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erledigt. Die Kommissionsbeschlüsse wurden nur in­soweit geändert, daß auf Antrag des Abg. Büsing (natl.) der Zeitpunkt einer regelmäßigen Schuldentilgung erst vom Jahre 1908 beginnen soll. Am Millwoch wurde zunächst das Reichskassenscheingesetz in zweiter Lesung erledigt. Dann folgt" die Beratung der Reso­lutionen zu den Steuergesetzen, zunächst der Resolution der Kommission auf Reform der Branntweinsteuer, die gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemo- kraten angenommen wurde. Schließlich wurde mit der Beratung der Resolution auf Erhöbung der Einnahmen aus der Reichspost durch Beseitigung des Ortsportos für Postkarten und Drucksachen sowie anderweite Fest­setzung der Gebühren für Zeitungsbeilagen begonnen.

Das preußische Abgeordnetenhaus beschäftigte sich am Dienstag vergangener Woche zunächst mit der dritten Beratung , des Antrages des Abg. Frhrn. von Zedlitz (sreikons) aus Abänderung des Kommunalab- gabengesetzes in der Richtung der stärkeren Heranziehung der Betriebsgemeinden zu den Lasten der Wohnungs­gemeinden, der nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen wurde. Bei der vekundärbahnvorlage, die in zweiter und dritter Lesung erledigt wurde, führte sich der neue Minister der öffentlichen Arbeiten Breiten­bach mit einer Ansprache ein, in der er versprach, in den Bahnen seines Vorgängers wandeln und sich be« mühen zu wollen, die Staatseisenbahnverwaltung auf ihrer Höhe zu erhalten. Er schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, bei dem Hause stets Unterstützung für seine Tätigkeit zu finden. Das Haus nahm seine Ausführungen mit lebhaftem Beifall auf. Schließlich wurden Petitionen erledigt. Am Mittwoch wurde der Gesetzentwurf über die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst in zweiter und dritter Lesung an­genommen, desgleichen die Vorlage betr. den Erwerb des KalisalzbergwerkesHercynia" durch den Staat. Im Laufe der Debatte erklärte Handelsminister Delbrück die Befürchtungen, daß ein staatliches Monopol für Kali und Kohle geschaffen werden solle, für hinfällig. Den Beschluß der Verhandlnngen bildete die zweite Beratung des Knappschaftsgesetzes, das nach den Kommiffionsbeschlüffen angenommen wurde.

Der Bundesrat hat die Diätenvorlage nach den Beschlüffen des Reichstages, welche der Regierungs­vorlage eine etwas veränderte Fassung gaben, ange­nommen. Die Regierung verlangte Aufhebung der Minimalziffer für Beschlußfähigkeit bei geschäftlichen Abstimmungen. Diese Forderung hat die Regierung fallen laffen. Ferner ist für das einmalige Fehlen eines Abgeordneten ein Abzug von 20 Mark festgesetzt, während die Regierungsvorlage 30 Mark vorschrieb.

Ausland.

Die Gefangennahm des Hottentottenführers Morenga ist nunmehr auch amtlich bestätigt worden. Er hat sich mit sieben Mann der Kap-Polizei gestellt und soll nach Uppington gebracht werden. Die aus den kleinen Karrasbergen ausgebrochene Hottentotten­bunde hat sich, wie zu erwarten stand, in südlicher Richtung nach der unwegsamen Gegend des großen Fischflusses gezogen. Die von allen Seiten folgenden Truppen haben festgestellt, daß am 10. Mai Johannes Christian, Morris und ein dritter Führer namens Vielding bei Rofinbusch am großen Fischfluste vereinigt waren.

