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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg. - — [■■imii»i in i» in in—»iiii--t ^--——-..,-.■■ ™----f ---■- - - -u-.: . . aos.u—u»uaHi—utwM—oMmn—ai■——no—c»■—•——n—aamm—wi—■■—■*m»K>t7s:onra——rjasraums—mna—wo——————a—aa—i■■——*
M 33. Mittwoch, den 25. April 1906. 57. Jahrgang.
Inserate &“ ‘ da sie die größte Auslage der
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Schlüchterner Zeitung
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Deutsches Reich.
— Die Kaiserin traf, wie aus Homburg v. d. Höhe gemeldet wird, mit der Prinzessin Viktoria Luise Freilag vormittag 10 72 Uhr dort ein unO fuhr, vom Publikum lebhaft begrüßt, in offenem Wagen durch die festlich geschmückte Luisenstraße nach dem königlichen Schloß.
— Der Kaiser spendete für die durch den Ausbruch des Vesuv Geschädigten 10 000 Mk.
— Der Reichskanzler ist jetzt so weit wiederher- gestellt, daß er die letzten Tage außerhalb des Bettes zubringen kounte. Er wird voraussichtlich Anfang Mai eine Erholungsreise antreten. Wohin dieselbe geht, ist noch nicht bestimmt.
— Vom Kaiserbesuch auf der Wartburg wird noch gemeldet: Bei der Besichtigung der Kemenate wurde im Kamin ein Fener angezündet. Die Säulen des Kamins werden durch zwei Löwen in romantischem Stil gestützt, deren Originale sich im Kaiser Friedrich- Museum zu Berliu befinden. Bei dem sich an br Besichtigung der Kemenate anschließenden Frühstück äußerte sich der Kaiser, er sei sehr erfreut, daß nun mehr die Restaurierung und die Ausschmückung eines der schönsten Burgzimmer^er Wartburg vollendet sei. Er hoffe, daß der Mosarkschmuck auch den vielen Freunden der Wartburg gefallen werde. Kunstmaler Oetken wurde vom Kaiser zum Professor ernannt.
— Der zweite Deutsche Oberlehrertag, der am Mittwoch in Eisenach tagte, erklärte u. a. nach einem Referat des Prof. Dr. Hartmann aus Leipzig die Schulhygiene als einen notwendigen Bestandteil in der Vorbildung der Kandidaten zum höheren Schulamt. — Direktor Dr. Block (Wimpfen) betonte darauf in längerem Vortrage die Notwendigkeit, den höheren Lehrerstand mit anderen akademisch gebildete» Be nfs
ständen nach RgM und Gehalt in staatlicher Beziehung gleich zu bewertest. Für den nächsten Verbandstag 1908 wurde Braunschweig gewählt.
— Zum Gouverneur von Deutsch-Ostafrika ist der bisherige Generalkonsul in Warschau Freiherr v. Rechen berg ernannt worden. Freiherr Albrecht v. Rechen- berg ist am 15 September 1859 geboren und gehört seit 1889 dem Auswärtigen Amt an. Von 1893 bis 1895 wurde er im Kolonialdienst verwendet, und zwar als Richter und Bezirksamtmann in Deutsch-Ostafrika. Im Jahre 1896 übernahm er als Vizekonsul dieVer- Wallung des Konsulats von Sansibar. Von 1898 bis 1900 bekleidete er den dortigen Posten als etatmäßiger Konsul. Von Sansibar wurde Freiherr v. Rechenberg nach Moskau versetzt und vor dort als Generalkonsul nach Warschau berufen.
