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SchlüchternerZAng

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleme Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 1. August 1906

Amtliches.

J.-Nr. 1399 L. U. Im Anschluß an die im Kreis­blatt Nr. 37 pr. 1905 veröffentlichte Bekanntmach vom 27. August 1905 Nr. 1883 L. U. sehe ich' mich veranlaßt, die Landwirte des Kreises darauf aufmerksam zu machen, daß vom 1. Januar 1907 ab sämmt­liche landwirtschaftliche Maschinen, mit den durch die bekannt gegebenen Unfallverhütungsvorschriften vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen versehen sein müssen.

Es kommen hier namentlich in Betracht: Goepelwerke, Dreschmaschinen, Häckselmaschinen, Häckselladen, Rübenschneidemaschinen, Frucht-Reinigungsmaschinen, Quetsch- und Preßmaschinen, Milchzentrifugen, Kreissägen, Säemaschinen, Hackmaschinen, Mähmaschinen, Heurechen rc.

Schlüchtern, den 24. Juli 1906.

Der com. Kgl. Landrat: Valentiner.

Zur Heimkehr Kaiser Wilhelms.

Kaiser Wilhelm wird am 3!. Juli von der Nord­landsreise heimkehren und in Swinemünde den deutschen Boden wieder betreten. Bald nach seiner Rückkehr wird er zum ersten Male den Enkelsohn sehen, der als einstiger Erbe der Krone während der Abwesenheit des Kaiserlichen Großvaters geboren wurde. Ueber deiffZeitpunkt und die nähern Umstände der Taufe des kleinen Prinzen ist noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Vermutlich aber wird die Taufe erst in der zweiten Hälfte des Monats August und wohl im engeren Familienkreise stattfinden. Fremde Monarchen dazu einzuladen, war von vornherein nicht die Absicht. Dem künftigen deutschen Kaiser wird es an gekrönten Paten nicht fehlen; persönlich aber nehmen diese an der Feier nicht teil.

Um die Mitte des August tritt König Eduard von England seine Badereise nach Marienbad an, und sein Weg führt ihn durch Deutschland. Damit rückt der Zeitpunkt für die seit Neujahr nie mehr zweifelhaft gewesene Begegnung des Königs mit Kaiser Wilhelm heran. Eine persönliche jEntfremdung der beiden Monarchen, die ihrem Zusammentreffen hinderlich sein

S« Kette» der Kieve.

Roman von Seta v. Starkenstein. 25

Unwillkürlich erbleichte sie; dieser Brief, welchen st« erst gestern erhalten, war ein stummer und doch nur allzu beredter Zeuge gegen sie selbst, er kam von Manfred. Sie hatte die Stimme ihres Gewissens nie- derzukäntpfen versucht, nun aber ließ sich dieselbe durch nicht» mehr übertönen. Worte von Liebe und Treue wa- ren in dem Schreiben zu lesen, das sie nun zögernd über- flog, ohne daß dieselben ihrem Herzen Freude gebracht hätten. Weshalb fühlte sie sich verwirrt, bewegt, gerührt, sobald Richard DesmondS Name nur vor ihr genannt ward, während es sie nahezu peinlich berührte, wenn man von Manfred sprach; sie blickte von dem Briefe auf da» in Seidenpapier gehüllte etwa», das sie in den Händen hielt; es war Richard DeSmondS, nicht Manfreds Bild, und plötzlich bedeckte sie da» Antlitz mit den Händen und brach in Tränen au». Ja, eS stand klar vor ihrer Seele; sie hatte Manfred nie geliebt, eS ließ sich keine Parallele ziehen zwischen der ruhigen, gleichmäßigen Empfindung, welche sie für den Genossen ihrer Kindheit hegte, und dem heißen, stürmischen Gefühle, daS Richard DeSmond ihr einflößte. Die Blumen, welche Manfred Lister ihr einst gegeben, sie waren längst verwelkt und vergessen; jene von Richard DeSmond hingegen hatte sie sorgsam getrocknet und auf­bewahrt, liebte sie ja Richard mit der ganzen Kraft und Innigkeit ihrer warmherzigen Natur und ach, sie war mit Manfred verlobt; er liebte sie, er vertraute ihr.

