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Der Kaiser verlieh dem Botschafter von Rado- Witz den Schwarzen Adlerorden, dem Grafen Tattenbach die Brillanten zum Roten Adlerorden 1. Klasse, dem Geh. Legationsrat Professor Klehment die Krone zum Roten Adlerorden 2. Klasse.

In einer in Bromberg vor kurzem abgehaltenen Besprechung einer kleineren Anzahl Interessenten wurde einstimmig beschlossen, einen Verein zur Förderung des Braunkohlenbergbaues für die östlichen Provinzen mit dem Sitz in Bromberg zu gründen, und der Entwurf der Satzungen festgestellt. Es wurde ein vorläufiger Vorstand gewählt. Die Vorstandswahl selbst soll j in der ersten Generalversammlung voraussichtlich im April d. I. stattfinden. Der Direktor der Norddeutschen Kreditanstalt Posen, Strohmann, wurde als stellver­tretender Vorsitzender mit der einstweiligen Geschäfts­führung betraut.

Ueber die Vermittelungstätigkeit der Arbeits­nachweise im Februar d. Js. äußert sich dasReis- Arbeitsbl." dahin, daß nach den von 642 Nachweis­stellen an die Zentralstelle eingegangenen Berichten unter Berücksichtigung der Jahreszeit die Lage im all« gemeinen nicht ungünstig erscheint. Während im Vergleich zum Februar des Jahres 1905 die Zahl der Arbeitsgesuche eine nennenswerte Aenderung nicht erfahren hat, ist die Zahl der offenen Stellen um rund 24 000 und die der besetzten Stellen um rund 14 000 gewachsen. Wie in den Vormonaten wird allenthalben besonders über den Mangel an weiblichem Personal für Haus- und Landwirtschaft geklagt.

Die Kriminalität in Deutschland, die seit 1882 eine dauernde und erschreckende Zunahme zeigt, be­sonders was die Personen- und Roheitsdelikte betrifft, nimmt, wie die neueste Veröffentlichung für das Jahr 1904 in den Vierteljahrsheften zur Statistik des Deutschen Reiches 1905 zeigt, weiter zu. Diese Zu­nahme betrifft vorzugsweise die Delikte gegen Staat, öffentliche Ordnung und Religion sowie die Personen- delikie, also lauter Delikte, bei denen erfahrungsgemäß der Alkohol die Hauptrolle spielt. So kommt die an­dauernde Ausbreitung des Alkoholgenusses, die sich in der anhaltenden Zunahme des Konsums alkoholischer Getränke zeigt, ohne Frage in der gekennzeichneten Steigerung der Kriminalität zur Geltung.

Ausland.

Das Ende der Marokko-Konferenz ist mit der Unterzeichnung des Protokolls erfolgt. Ein kalligraphisch geschriebenes Exemplar ist von sämtlichen Delegierten unterzeichnet worden und wird im Archiv von .Madrid hinterlegt. Ein anderes gedrucktes Exemplar, das als übereinstimmend beglaubigt ist, wird jeder Delegation überreicht werden und die Unterschrift des Herzogs von Almodovar tragen. Damen der Delegierten wohnten der Sitzung bei. Aus Anlaß des Kon- ferenzschlusses sprach Viscontie-Venosta dem Präsidenten der Konferenz Herzog von Almodovar den Dank der Mitglieder aus. Der Präsident erwiderte in herzlicher Weise und schloß mit den Worten:Ich bin glücklich, hier öffentlich Zeugnis von der Befriedigung ablegen in können, die Spanien darüber empfindet, daß es den illustren Vertretern der Mächte Gastfreundschaft bieten und ihnen so ermöglichen konnte, hier ein Werk des Friedens und des Fortschritts zu verwirklichen, dessen Ergebnisse sich bald in allen Sr. Scherifischen Majestät untergebenen Gebieten fühlbar machen werden." In der Ansprache, die der marokkanische Delegierte El- Mokri nach der Schlußrede des Präsidenten Herzogs von Almodovar hielt, drückte er namens der marok­kanischen Vertretung den Dank aus für das Interesse, das die Konferenz für Marokko gezeigt habe, und dankte noch besonders dem Präsidenten der Konferenz und der spanischen Regierung für die seitens Spaniens gewährte herzliche Gastfreundschaft, Im Sitzungssaale soll eine Gedenktafel mit den Namen der Delegierten angebracht werden.

