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steigerung erfahren, durch englische und holländische Spekulationen, sodaß sich das Wiedereinsammeln des zinnhaltigen Materials wohl verlohnen dürfte.

* Die katholische Schulstelle zu Kerbersdorf ist zum 1. September d. I. neu zu besetzen. Das Grund­gehalt beträgt neben freier Wohnung 1000 Mk., der Einheitssatz der Alterszulage 120 Mk. Geeignete Be­werber wollen ihre mit den erforderlichen Zeugnissen versehenen Meldungen innerhalb 14 Tagen an den Königlichen Ortsschulinspektor, Herrn Dechant Azert zu Romsthal, einreichen.

* An Stelle des aus dem Amte geschiedenen Beigeordneten Bartholomä in Vollmerz ist der jetzige Bei­geordnete Bender daselbst zum Stellvertreter des Standesbeamten für den Standesamtsbezirk Vollmerz, ernannt.

* Versetzt: Der Förster Daume zu Wüsteusachsen vom 1. Juli d. I. ab auf die FörstersteUe Oberzell-Ost, Oberförsterei Oberzell.

* Die großen Rutschungen und Bodensenkungen auf dem Bahnhöfe Elm sind nunmehr zu etwa 8A wieder hergestellt, auch die Geleise in ihre ursprüng­liche Lage zurückgebracht worden. Um nach Möglich­keit zu verhüten, daß abermals gefährlicho Senkungen eintreten müssen die Arbeiten mindestens noch 68 Monate fortgesetzt werden. Die Elmer Rutschung kostet den Staat mehr wie 1 Million Mark.

* In den Basaltwerken der Gebr. Rouselle in Dietesheim bei Hanau vernichtete ein Brand das große Menagehaus, in dem 40 Italiener mit Frauen und Kindern einlogiert waren. Die Italiener konnten kaum das nackte Leben retten. Der größte Teil ihrer Habseligkeiten ist verbrannt.

* Die Gendarmen von Mainz gaben Samstag Nachmittag durch die Fenster der Mühl^ des alten Themas in Niedersaulheim eine Anzahl Schüsse ab. Thomas stüchtete von einem Zimmer in das andere und schoß mehrmals auf die Gendarmen. Als er sah, daß sein Widerstand vergebens war, und ein Enkel­kind dem alten Manne zusprach, sich doch freiwillig zu stellen, erschien er mit erhobenen Armen vor der Mühle und ließ sich fesseln. Morgen erfolgt die Ueberführung ins Irrenhaus nach Heppenheim.

* 26. Lahnkal-Sängerbundesfest vom 7.-9. Juli zu Gießen Am letzten Donnerstag hat der Ge- schästsführende Ausschuß in längerer Sitzung das Fest-Programm zusamulengestellr. - Samstag, dem 7. Juli, abends 7/, Uhr, wird das Fest durch großen Zapfenstreich eingeleitet. Von 8 Uhr ab ist große Eröffnungsfeier mit Konzert und Gesangsvorträgen. Hierbei wird dem Festbesucher Gelegenheit geboten, Piassenchöre der Gießener Gesangvereine anzuhören. Am Fest-Sonntag wird nach dem üblichen Weckruf und dem Empfang der auswärtigen Bundesvereine und deren Einzug mit Musik in die Stadt von 9 Uhr ab in der Turnhalle des Turnvereins das Einzelwett- singen der Bundesvereine stattsinden. Den Freunden eines guten Männergesanges empfehlen wir den Besuch dieser Programmuummer Gegen Mittag, von/sl2 Uhr ab, wird die Generalprobe über die Bundesvereine abgehalten. Festdirigent Görlach ist schon seit Wochen bemüht, den eiiizAwsn-Be reinen in ihren Vereinslokalen in der Auffassung und Ausführung der ein.einen Lieder Anweisung zu erteilen, damit eine gleichmäßige Vortragsweise herrsche. Am Nachmittag wird der Festzug sich bewegen, der ebenfalls Zeugnis geben wird, | welches Ansehen der Lahntal-Sängerbund in Gießen!

und dem ganzen Bezirk, wo Vereine ihm angehören, besitzt. Im weiteren Beilauf kommen sämtliche Ge­sänge, welche vormittags in der Turnhalle vor einem Preisrichterkollegium aufgeführt wurden, nochmals in der Turnhalle vor dem Publikum zum Vortrage. Am dritten Festtag, Montag-Abend, werden turnerische Aufführungen und ein großes Brillant-Feuerwerk geboten. Es ist bereits das 4. Mal, daß derselbe Bund seine gesamten Mitglieder nach Gießen zu einem Bundesfest vereinigt; die gesamte Bevölkerung bereitet den Sängern das Fest mit vor, damit es das wird, was es sein soll ein wahres Volks- und Sänger­fest, auf welchem das deutsche Volkslied zu Ehren kommt.

