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SchlWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 56.

Samstag, den 14. Juli 1906.

57. Jahrgang.

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Herzlich Willkommen!

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Allen lieben Gästen aus Nah und Fern, ehrlich und aufrichtig ist dieser Gruß gemeint. Fast 30 Jahre sind vergangen, wo ein ähnliches Fest wie das gegenwärtige hier gefeiert wurde, deshalb so herzlich unser Willkommensgruß, so freudig bewegt die Feststadt Schlächtern. Daß in den letzten 30 Jahren auch die Landwirtschaft auf allen Gebieten gewaltig fortgeschritten, daß sie sich alle Hilfsmittel, welche ihr Wissenschaft und Technik gebracht hat zu Nutzen machte und machen muß, wenn sie in dem Existenzkampf nicht unterliegen will, steht wohl fest, daß aber auch fortwährende Anregungen und Belehrungen nichts schaden, wer wollte solches bezweifeln? Die in jedem Jahre einmal stattfindende General-Versammlung des Vereinsausschusses unserer Landwirtschaftskammer, womit eine Bezirks-Prämien-Tierschau und Aus­stellung von landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten verbunden wird, soll nun jedem Landwirt, auch demjenigen, welcher sonst nicht über die Grenzen seines Heimatkreises hinaus kommt, Gelegenheit geben, zuHören" und zuSchauen", um seine Kenntnisse aufzufrischen und zu bereichern. Auch an Unterhaltungen und Erfrischungen während und nach der Arbeit soll, darf und wird es nicht fehlen. So hoffen und wünschen wir denn, daß einem jeden unserer verehrten Gäste etwas geboten wird, an dem er sich erfreuen kann.

Deutsches Reich.

. Seine Majestät der deutsche Kaiser hat durch den deutschen Gesandten aus Christiania seine Be­friedigung aussprechen lassen, über die ihm während seines Besuches in Drontheim von allen Seiten zuteil gewordenen Aufmerksainkeiten.

Folgende Auszeichnungen aus Anlaß der Ver­abschiedung des Schulunterhaltungsgesetzes sind vom Kaiser verliehen worden: Kultusminister Dr. Studt hat den Schwarzen Adlerorden und der Ministerial­direktor Wirklicher Geheimer Ober-Regierungsrat D. Schwartzkopff den Königl. Kronenorden 2. Klasse mit dem Stern und Brillanten erhalten.

Im. preußischen Herrenhause teilte am Sonn- abend vergangener Woche der Präsident mit, daß der Kaiser in einem Telegramm aus Bergen für die ihm -zum Ausdruck gebrachte, freundliche Teilnahme des .Herrenhauses an der Geburt eines Enkels seinen Dank /ausgesprochen und daß auch der Kronprinz ein Dank- telegramm gesandt habe. Das Haus nahm zunächst den Gesetzentwurf, betr. die Zulassung einer Ver­schuldungsgrenze für land- oder forstwirtschaftlich ge­nutzte Grundstücke in der vom Abgeordnetenhaus ab­geänderten Fassung an. Es folgte dann die einmalige

Schlußberatung des vom Abgeordnetenhause wieder zurückgekommenen Schulgesetzes. Dieses wurde unter Ablehnung aller eingebrachten Abänderungsanträge mit überwiegender Mehrheit und ohne Aenderung ange­nommen.

Das preußische Abgeordnetenhaus befaßte sich am Sonnabend vergangener Woche in seiner kurzen Sitzung zunächst mit einer Wahlprüfung. Bei der Wahl des Abg. Dr. Jderhoff (freik) beantragte die Kommission die Ungültigkeitserkärung bezw. Zurück- verweisung an die Kommission. Jedoch erübrigte sich eine Abstimmung, da Dr. Jderhoff schriftlich die Nieder- legung seines Mandats anzeigte. Darauf erledigte das Haus noch einige Petitionen. Mit einem dreifachen Hoch auf den König wurde die Sitzung geschlossen. In der gemeinsamen Schlußsitzung beider Häuser im Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses um 4 Uhr verlas Staatsminister Graf Posadowsky die Königliche Ver­ordnung, die die Sitzungen beider Häuser für geschloffen erklärte. Nach einem dreifachen Hoch auf den König war die kurze Feier beendet.

