den Grundsätzen der Zivilisation entsprechenden Weise geregelt werben könne.
— Eine spanische Karlistenvereinigung hat die Polizei von Barcelona entdeckt. Es wurden bei einer Reihe von Mitgliedern eine Anzahl Gewehre und Patronen beschlagnahmt.
— Die Marokko-Konferenz erledigte zurückgestellte Steuer- und Zollfragen und einigte sich über die Zahl der Bank-Zensoren dahin, daß Deutschland, England, Frankreich und Spanien je einen Zensor ernennen soll.
— Der französische Minister des Innern, Clemen- ceau, hat eine Maßnahme getroffen, die von großem Einfluß auf die künftige Organisation der Pariser politischen Polizei sein dürfte. Llemenceau untersagte der französischen Staatspolizei die Fortsetzung der bisher den Regierungen Rußlands und der Türkei geleisteten politisch-polizeilichen Dienste. Dem neuernannten Direktor der Staatspolizei Huard ist ein dienstlicher Verkehr mit den Botschaftern der genannten Mächte nicht mehr gestattet.
- Ein Konflikt zwischen der britischen Zentral- regierung und dem Ministerium von Natal ist aus- gebrochen, welches schließlich seine Entlassung einreichte. Die Affäre wird möglicherweise noch zu einem Konflikt zwischen dem englischen Ober- und Unterlaufe führen.
— Die Lösung der Verschwörerfrage in Serbien steht bevor; sie soll nach einer Depesche des „Wiener Tel.-Bur.", derart erfolgen, daß die Mehrzahl der an der Verschwörung vom 11. Juni 1903 aktiv beteiligten Offiziere aus der Armee ausgeschieden werden. Die Verschwörer bewilligten unter der Bedingung ein, daß gleichzeitig die doppelte Zahl ihrer Gegner pensioniert wird. In Regierungskreisen ist man der Ansicht, daß die Angelegenheit im Laufe des Monats April bei» gelegt wird.
— Zum englisch-türkischen Konflikt meldet ein Telegramm aus Damaskus, daß der Oberbefehlshaber des türkischen 5. Armeekorps auf Anweisung aus Kon- stantinopel an die Militärbehörden in Jerusalem den Befehl erlassen hat, eine Kompagnie regulärer Truppen zur Bewachung der ägyptischen Grenze südlich von Gaza zu entsenden.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 3. April 1906.
—* Die Ehrengabe der evangelischen Gemeinden zur silbernen Hochzeit des Kaiserpaares hat leider nur etwas über 7000 Mark ergeben, welche den beiden Rettungshäusern Rengshausen und Hofreith zugute kommen sollen.
—* Die Versammlungen des Bundes der Landwirte erfreuten sich alle eines starken Besuches und konnten beni Vereine wiederum 48 neue Mitglieder zugeführt werden. Besonders interessant und bedeutungsvoll war die Elmer Versammlung, welche Herr Geh. Rat Rot-Ahlersbach mit seiner Gegenwart beehrte und in voller Frische und Eifer für die berechtigten Forderungen des Bundes der Landwirte eintrat. Einen tiefen Eindruck machte allenthalben der ausgezeichnete Vortrag des Geschäftsführers Herrn Buhl-Unna über die neuen Handelsverträge und die Fleischnot. Angesichts der aus der Reichs-Statistik stammenden Zahlen über Schlachtungen im Vergleich zu den letzten Jahren kann tatsächlich von einer Fleischnot keine Rede sein. Recht drastisch schilderte Redner die wirklichen Fleisch- verteuerer, die Presse, welche den Rummel entfachte, die Städte mit den hohen Schlachtsteuern und Abgaben für ihre Schlachthof- und Viehhofseinrichtungen, die zunehmende Bequemlichkeit der städtischen Bürger nebst deren hohen Ansprüche rc. Auch die Erbschaftssteuer, das Schulunterhaltungsgesetz usw. wurden einer Kritik unterzogen, kurz, aus Allem leuchtet klar hervor, daß der Bund der Landwirte greifbare Erfolge aufweisen kann, daß durch seine rastlose Tätigkeit, die Grenzen für die Einfuhr auswärtigen Viehes geschloffen blieben und in Deutschland der verfehlten Caprivi'schen Handelsvertragspolitik der Rücken gekehrt wurde, nicht nur zum Wohle der Getreidebauern, sondern gerade zu demjenigen der Mehzuchttreibenden, kleineren und mittleren Bauern. Herr Geheimrat Roth empfahl als jüngstes Bundesmitglied, den Landwirten des Kreises Schlüchtern ausnamslos in diesen Bund einzutreten, denn jeder Stand- und Beruf schließt sich zusammen, nur große, gewaltige Organisationen könnten heute Eindruck auf die Parlamente und die Staatsregierung machen, die Erfolge des Bundes wären noch weit größer, wenn seine Mitgliederzahl eine höhere wäre! Zum Schluffe nahm die Versammlung einstimmig nachstehende Entschließung an: „dem Vorstand des Bundes der Landwirte sprachen die Mitglieder des Kreises Schlüchtern nebst vielen anderen gleichgesinnten Bauern aufrichtigen Dank aus, für die unablässige, wirkungsvolle Vertretung ihrer Standesinteresfen. Hoffentlich geht den vielen Berufsgenossen, die unserem Bunde noch fern stehen, ein Licht auf, nunmehr in unsere Reihen treten zu müssen, sich mit in die Schranken zu stellen, um an der Hebung der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft und des ganzen Mittelstandes mitwirken zu können". Nach 4 Stunden dauernder Verhandlung schloß der Vorsitzende Herr Gutsbesitzer May-Sannerz mit einem
.HoH auf den Bund der Landwirte, die erhebend, verlaufene anregende Versammlung.
