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IchluchternerZettung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

HZ 59. Mittwoch, den 25. Juli 1906. 57. Jahrgang.

Deutsche, Kelch.

Ein Telegramm aus Molde vom 21. Juli, abends, nieldet: Die Abreise des Kaisers nach Molde erfolgte am Sonntag früh 8'/- Uhr, die Ankunft in Berlin um 6 «A Uhr nach sehr schöner Fahrt. Unter­wegs entsandte Se. Majestät das Depeschenboot Sleipner nach Aalesund, um den Prinzen Adalbert nach Molde zu holen. An Bord alles wohl.

Aus Molde wird telegraphiert: Während der Fahrt von Drontheim nach Molde, die bei gutem Wetter am Samstag stattfand, hörte Seine Majestät der Kaiser einen Vertrag des leitenden Jngeniers über Dampfturbinen. Vor Molde, wo die Ankunft abends 7 Uhr erfolgte, ankerten die Schiffe des ersten Ge­schwaders, deren Besatzung bei der Einfahrt der Ham- paradierte. Abends kam Seine Königliche Hoheit Prinz Adalbert an Bord. Am Sonntag vormittag hielt Se. Majestät den Gottesdienst ab und begab sich sodann zum Frühstück auf das Linienschiff Kaiser Wilhelm IL, auf welchem der Großadmiral von Köster seine Flagge gesetzt hat.

Dem Berliner Magistrat und Stadtverordneten­ist auf die Beglückwünschung des Kaiserpaares zur Geburt des ersten Enkels vom Geheimen K«binettsrät Lucanus der Dank des Kaiserpaares übermittelt worden. Es heißt in der Danksagung:Der Kaiser und die Kaiserin haben mich zu beauftragen geruht, dem Magistrat und den Stadtverordneten für die treuen Glück- und Segenswünsche herzlichen Dank zu sagen und zugleich zum Ausdruck zu bringen, wie angenehm Ihre Majestäten von der freundlichen Teilnahme be­rührt sind, welche das ihrem Hause zu teil gewordene Glück besonders auch bei der Bürgerschaft der Reichs- Hauptstadt hervorgerufen hat.

Zum Andenken an die Geburt des ersten Kaiser­enkels will man in Oberhausen im städtischen Kaiser­garten einen Gedenkstein setzen. Es wird dies der erste derartige im Reiche sein.

Eine neue Kavalleriebrigade mit der Nr. 41 soll zum 1. Oktober aus dem Ulanenregiment v. Schmidt (l . Jßomm.) Nr. 4 und dem Kürassierregiment Herzog Friedrich Eugen von Württemberg (Westpr.) Nr. 5 ge­bildet werden und in Thorn in Westpreußen in Gar­nison kommen. Beide Regimenter gehörten bisher der

Kavalleriebrigade in Graudenz an. Diese wird aus dem Husarenregiment Fürst Blücher (Pomm.) Nr. 5 und dem neu zu bildenden 4. Jägerregiment zu Pferde wieder zusammengesetzt.

Zur Erleichterung der Einbürgerung deutscher Ortsnamen in gemischtsprachigen Gegenden hat der

A« Kette» der Kieve.

Roman von Seta v. Starkenstein. $3

Wally aber achtete ihrer Worte kaum, die ewigen Schmeicheleien ermüdeten sie und sie war froh, daß Mir- jamS Pflichten absolviert und sie sich wieder allein sah.

Endlich schlief sie ein, aber eS war ein ruheloser Schlaf, ohne daß ihre Träume sich mit dem gestrigen Balle be­faßt hätten. Der Ball in Donnington war e« vielmehr, mit welchen« sie sich beschäftigte, sie sah Richard DeSmond vor sich; er aber wollte sie nichtsehen, nicht mit ihr reden, sondern hatte sich zornig abgewandt.