Die deutschen Städtevertreter in England sind im Buckingham-Palcfft vom König Eduard in Privat- audienz empfangen worden. Der König äußerte hierbei zu Lord Lyvedon, daß er von dem Arrangement des Besuches sehr befriedigt sei. Er schüttelte jedem einzelnen

^dmatfM*

In Heft 2 der Mitteilungen desBundes Heimat­schutz" finden wir einen beachtenswerten Erlaß des hessisch. Großherzogl. Ministeriums der Finanzen, Abteilung für Forst- und Dominalverwaltung wieder­gegeben, der zur Nachahmung dringend empfohlen werden kann. In dem Erlasse heißt es:

Zwar sind unsere Waldungen glücklicherweise reich an Beispielen dafür, daß von altersher Waldschönheit und Waldschönheitspflege dem hessischen Forstwart vertraut gewesen sind; es läßt sich jedoch nicht verkennen, daß die Neuzeit immer gebieterischer die allgemeine Beachtung forstästhetischer Grundsätze bei der Waldbewirtschaftung fordert. In einer Zeit, in der die Erhaltung und Pflege der Naturdenkmäler Gegenstand der Landesgesetzgebung geworden ist, würden notorische Verstöße gegen die Waldschönheits­pflege in weiten Kreisen peinlich empfunden; die ab­fällige Kritik trifft dann weniger die einzelnen, als die Forstverwaltung überhaupt. Deshalb ist es geboten, daß sich die Oberförstereien bei jeder forstwirtschaft­lichen Maßregel darüber Rechenschaft ablegen, wie sie inbezug auf Waldschönheit wirken werde. Starre Regeln sollen dabei nicht vorgeschrieben werden; ander­seits darf die Waldschönheitspflege auch nicht zu einer unrentablen Parkwirtschaft ausarten oder zu Künste­leien führen. Es muß dem Forstwart stets vor Augen

von den deutschen Gäste» die Hand und gab im Gespräch mit ihnen seiner großen Freude darüber Ausdruck, daß sie den Buckingham-Palast und Windsor besucht hätten.

Wieder steht eine italienische Ministerkrisis in Aussicht. Der italienische Ministerpräsident Sonnino erklärte in der Deputiertenkammer, daß das Ministerium infolge der letzten Abstimmung in der Kammer dem König seine Demission überreicht und der König sich seine Entscheidung vorbehalten habe. Das Kabinett werde zur Erledigung der laufenden Geschäfte und zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung einstweilen an seinem Platze bleiben.

Ueber die Veranlassung zur portugiesischen Ministerkrisis wird gemeldet, daß der portugiesische Ministerrat einmütig beschlossen hatte, die Vertagung der Kortes bis zu einem gelegeneren Zeitpunkte zu verlangen. Der König erwiderte, er könne sich mit dem Anträge der Minister nicht einverstanden erklären. Der Ministerpräsident erbat darauf die Gesamtdemiffion des Kabinetts. Der Minister des Auswärtigen und der Kriegsminister erklärten sich auf Aufforderung des Kronprinzen bereit, bis auf weiteres ihre Aemter zu verwalten.

Ueber die Rückgabe von Weihaiwei soll nach Meldung japanischer Blätter aus Peking zwischen Eng land und China ein Vertrag abgeschlossen worden sein, der folgendes bestimmt: China macht Weihaiwei zu seiner Flottenbasis und darf es nicht als Sicherheit oder Pachtung einer anderen Macht übertragen, China erstattet die von England in Weihaiwei aufgewandten Beträge zurück und hält zum Schutze der Eingeborenen und Fremden in Weihaiwei Truppen.

Lokales und ProvinMes.

Schlächtern, 22. Mai 1906.

* Gut Wetter zu Himmelfahrt, das ist der Wunsch, den man jetzt allenthalben laut werden läßt, schließt man in dieser Beziehung doch von Himmel­fahrt auch auf Pfingsten und spielt die Witterung doch nun einmal in diesen lichten Frühlingstagen eine so außerordentlich bedeutende Rolle. Bis jetzt ist der Mai ja ausnahmsweise schön gewesen und es wäre bedauerlich, wenn er zum Schluß der Prophezeihungen wahr machen wollte, die uns einen Kälterückfall' mit Regen und diversen anderen Begleiterscheinungen in Aussicht stellen. Bange machen gilt aber nicht, wissen wir doch, daß, wenn auch Viele das Wetter studiert haben wollen, doch noch niemand ein Meister des Wetters geworden ist, und so sind wir der frohen Hoffnung, daß wir Himmelfahrt wie auch Pfingsten im prächtigsten Maiensonnenschein und im frohen Wandern durch Gottes herrliche freie Natur werden feiern können.

