Michtemer^eitung
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M 37.
MMK«BMHHBHMMF; , Amtliches.
J.-Nr. 1277 K-A. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich, mir bis spätestens 15. ds. Mts. diejenigen Personen ihrer Gemeinden rc. namhaft zu machen, welche- mindestens 25 Jahre ununterbrochen bei einer Herrschaft in einem Arbeits- oder Dienstverhältnis stehen.
Schlüchtern, den 5. Mai 1906.
Der com. Königliche Landrat: gez. Valentiner.
Deutsches Reich.
— Am 16., 17. und 18. Juni findet in Hamburg einApell ehemahliger Angehöriger der Garde-Regimenter der deutschen Armee statt. Am Sonntag, den 17. Juni, wird der Kaiser den Apell über die ehemaligen Gardisten in Hamburg oder in Alwna, wahrscheinlich an letzterem Platze, abnehmen.
— Der Reichstag beschäftigte sich am Donnerstag mit der sozialdemokratischen Interpellation wegen der Russenausweisungen, deren Beantwortung der Staatssekretär Graf Pasadowsky als Stellenvertreter des Reichskanzlers aus formalen Gründen ablehnte. Artikel 4 der Reichsverfassung spreche zwar von einer Reichsaufsicht über die Fremoenpolizei, aber er trage nur provisorischen Charakter. Beim Mangel eines Reichs- gesetzes dürfe man in Polizeibefugnisse der Einzelstaaten nicht eingreifen. Bei der Besprechung der Interpellation ließ sich der Abg. Bebel (Soz.) die Gelegenheit nicht entgehen, wieder eine seiner fulminanten Agitationsreden zu halten; auch die Freisinnigen und Polen tadelten scharf die Ausweisungen, die von den Rednern der Konservativen, Nationalliberalen und Antisemiten gebilligt wurden, da es sich in der Hauptsache um revolutionäre Elemente handle. — Am Freitag wurde in zweiter Lesung das Zigarettensteuergesetz beraten, das von den Freisinnigen, Sozialdemokraten, Polen und Antisemiten bekämpft wurde. Da das Haus nicht beschlußfähig war, wurde die Abstimmung bis Dienstag verschoben.
— Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Donnerstag zunächst in erster und zweiter Lesung den Antrag Schiffer betr. Aenderung der Artikel 26 und 112 der Verfassung, der auf Antrag des Abg. Roeren (Z.) einer besonderen Kommission überwiesen wurde. Es folgte die Schlußabstimmung über die beiden Wahlrechtsvorlagen, die gegen die Stimmen der Freisinnigen und Polen angenommen wurden. Den letzten Gegenstand der Tagesordnung bildete die erste Lesung des Entwurfs über die Zulassung einer Verschuldungsgrenze für land- und forstwirtschaftliche Grundstücke. Land-
Bewegtes Keven.
Roman von Max von Weißenthurn. 70
„Ich erfuhr dadurch auch die Zeit Ihrer Geburt, aus welcher hervorgeht, daß, als meine Mutter als Mädchen in Ihrem Elteruhanse weilte, Sie ein kleiner Junge waren und als Sie, viel später erwachsen, ihr in Döbling wieder begegneten, da ist die damals noch immer junge und schöne Frau bereits die Gemahlin des Fürsten Lich- tenfels gewesen, wenn anch die Welt noch nichts davon wnßte, da ihre Vermählung im Anslande stattfand und längere Zeit hindurch geheim gehalten wnrde. Dieser eine Teil Ihres Märchens ist also nachweisbar erlogen. WaS nun den zweiten Teil betrifft, so verhält es sich mit dem- selben ebenso, wie ich nicht einen Augenblick bezweifle. Um aber ganz sicher zu gehen, können wir dem Sachverständigen, welchen ich mitgebracht habe, jenen Tanfschein vorlegen, den Sie zu besitzen behaupten und der eut- ' weder gefälscht oder durch Radierungen umgeändert sein dürfte.