WaS hab' ich getan, wa» hab' ich getan?" rief sie angstvoll im Traume, aber er entschwand ihren Blicken, ohne ihr Bescheid geben zu wollen, und, in Tränen auf­gelöst, erwachte die Träumerin. Gott sei Dank, eS war nur ein Traum gewesen, ja, nur ein Traum. Instinktiv griff sie nach dem kleinen Täschchen, daS sie an ihrem Herzen trug, als berge es einen Talisman, welcher im stände sei, sie vor allem Bösen zu hüten.

Jn den fashionablen TageSblältern laS man eine lange Liste der Gäste, welche bei Frau RootS Ballfest anwesend waren; man sprach auch von Wallys großartiger Schön­heit und von dem Aufsehen, das dieselbe hervorgerufen.

Manfred laS dies mit einen, bangen Empfinden, fühlte er doch immer mehr und mehr, daß ein Abgrund zwi- schen ihm und dem Mädchen sich auftue, der sich durch nicht» Überdrücken lasse.

Aber trotzdem umarmte er daS Mädchen innig, al» er am folgenden Tage in Frau Roots Salon trat.

Meine geliebte Wally, eS ist hart, Dich so selten sehen zu dürfen!" rief er beim Empfange.

Wally entwand sich sanft seinen Armen.DaS läßt sich nicht ändern, Manfred, und wir müssen unS noch in eine längere Trennung fügen." sprach sie mit etwas gezwun- ,S«nem Lächeln. . .

Kultusminister eine Verfügung erlassen. Es war viel­fach vorgekommen, daß sich einzelne Behörden noch längere Zeit der alten polnischen Benennungen be­dienten und daß besonders in Landorteu die Guts­und Gemeindevorstände sowie die Pfarrämter Siegel mit den alten Namen weiter benutzten. Solche Um­stände tragen vielfach dazu bei, daß die Landbewohner über die richtige Schreibweise der Ortsnamen-in Zweifel geraten, und daß in vorwiegend polnischen Ländesteilen die Bevölkerung die Auwendung der alten polnischen Benennungen mit Beharrlichkeit fortsetzt. Der Erlaß des Kultusministers ersucht daher die Vorsteher der Diözesen, dafür Sorge zu tragen, das sämtliche Be­hörden mit der anderweit festgesetzten Schreibweise gleichzeitig beginnen, und daß auch die Pfarrämter sich nur noch der neuen Ortsbezeichnungen bedienen. Wenn natürlich auch die katholischen Kirchenvorstände polnischer Zunge den Gebrauch der deutschen Ortsnamen auf den amtlichen Verkehr beschränken werden eine Ver­ordnung des polnischen Bischofs von Kulm macht aus­drücklich diesen Vorbehalt, so ist doch zu erwarten, daß der Zweck, den deutschen Bezeichnungen nach und nach auch im geschäftlichen und privaten Verkehr Ein­gang zu verschaffen, besser als bisher erreicht wird.

Der preußische Handelsminister hat dem Deutschen Landwirtsschaftsrat auf seine Beschlüsse in der dies­jährigen Plenarversammlung über die Kalilager mit­geteilt, daß der Anteil des Staates an der Förderung der Kalisalze durch den Erwerb kdes Kaliwerks der Gewerkschaft Hercynia in letzter Zeit eine erhebliche Verstärkung erfahren habe und hoffentlich demnächst durch Anlage einiger neuer Kaliwerke auf eigenen Gerechtsamen des Fiskus noch weiter werde vermehrt werden können. Die Frage der Einführung eines Kali­ausfuhrzolls habe durch den ablehnenden Beschluß der Steuerkommission des Reichstages Erledignng gefunden.

Der badische Oberkirchenrat hat den Entschluß gefaßt, die Abiturienten der Realgymnasien und Ober­realschulen zum Studium der Theologie zuzulassen. Ein badisches GemeindeblattDie Kirche" äußerte dazu seine unverhohlene Zustimmung; ob man dieselbe aber auch in andern Gemeinden teilen wird, bleibt mehr als fraglich.

