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ZchlWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 30.

Samstag, den 14. April 1906.

57. Jahrgang.

g^ Ostermorgen. ^e

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Im purpur kommt der Gstermorgen Des Friedens Palmen schwingend hoch. Nun schüttelt ab die alten Sorgen Und werfet ab das alte Joch! Nun atmet auf nach Buß' und Reue, Der junge Frühling bricht herein, Damit er frische Blumen streue Selbst über Grab und Leichenstein.

Er will die ganze Welt verklären Der schöne, gold'ne Gstertag;

Es klingt zu uns aus höhern Sphären: Empor das Herz und seid nicht zag! Der Heiland ist ja auferstanden Und führt an unsichtbarer Hand, Erlöst von Sünde, Druck und Banden, Euch sicher ins gelobte Land.

Daß alle doch den Ruf verstünden, Der aus der Ewigkeit erklingt Und mit geheimen Lenzverkünden In schw« geprüfte Seelen dringt! Hinweg, hinweg mit aller Trauer, Wo sie noch einen Blick umflort! Hinweg den letzten Todesschauer! Dom Himmel tönt's wie Trosteswort.

Und diese langersehnte Runde, Sie schwillt bald zum posaunenschall; Es schlägt die Auferstehungsstunde Auch für das weite Weltenall. Und Lenzeswonne lacht uns wieder, Sie wird als hohe Freude laut, Es grüßen munt'rer Vöglein Lieder Natur, die schöne Msterbraut.

Vsterbotschaft-

Die Glocken läuten die Ostern ein In allen Enden und Landen, Und fromme Herzen jubeln darein: Der Lenz ist wieder erstanden!

Ja, auferstanden, aufgewacht aus des Winters Banden, zu neuem Leben geboren, zu neuem Schaffen und Wirken, zum Knospen, zum Blühen, zum Früchte bringenden Dasein! So rauscht es geheimnisvoll durch die Wipfel und Zweige der Bäume, so murmelt es in der lebendig sprudelnden Quelle, so tönt es über Berg und Tal, so weht es in den Lüften, so braust es durch den Sturm. Der Frühling ist gekommen mit

der siegenden Gewalt, die des Winters Regiment in l Trümmer wirft. Und der Frühlingssonne Strahl, er dringt auch in das zagende Menschenherz, das, nieder­gedrückt von der Sorge und Last des täglichen Lebens, nun mit neuer Hoffnung erfüllt wird. Hoffnungs- freudig, wohlgemut löst es sich von den Lippen des Menschen, der, selbst ein Stück der Natur, so innig mit den Zauberkräften der Natur verknüpft ist.

Da tönen von den Türmen die Glocken, die das fröhliche, selige Osterfest einläuten. Frohe Botschaft, doppelt frohe Botschaft kündet ihr Festesklang doppelter Frühling ist den Menschen erschienen: denn durch den Frühlingsjubel hindurch klingt hell der FreudenrufChrist ist erstanden!" Wie von unsicht­baren ^Engelschören schallt es durch die Lande, das Wort von der erbarmenden, welterlösenden Gottesliebe, dringt es in die ärmlichste Hütte wie in stolze Paläste, tröstend, erhebend, segnend. Mag Not und Elend in aller Welt sichtbar und unsichtbar sich noch so breit machen, der Strahl der Ostersonne Dringt auch in das kleinste Gemach und trocknet die Tränen, sie dringt in die Brust des Mühseligen und Beladenen und richtet ihn auf. Mag Not und Elend auch laut genug an die Türen klopfen, die Osterbotschaft erfüllt uns mit neuer Lebenskraft, neue Hoffnung wird in uns geweckt, und das Hoffen gibt uns neue Stärke. Selbst der sonst gefühllose Mensch kann sich dem gewaltigen Ein­drücke der Osterbotschaft nicht verschließen, es zieht in ihm etwas von jener Stimmung ein, welcher der ein­same Grübler Faust in der Osternacht mit den Worten Ausdruck gibt:

... An diesen Klang von Jugend auf gewöhnt, Ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben- . . .

O tönet fort, ihr süßen Himmelslieder,

Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!

Auch im Volksleben neue Hoffnung kündet das Osterfest. Im aufregenden Kampfe ums Dasein bleiben uns die kirchlichen Feste, an denen die Arbeit ruht, willkommene Ruhepunkte. Der Mensch kommt mit seinem Fühlen und Denken wieder einmal zu sich selbst, zu einem Rückblicke auf seine Tätigkeit, zu einer Umschau und inneren Sammlung, die ihn mit Hoffnung und Vertrauen zur Zukunft erfüllen. Diese innere Sammlung ist ein heiliges Vermächtnis der Osterzeit. Die Kirchenglocken läuten Frieden und Versöhnung, die Worte der Geistlichen mahnen uns zur Einkehr in uns selbst, es ruht der Kampf mit unsern Gegnern, und die Menschen sollen sich in dieser festlichen Zeit als Brüder fühlen. Es war um die Osterzeit, als im Frieden zu Frankfurt a. M- das geeinte Vaterland

zu neuer Herrlichkeit auferstand, und jedes Ostern läßt uns beten, daß bald die Glocken einen dauernden Frieden im Völkerleben einläuten möchten.

