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Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

H 3Kittro0(^ J^^at 1906. 57. Jahrgang.

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Schlüchterner Zeitung

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tem erscheinenden Zeitungen besitzt.

Amtliches.

J.-Nr. 3699 Die Roilaufseuche in Haitz, Kreis Gelnhausen, ist erloschen.

Schlüchtern, den 27. April 1906.

Der com. Königliche Landrat: Valentiner.

Deutsches Reich.

Der Kaiser hörte gestern vormittag die Vorträge des Kriegsministers v. Einem und des Chefs des Militärkabinetts Grafen Hülsen-Häseler. Um 11 Uhr unternahmen beide Majestäten einen Ausritt.

Entgegen einigen Zeitungsnachrichten kann das Wolff-Büro aus verläßlicher Quelle feststellen, daß die Reisedispositionen der Majestäten für die nächste Zeit sich nicht geändert haben. Der Kaiser gedenkt, wie ursprünglich festgesetzt, zum 2. Mai in Berlin zu sein, um auf dem Döberitzer Uebnngsplatz die Bataillone des 1. Garde-Regiments z. F. zu besichtigen. Ebenso gedenkt der Kaiser am 3. Mai Bataillonsdesichtigungen vorzunehmen und am 3. Mai abends nach Donau- eschingen abzureisen. Die Kaiserin verbleibt vorläufig in Homburg.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten v. Budde ist am Samstag früh 6'/, Uhr verstorben.

Aus Anlaß der Feier des 100. Geburtstages des Herzogs Wilhelm von Braunschweig fand in Braun- fchweig in Gegenwart des Regenten, des Prinzen Albrecht von Preußen, der Spitzen der Behörden und geladener Gäste die feierliche Eröffnung des neuen vaterländischen Museums statt. Nach einem Vortrag der vereinigten Gesangvereine unter Leitung des Hof­kapellmeisters Riedel hielt der Schulrat Professor Wilh. Brandes die Festrede. Der Vortrag des Altnieder- ländischen Gebets beschloß die Feier. Es folgte ein Rundgang durch das Museuni.

Mervegtes Arven.

Roman von Max von Weißeuthurn. 67

Von dem Gefühle geleitet, daß jede Stunde der litt« tätigteit ein Verlust sei, benutzte Walter den ersten, freien Augenblick, welche» er erhäsche» konnte, um zuerst nach dem Kloster der Sequestern zum armen Kinde Jesu zu fahren und wenigstens vorläufig sestzusteNeu, was die Oberin bezüglich des Kindes wisse, welches in ihrem from­men Hause herangebildet worden war.

Da der Fürst sich vollkommen unfähig fühlte, irgend welche ^Bestimmungen bezüglich der Trauerfeierlichkeiten zu treffen, lastete alles auf Walters Schultern und es kostete ihm keine geringe Mühe, die Zeit für die Fahrt ins Kloster zu erübrigen, um so mehr, als er recht gut wußte, daß in demselben gewisse Stunden streng einge­halten werden mürben, in welchen man Fremden Einlaß gewährte.

Am Tage, nachdem die Fürstin die Augen zur ewigen Ruhe geschlossen, ermöglichte es Walter, in den ersten Nachttlittagsstunden nach Döbling zu fahren und ward dort auf sein Ersuchen, mit der Oberin spreche» z» Töntten, nach­dem er der Pförtnerin seine Karte überreicht, alsbald in den Raum geführt, in welchem Mutter Elvira kaum vier­zehn Tage früher jene erregte Zusammenkunft mit Ster« »an gehabt.

Die Oberin empfing ihn mit der formgewandten Sie« benSwürdigkeit, welche das Wahrzeichen jener Kreise ist, aus denen sie entstammte und ein Blick in die tiefernsten Züge des jungen Mannes tat ihr dar, daß eS Wichtiges fein muffe was ihn hiergeführt, brächte ihr auch die Ueber­zeugung bei daß sie in diesem Falle sicherlich, was im« mer ihn auch hierher geführt abe» mochte, keine Ursache habe, jenes Mißtraue» zu empfinden, welches Sternau ge­genüber sich vom ersten Augenblicke an in ihrer Seele geregt hatte.

Unter dem Namen Verband reichstreuer Arbeiter­in Magdeburg hat sich in Magdeburg ein Verein ge­bildet, der den Zweck verfolgt, alle patriotisch gesinnten, den Kaiser und das deutsche Vaterland liebenden Arbeiter zur Pflege und Betäligung ihrer patriotischen Gesinnung, zum Schutze der Mitglieder gegen den Terronsmus der sozialdemokratischen Organisationen sowie zur Förderung der geistigen und wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder zu vereinigen.