—* Dem Leiter des Bahnrutsches Elm Herrn Regierungsbaumeister Dr. Wallot bieten sich die verschiedensten Retter in der Not an, die Ursachen zu ergründen. Am Donnerstag war ein Herr aus Westfalen (Unna) durch Zufall einige Stunden hier amvesend und bot seine Kunst in uneigennütziger Weise an, mit der Wünschelrute die Wasseradern bezeichnen zu können. In der Tat konnte der Herr mittelst einer gabelförmigen Weidenrute genau angeben, wo verdeckte Wafferabzüge auf dem Bahnkörper sich befinden. Die aus rechtstehende Weidenrute neigte sich an jedem Wafferabzüge bis fast auf die Erde. Der große Entwässerungsschacht den man auswirft liegt gerade an einem Wasserlauf. Diejenigen, welche nicht an die Wünschelrute glauben, wollen in der Tat ihre Zweifel fallen lassen, wir haben es mit eigenen Augen gesehen.
—* Vernichtet die Raupen! Das ist jetzt die Parvle für die Gartenbesitzer. Die zwischen den Zweigen der Bäume und Sträucher hängenden dürren, zusammengeklebten Blätter enthalten die Raupennester. Man hole ein solches BlaUbüschel herunter, bringe es an den warmen Ofen, und man wird sehen, wie ungefähr 20 Raupen in kurzer Zeit herausgekrochen kommen.
—* Der späteste Entlassungstag der Reservisten ist nach kaiserlicher Verordnung der 29. September.
—* Nach langjährigem Leiden (Asthnia und Wassersucht) starb am 14. Februar in Erie, Pa., Frau Gertrude Althof, geb. Druscyel, aus Neuengronau, Kurhessen, stammend, im Alter von 76 Jahren. Sie kam 1847 nach Amerika. 1853 verehelichte sie sich mit Jakob Althos und durfte mit ihm die goldene Hochzeit erleben. Ihr Gatte und 3 Kinder sind ihr im Tode vorangegangen, während 6 Söhne, 1 Tochter und 14 Enkel nebst einem Bruder und einer Schwester in Deutschland sie überleben.
* Die Gemeindeverwaltung Soden, Kreis Schlüchtern hat das Grundgehalt der Lehrerin auf 1000 Mark, die Alterszulage auf HO Mark festgesetzt, während das Grundgehalt der Lehrer 1200 Mark und die Alterszulage 150 Mark beträgt.
* Gegen Ende vorigen Monats wurde in der mechanischen Buckskinfabrik der Firnia Bratfisch und Tassius-Salmünster das 50 OOOfte Stück Waare fertig gestellt und gab dieses Ereigniß Anlaß zu einer kleinen aber sehr gemütlichen Feier in den Räumen der Fabrik an welchen sich sämmtliche Arbeiter, der Gründer und alleinige Inhaber Herr Wilh. Bratfisch nebst Familie beteiligten. Zu dem Festessen, welches einen metallenen Beigeschmack hatte, ließ eine Musikkappelle ihre fröhlichen Töne erschallen und hielt unter Gesang und Tanz bis zum Abend die muntere Gesellschaft zusammen, bei welcher sich so recht das patriarchalische Verhältniß zwischen Arbeiter und Arbeitgeber wiederspiegelte.
