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SchWernerZeitung

Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 60.

Amtliches.

J.-Nr. 1399 L. U. Im Anschluß an die im Kreis- blatt Nr. 37 pr. 1905 veröffentlichte Bekanntmach vom 27. August 1905 — Nr. 1883 L. U. sehe ich mich veranlaßt, die Landwirte des Kreises darauf aufmerksam zu machen, daß vom 1. Januar 1907 ab sämmt­liche landwirtschaftliche Maschinen, mit den durch die bekannt gegebenen Unfallverhütungsvorschriften vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen versehen sein müssen.

^Es kommen hier namentlich in Betracht: Goepelwerke, Dreschmaschinen, Häckselmaschinen, Häckselladen,

Rübenschneidemaschinen, Frücht-Reinigungsmaschinen, Quetsch- und Preßmaschinen, Milchzentrifugen, Kreissägen, Säemaschinen, Hackmaschinen, Mähmaschinen, Heurechen rc.

Schlüchtern, den 24. Juli 1906.

Der com. Kgl. Landrat: Valentiner.

Zur Lage in Rußland.

Die Auflösung der Reichsduma hat die russischen Umsturzparteien völlig unerwartet getroffen und wenigstens vorläufig ihre Kreise empfindlich gestört. Es ist seit langer Zeit die erste entschlossene Tat, zu der die Regierung des Kaisers Nikolaus sich aufrafft, und die Umstände, unter denen dieser Entschluß in die Oeffentlichkeit trat, beweisen unzweideutig, daß es sich nicht um einen Schachzug aufs Geratewohl, sondern einen wohlüberlegten Schritt handelt. Das Kaisertum und seine Verteidiger zeigen heute,. das müssen selbst die Gegner zugeben, doch soviel Energie, wie es vor wenigen Tagen auch die Freunde des kaiserlichen Ruß­land kaum für möglich gehalten hätten. Die Vor­bereitungen zur Niederhaltung jedes bewaffneten Wider­standes gegen die Auflösung der Duma wurden mit Umsicht getroffen, ohne daß die Parteiführer den un­mittelbar bevorstehenden Schlag ahnten, ohne daß sie Zeit fanden, das russische Volk aufzuwiegeln. Rußland hat das Verschwinden der ersten Reichsduma ruhig hingenommen.

Für die Artikelschreiber der westeuropäischen Presse liegt darin eine große Enttäuschung. In verblendetem Hasse gegen das russische Kaisertum hatten sie allmäh-

In Ketten der KieSe.

Komap von Seta v. Starkenstein. 24

„Ach nein, das darfst Du flicht sagen, ich will Dir sy eft schreiben, als ich nur irgend kann, Du, Du schreibst mir auch und vielleicht werde ich nicht so sehr lange fort fein.*

Sie sprach rasch und lebhaft, und wäre Manfred von dem TrennungSschmerze nicht gar so sehr eingenommen gewesen, so hätte er sehen müssen, daß das Mädchen an« der» sei, als sonst; so aber zog er sie noch inniger an sich und küßte ftp voll Herzlichkeit. Wenn es nur ein Bru- derkuß gewesen wäre!

DaS Mädchen aber fühlte, daß dem nicht sy war, und alle« in ihr lehnte sich auf gegen diese Zärtlichkeit-

„Ich weiß, daß Du mir treu bleiben wirst!" daS wa­ren seine letzten Worte und dann flog Wally in ihr Zim­mer.

Hatte sie Manfred jemals geliebt? War sie von allem Anfänge an im Unrecht gewesen in dem, was sie getan? War die leidenschaftslose Freundlichkeit, welche sie für ihn empfand, wirklich Liebe? Beinah erschreckt stellte sie sich diese Fragen, dann aber drängte sie dieselben wieder von sich, sie wollte heute nichts, gar nicht» denken.

Nicht einmal die Photographie wollte sie ansehen, die welche sie vor einigen Tagen in dem Schaufenster eine» Photographen erblickt und sofort käuflich an sich gebracht; dieselbe stellte Richard DeSmond dar und Wally betrach­tete sie morgens und abends mit liebevollen Blicken, heute aber persagte sie sich daS. Sümpfte sie an gegen das Ge­fühl, welche» hoch immer lebhafter iy ihr sich regte?

Der zweite Akt de» „FauA" hatte in der Pariser Gro­ßen Oper sein Ende erreicht und unter den verschiedenen Gruppen, welche sich im Foyer auf und nieder bewegten, gab es eine, welche ganz besonders aufmerksame Blicke auf sich lenkte. Sie bestand auS einer jungen Dame, die in einer prächtigen Spitzenrobe am Arnie eines Manne»

Samstag, den 28. Juli 1906.

lich der Duma die Bedeutung einer über die bisherigen Machthaber zu Gericht sitzenden Konstituante zugeschrieben und die russische Volksvertretung mit einem Ansehen auszustatten gesucht, das sie in Rußland selbst rechtlich wie tatsächlich nicht genießen kann. Rechtlich nicht; denn das Zarentum ist neben der Duma die ältere und stärkere Quelle der nationalen Macht. Tatsächlich nicht; denn die erste Duma hatte, was ihre ausländischen Gönner übersehen, durch die Unfruchtbarkeit ihrer Reden und Beschlüsse, durch handgreifliche Beweise politischer Unreife und Ohnmacht auch in Rußland selbst viele anfängliche Sympathien eingebüßt. Dieser Duma weinen nur wenige Russen eine Träne nach, und auch das nach Finnland geflüchtete Rumpfparlament scheint bei seinen inneren Spaltungen nicht berufen, in der weiteren Entwickelung der russischen Verfassungskämpfe eine besondere Rolle zu spielen.