Der Bergarbeiterstreik in .Nordfrankreich zeitigt grobe Ausschreitungen der Ausständigen. So wird aus Donai gemeldet: 200 Ausständige hielten einen Zug mit arbeitswilligen Bergleuten an. 30 der letzteren wurden von den Ausständigen festgenommen und nach Douai gebracht. In Lens wurde eine Eisenbahnbrücke des die Ortschaften Bruay mit der Nordbahn ver­bindenden Industriegleises durch eine Dynamitexplosion teilweise zerstört.

Die freisprechenden französischen Kriegsgerichts­urteile gegen klerikale Offiziere sind abermals um zwei Fälle bereichert worden. In Nancy hat das Kriegs­gericht den Dragonerleütnant Tricoruot-Rose nnd in Nantes den Infanterie-Offizier Delarminat, welche sich geweigert hatten, bei einer Kirchen-Jnventaraufnahme mitzuwirken, freigesprochen.

Die Eröffnung des Weltpostkongresses hat im Kapitol zu Rom stattgefunden. Das italienische Königspaar, das im Wagen, von einer Kürassieres­torte begleitet und von der Menge lebhaft begrüßt, eingeiroffen war, wohnte der Eröffnung bei. Aethio- pien beabsichtigt, dem Weltpostverein beizutreten.

Bon 138 bisher laut gewordenen Wahlergeb-- nissen in Griechenland entfallen 107 auf Theotokisten.

Sämtliche Minister sind wiedergewählt worden. 35 Wahlergebnisse stehen noch aus.

- Durch ein Bombenattentat ist der russische Gouverneur von Twer, Sleptsow, getötet worden. Außerdem wurden von dem auf der Straße befindlichen Publikum eine Dame, zwei junge Mädchen und zwei Knaben leicht verletzt. Der verhaftete junge Mann hat das Aussehen eines Arbeiters und ist nach seinen Papiere» ein achtzehnjähriger Mensch aus Saratow, namens Bugatschew.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 14. April 1906.

* Fröhliche Ostern wünschen wir auch an dieser Stelle allen unseren Lesern von nah und fern. Möge jeder einzelne unter ihnen das hehre Auferstehungsfest in echter, herzerhebender Stimmung jbegehen und so des Segens teilhaftigkeit werden, den es uns bringen will. Im Schmuck des ersten jungen Grüns zeigen die Wiesen sich und Baum und Strauch, und im Hellen Glanz der Ostersonne wird es uns diesmal beschieden sein, das frohe Fest zu feiern, das in seinem Schoße der Freuden viele bringt durch ein Ergehen in Gottes neuerstehender Natur wie auch am häuslichen Herde im Kreise der Fannlie, in dem man in den Stunden des Festes manch frohes Wiedersehen feiern wird durch den Besuch lieber Angehörigen, von denen man für lange Zeit getrennt war. Auch uralte Sitten werden von neuem erstehen und Jung und Alt werden sie ausüben, in den Kirchen werden Lob- und Danklieder und von den Türmen die feierlichen Klänge der Osterglocken erschallen und aus dem zarten Grün der Büsche heraus, wie in den Lüften werden die gefiederten Sänger das Fest der Auferstehung preisen. Fröhliche Ostern daraufhin nochmals allerseits!

* Wir machen darauf aufmerksam, daß jeder Radfahrer eine Radfahrkarte zur Legitimation bei sich führen muß. Dieselbe werden von der Polizeiver­waltung bezw. in der Stadt vom Polizeikommissariat ausgestellt. Karten hält die Buchdruckerei desKreis­blatt" vorrätig.

* Die neueste amtliche Lebensmittel-Preisnach- Weisung verzeichnet ein geringes Sinken der Getreide­preise, während die Durchschnittspreise für Fleisch noch immer hoch sind. Billiger wurden auch die- kartoffeln.

* Gerichtsassessor Fritz Goebel von Fulda wurde zum Amtsrichter in Birstein ernannt.