* Auf der Grube Bautenberg bei Neuukirche» wurden zwei Bergleute aus Steinbach infolge eines zu früh losgegangenen Sprengschusses schwer verletzt.

* Ein kürzlich von Südwestafrika heimgekehrter Krieger namens Kläs aus Oberroßbach bei Dillenburg wurde plötzlich irrsinnig und mußte in eine Heilanstalt gebracht werden.

* Die neu erbaute Eisenbahnstrecke Hüufeld-Vacha- Gerstungen wird gutem Vernehmen nach bereits anfangs Oktober dem Betriebe überleben werden können, so günstig schreiten die Bauarbeiten fort.

Vermischter.

Vergiftete Blutapfelsinen. In einem Orte an der mittleren Werra erkrankte plötzlich eine junge Frau nach dem Genusse von Apfelsinen. Aus den erbrochenen Speiseresten erkannte der herbei erufene Arzt, daß die Ursache des Krankheitsanfalles in bem Verspeisen einer sogenannten Blutapfelsine zu suchen sei. Belrügerischer- weise werden durch Einspritzen von roter Farbe gewöhn­liche Apfelsinen in Blutapfelsinen, die im Preise höher stehen, umgewandelt. Die allzureichliche B rforgung dieser genossenen Frucht mit Rotfarbe hat diesen Ver» giftungsfall herbeigeführt. Durch das sofortige Ein­greifen des Arztes wurden schlimmere Folgen verhütet. Doch wird die Angelegenheit ein gerichtliches Nachspiel haben.

Um 11 Mark ermordet Wie man aus Trier telegraphiert, wurde in Lünebach in der Eisel ein Invalide auf offener Straße erwerbet und seiner eben erhobenen, 11 Mark betragenden Pension beraubt. Der Haupttäter ist verhaftet

In Unlermeiderich bei Essen a Ruhr erschoß ein Bergmann seinen Vater aus Eifersucht. Der Mörder teilte sich selbst. Auf der Strecke Moers Hainberg wurden einem Unbekannten, der sich im Schlafe zwischen die Schienen gelegt hatte, beide Beine abgefahren. Der Verletzte starb in kurzer Zeit.

In Gotha wurde auf der Chaussee nach Eise­nach ein Kind von 2 französischen Automobilisten über fahren. Es erlitt einen Schenkelbruch und Kopfwunden. Die Franzosen hinterlegten eine Kaution von 1600 Frank und fuhren nach Eisenach weiter.

In der Trunkenheit nach vorangegangenen! Streit schlug der städtische Arbeiter Oskar Holzheim in ©beneid) mit einem Hammer auf seine 49jährige Ehefrau e u, daß diese bewußtlos zusammenbrach. Dann stieß er ü h ein Dolchmesser von hinten in den Hals und verletzte sitz die Schlagader so, daß er nach kurzer Zeit verblutete. Die Ehefrau ist schwer, jedoch näht lebe isgefähtlich, verletzt. Aus einem Vorgefundenen Zettel geht hervor, daß Holzheim die Tat mir Ueber lrgung ausgeführt hat

In Apfelstadt bei Gotha sind nach dem Genuß von Erbsen, die versehentlich mit Arsenik statt mit Natron gekocht waren, zwei Personen gestorben und fünf erkrankt.

In Dscheddah-Konstantinobel, ist die Pest aus­gebrochen. Bisher wurden amtlich 11 Fälle, darunter ein tötlicher festgestellt. Die Pest ist aus Indien ein= geschleppt worden.

Eines Hundes wegen geriet der verheiratete Schuhmacher Heinrich Greiner aus Hoeheischweiler mit seinen ledigen Brüdern Joseph und Friedrich Wiehn, beide Maurer aus Fischbach, in Streit und zog das Messer. Friedrich Wiehn blieb tot am Platze, Joseph Wiehn wurde tödlich verletzt Grciner wurde verhaftet.

Umfangreiche Haserdiebstähle wurden lautSot« Anz." bei der 1. Batterie des 3. Feldartillerieregiments in München entdeckt. Ein Unteroffizer, ein Gefreiter und ein Gastwirt, letzerer als Hehler, wurden verhaftet.

Durch den Gebrauch von Spiritus beim Feuer- anmachen verbrannte sich eine Frau in Magdeburg lebensgefährlich. Ihre Tochter, die zur Hilfe eilte, wurde gleichfalls schwer verletzt.