Ich kann ihn nicht heiraten, ich kann eS nicht," flü­sterte sie, indem sie die Hand an die brennende Schläfe preßte;eS würde mich töten, wäre Sünde, wäre Verrat; ich habe ihn nie geliebt und bin wahnsinnig gewesen, ihm die Ehe zu versprechen, aber ach, ich kannte mein eige- ne» Herz nicht; jetzt kenne ich eS, jetzt weiß ich, waS Liebe ist, jetzt, wo es zu spät. O Gott, Richard würde mich Vielleicht geliebt haben, wenn ich frei gewesen wäre!"

. Und wieder brach sie in Tränen an», empfand sie eS

könnte, besteht nicht mehr, und sachlich, d. h. für die zusammengetreten, an der mehr als 100 Vertreter der Pflege der deutsch-englischen Beziehungen wird es allen " "" " ' " " ' ~

ruhig urteilenden Kreisen diesseits und jenseits des Kanals nur erwünscht sein, daß durch die Zusammen­kunft eine im vorigen Jahre peinlich wirkende Lücke

ausgefüllt wird. Politische Neuerungen werden nirgends erwartet; aber der europäischen Lage entspricht es, daß, nachdem in letzter Zeit zwischen Deutschland und Eng­land so viele private Kundgebungen für die Bewahrung von Friede und Freundschaft ausgetauscht worden sind, auch die Oberhäupter beider Staaten ein persönliches Wiedersehen und eine offene Anssprache herbeiführen.

Was die Form der Bewegung betrifft, so würde ein förmlicher Staatsbesuch mit festlicher Einholung des britischen Königs in eine der Residenzstädte Kaiser Wilhelms nach allgemeinem Empfinden wohl nicht den Umständen, vergangenen wie gegenwärtigen, angepaßt sein. Es erscheint richtiger, daß die Monarchen sich in ungezwungener Weise und ohne ein das Gespräch unter vier Augen beengendes Zeremoniell zusammen- finden. Die Einleitungen dafür, daß Kaiser Wilhelm und König Eduard sich als Verwandte an einem zu vertraulicher Unterredung geeigneten Orte begrüßen können, dürften schon getroffen werden. Denn wahr­scheinlich wird das Wiedersehen während der Hinreise )es brititschen Herrschers nach Marienbad stattfinden, also gleich nachdem König Eduard auf deutschem Gebiet angelangt ist. Der Zeitpunkt würde dann wohl die Mitte des August, der Ort vielleicht Schloß Friedrichs­hof bei Cronberg im Taunus sein, an das sich für den Kaiser wie den König ernste Erinnerungen an die Mutter und die Schwester, die Heimgegangene Kaiserin und Königin Friedrich, knüpfen.

Deutsches Reich.

'- DieJduna" ging am Donnerstag verganger Woche mit der Kaiserin, den Prmzen Oskar und Joachim und der Prinzessin, Viktoria Luise in See. Das Torpedoboot S. 42 folgte. Als erster Hafen wird Heiligenhafen im östlichen Holstein angelaufen. Von dort geht die Fahrt nach den nordschleswigschen Gewässern, wo die kaiserliche Familie die schönsten Punkte besuchen wird. In Gravenstein weilt seit kurzem Herzog Ernst Günther, der Bruder der Kaiserin. Die vom Korvettenkapitän Karpf geführteJduna" ist fast ausfchließlich von plattdeutsch redenden Jachtmatrosen besetzt. Die überwiegende Zahl bilden die Schleswig- Holsteiner; alle stammen von der Wasserkante. Die Kaiserin liebt nicht den Wechsel. Vielfach dienen die Matrosen zwei bis drei Jahre an Bord derJduna".