Der Göttin Ostara sangen unsere heidnischen Vor­fahren ihre Frühlingslieder, preisend der holden Früh- lings^öltin Macht in den dunklen Hainen, wo durch der tausendjährigen Eichen Wipfel der Lenzhauch wehte. Und ihr zu Ehren flammten auf den Bergen die Osterfeuer auf, hinüberleuchtend von Volksstamm zu Volksstamm Hinweggeweht ist das Bild der Göttin, und ihr Name ist uns im Osterfeste geblieben zu ewigem Andenken. Der heidnische Jubelruf unserer VorfahrenOstara, Ostara!" ist verklungen, aber ge­blieben ist uns ihr Mut und ihr Tatendrang. Das Licht des Christentums erleuchtet die Gemüter und spendet uns alljährlich den Trost der Auferstehung. So möge denn die Osterbotschaft, dieeinst aus Grabesnacht von Engelslippen klang", von neuem die herzen erwärmen und ihr göttlicher Funke, zünden! Die Bahn ist frei für den Frühling unseres Volkes, eilen wir, ihm die Stätte zu bereiten, indem wir all unsere Kräfte einsetzen zum Heile des Vaterlandes, zum Wohle unserer Mitmenschen und für die eigene treue Arbeit und Pflichterfüllung, ein jeglicher nach seinen Kräften und an seinem Platze. Dazu sei uns willkommen, du fröhliches Osterfest!

Deutsches Reich.

Der Kaiser wird am 18. Mai in Diedenhofen eintreffen zur Besichtigung der neuen Befestigungsan­lagen. Vom 22. bis 26. Mai wird der Kaiser in Prökelwitz sein, auf der Rückfahrt die Marienburg be­sichtigen und den Danziger Leibhusaren einen Besuch machen.

Wie schon bekannt, trifft der Kaiser,.die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Mitte dieses Monats in Homburg v. d. H. ein, wo die allerhöchsten Herrschaften einen längeren Aufenthalt zu nehmen gedenken. Der Kaiser wird während dieser Zeit wiederholt das Hof­theater in Wiesbaden besuchen und auch in Mainz vorsprechen. Im dortigen Schlosse werden schon jetzt verschiedene Zimmer für einen vorübergehenden Aufent­halt des Kaisers hergerichtet. Nach dem Fr. Gen.» Anz. hat auch der Zar die Absicht, in Begleitung seiner Gemahlin und der kaiserlichen Kinder gegen Ende April einen Besuch in Darmstadt zu machen und dann einen längeren Aufenthalt in Schloß Wolfsgarten nehmen. Es ist nahezu selbstverständlich, daß dann auch ein Zusammentreffen der beiden Kaiser zu erwarten steht.

ZSew-gts« K«0e«.

Roman von Max von Weißenthurn. 68

Eine Viertelstunde mochte vergangen sein, während welcher Emil Sternau in steigender Erregung in dem Ge­mache auf- unb abgegangen war, Pläne schmiedend, über, legend, was er nun tun solle, wie er das Eisen schmie- ben müsse, um den denkbar größten Vorteil für sichherauS- zuschlagen, sich wohl auch fragend, ob der Graf zurück-. lehren werde und er hier seines Kommens harren solle, oder ob es klüger fei, zu gehen und sich suchen zu lassen. WaS er eigentlich wollte, oder richtiger gesagt, wie er eS anstellen soll«, um sich den denkbar größten Gewinn zu sichern, darüber war er selbst nicht so ganz im klaren, aber er baute auf sein Glück, daS ihn auch diesmal nicht im Stiche lassen würde.

Während er noch sann und grübelte, ging die Tür auf und Walter von Aulenhof trat ein.Nun kommen wir rasch zu Ende," sprach er in einem Tone, der nicht zu konzilianten Annäherungsversuchen einlud.Geben Sie mir Tag und Stunde bekannt, an welchem Sie sich bei meinem Notar, Doktor Klob, einfinden, um das Schrift» stück zu unterzeichnen, welches ich von Ihnen fordere, und um das Geld in Empfang zu nehmen, das ich fürdieDoku- mente bezahle, deren Auslieferung ich von Ihnen begehre."

Als Emil Sternau auf diese Worte hin immer noch schwieg, drängte der Graf ungeduldig:Nun, so sprechen Sie, ich habe eS eilig und durchaus keine Lust, das Zu­sammensein mit Ihnen unnötig in die Länge zu schieden, also sprechen Sie!''

Die Sache ist nicht so leicht, wie der Herr Graf an. zunehmen scheinen," entgegnete Sternau endlich langsam und zögernd.Einerseits haben Sie mein Gespräch mit Ihrer Frau Mutter nur teilweise vernommen, anderer« seitS haben Sie dasselbe auch zu so jähem Abschlüsse ge­bracht, daß eS mir nicht möglich gewesen, der Frau Für­stin alles zu sagen, waS ausgesprochen werden sollte und mußte."

