SchlüchternerMung
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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
A» 24. Samstag, den 24. März 1906. 57. Jahrgang.
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unsere Zeitung für die Monate April, Mai und Juni noch nicht bestellt, so versäumen Sie nicht, dies möglichst bald bei Ihrem Postamt oder Briefträger bezw. bei unseren Agenturen oder Zeitungsboten zu tun. Nur durch eine frühzeitige Neubestellung kann eine unliebsame Unterbrechung in der prompten Weiterzu- stellung unserer Zeitung beim Quartalswechsel vermieden werden. Und haben Sie diese Bestellung besorgt, dann
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bitte im Kreise Ihrer Freunde und Bekannten neue Leser für die Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt anzuwerben, was Ihnen nicht schwer fallen dürfte, da ja das heimatliche Lokalblatt für Jedermann, ob Beamter oder Kaufmann, Handwerker oder Arbeiter, Stadt- oder Landbewohner in erster Linie von Interesse sein muß, da es aus der Heimat und der Nachbarschaft alles neue bringt und fehlem ganzen Inhalt nach das kommunale, gewerbliche und wirtschaftliche Leben wiederspiegelt, in dem der Leser selbst wirkt und steht. Der vierteljährliche Bezugspreis ist ein so niedriger, daß auch der weniger Bemittelte es sich leisten kann, sein Lokalblatt mitzuhalten, was ja auch durch den fortwährend stattfindenden Zuwachs von neuen Abonneten bewiesen wird. Daß ein solch verbreitetes Blatt wie das unsere in erster Linie auch ein zweckentsprechendes Publikationsorgan für Behörden und Geschäftsleute, wie für Jeden ist, der in der Lage kommt, etwas öffentlich bekannt geben zu müssen, erklärt sich von selbst, und so empfehlen wir die Schlüchterner Zeitung zum bevorstehenden Quanals- Wechsel allen Bewohnern unserer Gegend zum Abonnent sowohl wie zur Infektion auf das angelegentlichste.
Deutsches Deich.
— Einzug des Prinzen und der Prinzessin Eitel Friedrich in Potsdam. Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich trafen am Dienstag mittag, von Hubertus- stock kommend, auf dem Stetliner Bahnhöfe hier ein, begaben sich zu Wagen nach dem Potsdamer Bahnhof und fuhren von hier aus um halb 1 Uhr nach Pots- dam ab, um dort feierlich ihren Einzug zu halten. Auf dem hiesigen Potsdamer Bahnhof waren die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise erschienen Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung fand dann der Einzug des Prinzenpaares Eitel Friedrich statt. Der Zug bewegte sich zum Rathaus, wo Schulkinder Spalier bildeten. Am Rathaus begrüßte der Bürger-
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Bewegtes Aeven.
Roman von Max von Meißemhnrn. 51
„Um Ihnen verständlich zu werden, muß ich vvr allem be- merken, daß der Name, welchen ich hier führe, Martin Berg, ein angenommener ist, daß ich eigentlich Emil Sternau heiße und der Sohn des Mannes bin, in dessen Hause Ihre Frau Mutter einige Jahre der Mädchenzeit verbracht hat. Wer Gelegenheit hatte, Umschau zu halten in der Welt, der dürste es wohl nicht befremdlich finden, daß die Dame, welche zu einer Zeit, da sie noch nicht hoch- geboren und vornehm war, im Hause meines Vaters Obdach und Hilfe fand, dies nur mit Undank lohnte. Erhielt eine Sekunde lang inneund fuhr dann fort: „Würde e» beim Undank allein geblieben sein, so hätten wir nuS sagen müssen, eS sei dies so der Welt Lauf, aber Ihre Frau Mutter hat sich nicht damit genügen lassen; sie hat die ihr zu teil gewordenen Wohltaten damit gelohnt, daß sie meinen Vater pekuniär zu Grunde richtete. Ihre Verschwendungssucht kannte keine Grenzen