Ernannt: der Bürgermeister Albrecht in Schlüchtern zum Amtsanwalt.

* An der katholischen Schule zu Ulmbach ist die 1. Lehrerstelle sofort neu zu besetzen. Das Grund­gehalt beträgt neben freier Wohnung 1482 Mk. ein­schließlich 382 Mk. für Kirchendienst. Der Einheitssatz der Alterszulage 130 Mk. Geeignete Bewerber wollen ihre mit den erforderlichen Zeugnissen versehenen Meldungsgesuche innerhalb 10 Tagen an den Orts- schulinspektor, Herrn Pfarrer Bargon zu Ulmbach, einreichen.

* Ein weitausschauender Landwirt denkt stets an die Zukunft. Bekanntlich sind im zweiten Halbjahr die Preise für Thomasmehl regelmäßig höher, als im ersten. Außerdem pflegt die Nachfrage im Herbst so stark zu sein, daß leicht Verzögerungen den Lieferungen eintritt; besonders wirkt auch der stets wiederkehrende Waggonmangel dann lästig. Jetzt ist Thomasmehl M. 26 billiger als im zweiten Halbjahr. Thomasmehl jetzt aufs Feld gebracht, z. B. auf Kartoffeln und Rüben vor dem Behäufeln und Behacken, wirkt teil­weise noch für diese, vorzüglich aber für die Nachfrucht. Auch auf Brache lohnt frühzeitige Thomasmehldüngung.

* Zum Kartoffelpflanzen in diesem Frühjahr schreibt uns der hiesige landwirtschaftliche Kreisverein. Die Nachfrage nach Steckkartoffeln in diesem Frühjahr ist eine große. Zum Massenanbau empfiehlt sich stets die magnum=bonum oder deren Neuzüchtung Bruce, öfterer Saatgutwechsel hierbei ist aber sehr Vorteilhaft. In Waggonladungen wird diese Kartoffeln zu 2 Mk.- bis 2 Mk. 25 Pfg. a Ctr. offerirt und kann deßhalb wohl mit 3 Mk. a Ctr. von den Geschäftsleuten ab­gegeben werden, der Verein selbst wird magnum-bonum nicht beziehen, derselbe hat nur 200 Ctr. Verschiedene andere Sorten angekauft und giebt solche zum Selbst­kostenpreis an seine Mitglieder ab und zwar: als Speisekartoffeln Bruce Dr. Märker W. Korn Silesia, sodann als vorzügliche Wirtschaftskartoffeln zum Vieh­futtern, wegen hohem Stärkegehalt und großen Erträgen : Industrie Prof. Woltmann, Fürst Bismark. Jeder Landwirt müßte es sich zur Pflicht machen, mindestens zwei Sorten gute Speisekartoffeln und eine Sorte Wirtschaftskartoffeln zu bauen und diese auch getrennt zu halten. Verkehrt ist es, die Speisetartoffel als Wirtschaftskartoffeln und Letztere als Speisekartoffel zu verwenden.

* Am Osterdienstag findet die Einweihung der Kinderheilanstalt in Soden statt. Leider ist der Hoch­würdigte Herr Bischof schwer erkrankt, so daß er nicht selbst die Einweihung vornehmen kann, weßhalb auch alle äußeren größeren Feierlichkeiten in Wegfall kommen. An seiner Stelle wird Herr General Vicar Dr. Arenhold den Weiheakt vornehmen. Gern hätte man den Weihe­

akt bis zur Gesundung des Herrn Bischofs verschoben, indeß hat derselbe selbst gewünscht, daß die Einweihung wegen seiner Krankheit nicht länger verschoben werde, damit recht bald Hilfebedürftigen Kindern die Pforten der Anstalt geöffnet werden können.

* Alle Kroaten bei der Elmer Dammrutsch-Auf- böschung stellten am Montag die Forderung einer Lohnaufbessrung. Die Eisenbahnbehörde ließ in aller Stille eiligst einen Sonderzug zusammenstellen und schob die Arbeitsunwilligen ab. Durch diese Maßnahme und auch dadurch, daß den Kantinenwirten die Abgabe von Spirituosen verboten war, sind Ausschreitungen hintangehalien worden. Die Aufböschung geht ihrer Vollendung entgegen.