Natürlich mache ich Sie darauf aufmerksam, daß eS ein geivagteS Experiment ist, noch eine Persönlichkeit in die unlauteren Schritte einznweihen, welche Sie einzu- schlagen für gnt fanden. Ich übernehme durchaus keine Bürgschaft dafür, daß Ihre Handlungsweise nicht doch zu Ohren der Behörden komme und man dieselbe einer ge- «anen Prüfung zu unterziehen für gut finden würde. Tun Sie, was Sie wollen, lassen Sie einen Sachverständigen die Sache prüfen oder entschließen Sie sich, schriftlich eine < kurze und knappe Erklärung abzngebeu, daß Sie durch - diese von Ihnen gemachten Angaben, welche auf Lüge und Erfindung beruhen, nur bestrebt waren, Geld zu erpres- . sen, daß Sie aber selbst bekennen müssen, dieselben seien f in jeder Hinsicht unwahr, und weder die Fürstin Lichten- | fels noch das Mädchen, iueld)e3 bisher den Namen Eleo- t uvre Trouve führte, stehen im allerentferntesten verwaudt- f schaftlichen Zusammenhänge mit Ihnen. Um Ihnen be- j greiflich zu machen, daß Ihre Rolle in dieser Angelegen
Mittwoch, den 9. Mai 1906.
Wirtschaftsminister v. Podbielski erklärte es für eine Pflicht des Staates, für die Landwirtschaft zu sorgen. Und wenn auch das herrschende Erbrecht vielfach an der schlechten Lage der landwirtschaftlichen Grundstücke schuld sei, so müsse doch versucht werden, ob der vorgeschlagene Weg gangbar sei. Von einem Risiko könne insofern keine Rede sein, als die landwirtschaftlichen Taxen außerordentlich vorsichtig sind. Der Entwurf ging an eine besondere Kommission. — Am Freitag . arde mit der ersten Beratung der Sekundärbahnvor- lage begonnen. Unterstaatssekretär Fleck eröffnete die Verhandlungen mit einer längeren Rede, in der er die Vorlage als ein Vermächtnis des verstorbenen Ministers von Budde bezeichnete und hervorhob, daß der diesjährige Gesetzentwurf auch alle seine Vorgänger an Umfang übertreffe. Die Redner aller Fraktionen zollten dem verstorbenen Minister Anerkennung. In der Debatte kamen in der Hauptsache lokale Wünsche zum Ausdruck.
— In dem Prozeß wegen der Ausschreitungen am Schoppenstehl in Hamburg ist nunmehr das Urteil gesprochen worden. Das Schwurgericht verurteilte von den wegen Landfriedensbruchs, Zusammenrottung, Widerstandes gegen die Staatsgewalt, Diebstahls, Hehlerei u. s. w. angeklagten 30 Personen 9 zu je 1 bis 3 Jahren Zuchthaus und 20 zu 2 Wochen bis 18 Monaten Gefängnis. Eine Person wurde freigesprochen.
— In den letzter Tagen vor seinem Tode hat Staalsminer von Budde folgende Aufzeichnung gemacht : „An meine Heimatgemeinde Bensberg! Nachdem Gott es beschlossen, mich abzuberufen, freue ich mich der Rückkehr in die Heimat, wo eine Ruhestätte meiner wartet. Ich bitte um freundliche Aufnahme, von Budde, Ehrenbürger von Bensbe?g." Frau von Budde hat diese Aufzeichnung an den Bürgermeister von Vensverg gesandt.
— Das neue «preußische Volksschulunterhaltungs- gesetz ist in der Landtagskommission in der Gesamt- abstimmung gegen die Stimmen der Nationalliberalen und der Freisinnigen angenommen worden. Das Zentrum enthielt sich der Abstimmung.
— Buddes Nachfolger. Die „Nationalzeitung" erfährt, unter den Kandidaten, die als Nachfolger Buddes genannt werden, dürfte der derzeitige Eisenbahndirektionspräsident in Köln, Breitenbach, die meiste Aussicht haben.