und da ihr Gemahl dieselben nicht hinreichend befriedigen konnte, oder wollte, entlehnte sie namhaste Geldbeträge bei meinem Vater, welche sie ihm nie mehr zurnckstellte. Als dieser schließlich sah, daß er nicht zu seinem Gelde komme» könne, machte er Ihrer Frau Mutter Borstelluugeu, bat und be- schlvor er sie, sich doch ihrem Gemahl anzuvertrauen und die Folge davon war, daß sie ihm von da an immer Wechsel brächte, die mit dem Namen des Grafen von Aulen- Hof gezeichnet waren. Durch einen Zufall kam mein Vater darauf, daß diese Wechsel gefälscht seien. Er hatte einen derselben fortgegeben, der dem Grafen Auleuhos präsentiert worden; welcher ihn zwar sofort bezahlte, aber dessen Unrichtigkeit erkennend, der Sache nachging und meinen Vater selbst aufsnchte, wo eS dann zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Männern kam. Ich war damals noch ein unmündiger Knabe und im Neben- räumeZnhörerfener Auseinandersetzungen, ich weiß auch, daß die Verzweiflung des Grafen meinem Vater so sehr
meister das hohe Paar. Von dort bewegte sich ber| Zug unter jubelnden Zurufen der Menge nach der zur Wohnung des Prinzenpaares bestimmten Villa Liegnitz. Die Garnison bildete auf den Straßen Spalier.
— Der Reichstag setzte am Sonnabend die Etatsberatung für ostafrikanische Schutzgebiet fort. Abg. Bebel (Soz) erging sich in schweren Beleidigungen und Verleumdungen gegen Dr. Peters, die von den Abgg. Arndl (Rp.) und Kardorff (Rp.) energisch zurückgewiesen wurden. Eine Debatte entspann sich über die beiten Schulen in Dar-es-Salaam, welche die Regierung konfessionslos, das Zentrum aber überhaupt nicht will. Da sich Beschlußunfähigkeit des Hauses einstellte, wurde die Sitzung auf eine Viertelstunde vertagt. In der neuen Sitzung wurde die Position, die 243 960 Mark zur Besoldung für eine weiße Koinpagnie fordert, abgelehnt. — Am Montag wurde zunächst debattelos der dritte Nachtragsetat für Ostafrika in dritter Lesung erledigt und hierauf auch der vierte Nachtragsetat für Südwestafrika, wobei Oberst v. Deimling eine eingehende Darstellung des Standes der Operationen gegen Morenga gab. Bei der zweiten Beratung des Etats für Kamerun erhob Abg. Kopsch (fr. Vä.) heftige Anklagen gegen den Gouverneur v. Puttkammer und Puttkammersche Mißwirtschaft Erbprinz Hohenlohe-Langenburg ging nochmals auf das Urteil gegen die Akwaleute ein und wiederholte, was er über die Cousinengeschichte bereits in der Kommission gesagt hatte. Abg. Dr. Arendt (Rp.) trat dem Abg. Kopsch entgegen, dessen Ausführungen von den Abgg. Ablaß (fr. Vp.) und Storz (D. Vp.) unterstützt wurden.
— Das preußische Abgeordnetenhaus bewilligte am Sonnabend zunächst nach kurzer Debatte in dritter Lesung den Etat des Ministeriums des Innern. Bei der Beratung des Kultusetats wurden die Behauptungen des Abg. Rosenow (fr. Vp.) über Eingriffe der Schul- aufsichtsbehörde in die städtische Schulverwaltung in Berlin und des Abg. Stychel (Pole) über Drang- salierung der Polen vom Kultusminister Dr. Studt und Ministerialdirektor D. Schwartzkopff sachlich als ungerechtfertigt widerlegt. Von verschiedenen Rednern wurden noch allerlei Wünsche vorgebracht, worauf zunächst der Kultusetat und sodann das Etatsgesetz im einzelnen und in -der Gesamtabstimmung im ganzen von dem nur noch schwach besetzten Hause genehmigt wurde. — Am Montag wurde nach Erledigung einer Anzahl kleinerer Vorlagen der Gesetzentwurf über die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst beraten, j Minister des Innern v. Beihmann-Hollweg leitete die Besprechung durch eine längere Rede ein, in der er 1 bie Notwendigkeit einer Reform Monte. Die Abgg.