Nun also zur Sache!" drängte der Graf nochmals ungeduldig.ES handelt sich um Papiere, die die Namens­unterschrift meines seligen Vaters tragen sollen, deren Echtheit Sie anzweifeln, und um einen Taufschein, der, weiß der Himmel aus welchen Gründen, für die Fürstin auch von Interesse zu sein scheint; es liegt gar nicht in meiner Absicht, mich in Erklärungen, Erörterungen, Prü­fung dessen, ob Ihre Behauptungen richtig seien, einzn- lassen. Ich will nur ein Tauschgeschäft mit Ihnen ma» chen; ich erhalte die Papiere und Sie bekommen das Geld. Die Sache ist ganz einfach."

Doch nicht so ganz einfach, wie der Herr Graf anzu- nehmen scheinen, und wenn Sie auch meine Ehrlichkeit und mein korrektes Denken in sehr fragliches Licht stellen, fühle ich mich doch veranlaßt, mit offenem Visier vor Sie hinzutreten und Ihnen in klaren Worten zu sagen, waS Sie kaufen, damit Sie begreifen, daß der Preis, den Sie mir bieten, immer noch nicht groß genug ist für das Ge» heimnis, welches Sie erworben. Hören Sie mich an, ohne mich zu unterbrechen, wenn ich bitten darf. Ueber die Natur der Unterschriften, welche Sie käuflich an sich brin­gen, sind Sie vollständig orientiert und ich brauche da­rüber weiter kein Wort zu verlieren; der Taufschein aber, von dem Sie mich haben sprechen hören, ist jener eines Mäd­chens, das den Namen Sternau trägt, dessen Vater ich bin, dessen Mutter auf jenem Dokumente unter einem fingier- ten Namen erscheint, weil . . nun . . weil die Verhältnisse unS diese Täuschung der kirchlichen Behörde aufnötigten."

Und inwiefern kann der Taufschein Ihres Kindes für mich von Interesse oder gar von Wert sein?" forschte der Graf mit ablehnendem Stolz.

Ich habe Sie gebeten, mich nicht zu unterbrechen, Herr Graf, nicht aus Laune, sondern weil ich weiß, daß Sie die Situation erst erfassen können, wenn dieselbe Ih­nen in ihrem ganzen Umfange bekannt ist Die Fürstin LichtenfelS, verwitwete Gräfin Aulenhof, ist eigentlich heute noch Frau Sternau, und jeder andere Name, den sie trägt, ist auf unrechtlichem Wege erworben."

Eine lange Pause entstand. Walter von Aulenhof war sehr bleich geworden, er starrte finster vor sich hin, end- lich sprach er, das Haupt emporrichtend:Herr, Sie sind entweder ein Narr, oder ein abgefeimter Betrüger 1 Sie können doch nicht einen Augenblick dem Wahne Raum ge­ben, daß ich diesem albernen Ammenmärchen Glauben schenke! Sie haben kein schwaches Weib vor sich, welche» Sie mit falschen Vorspiegelungen einschüchtern können!"

ES ist mir ziemlich einerlei, Herr Graf, ob Sie mei­nen Aussagen Glauben schenken oder nicht, erhalte ich bei dem Kompromiß, welches ich einzugehen bereit bin, von Ihnen nicht alles, was ich von Ihnen fordere, so trete ich mit meinen Rechten offen und »ngeschent hervor und ich glaube nicht, daß eine Anklage wegen Bigamie, die Sie gegen mich einzubringen sich bereit finden werden, geeig« net sein dürfte, den Glanz der Namen Aulenhof und Lichten- felszu erhöhen."

Um mit einer solchen hervortreten zu können, müs­sen Sie aber Beweise, Schriftstücke, Dokumente, haben; wenn Sie solche besitzen sollten, warum werden sie nicht in erster Linie mir vorgelegt, damit ich sie auf Wert und Richtigkeit hin prüfen könne?"

Es läßt sich doch unmöglich von mir erwarten, Herr Graf, daß ich mit derartig wertvollen Schriftstücken ver­sehen, mein ganzes Leben lang umhergehe, um sie jeder- zeit vorweisen zu können. UeberdieS ahnte ich nicht, daß die heutige Unterredung sich in dieser Weise zuspitze, sonst würde ich mich vielleicht mit jenen Schriftstücken versehen haben, die geeignet gewesen wären, diejenigen, welche mir feindlich entgegentreten zu wollen scheinen, sofort zum Schweigen und zur Nachgiebigkeit umzustimmen. Seien Sie aber versichert, daß diese Schriftstücke tatsächlich be­stehen, daß sie sich in sicherem Gewahrsam befinden, um in dem Momente nutzbringend verwertet zu werden, in dem ich zu der Erkenntnis komme, daß der gütliche Aus­gleich, den ich immer noch erhoffe, eine Illusion ist, die mir nichts einträgt." 131,18