Ausland.
— Aus Paris werden Auszeichnungen für die deutschen Rettungsmannschaften von Courriöres ge-
heit aus jeden Fall ausgespielt ist, will ich mich sogar herbeilassen, Ihnen mitzuteilen, daß es mir gelungen, Personen zu finden, welche mir auf Tag und Stunde angeben können, wann das Pflegekind Ihrer Eltern denselben übergeben wurde, daß es emsiger Suche auch gelang, die Frau zu ergründen, die besagtes Pflegekind in der Nacht des Brandes, bei dem Ihre Eltern den Tod fanden, den Schwestern des Klosters zum armen Kinde Jesu über- bracht hat.
Nicht genug damit, hat sich auch feststellen lassen, daß jenes Kind identisch sei mit demjenigen, welches in einem einsamen Hause in Döbling das Licht der Welt erblickte. Ich habe sogar den Arzt ergründet, welcher bei der Geburt des Kindes gegenwärtig gewesen ist und der heute noch, wenn auch nicht mehr praktizierend, in Döbling lebt. Mein Stiefvater, Fürst Lichtenfels, der damals durch Verhältnisse gezwungen war, seine Ehe noch geheim zu halten, hat später keinen Anstand genommen, den alten Mann, welchem er sich zu Dank verpflichtet kühlte, selbst aufzu- suchen, ihm seinen Namen zu nennen, um ihm von dem vermeintlichen Tode seines Kindes Mitteilung zu machen. Ich bin nicht verpflichtet gewesen, Ihnen so viel zu sagen, bin auch nicht gewillt, Ihnen weitere Einzelheiten aus- einanderzusetzen. Ans dem, was Sie bisher gehört, dürften Sie genugsam die Ueberzengung erlangt haben, daß Ihre Rolle ausgespielt ist und Sie gut daran tun, in die Ferne zu ziehen. Da es mir aber ein widerwärtiges Gefühl ist, von einem Menschen gleich Ihnen die geringste Dienstleistung entgegenzunehmen, ohne sie zu bezahlen, bin ich bereit, für daS Schriftstück, welches ich von Ihnen fordere, auch noch fituftausend Kronen zu opfern. Ueber« legen Sie sich meinen Borschlag, Sie haben fünf Minn- ten Zeit. Entweder Sie tun, was ich von Ihnen begehre, oder der Sachverständige prüft den Taufschein, den Sie in Händen haben, und ich lege es Ihnen nahe, daß ich keinen Schritt tun werde, um ihn daran zu hindern, wenn er gegen Sie eine Betrugsanzeige erstattet. Daß ich keine Ursache habe, Sie zu schonen, und daß der Gedanke, wie
57. Jahrgang.
meldet. Präsident Fallisres hat 27 Mitgliedern der deutschen Rettungsmannschaft, die sich durch mutiges Verhalten bei der Katastrophe in Courrißres ausgezeichnet haben, goldene Ehrenmedaillenverliehen.
— Der Streik im französischen Grenzgebiete hat auch Longwy ergriffen. Um Demonstrationen zu verhindern, wurden starke Truppenaufgebote herangezogen. Die Arbeitswilligen von dem Werke Mont-Saint- Martin verlaffen das Werk, in dem sich ihre Schlafräume befinden, überhaupt nicht.
— Der Entwurf des finnischen Senats zu einem Gesetze über eine neue Landtagsordnung in Finnland und zu einem neuen Wahlgesetz ist mit einigen kleinen Aenderungen in Petersburg genehmigt worden. Der Vorschlag des Senats, betreffend das Stimmrecht, ist ohne eine Aenderung genehmigt worden, so daß das aktive Militär vom Wahlrecht ausgeschlossen ist. An höchster Stelle ist der Vorschlag des Senats, betreffend Regelung der Frage der Anwendung der russischen Sprache in Regierungsbureaus, gutgeheißen worden.