zu Herze» ging, daß er ihm für den Moment, tie bedeutende Anzahl der in seinen Händen befindlichen Wechsel gar nicht nannte, sondern sich vornahm, später, wenn die erste Aufregung des Grafen sich gelegt, ihm die weiteren Mitteilungen zu mache». Auf den tragische» Tod des Grafen Auleuhos konnte er nicht gefaßt sein, als er aber von demselben Kenntnis erhielt, da schwieg er erst recht, denn er hatte beut Grafen, als dieser ihn, eine beträchtliche Summe für einige Wechsel auszahlte, geschtvo- ren, die Sache geheim zu halten und keiner Menschen- Seele gegenüber von derselben Erwähnung getan. Hat mein Vater in dem Gedanken gelebt, später, wenn Sie, Herr Graf, erwachsen seien, mit jenen Papieren an Sie heranzutreten, oder glaubte er sich verpflichtet, für immer zu schweigen, das weiß ich nicht, so viel aber weiß ich, daß kein Glück an dem Geld zu haften schien, welches aus Ihrem elterliche» Hause kam, daß eS den Ruin der Meinen nicht hintanzuhalten vermochte. Können Sie es von mir unbegreiflich finden, wenn ich mmmwunden gestehe, daß ich tiefen Groll gegen Ihre Mutter nähre, welche den Ruin meiner Eltern denn doch in erster Linie verschuldet hat?"
Er hielt inne, Walter von Auleuhos war während der Aufklärungen, die ihm zu teil geworden und die ihn, nach all' dem, was er von dem Vorleben seiner Mutter kannte, kaum überraschten, ansgestanden und ging mit großen Schritten im Gemache auf und nieder. Er litt furchtbar, litt, wenn auch nicht in seiner Liebe zu der Frau, welche ihm dar Leben geschenkt, so doch in seinem Selbstgefühl, in seinem Stolz. Es war ihm qualvoll, sich in Berhaud- langen mit dem Manne einlassen zu müssen, den, wie er sehr wohl begriff, nicht die Liebe zu den toten Eltern, nicht der Groll, weil diese durch das Verschulden der Gräfin Auleuhos zu Grunde gerichtet worden waren, sondern nur Habsucht und Geldgier dazu veranlaßten, plötzlich gewissermaßen als Rächer der Dahingeschiedenen vor den Lebenden zu treten.
ES bereitete ihm grenzenlose Qual, die Xanten Aulen-
Keruth (fr. Vp.) und Peltason (fr. Vg.) äußerten Bedenken gegen die Borlage. Nachdem sich noch die Abgg. Lusensky (ntl.), Lotz (frkons.), Linz (Z.), Pallaske (kons.), Vorster (frkons.) und Dr. Friedbsrg (ntl.) im großen und ganzen wohlwollend zu der Vorlage geäußert hatten, wurde dieselbe einer besonderen Kommission überwiesen.
— Der Seniorenkonvent des Reichstages beschloß, die Osterferien am 6. April beginnen zu lassen und die Arbeiten am 24. April wieder aufzunehmen. Die Hoffnung auf rechtzeitige Fertigstellung des Etats ist definitiv aufgegeben und der Reichskanzler bereits hiervon benachrichtigt worden. Die zweite und dritte Lesung der Steuergesetzentwürfe soll gleich nach Ostern vorgenommen werden und erst nach ihrer Erledigung die dritte Lesung des Etats lhren Anfang nehmen.
— Dem deutschen Botschafter in London Grafen Wolff-Metternich hat der Kaiser den Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Titel „Exellenz" verliehen.
— Der Hauptvorstand des polnischen Strazverein forderte diejenigen Geistlichen, die noch Starosten fin auf, um sie vor schlimmen Folgen zu bewahren, ih Amt niederzulegen.
Ausland.