Die Württembergische Verfassungsreform ist nunmehr endgültig angenommen worden. Das Gesetz wird am 1. Dezember in Kraft treten. Unter der

Ueberschrift:Stolz weht das Banner gelb und weiß!" schreibt die Warendorfer ,Mestf. Rundschau", das ein­zige außerhalb Honnovers erscheinenden Welfenblatt, aus Anlaß des Langensalza-Gedenktages:Freudig grüßen wir die Schar der Sieger von Langensalza, denen es noch vergönnt ist, den 40jährigen Gedenktag der Schlacht zu feiern, die den Siegeskampf noch heute mi/ den Waffen des Geistes weiterkämpfen. Ja, der Kampf um unseres angestammten Fürstenhauses und unseres Volkes Rechte ist ein immerwährendes Langen- salza, und viele der Tapferen, die damals den Sieg an Althannovers glorreiche Fahne hefteten, sind uns auch in diesem Kampfe die Vorbilder in Treue und Hingebung. Ihr Wirken ist nicht vergebens gewesen, eine neue Generation ist ihnen zur Seite getreten I Und wenn dereinst der letzte Sieger von Langensalza die Augen schließt, so kann er es tun in der erhebenden Gewißheit, daß eine neue hannoversche Armee auf dem Plane steht, die nimmer ablaffen wird vom Geistes­kampfe, bis das gelb-weise Banner wieder frei über Hannover weht!" Es schreibt ein im Herzen der alten preußischen Provinz Westfalen erscheinendes Blatt, das übrigens in seinen Spalten noch immer unentwegt und unbekümmert um Geographie und Geschichte die Rubrik Königreich Hannover" führt.

In Ketten der Kieve.

Roman von Seta v. Starkenstein. 18

Wally zuckte errötend zusammen; wäre sie eine Welt- dame gewesen, anstatt eines jungen Mädchens, das den ersten Schritt in die Welt tat, so würde sie sich vielleicht geschmeichelt gefühlt haben durch seine ganze Art. So aber, und besonders in ihrer gegenwärtigen reuevollen Stimmung in Bezug auf Manfred, dünkte es ihr wie ein Unrecht, dem Kapitän die Tatsache vorzuenthalten, daß jener ihr mehr sei, als nur ein Jugenfreund; und indem sie nervös mit ihrem Fächer spielte und sich von ihm ab- wandte, entgegnete sie im Flüsterton:Aber er, er ist nicht nur ein Jugendfreund, daS heißt, ich will sagen, ich meine, wir sind verlobt."

Sie hatte nicht sehr würdevoll gesprochen, da» fühlte sie, aberRichard DeSmond war es ganz gleichgültig, in wel­cher Form ihm diese Mitteilung wurde, da er sie nur über­haupt anhören mußte.

Ihre eigenen Lippen sagten ihm, daß sie mit Manfred Lister verlobt sei und seine ganze Selbstbeherrschung hin­derte es nicht, daß er weiß ward bis in die Lippen und sich mehrere Minuten lang unfähig fühlte, auch nur ein einziges Wort hervorzubringen.

Sie sind mir doch nicht böse, Kapitän DeSmvlL;ich wüßte aber wirklich nicht, weshalb ich meine Verlobung geheim halten sollte," sprach sie mit etwa» unsicherer Etiinme.

Böse? Nein, Sie sind gütiger mit mir,als ich e» ver­diene, denn ich kann ja keinen Anspruch erheben an die Vorrechte der Freundschaft."

O doch, da» können Sie," stammelte Wally mit eini­ger Verwirrung.

Dann," sprach DeSmond in erzwungenem leichten Tone,dann gestatten Sie mir auch, von diesem Vorrechte Gebrauch zu machen und Sie zu bitten, den Versuch wa­gen zu sollen, alles zurückzudrängen, was Sie bekümmert, um nur glücklichzu sein; Siesindja zujung, um zuleide«."

Er bot ihr den Arm und führte sie in die Reihen der Tanzenden; sie aber fühlte, daß Tränen in ihre Augen traten und die glücklichste» Augenblicke des heutigen Abend» der Vergangenheit angehörten.