Ausland.

(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agen- tur.) Ein Ukas des Kaisers vom 21. Juli verfügt die Auflösung der Reichsduma und die Einberufung einer neuen Reichsduma auf den 5. März 1907. Die Bestimmungen für die Vornahme der Neuwahlen sollen später veröffentlicht werden. Ein zweiter Ukas des

Wally, wa» meinst Du?" Er faßte so heftig nach ihrer Hand, daß er ihr beinahe wehe tat.

DaS Mädchen erblaßte; liebte er sie wirklich gar so innig, sie kam sich wie eine Heuchlerin vor.Ich wollte Dir nur erzählen, daß wir im Januar nach dem Aus­lande reisen und dort bis zum Frühling bleiben."

Nein, nein, Wally, das kann nicht sein; Du gibst zu diesem Plane Deine Einwilligung nicht."

O, Manfred, sei vorsichtig, sprich nicht so laut, wie könnte ich anders als einwilligen."

Du gehst also gern fort, Du verläßt mich freiwillig und widerstandslos auf lange Monate?"

Ich habe es Dir ja schon gesagt," erwiderte baS Mäd- chen mit Festigkeit;ich sehe auch gar nicht ein, warum Du mir deshalb zürnen solltest," fügte sie hinzu, indem sie stolz da» Haupt abwandte.Ich sehnte mich stets da­nach, eine Reise nach dem Kontinent zu machen."

Vielleicht habe ich nicht das Recht, Dich zu tadeln oder an Dir zu zweifeln, weil Du mich freiwillig verläßt, aber ich kann doch nicht umhin, zu sehen, daß Deine Tante um jeden Preis uns zu trennen wünscht. Wann ist denn dieser ganze Entschluß gefaßt worden?"

Einige Tage vor dem Ballfeste."

Und will sie uns auch verbieten, daß wir miteinan­der korrespondieren?"

Nein, o nein, Du glaubst doch nicht, daß ich mir die» gefallen ließe!" rief das junge Mädchen lebhaft.

Ehe Manfred antworten konnte, ging die Tür auf und zu Wallys Befriedigung trat Frau Root ein; sie emp­fing den jungen Mann mit großer Zuvorkommenheit, sah sie doch in ihm den Gast, den sie eingeladen hatte.

Die drei speisten zusammen und während der Mahl­zeit erzählte Frau Root, daß sie beabsichtige, sich zuerst vierzehn Tage in Paris aufzuhalten und dann in Italien viel länger zu verweilen.

Dabei fällt mir ein," fügte sie, zu Wally gewandt, hinzu,die Familie Gilman ist in Paris; ich darf nicht vergessen, sie aufzusuchen."

Kaisers enthebt den Ministerpräsidenten Goremykin seines Postens. An seine Stelle tritt der bisherige Minister des Innern Stolypin, der zugleich das Porte­feuille des Innern behält. Stadt und Gouvernement Petersburg ist durch Ukas des Kaisers in den Zustand des außerordentlichen Schutzes vesetzt worden. Ferner ist über das ganze Gouvernement Kiew, mit Ausnahme des Bezirkes Kiew, der Kriegszustand verhängt worden.

Infolge wiederholter Ausschreitungen ausständiger Arbeiter in Zürich und tätlicher Angriffe auf die Polizei und Arbeitswillige hat der RegierungSrat be­schlossen, zur Aufrechterhaltung der Ordnung ein Regi­ment Infanterie und eine Eskadron Dragoner heran- zuziehen und ein weiteres Bataillon Infanterie bereit zu halten.

Im englischen Oberhaus gab der Unterstaats­sekretär Lord Fitzmaurice bekannt, daß seitens der Bot­schafter der fremden Mächte beim griechischen Minister des Auswärtigen gemeinschaftlich mündliche Vorstellungen gemacht worden seien über die griechischen Banden, die in Mazedonien andauernd ihr Unwesen trieben, und denen an der griechischen Grenze Unterstützung und Ermunterung zuteil werde." Zugleich hätten die Bot­schafter der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die griechische Regierung nichts unterlassen werde, diesem gefährlichen Zustande ein Ende zu machen.