Der reichste Mann der @rbe", D. Rockefeller, Präsident der Standard Oil Comp., ist mit derDeutsch­land" in Cherbourg gelandet und bat sich zunächst nach Paris begeben. Er wird für die nächste Zeit in Hamburg erwartet, auch will Rockefeller in Geschäften nach Berlin kommen. Vorher soll er die Absicht haben, nach London und Amsterdam zu reisen, um mit der Shell-Linie und der Koningtijke Petroleum-Maatschappij zu verhandeln.

Antwerpen. Der DampferMeuse", der von d-r spanischen Küste kam, ist in der Nacht vom Mitt­woch auf Donnerstag gesunken; er ist von einem großen Panzerschiff angecannt worden. 10 Personen sind ertrunken, 5 gerettet.

Ueber die hohen Vieh- ntib Lebensmittelpreise in Deuffch-SUdwestafrika wird aus Gindhuk berichtet, daß eine Milchkuh jetzt mindestens 350 M. kostet gegen 16 bis 200 M vor dem Aufslande. Die Truppe verkauft das Kilo Fleisch gegenwärtig mit 1,80 Mark gegen 70 Pfg früher. Schweinefleisch, das schon immer eine Delikatesse war, muß mit 3 bis >,50 M. bejahst werden für das Pfund, das Dutzend Eier mit 5 bis

6 M Nur GemiUe ist mit 40 P'g da? Pfund billig.

Der erste weibliche Apoteker Deutschlands Die junge Frau eines Apothekers, bestand an der Karls­ruher Hochschule das Staatsexamen mitsehr gut".

Am Bahnhöfe in Arpajon bei Paris ereignete sich ein furchtbarer Unglücksfall. Der Stationsvorstand Chauvelin wollte eine Frau, die trotz des Herannahens eines Zuges mit ihrem Kinde das Gleis überschritt, zurückhalten. Er wurde samt der Frau und dem Kinde von dem herannahenden Zuge erfaßt ; alle drei Per­sonen wurden zermalmt.

- Bei bem Transport eines 000 Zentner schweren Kessels vom Bahnhöfe in Philippstal nach dem Schacht der Gewerkschaft Sstchfen Weimar in Unterbreigbach, schlug der Wagen, vor ben gegen 20 Pferde vorge­spannt waren, um. Dabei kamen zwei Pfrde unter den Kessel zu liegen, wobei das eine sofort tot war, während das andere so schwer verletzt wurde, daß es sofort ge­lötet werden mußte. Glücklicherweise kam kein Menschen­leben dabei zu Schaden.

- Eine freudige Nachricht ist vom deutschen Konsulat in New-Nock bei dem Schenklengsselder Bürgermeister­amt eingetroffen Der vor vielen Jahren von Schenkten.F

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Aa Kelten der Kieve.

Roman von Seta v. Starkenstein. 9

Bringen Sie eine Tasse recht warmen Tees,"sprach Die Frau des Generals zu ihrer Zofe,und dann wollen wir sehen, welche Gegenstände aus meiner Garderobe sich mr die junge Same eignen; eS dürfte nicht leicht sein, Pas- endes zu finden," fügte sie mit einem lächelnden Blicke auf die elfenhafte Gestalt Wallys hinzu.Ich habe keine Töchter und meine Kleider dürsten Ihnen schwerlich pas­sen "

Wally hüllte sich also zunächst in einen Frisiermantel, während Frau Jermingham Umschau hielt nach einer auch für den Salon sich eignenden Toilette. Nach einer Weile kehrte sie denn auch, während das Mädchen noch behagt lich den wärmenden Tee schlürfte und die Zofe damit be­schäftigt war, die zierlichen Füße zu bekleiden, mit einem hübschen Gewände zurück.

O, gnädige Frau," rief Wally errötend,ich wollt«, Sie würden sich nicht gar so sehr meinetwegen bemühen, daS macht mich ganz unglücklich."

Unsinn, ich wollte, ich könnte Sie bester versorgen, diese Robe ist eigentlich abscheulich, sie hat nur den einen Vorteil, daß sie weit ist, und daher mit einem Gürtel- bande um die Mitte in Falten gezogen werden kann. Ist daS Kleid lang genug? Ja, ich sehe schon, daß e» paßt, Sie sind zwar größer als ich, da ich aber viel stärker bin, je gleicht sich das aus."

Das Gewand war von dunkelroter Färbung und hob Wally- weißen Teint auf das vorteilhafteste und paßte prächtig zu den schweren Flechten goldschimmernden Haa­res.