Der Reichstag beschäftigte sich am Donnerstag mit der ersten Beratung der Diätenvorlage Als erster sprach Abg. Singer (Singer.), der die Vorlage für unannehmbar erklärte, weil sie eine Herabwürdigung des Reichstages bedeute. Ihm erwiderte Frhr. v. Richl- hofen (fonf ), daß die Vorlage nicht entwürdigend sei und in der Kommission ja noch dies und jenes geändert werden könne. Staatssekretär Posadowski legte in durchaus zutreffender Weise die sachlichen Gründe dar, welch für die Vorlage sprechen und betonte, der Ab- sentismus sei schuld daran, daß die Regierung sich zu diesem Schritte habe entschließen müssen. Ein vollbe­setztes Haus sei die beste Gewähr für die Einigkeit des Reiches. Es sei direkt eine Gefahr, daß heute die wichtigsten Gesetze von einem verschwindenden Teile der Abgeordneten angenommen oder abgelehnt würden. Die KontroUvestimmungen des Entwurfs seien wesentlich milder als beiipielsweise die der Verfassung der amerikanischen Republik, die es erlaube, daß ein Ab­geordneter, der feine Pflicht versäume, verhaftet werde. Nach weiterer Debatte, an der sich die Abgg. Spähn (3), Dr. Hieber (nall.), Träger (fr Vp), Arendt (Rp), Schrader (fr. Vg.), Kulerski (Pole), Liebermann v. Sonnenberg (Amis.) und Zimmermann (D. Rsp) beteiligten, wurde die Vorlage an eine besondere Kom­mission verwiesen.

Beihülfen an den VereinHoffnungstal" für die Obdachlosen der Stadt Berlin hat Kolonie Hoffnungstal in Rüdnitz bei Bernau besichtigt und die Vorlage gegen die Stimmen der Sozialdemokraten an­genommen. Der Verein bezweckt ohne Vorteil für seine Mitglieder, zu denen Pastor v. Bodelschwingh, Feldmarschall Graf v Haeseler u. a. gehören, in Arbeiterkolonien Obdach- und Arbeitslosen, aber zur Arbeit fähigen und willigen Männern jeden Standes und jeder Religion eine Zufluchts- und Bewahrungs­stätte zu bieten, in der ihnen vorübergehend Wohnung, Beköstigung und Arbeit, bei guter sittlicher Führung auch Verdienst, so weil nötig auch längere landwirt­schaftliche Beschäftigung gewährt sowie zur Verbesserung ihrer Lage und zu sittlicher Hebung hülfreiche Hand geboten wird.

Verzeihen Sie, hochwürdige Mutter," sprach Walter, nachdem er seinen Namen genannt,wenn ich störend ein» greife in die nutzbringenden Beschäftigungen Ihrer Ta­geseinteilung, aber der Zweck meines Kommens ist auch jener, zu nützen, obuhou nur einzelnen und nicht der Menschheit im allgemeinen, wie dies die Richtschnur Ihres Lebens ist."

Sagen Sie mir, womit ich Jhnt» dienen kann und Sie werden mich gerne dazu bereit finden."

Ich will bemüht fein, mich kurz zu fassen, denn so­wohl Ihre als auch meine Zeit ist kuapv bemessen. Ich komme aus einem Trauerhause, was wohl deu trüben Aus­druck rechtfertigen mag, den Sie in meinen Zügen leien. Mein Stiefvater, Fürst Otto Lichtenfels, beweiut den plötz­lichen Tod seiner Gemahlin, meiner Mutter, unb so selt­sam eS Ihnen auch erscheinen mag, sehe ich mich doch ge­rade in diesem Augenblicke, wo meine Sinne vielleicht nur von andere» Dingen in Anspruch genommen sein sollten, bemüßigt, mit der Bitte um eine Auskunft an Sie, hoch­würdige Mutter, heranzutreten. Ich will mich ganz kurz fassen. Was wissen Sie von Eleonore Trouve, dem Mäd­chen, welches sich gegemvärtig bei der verwitweten Für­stin Lichtenfels befindet, das int Kloster erzogen mürbe und angeblich die Tochter eines Mannes sein soll, der sich Emil Sternau nennt."

Angeblich," wiederholte die Oberin,Sie haben wohl recht, Herr Graf, dieses Wort zu betonen, deun, obzwar ich nicht das Recht des Zweifelns habe, glaube ich doch nicht ein Jota von den Aussagen, welche jener Mann mir gemacht. Sein ganzes Wesen hat so wemg Bertrauener- weckendes an sich, daß alles in mir sich dagegen sträubt, es für denkbar zu halten, daß das Kind, welches in unse­rer Mitte ausgewachsen und unseren Herzen nahesteht, auch nur entfernt mit ihm verwoben sein, geschweige denn, Blut seines Blutes sein könne."

Ich habe begründete Ursache zu glauben, hochwürdige Mutter, daß jener Mann ein unwürdiges Gaukelspiel in­

Ausland.

Im italienischen Senat erklärte der Minister des Auswärtigen Guicciardi. daß für die Politik Italiens auch künftighin noch der Dreibund die Grund­lage bilden werde, der eine Bürgschaft für den Frieden und die Interessen Italiens auf dem Balkan biete.