-- Der Zentralverein für Hebung der deutschen Fluß- und Kanalschiffahrt hält am 2 t. April 1906, vormittags 12 Uhr, im Preußischen Abgeordnetenhause zu Berlin (W., Prinz Albrechtstraße 5, Saal 15) eine außerordentliche Hauptversammlung ab, in welcher außer den Ersatzwahlen zum Vorstandsrate die Ernennung eines Ehrenmitgliedes vorgenommen werden soll. Hauptgegenstände der Tagesordnung sind bie Beratung der Frage des Rechts des Strom-Fiskus an dem Ufergelände in Preußen in seiner Beziehung zu den Anliegern (Berichterstatter : Justizrat Dr. Baumert: Spandau) und die Frage der reichsgesetzlichen Einführung des Befähigungsnachweises für Flußschiffer und Maschinisten in der Binnenschiffahrt, die nach amtlichen Mitteilungen nunmehr erfolgen soll. Endlich soll mit Rücksicht auf die am 28 Mai d. J. in Brüssel stattfindende Sitzung der Ständigen Kommission des Verbandes der Internationalen Schiffart-aongresse über Anträge bezüglich der Tagesordnung des nächsten Internationalen Schiffahrts-Kongreffes, der voraussichtlich in Petersburg abgehalten wird, verhandelt werden. Der außerordentlichen Hauptversammung geht eine Sitzung des Großen Ausschusses voraus, in welcher außer den Ersatzwahlen zum Vorstände zu der Frage der Errichtung eines Schiffer-Kinderheimes in der Provinz Brandenburg Stellung genommen werden soll.
- Nach einem Ministerialerlasse soll Unfallverletzten Eisenbahnbedientesten, sobald sie wieder arbeitsfähig sind, eine ihren Fähigkeiten entsprechende Beschäftigung angewiesen werden, weil durch frühzeitige, systematische Heranziehung zur Arbeit die beschädigten Gliedmaßen am ehesten wieder ihre frühere Beweglichkeit und A i- passungssähigkeil erlangen können; nach übsrinaßig langer Entwöhnung von der Arbeit gelingt dies
erfahrungsgemäß nur unvollkommen, und dadurch entstehen dann sowohl dem Verletzten wie der Verwaltung dauernde Nachteile. Da in einzelnen Fällen die Dienststellen es abgelehnt hatten, noch nicht völlig wieder hergestellte und nur teilweise arbeitsfähige Verletzte wieder einzustellen, erinnert der erwähnte Erlaß daran, daß die Juspektionsvorstände ermächtigt worden sind, den aus Heilstätten entlassenen Arbeitern, soweit sie nach ärztlicher Verordnung noch nicht in vollem Umfange zur Arbeit herangezogen werden dürfen, trotzdem den vollen Lohn auszahlen zu können; ein gleiches Verfahren erscheine auch bei den Unfallverletzten an- gezeigt.__________________________ 7
Ausland.
- Bei Herstellung des Kabels von Manila nach Schanghai, welches das letzte Glied der den Amerikanern gehörigen Kabelverbindung zwischen Amerika und China bildet, übersandte Präsident Roosevelt der Kaiserin- Witwe und dem Kaiser von China ein Telegramm, in welchem er zur Vollendung des Werkes, welches die beiden Völker näher aneinander führen werde, seine Glückwünsche ausspricht und in dem er die freundlichen Gesinnungen der Amerikaner für China zum Ausdruck bringt. Der Kaiser erwiderte, er hoffe, daß durch die Vollendung des Kabels der Handel zwischen China und Amerika sich immer mehr entwickeln werde.
— Wieder ist eine Ministerkrifis in Serbien ausgebrochen. Das Kabinett Gruitsch hat dem König die Demission überreicht, die angenommen wurde Der König betraute das Kabinett mit der einstweiligen Fortführung der Geschäfte.
— Vor kurzem fand bei Blachkarifsi im Snndschak Serres ein Kampf türkischer Truppen mit einer 46köpfigen bulgarischen Bande urttsr-dem Bandenführer Balkalmanow statt. 31 Komitatschi find gefallen, die übrigen sind in dem Hause, in welchem sie sich verteidigten und welches durch ihre eigenen Bomben Feuer fing, verbrannt. Auf feiten der türkischen Truppen gab es vier Tote und fünf Verwundete.