Darüber, daß die Auflösung der Duma ein gesetz­mäßiger Akt und auch in der Form eines solchen voll­zogen worden ist, kann kein Zweifel sein. Von einem Staatsstreich dürfte man nur sprechen, wenn Kaiser Nikolaus die parlamentarische Mitwirkung des russischen Volkes wieder beseitigen wollte. Davon ist aber keine Rede. Der Zeitpunkt für die Wahl der neuen Duma ist schon festgesetzt, und das Manifest des Zaren ver­kündet feierlich die Aufrechterhaltung der konstitutionellen Bürgschaften. Die nächste Aufgabe der russischen Regierung ist, dem Schreckensregiment von oben und von unten ein Ende zu bereiten und allen denen, die in Rußland noch etwas zu verlieren haben, das Gefühl zurückzugeben, daß gegen gewaltsame Ausschreitungen staatlicher Schutz mit Erfolg angerufen werden kann. Die oberen und mittleren Schichten der russischen Be­völkerung sind des Treibens der Umstürzler müde. May, sehnt sich nach einer starken Hand, die Ordnung schaffen kann. Bleibt das Heer zuverlässig, wofür allerdings noch keine Bürgschaft gegeben ist, dann wird das russische Kaisertum Herr über alle Gewalttaten werden, woniit Radikale und Sozialisten, Arbeiter und Bauern die Auflösung der Duma beantworten könnten.

Deutsches Reich.

— Von der Reise des Kaisers wird aus Aalesund gemeldet: Der Kaiser ist nach guter Fahrt von Aale­sund in Berlin eingetroffen und beabsichtigt nach Be­sichtigung der Stadt Berlin sogleich Weiterreise nach Merok. An Bord ist alles jwohl.

— Prinz Oskar von Preußen bestand die Abituri­entenprüfung mit gutem Erfolge.

— Gegen unnötige Beunruhigung wendet sich die „Nordd. Allg. Ztg.". indem sie schreibt: Nach dem

von vierzig bis fünfundvierzig Jahren langsam dahin- schritt; erbot einen schroffen Kontrast zu seiner schönen Gesährtin, die, schlank und hoch gewachsen, seine breit- schulterige Gestalt um ein gutes Stück überragte.

Hinter den beiden schritten zwei Damen, welche die Jugendblüte bereits abgestreift hatten und von denen die eine markantesteAehnlichkeit mit dem Herrn, der ihr voran- schritt, an den Tag legte. Die verschiedensten Kommen­tare wurden über die kleine Gruppe gemacht, die einen mutmaßten in dem Herrn den Vater seiner schönen Be­gleiterin, die anderen einen eifersüchtigen Gatten, wieder andere einen glühenden Liebhaber, nur die junge Dame selbst schien ahnungslos über da« Aufsehen, welches ihr Erscheinen allerort» hervorrief. Ruhig wandte sie sich im Weiterschreiten an ihren Begleiter mit der Bitte, er möge ihr eine englische Zeitung verschaffen.

„Ist da« alles, was ich für Sie tun kann?" lächelte Herr Gilman Wally zu,

„Für jetzt ja; ich sehne mich nach Nachrichten vom Kriegsschauplatz, bin ich ja doch ein echtes Soldatenkind."

„Sie kennen wohl auch recht viele, welche sich bei dem Kampfe beteiligen?"

„So ziemlich viele; doch beeilen Sie sich, sonst ver- säumen Sie den Anfang des dritten Aktes."

„DaS würde mir einerlei sein, wenn es sich darum handelt, Ihnen einen Dienst zu erweisen." Herr Gilman führte Wally zu der Tante und beeilte sich dann, so rasch als möglich den Wunsch Pally» zu erfüllen.

Al» diese die Blätter in den Händen hielt, lohnte sie Herrn Gilman doch mit einem warmen Dankeshsick; der- selbe galt jedoch nicht ihm selbst, fon^p der Freude, nun von Richard Desmond Kunde erhalten zu können. Sie er- fuhr denn auch, daß er sich bei allen Gefechten beteiligt, aber bis jetzt unversehrt geblieben war.