Zur serbischen Krisis wird gemeldet, daß die Verschwörer, um ihre eventuelle gewaltsame Entfernung aus dem Heere zu hintertreiben, einen neuen Staats­streich planen, indem sie durch eine Palastrevolte KönigS Peter abzudanken zwingen und den Kronprinzen Georg, der mit den Verschwörern sehr sympathisiert, anf den Thron setzen wollen. Die Regierung hat zwecks Ver­stärkung des Nachtdienstes im Schlosse aus der Provinz 500 Gendarmen herangezogen.

- Die Streikbewegung in Frankreich nimmt all­mählich einen recht gefährlichen Charakter an. Der allgemeine Arbeilerverband hat ein Manifest erlassen, das zum Gesamtausstand am 1. Mai auffordert. Die Pariser Geschäftswelt sieht dem Tag mit großer Sorge entgegen. Die Regierung hat umfangreiche Vorkehrungen getroffen.

Im französischen Ministerrat berichtete der Justizminister über den Stand der gerichtlichen Unter­suchung, welche wegen der Unruhen im Norden des Landes eingeleitet worden ist. Sodann beschäftigte sich der Ministerrat mit den Maßnahmen, welche für den 1. Mai zu treffen sind. Umzüge und Ansammlungen auf öffentlichen Straßen werden verboten werden. Zu­gleich sind für Paris umfasfende polizeiliche und mili­tärische Vorkehrungen für den Fall von Tumulten getroffen worden.

Von Agrarunruhen in Rußland hört man nichts mehr. Im Lande wird die Frühjahrsbestellung der Felder überall regelrecht vorgenommen. Die Bauern widmen sich dieser Arbeit mit allem Eifer und erneuern bei den Eigentümern der Ländereien ihre Pachtzahlungen. Ueberall herrscht volle Ordnung und Ruhe.

Zur Hebung des deutschen Unterrichtes in Amerika hat der deutsch-amerikanische Nationalbund in Philadelphia für Schulkinder im Alter von 14 bis 16 Jahren, die in Amerika geboren sind oder vor vollen­detem 10. Lebensjahre einwanderten, Preise von 5 und 6 Dollar für hervorragende Leistungen im Deutschen ausgeietzt. Zu den Prüfungsgegenständen gehören Grammatik, Vorträge von Poesie und Prosa sowie die physikalische und politische Geographie des Deutschen Reiches. Sollte dieser Aneiferungsversuch guten Erfolg haben, so wird er jedes zweite Jahr wiederholt und in den Zwischenjahren eine Preisprüfung mit größeren

szenierte, um auf irgend einem Wege, wo immer es ant leichtesten sein mochte, Geld zu erpressen. Diese meine Ueberzeugung allein genügt aber nicht. Ich »ruß Beweise sammeln, durch die es mir ermöglicht wird, ihn nicht nur der Lüge zu zeihen, sondern auch die Tatsachen darzule- gen, durch welche ich mit unumstößlicher Sicherheit fest« stellen kann, daß Eleonore Trouve nicht sein Kind ist."

Als ersten Schritt, der mir zu diesem Nachweis behilf­lich sein soll, unternahm ich den Weg zu Ihnen, bitte ich Sie, mir zu sagen, auf welche Art und wann da» Kind in dieses Asyl des Friedens gebracht wurde, ja mehr noch, ich möchte Sie ersuchen, diese Ihre Aussage zu Papier zu bringen und in derselben alles zu erwähnen, waS Sie von der Abstammung des Kindes möglicherweise missen.

Ich bin mit Vergnügen dazu bereit, Herr Graf, und werde Ihnen morgen schon das fragliche Schriftstück zu­senden. Eleonore Trouve wurde uns vor sechzehn Jahren anläßlich der Feuersbrunst im Hühnerstalle, einem alten vernachlässigten Gebäude, mitten in der Nacht überbracht und war bis vor einem Jahre eine der besten Schülerin­nen unserer Anstalt. Ihre Herkunft hat speziell mir, die ich stets mit inniger Liebe an dem talentvollen Kinde ge­hangen, viel zu denken gegeben. Alle Nachforschungen, die ich anstellte, blieben verhältnismäßig erfolglos und so viel konnte ich in nur Erfahrung bringen, daß die kleine Lori von einem alten Weibe, dem Flickschneider Sternau und seiner Frau zur Pflege und Wartung übergeben wurde und man sich allgemein der Annahme hingab, es sei den Leuten dadurch namhafter Vorteil erwachsen, sie mußten eine hübsche Summe für das Kind bekommen haben. Tote sind verschwiegene Verbündete, sie können nicht erstehen, um jene Andeutungen zu widerlege», welche Emil Ster­nau hier in diesem Zimmer gemacht hat. Soviel aber steht fest, daß niemand aus der Umgebung des alten Ehepaares sich dem Glauben hingegeben, daß verwandt­schaftliche Bande jene» Kind und die Sternau» geeint hätte. 181,11