* Wahrnung. Wir machen darauf aufmersam, daß nach § 368 Abs. 11, des Reichsstrafgesetzbuches derjenigen, welcher unbefugt Eier oder Junge von jagdbarem Federwild oder von Singvögeln ausnimmt, mit Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft wird.

* Der hessische Forstverein hält am 2. und 3. Juli in Gelnhausen seine 27. Versammlung ab.

* Gegenwärtig sind die Herren Ortsschulin- spektoren von der Königlichen Regierung Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, aufgefordert worden, eine Nachweisung der Lehrerwitwen von 1900 ab aufzustellen. Es handelt sich um Erhöhung der Witwenpension von 150 auf 320 Mark.

* Verliehen wurde dem Herrn Landrat a. D. Grafen zu Solms-Laubach zu Arnsburg im Kreise Gießen, bisher Schlüchtern, der Rote Adlerorden 4. Klasse.

bleiben, daß seine Aufgaben in erster Linie praktische und ökonomische seien, er muß, wenn er seinem Berufe gerecht werden will, mit dem Nützlichen stets das Schöne zu verbinden wissen.

Dieser Erlaß ist Wort für Wort zu unterschreiben. Leider liegt mancherorts die Pflege und Erhaltung heimatlicher Naturschönheiten noch sehr im argen. Hier ist den Verschönerungsvereinen ein weiteres denk­bares Feld ihrer selbstlosen Tätigkeit gegeben.

Es ist der Zweck dieser Zeilen, auf einige Natur- schönheiten unserer engeren Heimat hinzuweisen, die mit der Zeit ganz zu verschwiuden drohen, es sind dies unsere herrlichen Eichen! Noch vor zwanzig Jahren hatten wir deren einen prächtigen Bestand, er ist arg zusammengeschmolzen, wenn es so weiter geht, dann kennen unsere Enkel den echten, deutschen Baum nur noch aus Bilderbücher jund Vaterlandsliedern. Noch ist es nicht zu spät, noch kann ein gut Teil gerettet werden, aber es ist nötig, daß sich einsichtsvolle Per­sönlichkeiten aller Stünde nicht der Mühe verdrießen lassen, für die Erhaltung schöner Eichen tatkräftig einzutreten. Erst kürzlich mußten wir es erleben, daß eine herrliche Eiche von seltener Gesundheit, die schon einige hundert Jahre auf Ahlersbach herniederschaute, fiel, und um der Gemeinde einen Nutzen von kaum 200 Mk. einzubringen. Lange wird sich die Gemeinde über dje 200 Mk. nicht freuen können, aber die Eiche war kerngesund, sie hätte noch vielen Generationen nach

* Für Handwerker. In verschiedenen Zeitungen ist die Mitteilung verbreitet worden, die Handwerks- kammer gewähre Beihülfen zum Besuche des ant 29. Juli d. Js. in Hanau stattfindenden Vertretertags -der Innungen, Handwerker- und Gewerbevereinen des Kammerbezirks, mit welchem eine Ausstellung von Lehrlings-, Gesellen- und Meisterarbeiten verbunden ist. Diese Mitteilung ist irrig und ohne Wissen der Kammer in die Oeffentlichkeit gelangt. Die Kosten zum Besuche des Handwerkertags und der Ausstellung müssen von den Innungen und Handwerkervereinen getragen werden. Der Kammer stehen zu diesem Zweck keine Mittel zur Verfügung.

* Noch ein Eisheiliger. Der 25. Mai ist der Sankt Urbanstag, der im Volksglauben als Los- oder Wettertag eine bedeutsame Stelle einnimmt, da nach seinem guten oder schlechten Verhalten das Wetter im ganzen Herbst bestellt sein soll. St. Urban ist der Schutzpatron der Winzer und seine Statue wurde in früheren Zeiten am Urbanstage auf öffentlichen Plätzen aufgestellt, mit Kräutern und Blumen bekränzt und mit Wein begoffen. Am Urbanstage soll die Periode der Nachtfröste endgültig zu Ende sein, immerhin aber spielt gerade dieser Tag oft durch kalte Witterung noch seinen Trumpf alsGestrenger" aus-Sankt Urban ohne Rege», bringt für den Landmann Segen, wenn er aber kein gut Wetter hält, das Weinfaß in die Pfütze fällt," so sagen die Bauernregeln von ihm.