Frau Root und ihre Nichte wollten am folgenden Tage schon den Aufenthalt in PariS mit jenem in Rom ver- tauschen, und Herr Gilman wandte sich an die ältere der

57. Jahrgang.

bedauerlichen Raubanfall gegen Frau Geheimrat Noelle bei Rathenow hat sich des Publikums und der Presse eine große Unruhe bemächtigt. Zum Glück hat sich bei näherer Prüfung ergeben, daß die meisten neueren Meldung von Raubanfällen aus der Luft gegriffen oder mindestens stark übertrieben waren. Die mit großer Sicherheit gebrachte Nachricht von der Beraubung eines Reisenden in Westfalen zwischen Letmathe und Nachrodt hat sich als völlig unzutreffend erwiesen, ebenso wird jetzt der räuberische Ueberfall im Arns- berger Tunnel amtlich dementiert. Die Blätter, die von diesen Vorfällen berichtet haben, haben sich also von böswilligen oder leichtgläubigen Berichterstattern täuschen lassen. Derartige falsche Gerüchte tragen natürlich nicht zur Beruhigung des Publikums bei, und es wäre sehr zu wünschen, daß vor ihrer Ver­öffentlichung erst ihre Richtigkeit durch eine Rückfrage bei der zuständigen Eisenbahndirektion gestgestellt wird die bereitwilligst Auskunft erteilen wird.

— Der im Reichsjustizamt ausgearbeitete Gesetz­entwurf für die Reform der Vorschriften über den Wechselprotest ist im „Reichsanzeiger" veröffentlicht worden. Der Entwurf sieht eine Reform vornehmlich nach zwei Richtungen hin vor. Die Postbeamten sollen die Zuständigkeit zur Protesterhebung erhalten und zwar unter Haftung der Postverwaltung für etwaige Versehen ihrer Beamten. Außerdem werden die Formalitäten bei der Erhebung des Protestes vereinfacht, insbesondere dadurch, daß der Protest mangels Zahlung auf' den Wechsel oder ein mit ihm zu verbindendes Blatt gesetzt und von der Aufnahme einer Wechselabschrift in den Protest abgesehen wird. Daneben sind einzelne andere Erleichterungen vorgesehen, namentlich für den soge­nannten Winkprotest und für die Protestierung von Wechseln mit ungenauen Ortsbezeichnungen. Auch ent­hält der Entwurf Vorschriften über die Proteststunde sowie über die Befugnis des Protestbeamten zur An­nahme der Weselzahlung. Die bevorstehende Bekannt­machung des Entwurfes, der übrigens noch keinen für die Regierungen verbindlichen Charakter trägt, soll den beteiligten Kreisen Gelegenheit zur Kritik und zur Geltendmachung ihrer Wünsche geben.

— In Duisburg haben sich wiederholt Streik- Krawalle abgespielt. Die drohende Haltung der aus­ständigen Hafenarbeiter gegenüber arbeitswilligen Kollegen veranlaßte mehrere Firmeninhaber, ihre Ar­beiter unter polizeilichem Schutz nach Hause bringen zu lassen. 200 Ausständige griffen die Arbeitswilligen an, so daß berittene Schutzleute und eine Anzahl anderer Polizisten diese in geschlossenen Zügen durch die Straßen führen mußten.

beiden Damen mit der Bitte, sie am folgenden Tage zur Bahn begleiten zu dürfen.

„Es wird uns sehr, sehr angenehm sein," versicherte Frau Root mit ganz unnötigem GefühlSaufwande.

Gilman blickte Wally an, diese aber sprach kein Wort.

„Reist Herr Gilman am Ende auch nach Rom?" fragte die junge Dame, alS sie sich mit der Tante allein sah.

„Ich weiß nicht, doch weshalb stellst Du Deine Frage in einem so unzufriedenen Tone?"

„Weil ich sein Kommen durchaus nicht wünsche."

„Ich bildete mir immer ein, Du magst ihn gern leiden."

„Nicht besonders."

„Aber warum nicht, Wally?"

„Er ist gar so gewöhnlich und prosaisch."

„Unsinn, Kind; verlangst Du denn von jedem Manne, daß er ein Romanheld sei?"

Wally dachte an Richard DeSmond und lachte plötzlich laut auf. „Nun,davon ist er, beiGott, ziemlichweit entfernt."

„Nun, so geh' jetzt zu Bett und wache morgen klüger auf," sprach die Tante lächelnd und duS junge Mädchen willfahrte aerne dem ersten Teile ihre» Gebote», weniger, weil sie müde war, als vielmehr, weil sie sich danach sehnte, allein zu sein.

In ihrem Zimmer angelangt, vertiefte sie sich von neuem in die Lektüre der Zeitungen, brach aber plötzlich mit einem leisen Freudenrufe ab, denn sie hatte die Mitteilung ge­lesen, daß Richard DeSmond zum Oberst befördert und nach London bestimmt worden war.

Wie glücklich fühlte sich daS junge Mädchen, wie pochte ihr daS Herz, wie las sie wieder und immer wieder die Zeilen, welche ihr die Kunde brachten, daß er nun wieder in ihrer Nähe weilen werde.

Plötzlich erhob sich da« junge Mädchen, trat an den Schreibtisch und entnahm demselben einen sorgsam in Sei- denpapier gewickelten Gegenstand; ihre Finger zitterten dabei, ihre Wangen waren hoch gerötet; gleichzeitig aber fielen ihre Blicke auf einen aus England kommenden Brief, der aus ihrem Pulte lag. _ 128,13