— Aus Amerika wird eine bemerkenswerte Kundgebung des Präsidenten Roosevelt gegen die Großkapi- talisten mitgeteilt. Er hielt bei Gelegenheit der Grundsteinlegung des neuen Kongreßgebäudes eine Rede, in der er ausführte, es müsse etwas Ernstliches gegen die Ansammlung von so gewaltigen Vermögen, wie sie jetzt bestanden, unternommen werden. Er persönlich sei überzeugt, es sei durchaus notwendig, die Einführung einer progressiven Steuer zu erwägen, welche bei der llebeciragung von Vermögen zu erheben sei, die über
Aervegtes Keve«.
Roman von Max von Weißenthurn. 64
„Aber war eS ihm zu verargen, daß er einen gin- gerzeig des Himmels, eine Erlösung darin sah, als der Tod ihn von seiner ungeliebten Gattin befreite? Freilich gab es noch Rücksichten aller Art, die nicht unbeachtet gelassen werden konnten! Bor allem die Fürstin Matter, an welcher er mit anbetender Liebe hing und welche ihrerseits, wie er mir oft erzählte, dem Sohne mit leidenschaftlicher Glut zugetan war. Die Rücksicht auf diese ist es denn auch geweieu, die Fürst Otto dazu bestimmte, unsere Trauung nicht nur in aller Stille, sondern geradezu geheim und im Auslande vollziehen zu lassen. Ich war damit einverstanden, denn mir blieb ja doch die Hauptsache die, daß ich durch die Trauung, ob dieselbe nun fürs erste geheim oder offiziell anerkannt war, zur Fürstin Lich- tenfels erhoben wurde. Es paßte mir der Schleier des Geheimnisvollen sogar, weil ich dadurch den schlauen Rechtsanwalt Zell hinter das Licht führte. War ich nur erst einmal Fürstin Lichteufels, dann mittete ich mir schon zu, daß es meiner Diplomatie gelingen werde, etwaige feindselige Intriguen, welche er gegen mich vornehmen ^mochte, zu durchkreuzen. Ich hörte dann, er sei gestorben, und erst lange Zeit später wurde mir dies als Mißverständnis aufgeklärt. Auch hat er nie Schritte gegen mich unternommen und ich vermute, daß ich diesen Umstand Deiner Großmut zu danken habe. Laß diese auch jetzt walten, mein Kind, jetzt, wo ich den dunklen Punkt berühren muß, den Du, wie ich recht gut fühle,von allen meinen Vergehen am schroffsten beurteilen wirst. Nach meiner Vermählung lebte ich mit dem Fürsten im Auslande, zumeist in St. Gilbert in der Schweiz; er fuhr zeitweise nach Oesterreich, fand aber immer bald den einen, bald den anderen Vorwand, um zu mir zurückzukehren.