* Am 18. April wird S. Majestät der Kaiser zu einem dreitägigen Besuche bei Sr. jDurchlaucht dem Grafen von Schlitz genannt von Görtz dahier ein. treffen Es dürfte wohl allgemein bekannt sein, daß Se. Majestät fast in jedem Jahre nach Schlitz kommt, um in ländlicher Abgeschlossenheit einige Tage der Erholung zu verbringen.

Permischtes.

Ein neues deutsches Feldartilleriegeschoß hat die Firnia Krupp hergestellt. Es vereinigt derVoss. Ztg." zufolge in feinem Innern ein Schrapnell und eine Granate miteinander. Die Ausnutzung des Ge- schoffes soll vorzüglich sein. Der vordere Schrapnell­teil enthält 300 Füllkugeln, der Hintere Granatteil da­gegen 130 Sprengstücke. Die Versuche mit dem neuen Geschoß werden noch fortgesetzt.

Der wegen Doppelmordes zum Tode verurteilte Musketier Rosinsky ist aus dem Militärgefängnis in Posen entsprungen.

- - Kindlich. Papa der seinen kleinen Fritz durch­gehauen): Hast Du noch gehört, wer seine Kinder liebt, züchtigt sie!" Fritz (weinend):Ja Papa, du hast mich manchmal aber zu lieb!"

Auszug

aus den Registern des Standesamtes zu Schlüchtern März 1906.

Geburten:

2. Otto Gustav, Wille, Sohn des Gerichtvollzieher Karl Wilhelm Runge, hier.

9. Heinrich, Sohn des Schreiner Johann Jakob Ringler, hier.

9. Marie Margaret«, Tochter des Schneider Heinrich Heil, hier.

18. Adam Joseph, Sohn des Maurer Nikolaus Müller zu Herolz.

25. Wilhelm Heinrich, Sohn des Mechaniker Georg Gottlob Fischer, hier.

Eheschließungen:

3. Lang Kaspar Bauer mit Jfft Margarta beide zu Niederzell.

30. Stern Hermann Viehändler zu Geisa mit Goldschmidt Hanchen zu Schlüchtern.

31. Willerscheidt Joseph Karl mit Berghöfer Elisabeth geb. Glänzer beide zu Schlüchtern.

S terbefälle:

3. Förster Friedrich Heinrich ev. 4 Mon. alt hier.

3, Maurer Gustav Friedrich Otto Leutnannt im 4. Magdeburgischen Jnfanterie-Regimeut Nr. 67 zu Metz ev. 21 Jahre alt hier.

8. Kling Friedrich ev. 9 Mon. alt hier.

16. Rotschild Rika 1 Jahr 6 Mon. alt mosaisch hier.

25. Krug, August Heinrich Wilhelm ev. l'/3 Monat alt hier.

27. Blum Georg, ev. 26 Jahre alt Diestknecht hier.

Landwirtschaftliches.

Chilisalpeter oder Peruguano?

Bei dem jetzigen außerordentlich hohen Chilisalpeter- Preise ist es besonders ratsam, für die Sommerhalm­früchte, Kartoffeln, Gemüse und Zuckerrüben vorzugs­weise echten aufgeschlossenen Peruguano zu verwenden, umsomehr da hierdurch der Frucht außer den wert­vollsten Stickstoffarten zugleich auch die nötige Phos­phorsäure und Kali in innigster natürlicher Zusammen­setzung zugeführt wird.

Peruguano wirkt zweifellos auch sicherer, besser und nachhaltiger als Chilisalpeter.

Um indes vorzügliche Resultate erzielen zu können, verwende man nur die nachweislich allein echte Ohlendorff'scheFüllhornmarke" und hüte sich vor allen minderwertigen nachgeahmten Marken!

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.

Ev angelische Gemeinde:

1. Osterfeiertag.

Morgengottesdienst _ Nachmittagsgottesd. H^rr Superintendent Orth.

2. Osterfeiertag. Morgengottesdienst , Nachmittagsgottesd. Her Pfarrer Segle.

Katholische Gemeinde

Gottesdienst: 10 Uhr Herr Pfarrer Nichter-Herolz.

WV^ Hierzu eine Beilage. "W