* Der Kaiser hat bei dem siebenten Sohne des Maurermeister Markus Möslein in Hilders (Rhön), die Patenstelle übernommen. Der Hauptwunsch des glücklichen Familienvaters ist, daß seine sieben Söhne alle tüchtige Vaterlandsverteidiger werden.
* Die Stadtverordnetenversammlung in Hersfcld bewilligte in der am Donnerstag stattgefundenen Sitzung auf Antrag des Magistrats einen Betrag von 500 Mk. zu einer entsprechenden Feier aus Anlaß der am 1. Mai erfolgenden Eröffnung der Bahnstrecke Hers- feld-Oberaula der neuen Eisenbahnlinie Hersfeld-Treysa. Bekanntlich geht am 30. April vormittags der Festzug von Hersfeld nach Oberaula ab und nach Rückkehr des Zuges soll in Hersfeld ein Festessen stattfinden.
* Der Seminaroberlehrer in Frankenberg Herr Dr. Sieke ist vom 1. April d. I. ab als dirigierender Seminaroberlehrer nach Merseburg berufen worden.
* Ein Gastwirt in Schmalkalden hat einen Gast, der volle 50 Jahre jeden Sonntag seinen Schoppen bei ihm trank, zum „Ehrengast" ernannt mit der Berechtigung, daß er jetzt jeden Sonntag seinen Schoppen umsonst am gewohnten Platz trinken darf.
Vermischtes.
' — In Deutschland haben im vergangenen Jahre 200 Menschen beim Nachgießen von Spiritus und Petroleum aus gewöhnlichen Kannen oder Flaschen ihr Leben eingebüßt. Diese Tatsache bedeutet für Hausfrauen und Dienstboten eine ernste' Mahnung zur Vorsicht.
— Im Frühjahr verlieren die Suppengemüse an Kraft und Aroma. Das ist eine alte und naturgemäße Tatsache. In solcher Zeit möge man sich deshalb ganz besonders an die bekannte Maggiwürze halten. Wenige Tropfen davon geben Suppen, Saucen, Ge- inüsen usw. augenblicklich einen außerordentlichen Wohlgeschmack, wie er selbst durch die feinsten Suppengemüse allein garnicht einmal zu erreichen wäre.
— Vorige Woche traf in Buchenau (Kr. Bieden- köpf) die Nachricht ein, daß der in der Stahlfabrik zu Niederschelden bei Singer beschäftigte Arbeiter Jakob Fenner von hier von einem elektrischen Krähn getroffen und auf der Stelle getötet worden sei. Fenner, ein in den 40er Jahren stehender Mann, hatte am
Sonntag erst seine Frau und seine 4 Kinder hier besucht. Er sollte sie nicht Wiedersehen.
— Eine überraschende Nachricht wird aus Lens gemeldet: Aus Schacht 2 der Grube von Courrieres sind dreizehn Bergleute, die seit der Katastrophe dort eingeschlossen waren, lebend zu Tage gefördert worden. Sie haben während dieser Zeit von Lebensmitteln gelebt, die sie bei den Verunglückten gefunden hatten und von Hafer aus den Pfcrdeställen. Die Geretteten befinden sich wohl, nur ein einziger ist krank. — Ueber die Rettung der 13 Ueberlebenden wird noch gemeldet: Eilt Trupp Arbeiter, die mit der Böschung des Brandes beschäftigt waren, als die 13 Leute auf sie zukamen. Die Geretteten konnten sich nur mit Mühe auf den Beinen halten, ihr Führer sagte, sie kämen aus Schacht 3 und seien 20 Tage lebendig begraben gewesen. Die Leute konnten das Tageslicht kaum ertragen, sie waren schwach, aber mit einer Ausnahme bei guterjSefunb« heit. Die Geretteten wurden in das Lazarett gebracht, man reichte ihnen löffelweise Kaffee und Milch, was sie nur mühsam nehmen sonnten. Alles wollte die 13 sehen, die Aerzte aber weisen alle, außer den Ange- hörigen, zurück. In Lens und der Umgebung herrscht infolge des Vorfalles größte Erregung.
— DiezGesamtsumme der Spenden für die Hinterbliebenen der verunglückten Bergleute belauft sich auf 3 Millionen Mark.
— Aus Ostpreußen. „Na, Junge, schickt mir dein Vater das versprochene Spanferkel nicht bald?" — Nee, Herr Lehrer, es is wieder gesund geworden."