Sie wisten gar nichts von mir und kommen mir so freundlich entgegen, gnädigeFrau," sprach das junge Mäd- chen, mit anmutigem Erröten.Sie wollen mir ja gar nicht gestatten, daß ich Ihnen sage, wer ich bin und wo­her ich tymme."

A m bevor Sie umgekleidet unb erwärmt sind, mein Kind! Nun, während Sie Ihren Tee trinken, können Sie mir erzählen, ivas Sie für nötig erachten und dann führe ich Sie in den Salon, um Sie mit meinem Manne be­kannt zu machen; auch Kapitän Desmond wird zweifels­ohne bald zurückkehren."

Sie zog daS Mädchen neben sich auf ein Sofa und er­faßte deren beide Hände.

Wally küßte in dankbarer Bewegung die schlanken Fin­ger, welche so liebevoll sich ihr entgegengestreckt hatten. Wie gütig Sie mit mir sind," sprach sie mit leise vibrie­render Stimme.

Mein Kind, ich werde Sie ernstlich schelten müssen, wenn Sie über ganz natürliche und selbstverständliche Dinge ein solches Aufheben machen; nun erzählen Sie mir aber, ob Sie eine verwunschene Prinzessin oder eine Waldelfe sind."

Ich bin Wally Gerhard, die Tochter des Majors Lud- wig Gerhard," berichtete daS Mädchen lachenden Mundes.

Die Tochter des MajorS Gerhard," rief Frau Jer- mingham, indem sie ihren Arm um die Mitte des Mäd­chen« schlang und es liebevoll küßte;dann sind Sie mir keine Fremde, mein liebes Kind, sondern ein Kamerad; zwar kannte ich Ihren Vater nicht persönlich, aber sein Name wurde in lobendster Weise unzähligemal vor mir genannt; kein Wunder, daß Sie hübsch sind, Ihre Mutter war ja eine Schönheit, von der alle Regiments-Kameraden Ihre» Vater» schwärmten; Sie müssen ihr ähnlich sehen."

Wally sah die Sprecherin verwundert an.O nein, gnädige Frau, ich glaube nicht," stammelte sie endlich ver­wirrt.

Pah, Sie sind noch ein Kind," lächelte Frau Jer- minghani, belustigt über die Verlegenheit des Mädchens Und was taten Sie denn, wenn man fragen darf, als Kapitän DeSmond Sie auf der Straße fand? Banden Sie Elsenringe?"

Nein, da» kann nur im Mondenschetn geschehen," «nt-

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gegnete das Mädchen ernsthaft,ich kam von Welfort, wo ich mit meinem Oheim lebe und der Sturm hat mich aus dem Wege nach der Stadt überrascht."

Desmond hat Sie zu sich auf den Sattel genommen, da» sieht ihm ähnlich," lachte die Generalin.

Ja, er tat es allerdings; in die Stadt selbst sind wir aber doch zu Fuß gekommen."

Ein vollendetes Abenteuer! Hat es Ihnen nicht un­geheuer viel Spaß gemacht?"

Ja, es war, nachdem die erste Angst überwunden, wirklich recht komisch," gestand Wally lachend zu;aber Kapitän Desmond muß sich seine ganze Uniform verdor­ben haben, denn er bestand darauf, mich in seinen Man­tel zu hüllen."

Frau Jermingham erhob sich und trat an» Fenster. Machen Sie sich nicht» daraus, mein Kind," sprach sie lächelnd;Desmond ist es ganz einerlei, wenn er sich auch fünfzig Uniformen verdirbt, sobald eS sich um einen Rit­terdienst handelt. Aber was ist e» mit dem Onkel, bei dem Sie wohnen, mein Kind? Wird er Ihretwegen nicht in Angst und Sorge sein ?"

Ja, aber ich kann ihm keine Botschaft senden. Kapi­tän Desmond wollte eine Ordonanz nach Welfort schicken, aber bei solchem Wetter konnte ich eS doch nicht zugeben; vielleicht wird der Sturm in einer Weile nachlassen."

Ist e» nicht der Fall, so werden Sie sich doch fügen müssen, mein Kind, denn Desmond versteht es immer, fei» nem Willen Geltnng zu verschaffen."

Er sieht danach aus," entgegnete Wally mit der gan» zen naiven Unbefangenheit eines jungen Mädchens.

Nicht ivahr, das finde ich auch; Sie müssen wissen, daß er zu meinen ausgesprochenen Lieblingen gehört; übrigens mögen alle jene, welche ihn kennen, den jungen Mann gern leiden; seine Soldaten gingen für ihn durchs Feuer Nun aber wollen wir uns in den Salon begeben."

Wally folgte ihrer gütigen Gastgeberin in ein mit ele­gantem Behagen ausgestattetes Gemach. 128,18