüste, und ich würde Deinetwegen der ganzen Welt entsagen, und wärest Du ein Bettler, ich wollte Deine Sklavin sein; Du aber wirst eS nie unt^nimmer erfahren."
„Da sind sie, da ist Richard!" rief Gräfin Peal DeS- mond zu ihrem Gatten gewandt, als der Eisenbahnzng auf der Station Padington ankam, welcher in Plymouth die von Egypten zurückkehrenden Truppen ausgenommen hatte. m
ES erfolgten nun von allen Seiten die herzlichsten Begrüßungen.
Auch Oberst DeSmond wurde da und dort mit Wort und Handschlag willkommen geheißen und eS währte einige Zeit, bevor er mit feinem Bruder und dessen Frau in dem Wagen de» ersteren Platz nehmen konnte.
Frage und Gegenfrage flog hin und her, bis man zu Hause ankam.
Während de» Diner» redete man von militärischen Dingen und von dem Aufenthalte in Egypten.
Als aber nach dem Dessert die Dienerschaft sich zurückgezogen und eine kurze Pause in dem Gespräche entstanden, warf Richard DeSmond selbst die Frage hin: „Meine
57. Jahrgang.
— Die Veröffentlichung eines revolutionären Aufrufs an das russische Heer und die Flotte bereiten die Arbeitsgruppe und die sozialdemokratische Fraktion der aufgelösten Duma vor, tz^welchem sie auffordern, der Regierung den Gehorsam ,7kündigen und mit den gesetzmäßig gewählten Volksvertretern den Kanchs gegen die Regierung aufzunehmen, die sich durch die Verständigung mit Oesterreich und Deutschland über eine eventuelle Einmischung des Landesverrates schuldig gemacht habe.
— Die erste Verhaftung eines frühern Duma- Abgeordneten hat in Brestlitowsk stattgefunden. Der Vertreter von Grodno, Kondrascherk, wurde von der Landpolizei unter militärischem Beistand arretiert, als er kaum in seiner Heimat angekommen war. Der Grund der Verhaftung ist nicht bekannt. In Petersburg sind in den Wohnungen mehrerer Abgeordneten Haussuchungen verunstaltet worden. In den Gouvernements Moskau und Perm sind nach der Veröffentlichung des Manifestes über die Auflösung der Reichsduma Bauernunruhen ausgebrochen.
— Nach der Duma-Auflösung haben die russischen Terroristen wieder mit Ueberfällen auf Eisenbahnzüge begonnen. So wurde zwischen Czenstochau und Herby, an der preußischen Grenze, ein Bahnzug von einer Räuberbande überfallen, wobei 2 Generäle, 2 Beamte und 4 Soldaten getötet und 16 000 Rubel geraubt wurden. Die Räuber entkamen. Ferner wurde bei Prußkow der von Alexandrowo kommende Personenzug Alexandrowo—Warschau von einer etwa 50 Mann starken bewaffneten Bande angehalten. Sie hat den Postwagen beraubt; über 100 000 Rubel Staatsgelder sind in ihre Hände gefallen.
— Eine neue revolutionäre Schandtat in den russischen Ostseeprovinzen wird aus Mitau gemeldet. Wieder ist ein Jahrhunderte altes, an Kunstschätzen reiches Schloß von den Revolutionären vernichtet worden. 15 Bewaffnete stürmten das Schloß Remten in Kurland, den, Grafen Konrad Medem gehörig, und brannten es völlig nieder. Im Kampfe wurden der Gutsverwalter schwer, zwei Gutsbeamte leichter verwundet.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 3. Aug. 1906.
—* Ein Mittel gegen Bienenstich. Wenn man von einer Biene oder Wespe gestochen ist, soll man sofort den äußeren Rand eines hohlen Schlüssels herzhaft auf die gestochene Stelle drücken. Je kräftiger der Druck ausgeführt wird, desto sicherer kommt der Stachel, den das Insekt in der Wunde zurückgelassen
hübsche Partnerin vom Balle in Donnington ist also die Königin der Londoner Salons geworden? Wie besteht sie tiefe Ehre?"
„Was kann man von einem Mädchen erwarten, welches aus einem bescheidenen Landleben in diese Atmosphäre der Eleganz und Schmeichelei versetzt wird? Sie genießt die Freuden des Lebens."
„Ich hoffe, Du urteilst zu streng, Peal," sprach Oberst Desmond milde.
„Ich will durchaus nicht streng sein, Richard, aber welches junge Geschöpf könnte ein Leben wie Wally Gerhard führen und dadurch nicht verwöhnt werden? Sie ist wirklich reizend hübsch, aber die Männer verwöhne» sie so maßlos und die Frauen beneiden sie so sehr, daß eS mich gar nicht wundern würde, wenn man ihr vollständig den Kopf verdreht. Sie kennt ihre Macht und nützt dieselbe aus."
„Wie, Wally Gerhard sollte eine Kokette geworden sein?"
Friedrich und seine Frau lachten unwillkürlich über den schmerzlichen Ton, in dem diese Worte gesprochen wurden.
„Werde nicht auch Du einer ihrer Verehrer, mein Junge," bemerkte Friedrich, „denn sie behandelt die Herzen der Männer als Spielzeug."
„Unsinn!" rief Richard, indem er sich den Schnurrbart strich. „Das Kind kann doch keine Kokette geworden sein, eS spielt eben mit dem Feuer." 128,18
„DaS aber ist gefährlich, Richard, umsomehr, al» sie eine Schülerin der klugen Root ist; sie scheint vollkommen zu begreifen, daß man von ihr erwartet, sie soll eine gute Partie machen. Und wenn man Schlüsse ziehe» soll auS der Ermutigung, welche sie Howard Gilman zu teil werden läßt, so könnte man wohl annehmen, daß sie gern bereit ist, ihre Schönheit um ein Vermögen hinzugeben, ob- zwar sie mit dem jungen Manfred verlobt ist, welcher eine recht bescheidene Anstellung im Auswärtigen Amte hat." *