Menschen, die sich mehrere Sprachen bedienen lernten, haben viele Vorteile: sie finden sich in der Freiheit der Bewegung nicht durch sprachlichesSchranken eingeengt, sie besitzen einen erweiterten Gesichtskreis und sind in der Lage, hieraus einen ganz bedeutenden materiellen Nutzen zu ziehen, indem sie ihre Sprach« Kenntnis in den Dienst des Handels, der industriellen Unternehmungen und des internationalen Verkehrs stellen. Die Erwerbung dieser Fähigkeiten steht aber einem jeden offen, gleichviel welchem Berufe er ange- hört, wenn er nur den festen Willen hat, sich mildem Studium fremder Sprachen zu beschäftigen. Als bestes Mittel hierzu können wir die Unterrichtsbriefe zum Selbststudium fremder Sprachen nach der Original- Methode Toussaint-Langenscheidt empfehlen, da diese Methode einen Weltruf besitzt und auf einen bisher beispiellosen 50jährigen Erfolg zurückblickt. Tausende haben hiernach die fremden Sprachen bis zu einem hohen Grade der Vollkommenheit beherrschen gelernt. Wie aus zahllosen Zeugnissen hervorgeht, verdanken viele Schüler der Methode ToussaintLangenscheidt allein ihre guten einträglichen Sellungen, ja in vielen Fällen sogar ihre Existenz, auch haben nicht wenige, die sich die Kenntnis der betreffenden Sprachen nach Toussaint- Langenscheidt aneigneten, ihr Examen als Sprachlehrer vor einer amtlichen Prüfungskommission mit „gut" bestanden. Ohne alle Vorkenntnisse lernt der Schüler vom ersten Unterrichtsbriefe an das geläufige Sprechen, Lesen, Schreiben und Verstehen der fremden , Sprache. Eine Berufsstörung tritt für keinen Schüler ein, da der Lehrer hier stets bei der Hand ist und jede freie Stunde für das Sprachstudium ausgenutzt werden kann. Der Lehrstoff wird dem Schüler stets in kleinen Mengen, dabei aber in großer Mannigfaltigkeit geboten. Von der Methode Toussaint-Langenscheidt existieren für Deutsche vor der Hand nur folgende Originale: Deutsch, Englisch, Französisch Italienisch, Russisch, Spanisch. Es befinden sich in. Vorbereitung: Rumänisch, Niederländisch, Polnisch, Ungarisch. Die Langenscheidtsche Verlagsbuchhandlung (Prof. G. Langenscheidt), Berlin- Schöneberg, Bahnstr. 29/30, sendet, auf Verlangen Prospekte und Probelektionen der betreffenden Sprachen gratis und franko. __ ____ _
Frankfurt a. M„ 2. April Amtliche Notierungen der Bitbmark preise. Zum Verkauf standen 544 Ochsen, 52 Bullen, 898 Kühe und Färsen (Stiere und Rinder), 361 Kälber, 316 Schafe und Hämmel, 1569 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfund: Ochsen a) vollsleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes bis zu 6 Jahren Mk. 75 - 77, b) junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete Mk. 69 72, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere Mk. 60 - 65, d) gering genährte jeden Alters Mk. — bis —. Bullen: a) vollsleischige höchsten Schlachtwertes Mk. 66 bis 68, b) mäßig genährte jüngere und gut ge- genährte ältere Mk. 62 —64, e; gering genährte Mk. —, Kühe und Färsen Stiere und Rinder: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen (Stiere und Rinder) höchsten Schlachtwertes Mk. 70 72 b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren Mk. 66 67, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 47—48, d) mäßig genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 42 43, e) gering genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. —. Bezahlt wurde für ein Pfund a) feilte Mast (Vollm.-Mast) und beste Saugkälber (Schlachtgewicht) 89—93 Psg., (Lebendgewicht) 54—57 Pfg., b) mittlere Mast- und gute Saugkälber (Schlachtgewicht) 89-93 Pfg., (Lebendgewicht) 54—57 Psg., o) geringe Saugkälber 6t—65 Pfg., d ältere gering genährte Kälber Fresser Psg. Schafe: a) Mastlämmer nnd jüngere Masthämmel 78 80 Pfg., b) ältere Masthämmel 70 -72 Pfg. c) mäßig genährte Hämmel und Schafe (Märzschase) — Psg. Schweine: a. vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuz-, ungen im Alter bis zu i'/t Jahren 78 Psg., b. fleischige 79 - 8p
Kirchlicher Anzeiger für Schlächtern.
Evangelische Gemeinde:
Mittwoch den 4. April. Abens '48 Uhr;
Passionsgottesdienst,