In Erfurt ist die Güterfahrplankonferenz

mit schmerzlicher Klarheit, daß sie keine Meuschenseele habe, bet der sie sich Rat und Hilfe holen könne. Jung und un- erfahren, wie sie war, mußte sie den Kanipf mit dem Leben allein ausfechten, mußte sie um jeden Preis die herbe Kunst lernen, mit brechendem, zuckenden Herzen doch lächelnde Lippen zur Schau zu tragen. Wie hätte sie die Bande lösen können, durch die sie gefesselt war, wie über das Herz bringen, Manfred ein solches Unrecht zuzufügen; andererseits aber, fügte sie ihm nicht ein noch größeres Unrecht zu, wenn sie ihn heiratete, ohne ihn zu lieben? Wenn sie ihn heiratete, während doch jeder ihrer Gedan­ken einem anderen gehörte?

Wenige Wochen später traf Fran Root mit ihrer Nichte wieder in England ein, und die Schönheit des Mädchens bildete alsbald das Gespräch des Tages in den verschie­denen Herren-Klubs. Man wußte sich zu erzählen, daß FrauRoot ihreNichte jedenfalls glänzend verheiratenwolle, und redete auch darüber, daß Howard Gilman sterblich in das Mädchen verliebt sei.

Von ihrer Seite," meinte einer der Herren,wird das Herz freilich bei dieser Verbindung nicht viel zu tun haben, denn Gilmann ist nicht der Mann, eine große Lei­denschaft einzuflößen. Wahrscheinlich aber verkauft sie ihre Schönheit ganz gerne für Pferde, Wagen, Diamanten, ge- sellschaftliche Stellung und bedeutendes Nadelgeld. Die jun- gen Weltdamen von heutzutage werden ja schon mit dem ent­sprechend en Verständniffe für diese Vorzüge großgezogen."

Die jungen Herren lachten, doch wurde ihr Gespräch durch das Hinzutreten eines großen, sonngebrännten, ern­sten Mannes momentan abgebrochen.

Ah, da ist ja Friedrich Desmond," rief der eine,sind Nachrichten von seinem Bruder da?"

Nicht gut möglich, er ist zwar bereits abgesegelt, kann aber doch erst in zehn oder vierzehn Tagen landen."

Ihr Bruder kehrt alw endlich heim, Desmond? Na­türlich mit Lorbeeren geschmückt. Was werben wir nun, die wir friedlich hinter dem Stubenfeuer hockten, bei den

zujammengetreten, an der mehr als WO Vertreter der deutschen Eisenbahnverwaltung teilnehmen. Die Be­

ratungen bezwecken die Herbeiführung einer größereen Beschleunigung im Güterverkehr auf den dentschen Bahnen. Diese Beschleunigung wird hauptsächlich in einer schnelleren Durchführung von Güterzügen zwischen Nord- und Süddeutschland bestehen.

Das Streikpostenstehen und das Begleiten der Arbeits villigen von und nach der Wohnung ist vom preußischen Kammergericht in einer Berufungssache für strafbar erklärt worden. Hoffentlich wird dadurch dem sozialdemokratischen Streikterroismus etwas Einhalt geboten!

Seitens des Reichskanzlers ist vor einiger Zeit den Regierungen der Einzelstaaten ein Entwurf zur reichs- gesetzlichen Regelung des Apothekenwesens zur Beratung und Stellungnahme überwiesen worden, dem im wesent­lichen die seinerzeit im Althoffschen Entwurf entwickelten Anschauungen zugrunde liegen. Es wird erwartet, daß die Regierungen der Einzelstaaten bis zum Schluß des Jahres sämtlich zu diesem im Reichsamt des Innern

unter Teilnahme von Kommissaren des preußischen Medizinalministers ausgearbeiteten Entwurf Stellung genommen haben werden, so daß er im Frühjahr nächsten Jahres zur öffentlichen, beziehungsweise fach­männischen Besprechung gestellt werden dürfte. Infolge dieses Vorgehens des Reichskanzlers und des Reichs-

oieses Borge amts des §

nnern ist die teilweise in Angriff genommene

einzelstaatliche Regelung des Apothekenwesens, in erster Linie in Bayern, dann aber auch in Preußen zum Stillstand gekommen, da das Reich in dieser Materie die Vorhand hat.