Im Verlaufe des Abends erlangte auch Manfred seine gute Laune wieder, und als er Wally zum zweiten Tanz führte, bat er sie herzlich um Verzeihung, wegen der Hef­tigkeit, welche er an den Tag gelegt.

Wally fühlte ihr Herz nicht erleichtert, und erst als sie nochmals mit Kapitän DeSmond tanzen konnte, war sie wieder glücklich.

Der Morgen begann zu tagen, als der Ball endete und Frau Jermingham Wally lächelnd fragte, ob sie mit den Triumphen zufrieden sei.

Ich weiß nicht, ich denke wohl, daß ich alle Ursache dazu habe," entgegnete sie, ebenfalls lächelnd.

Manfred hatte sich entfernt und Kapitän DeSmond brächte Wally den Mantel und die sonstigen Hüllen.

Elfen sind eine Seltenheit, Sie müssen deshalb beson­dere Sorgfalt für sich an den Tag legen," flüsterte er ihr mit gütigem Lächeln zu, während er sie zu dem Wagen führte.Gestatten Sie mir, Ihnen zu sagen, wie ich von ganzer Seele wünsche, daß Sie recht, recht glücklich wer­den mögen, Gott behüte Sie, mein Kind, gute Nacht."

DaS waren die letzten Worte, welche Wally für lange, lange Zeit von Richard DeSmond» Lippen vernommen und sie fühlte sich unfähig, auch nur ein einziges Wort der Entgegnung zu stammeln, oder ihm einen Blick zuzu- werfen.

Er hob sie in den Wagen, schüttelte dem General und seiner Frau die Hand und kehrte dann, nachdem er dem Wagen nachgeblickt, so lange er ihn nur irgend sehen konnte, allein in die Kaserne zurück, allen Kameraden auswei­chend, da er sich durchaus nicht in der Stimmung fühlte, mit irgend einem derselben zu sprechen.

Wenige Stunden nach dem in Heiterkeit und Frohsinn beschloffenen Ballfeste herrschte rege» Leben in den Ka­sernen von Donnington, denn das Regiment hatte Marsch­befehl bekommen und mußte binnen wenigen Stunden die Stadt verlassen, um sich nach Egypten einzuschiffen.

Als Wally am Nachmittage im Garten saß und sich vergeblich bemühte, die Tränen au» ihren Augen zurück­zudrängen und ihre Gedanken von Richard DeSmond fern­zuhalten, sah sie eine Ordonnanz dahersprengen; sie eilte auf den Mann zu, der ihr einen Brief übergab.

Von Frau Jermingham, gnädige» Fräulein," berich­tete er, gab seinem Pferd die Sporen und sprengte wie­der schnell davon.

Wally erblaßte, warum hatte der Mann «» gar so eilig, mußte das Regiment fort ? Mit zitternden Fingern öffnete das Mädchen das Schreiben; e» war offenbar in größter Eile hingeworfen und lautete:Mein liebe» Kino! Ich habe kaum die Zeit, hastig einige Zeilen an Sie auf da» Papier zu werfen; unser Regiment muß nach Egypten und hat den strengsten Befehl, bereit» in einer Stunde die Stadt zu verlassen; ich selbst gehe nach Alexandrien und werde, sobald e» mir möglich ist, schreiben. Kapitän DeSmond beauftragte mich, Ihnen seine herzlichsten Grüße und die besten Wünsche zu senden; mein Mann schließt sich denselben an. In treuer Freundschaft Ihr« Aline Jer­mingham." 138,18

Wally stand regungslos da. Sie waren fort .. Herz- lichste Grüße und beste Wünsche von DeSmond .. unoda» hatte er ihr nur sagen lassen! Und wa» hatte er ihr im Grunde sagen können, sagen dürfen. Vielleicht würde sie ihn nie mehr sehen, nie mehr in den langen Jahren, welche sie in menschlicher Voraussicht noch zu durchleben hatte.

Langsam kehrte sie in daS Haus zurück, langsam ging sie in ihr Zimmer; dort sank pe vor ihrem Bette in die Knie und schluchzte als ob ihr Herz brechen müsse. In dieser Stunde hat sie ihre Kindheit für immer abgestreift, sie die gefeierte Ballkönigin vom verflossenen Abend.