— Die Angelegenheit des deutschen Sanatorium- auf Madeira ist in befriedigender Weise dahin gelöst worden, daß die Konzession weiter bestehen bleibt. Die deutsche Gesellschaft gibt ihre Ansprüche auf Enteignung der in ihren Gebieten von Briten erworbenen Rechte auf und erwirbt ein anderes gleichwertiges Gelände. Die Gesellschaft eröffnet demnächst einen direkten wöchentlichen Dampferdienst zwischen Lissabon und Madeira im Einvernehmen mit der Internationalen Schlafwagengesellschaft.
— In der ungarischen Krisis geht die Regierung sehr energisch vor. Da der Eekutivausschuß der koalierten Opposition seine von feiten der Regierung erfolgte Auflösung nicht anerkannt hat, weiter agitiert und Beratungen hält, hat der Ministerpräsident beschlossen, künftig sämtliche Blätter konfiszieren zu lassen, welche über irgend welche Beschlüsse des Exekutiv- ausschusses referieren, und außerdem gegen die Mitglieder des Ausschusses gerichtlich Vorzugehen.
— Das Kriegsgericht zu Rennes verhandelte gegen die französischen Offiziere Major Hery und die Hauptleute Langavant und Spiral, welche bei der Inventaraufnahme in der Kirche St. Servan einzuschreiten sich geweigert hatten. Major Hertz wurde zu einem Monat Gefängnis und die beiden Hauptleute zu einem Tage
Hof und LichtenfelS einem Manne gegenüber preiSgege- ben zu wissen, der von niederer Herkunft war, nicht weil ihm die Ahnenreihe mangelte, sondern, weil ihm der Seeleuadel fehlte. Er rang nach Worten, er grübelte über einen Ausweg nach und fand ihn nicht. Er wußte, daß seine Unterredung mit Sternau nichts als eine Geldfrage fei, daß nur diese allem zu Grunde liegt, aber eS war ihm schwer, diesen Ausweg zu finden, denn von dem Mo- meut an, in welchem er Geld bot, gestand er wortlos bem Manne ein, daß er an die Schuld der eigenen Mutter glaube und das wurde ihm unermeßlich hart.
Sternau war zu sehr Menschenkenner, um die Seelen- qual nicht in feinen Züge» zu lesen, aber, was kümmerte ihn dieselbe, sein ganzes Verlangen war nach Geld und um dieses zu erlangen, dünkte ihm kein Mittel zu schlecht.
„Herr Graf," sprach er nach kurzer Pause, „Sie schei- uen durch alles, was ich Ihnen gesagt, noch nicht überzeugt, ziehen Sie es vor, daß ich in beut Fürsten Lichten- felS einen Käufer für die Dokumente suche, von deren Wert und Bedeutung ich mehr als überzeugt bin?"
Eine peinliche Pause entstand. 131,18
Walter von Auleuhos war anS Fenster getreten und starrte finster in den Hof hinab, auf welchen, schmutzige Kinder sich lärmend umhertrieben. „Bor allem zeigen Sie mir die in Rede stehenden Schriftstücke," sprach er endlich, „baun bieten Sie mir in irgend einer überzeugenden, unantastbaren Weise Bürgschaft für die Echtheit derselben."
Sternau schwieg ein paar Augenblicke, dann sprach er ernsthaft: „Die Papiere will ich Ihnen gleich zeigen, Herr Graf, die Bürgschaft aber, was sehen Sie als solche an ? Genügt eS Ihnen, wenn ich Sie in die Lage versetze, Zeuge zu sein bei einer Unterredung zwischen mir und Ihrer Frau Aiutter ? Ungesehener Zeuge natürlich. Weiß ich auch nicht, ob eS mir gelingen wird, sie so nahe zu bringen, daß Sie hören, was ich mit ihr spreche, so dürfen Sie doch an den: Wesen der Frau Fürstin erkennen, daß sie mir als Bittende entgegentreten wird und das sollte Sie doch überzeugen können, daß sie sich in meinen Händen befindet."