Die Ansiedelungskommission hat in der Provinz Posen folgende, 1271 Hektar umfassende Besitzungen neu angekauft: Rittergut Klepary, Kreis Hohensalza; Gut WöMhageu, Kreis Wirfitz; Rittergut Pierschuetz mit den Vorwerken Marynin und Baschkow, Kreis Krotoschin, und Gut Gonice, Kreis Wreschen. In der Provinz Westpreußen kaufte die Ansiedelungskommission das 249 Hektar große Gut Drzonowko, Kreis Kulm.

Die Ausführungsbestimmungen zum Reichs­stempelgesetz vom 3. Juni d. I. werden im amtlichen Zentralblatt für das Deutsche Reich" veröffentlicht Aus den allgemeinen Bestimmungen ist die strenge Vorschrift hervorzuheben. daß für verdorbene Reichs- stempelmarken und für Reichsstempelmarken und für Reichsstempelzeichen, mit welchen demnächst verdorbene Vordrucke oder Wertpapiere versehen sind, nur dann Erstattung beansprucht werden kann, wenn der Schaden mindestens 5 Mark beträgt.

Damen für Aussicht auf Erfolg haben, wenn er, der Held, der Siegerheimkehrt, der überdies auch noch eineSchön-

Das kann mir ziemlich gleichgültig sein," meinte Frie- drich Desmond lächelnd, denn Ihr wißt, meine Herren, ich bin versorgt."

Wie? Würde selbst die schöne Gerhard Sie nicht dazu Veranlassen, eine kleine Koketturzu versuchen?"

Vielleicht, wenn ich nicht wüßte, daß ich dann inTil- maus schwarzes Buch eingetragen würde."

Unsinn, Sie glauben doch nicht wirklich, daß eine Heirat daraus entstehen könnte, ich hätte gedacht, daß Frau Root sich unter einem Grafentitel nicht zufrieden gibt."

Gilman ist jedenfalls die reichste Partie der dies­jährigen Saison und außerdem von Frau Root im höch­sten Grade begünstigt."

Ob Fräulein Wally sich veranlaßt sehen möchte, die gehorsame Nichte zu spielen, dünkt mir zwar sehr frag­lich, daß sie aber jedenfalls des Geldes und der Stellung wegen heiraten wird, das glaube ich mit aller Bestimmt- heit^mnehmen zu sollen."

So plauderten die Herren noch weiter über Wally Ger­hard, über die Ausstellung der Akademie, über daS nächste Derby-Rennen und andere Tagesfragen. Und weit brau- ßen auf dem großen See gab es einen, der träumte, von Hoffen, Furcht und Zweifel ergriffen, auch beständig von dem schönen Mädchen.

Hat die Welt sie verdorben, hat sie meiner vergessen oder erinnert sie sich nur an mich, als an einen Mann, den sie nicht zu lieben wagt? Jene andere Liebe war nur ein Traum, eine Kinderei, die Neigung eines unreifen Mädchens für einen unmündigen Knaben; hat sie die­selbe aber geändert, gekräftigt? Hat sie gelernt, waS Lie­ben ist? Und hegt sie diese Empfindung für einen ande­ren, nicht für mich? Der Gedanke treibt mich zum Wahn­sinn, Wally, Wally, Du kannst mir nicht verloren sein! Eine Liebe wie die meine ist nimmer vergeblich."

* * , 128,18

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