Dann endlich nötigten thu die Pflichten seiner Stellung, doch auf längere Zeit sich in die Heimat zu begeben
und ich begleitete ihn. In tiefster Abgeschiedenheit lebte ich damals'in einem einiameu Hause in Döbling, wo unser Kind das Licht der Welt erblickte. Die Stunde der Geburt der Kleinen war auch jene, in welcher der eigentliche Dämon in mir erwachte. Ich hatte Gelegenheit gehabt, meinen Gemahl kennen zu lernen, ich ivußte, daß ihm, wie Hugo vonAnlenhof, der Familiensinn über alles ging, ich umßte, daß er begehren werde, ich solle mich dem Kinde widmen, wußte auch, daß er ganz bestimmt nütber Zumutung an mich herautrete, unsere Verbindung auch fernerhin noch geheim zu halten, aus Schonung für seine Mutter, der diese ein niederschmetternder Schlag sein mußte. Mein Ehrgeiz aber mar nicht länger zu bewilligen. Ich sann und grübelte nach Mitteln, die es mir e^nöglicheu sollten, endlich in der Gesellschaft den mir gebührenden Platz einzunehmen. Der Zufall war mir günstig. Des Für- fteit ältester Sohn aus erster Ehe erkrankte lebensgefährlich, Otto mußte mich für längere Zeit verlassen, um an das Lager desselben zu eilen. Er ließ mich unter der Obhut einer alten, treuen Dienerin seines Hauses, die unsere Vertraute gewesen ist, zurück. In ihr fand ich eine Verbündete zu dem Plan, der in meiner Seele gereift war. Ich sagte ihr, daß ich eine Zeitlang mich dem Fürsten entziehen, in die Fremde zurückkehren wolle und dort in Ruhe überlegen müsse, was zu tun das Rechte sei, ob ich dein Fürsten durch die Verbindung mit mir nicht ein Unrecht angetan, dem sich abhelfen ließ, indem ich aus sei- nem Leben verschwand. ZumZwtcke des UcderlegenS aber mollte ich, frei von jedem äußeren Einflüsse, nur meiner Gewisseusersorschung leben können und deshalb wolle ich mich auch von dem Kinde trennen, wolle ich dasselbe ir- geudwo bei Fremden gut versorgt nuterbringen und erst, wenn ich mit mir selbst ganz im reinen sei, dem Fürsten meine Entscheidung mitteilen. Die alte Nanuy trug sich sofort an, Leute zu suchen, welche sich des Kindes in ent- wrecheuder Weise entnehmen würden und nach wenigen Tagen teilte sie mir denn auch mit, daß sie dieselben gefunden. Die Stunde, welche ich für meine Abreise bestimmt
hatte, brach an, die alte Nauni wollte mich in die Fremd« begleiten und brächte vorher meine kleine Tochter, welcher wir den Namen Dolores gegeben hatten, an den Ort ihrer Bestimmung. Als wir bereits den Wagen bestiegen, der uns zur Bahn bringen sollte, gab sie mir die Quit- tung über den Geldbetrag, den sie den Pflegeeltern meines Kindes überbracht hatte. Ich fühlte mich sehr unangenehm berührt, als ich auf derselben den Namen Franz Sternau las, denn ich erkannte auf den ersten Blick die Handschrift des Mannes, welcher in meinem Leben schon mehrfach eine bedeutende Rolle gespielt. Ironie des Schicksals, daß mein Kind nun wieder eben diesem Manne zu- geführt worden! Für den Moment ließ sich nichts anderer tun, und mit dem, was in Zukunft zu geschehen habe, befaßte ich mich damals noch nicht. Ich wollte Zeit gewin- »en, das war alles, dem Fürsten hatte ich schriftlich mit- geteilt, daß ich eine Zeitlang mich von ihm lossagen wolle, um zu geistiger und seelischer Klarheit über da» zu ge- laugen, was zu geschehen habe. Ich würde ihn zu mir entbieten, wenn mir Ruhe und Erkenntnis geturnten. Und so reifte ich denn in Begleitung der alten Raum in die weite Welt."
„Monate vergingen und immer mehr und mehr gr- laugre der Entschluß in meiner Seele zur Reife, nun, wo ich noch im Bollgenusse meiner Schönheit stand, auch jene Stellung in der Welt entnehmen zu wollen, für die ich mich geboren fühlte. In dem Rahmen des Bildes, welches ich mir enttuarf, paßte aber das Kind nicht. Ich fühlt«, daß es einen guten Teil der Zärtlichkeit meine» Gatten von mir abwenden würde, ich sah in der Kleinen eine zu fürchtende Rivalin, für die eS in meinem Herzen keinen Platz gab und beschloß, mich ihrer wenigsten» für eine Zeitlang zu entledigen Wieder war eS der Zufall, wa- ren eS dämonische Mächte, die mir dazu hilfreiche Hand boten. Aus unseren Irrfahrten waren wir nach einem kleinen Torfe in der französischen Schweiz gelangt, wo die alte Nauni an einem dort grasiprenden, hitzigen Fieber erkrankte unb starb." 131,19