— Wieder wird ein Bombenattentat in Warschau gemeldet. Als der Betriebsdirektor der Weichselbahnen, Proskurjakow, mit zwei Beamten in eine Droschke ein- stieg, wurde eine Bombe gegen ihn geworfen. Durch die Explosiv i wurde Proskurjakow verwundet, seine beiden Begleiter getötet, außerdem acht in der Nähe befindliche Perionen schwer verletzt. Die Droschke sowie die Fenster an Den umliegenden Häusern wurden zertrümmert und die Pferde getötet.
— Zum ägyptisch-türkischen. Grenzkonflikt meldet das „Reutersche Bureau", die englische Regierung habe an die Pforte eine Note gerichtet, die dem Inhalte nach gleichbedeutend mit einem Ultimatum ist und das letzte Wort Englands zu den türkischen Uebergriffe» auf der Halbinsel Sinai darstellt. Sie verlangt die Zurückziehung der türkischen Truppen von dem ägyptischen Grund und Boden. Der französische und der russische Botschafter in Konstantinopel unterstützen die Vorstellungen des englischen Botsckafters Sir O'Connor, betreffend die Besetzung von Aegypten gehörigen Gebietes durch die Türkei.
— Aus dem Aufstandsgebiet in Matal kommt die Nachricht, daß wenigstens 1000 Rebellen allein auf dem Nkomo Berge versammelt seien. Ferner sei auch ein Trupp bewaffneter Eingeborener in der Nähe von Nkomo vorbeigekommen, von dem man nicht wisse, ob er zu den loyal Gesinnten oder zu den Rebellen gehöre. Die unter den Truppen herrschende Ansicht sei, daß eine Verschlimmerung der Lage eingetreten sei.
sehr Sie sich erkühnt haben, meine unglückliche Mutter zu peinigen, mich empört, müssen Sie begreifen."
Mit finster gefurchter Stirne stand Emil Sternau da. Er sah ein, daß seine Rolle ausgespielt, daß er auf allen Linien geschlagen sei und daS klügste, waS er tun konnte, darin bestand, sich dem Wunsche deS Grafen zu fügen und dadurch nebst dem ansehnlichen Vermögen, dessen Zinsen ihn jenseits deS Ozeans erwarteten, noch eine Summe an Bargeld zu erlangen, die schließlich auch nicht zu verachten war. Mit der cynischen Art, welche in seiner Natur lag, sprach er nach einer kurzen Weile achselzuckend: „Als Sie mir zum erstenmal entgegengetreten find, Herr Graf, habe ich in Ihnen einen klugen Kopf erkannt und es ist Ihnen auch tatsächlich gelungen, waS vorher noch niemand bewerkstelligte. Sie haben mich übertrumpft. Ich füge mich Ihrem Willen, legen Sie mir da» Blatt vor, welches ich zu unterzeichnen habe, dann sind wir quitt."
„Das genügt mir nicht. Ich werde Ihnen selbst die Worte diktieren, durch welche Sie sich als da» entlarven, was Sie tatsächlich sind, als ein betrügerischer Abenteurer. Erst dann sind wir quitt."
Sternau zuckte die Achseln. Er war offenbar unrmp- sindlich für die Verachtung, welche man ihm in Blick und Wort bekundete, wenn er nur materiellen Gewinn ein« zuheimsen im stände war.
In präziser Weise, die keine undeutliche Au»legung möglich machte, diktierte der Graf ihm die Erklärung, welche er zu besitzen wünschte und fügte derselben noch die ausdrückliche Bemerknng hinzu, daß Sternau e» bedauere, auch Fräulein Eleonore Trouve durch falsche Vorspiegelungen getäuscht zu haben, daß er eidlich auSsag«, keine, wie immer gearteten, Ansprüche an die junge Dame geltend machen zu können und sich verpflichte, nie mehr in ihr Leben zu treten, dabei ausdrücklich betonend, daß er in keinerlei verwandtschaftlicher Beziehung mit ihr stehe. 131,18