* Am Donnerstag d. Mts. Nachmittags gegen 6*/^* Uhr wurde die 4jährige Tochter des Möbelschk^iwers Kaspar Hofacker zu Salmünster von einem schwer be- ladenen Wagen überfahren und getötet. Wie man hört, soll den Führer des Fuhrwerks, welcher aus Salz war keine Schuld treffen, da das Kind aufsichtslos während dem Spiele plötzlich unter die Pferde sprang.

* Ein Arbeiter, der in einer Küferei in der Rind- gaffe in Offenbach a. M. beschäftigt war, griff qm Donnerstag früh durch einen unglücklichen Zufall in die Kreissäge, die ihm die Hand völlig absägte.

* Die Erbgräfin Amelie von Schlitz genannt von Görtz, geb Prinzessin von Thurn und Taxis wurde am Sonntag in Rom von einer Tochter entbunden.

* Eine schreckliche Bluttat ereignete sich Mittwoch Abend gegen 6 Uhr in Creuzthal, dem Endpunkt der Bahn MarburgCreuzthal. Zwischen dem 21jährigen Arbeiter Henzeling aus Oberosphe und einem gleich­falls dort beschäftigten Italiener kam es in der Kantine zu einem Wortwechsel. Der Italiener lauerte nachher dem Henzeling vor der Türe auf und als dieser hinaustrat, stieß er ihm zweimal seinen Dolch in die Brust. Der Getroffene stürzte mit lautem Aufschrei zusammen und starb nach wenigen Augen­blicken. "Der Mörder, welcher die Flucht ergrfff,^aber bald festgenommen wurde, wäre beinahe von den Arbeitern gelyncht worden.

* Die zweite Lehrerprüfung am Königlichen Schul- lehrerseminar in Fulda, zu der sich 21 Herrn gemeldet hatten, fand unter dem Vorsitz desHerrn Geh Regierungs­und Provinzial-Schulrat Dr. Otto am vergangenen Donnerstag statt.

* Das Hosmarschallamt hat die Direktion der Kolonialschule zu Witzenhauseu wissen lassen, daß her Kaiser im August d. Js. gelegentlich seines Aufent­haltes in Wilhelmshöhe bei Casfel der Deutschen Kolonialschule in Augenschein nehmen werde.

* Am 5. und 6. Juni ds. Js. findet in Cafsel die die 12. Verbandsversammlung der Lehrer und Freunde des Fortbildungsschulwesens im Regierungsbezirk Caffel statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a.Praktische Winke für die Erteilung eines verständigen Zeichen« uns als deutsches Wahrzeichen eine Quelle reiner Freude sein können!

An vielen Feldwegen treffen wir noch kräftige, junge Bäume in Privatbesitz, die mehr und mehr ver­schwinden. Der Erlös dafür steht in keinem Verhältnis zu dem idealen Wert, den der Baum für uns besitzt. Für Nachwuchs wird nicht gesorgt. Wohl läßt man ganz alte Bäume stehen, deren Holz nicht mehr zu verarbeiten ist, deren Tage aber meist schon gezählt sind, darum ist es nötig auch kräftige, jüngere Stämme zu schützen.

Haben wir wirklich ein Recht, unsern Nachkommen soviel Unersetzliches zu nehmen? Es ist zu bedenken, daß wir in vielen Fälle Werte zerstören, die nicht »lehr zu ersetzen sind. Treiben wir da nicht Raub­wirtschaft? Wir klagen unsere Vorfahren an, daß sie verständnislos so viele geschichtlich und künstlerisch wertvolle Werke zerstört haben, aber wir selbst opfern die hervorragendsten Erscheinungen der Natur, weil wir ihren Wert noch nicht erfaßt haben.

Mögen diese Zeilen dazu beitragen, unsere Forst­verwaltungen, Gemeinden und Private, die über das Schicksal von Eichenbeständen und einzelnen Eichen verfügen, daran zu erinnern, sich nicht alleint von gewinnbringenden Erwägungen leiten zu lassen, sondern zu bedenken, daß es nych höhere Werte gibt, wie die; des Mammons.