Der Verteidiger von Port Arthur, General Stössel, soll wegen Verrats zum Tode verurteilt werden. DieNowoje Wreuija" meldet, daß die Untersuchung wegen der Kapitulation von Port Arthur beendet ist. Der Bericht darüber soll dem Zaren in drei Wochen vorgelegt gerben. Die Kommission stellte fest, daß die Kapitulation der Festung ein schweres Verbrechen sei. Die Anklage fordert für General Stössel Ordens- und RangentNeidung und 20 Jahre Zwangsarbeit, für General Reiß Rangentkleidung und Deportation, für den Statthalter Alexejew, den General Smimow sowie einige andere Offiziere einen kaiserlichen Verweis.

Der japanische Kriegsminister hat beschlossen, die Zahl der Infanteriedivisionen um acht zu erhöhen. Außerdem sollen noch mehrere Bataillone schwerer Artillerie organisiert werden. Diese Waffengattung hatte Japan bisher nicht geführt. Die Armee wird im ganzen dreihundert schwere Geschütze erhalten; ferner sollen Genietruppen mit einer Luftschifferabteilung eingeführt werden.

Die Unruhen in Teheran (Persien) dauern fort. Als eine Anzahl Mullahs mit ihren Anhängern mit Voranlragung des blutbefleckten Hemdes eines ermordeten Seids einen Umzug zu veranstalten suchten, wurden sie daran von Truppen verhindert, die von den Mauern

Gilman, sind das nicht die Leute, von denen neulich Graf Albert Berg ziemlich wegwerfend redete?"

Gilman ist Hüttenbesitzer, aber trotzdem ein Mann auS guter Familie, dem ein großes Gut gehört."

Aber wahrscheinlich kein Familienbesitz, sondern ir­gend ein Gut, das er sich mit seinem Gelde leicht hat kau- fen können."

Nun," meinte Manfred ziemlich heftig,ein Mann, der sich Geld erwirbt, kann viel bester sein, als einer, der es nur erbt."

Bei Gilman ist beides der Fall; Howard Gilman ist von alter Familie und noch älterem Adel; selbst die Des- monds sehen darüber hinweg, daß Howard sich mit Eisen- Industrie zu schaffen macht."

Sind denn diese DesmondS gar so stolz?"

Von unbändigem Stolze, besonder» Kapitän Richard DeSmond."

Und doch würde er gewiß nicht Anstand nehmen, die Tochter eines Hüttenbesitzers zu heiraten, vorausgesetzt, daß sie ein bedeutendes Vermögen besitzt."

Wally glaubte auch nicht einen Augenblick daran, daß die» der Fall sein könne, aber sie schwieg, empfand sie doch eine instinktive Scheu davor, in Richard» Verteidigung allzu warm und lebhaft zu werden.

Kurz bevor sich Manfred entfernen sollte, ließ Frau Root die beidenjungenLeuteeineWeile allein.

Kurze Zeit schwiegen beide, dann umschlang Manfred daS junge Mädchen und flüsterte:Du wirst mir treu bleiben, Wally, nicht wahr? Trotz allem und allem!"

Ach, Manfred!" hauchte sie mit pochendem Herzen.

Ja, ja, ich weiß," unterbrach er sie rasch,ich sollte an Dir nicht zweifeln, aber es gibt eben gar so viele Dinge, durch welche Du mir geraubt werden kannst!"

So viele?" Wally preßte die Hand an die Stirne.Du glaubst also, daß Reichtum und da» Wohlgefallen am Glänze meine Empfindungen verändern könnten?"

Ich fürchte, ja.Wally, nmsomehr, al» ich ja, im Grunde genommen, Deiner nicht wert bin/ 128,18