schaftlichen Behandlung und die Politik der offenen Tür sichere. Eine von dem zweiten Delegierten Grafen Tattenbach bezüglich der marokkanischen Münzreform in der Plenarsitzung abgegebene Erklärung erregte all- gemeine Befriedigung. Für die Regelung der Gerichtsbarkeit hat man sich bei der Besprechung der Bankfrage dahin geeignet, daß in erster Instanz in allen Prozessen gegen die Bank eine noch näher zu be- stimmende Konsularrechrsprechung in Tanger einzutreten und in zweiter Instanz das Lausanner Gericht zu entscheiden habe.
— Für Förderung freundschaftlicher Beziehungen zwischen England und Deutschland ist der deutsche Botschafter in London, Graf Wolff-Metternich, auf dem Jahresbankett der vereinigten Handelskammern Großbritanniens eingetreten. Der Botschafter hielt eine Rede, in der er den Handelskammern dankte für ihre Einladung und für ihr Bestreben, an einer Besserung der Beziehungen zwischen England und Deutschland mitzuwirken.
— Das norwegische Storthing hat bei der Beratung des Budgets des Auswärtigen bezüglich der diplomatischen Vertretungen in Deutschland und Frankreich einen AtMag angenommen, wonach die Gesandschafts- und Konsulatsgeschäfte in diesen Ländern vereinigt
werden sollen.
— Zur Ministerkrisis in Frankreich wird Paris gemeldet, daß Präsident Failliöres Sarrien geboten hat, die Bildung des neuen Kabinnetts übernehmen. Sarrien hat sich Vorbehalten, sich seinen Freunden zu beraten.
aus an-
zu
mit
Lokales und Provinzielles.
Schlächter», 13. März 1906.
—* Die erste Gärtnerin war die heilige Gertraud, deren Gedächtnis der auf den 17. März fallende Gertrudstag geweiht ist. Deshalb sagen auch die Bauernregeln von ihm: „Gertrude nützt dem Gärtner fein, toemt sie sich zeigt im Sonnenschein", oder: „Es führt St. Gertraud die, Kuh zum Kraut, die Bienen zum Flug, die Pferde zum Zug." Geboren 626, wurde die hl. Gertrud 64" Aebtisfin des Klosters zu Nyvel/ wo sie 659 starb. Den Reisenden galt sie als Schutzheilige, weshalb diese ihr zu Ehren am Namenstage die sogen. Getrudsminne tranken.
—* Jeder Landbriefträger führt auf seinem Be- stellgang ein Annahmebuch mit sich, in welches er die von ihm angenommenen Sendungen mit Wertangabe, Einschreibesendungen, Postanweisungen gewöhnliche Pakete'' und Nachnahmesendungen , einzutragen hat. Gleiche Annahmebücher werden auch von den Inhabern der an kleineren Landorten errichteten Posthilfsstellen . geführt. Da dem Absender das Recht eingeräumt ist, die Eintragungen selbst vorzunehmen so kann ihm, um sich vor Weiterungen und Verlusten zu sichern, nicht genug empfohlen werden, die den Landbriefträgern mitzugebenden oder bei den Posthilfstellenden zur Weitergabe an den bestellenden Boten niederzulegenden Postanweisungsbeträge, Wertsendungen pp tunlichst eigenhändig in das Annahmebuch des Landbriefträgers oder der Posthilfstelle einzutragen oder wenigstens sich von der Buchung durch den Landbriefträger oder Post« hilfftellen-Jnhaber zu überzeugen.
— Ein Maikäferjahr. Kundige Leute wollen wissen,, daß das kommende Frühjahr durch eine besonders starke Maikäferplage gekennzeichnet sein werde. Man schließt das aus der durch eine alle Bauernregel bestimmten Reihenfolge, in der dieses Jahr wieder ein „Flugjahr" der Maikäfer sein soll. Ein sicheres Zeichen dafür, daß diesmal sich die Prophezeihung bestätigen könnte, ist dahin zu erblicken, daß die Engerlinge überall in sehr starken Mengen auftreten. _____
—* Die diesjährege Modell - Ausstellung von B. Hermann aus Frankfurt a. M. findet vom 12. bis 18. März bei Frau I. Rumpf Bahnhofstraße l0 statt, und nicht vom 13. bis 16. März im Hotel Stern wie es in unserer vorigen Nummer der Zeitung gestanden hat
—* In der Kurve hinter Elm sind am Sonntag von einem Güterzug nach Frankfurt mehrere ^Güterwagen entgleist, umgefaden und haben vier Stunden lang beide"Gletse gesperrt Die Passagiere des D-Zuges aus Frankfurt mußten umsteigen und wurden durch einen Hilfszug aus Fulda weiterbefördert. Dieser kam eine halbe Stunde vor 3 Uhr, der D-Zug eine halbe Stunde vor 5 Uhr hier an. Beim Abspringen verletzte sich der Bremser Gauler aus Bebra, er wurde im hiesigen Landkrankenhaus ausgenommen. Die amtliche Meldung besagt: Abends 11 Uhr entgleisten aus Bahnhof Elm 9 Wagen eines nach Bebra ausfahrenden Güterzuges. Ein- und Ausfahrtrichtung Frankfurt und Bebra waren zunächst gesperrt, sodaß für Schnellzug 1 Frankfurt ab 1023 ein Hülfszng ab Elm mit 130 Minuten Verspätung abgetanen werden mußte. Die Reisenden mußten umsteigen. Im Laufe der Nacht wurden die Gleise im wesentlichen wieder betriebsfähig hergestellt. Ein Bremser ist leicht verletzt. Reisende sind nicht verletzt.
Wie die „Butzbacher Ztg." meldet, wurde der Rechner des Butzbacher Sparkassenvereins, Karl Heinzer- ling, wegen Unterschlagung von 150 000 Mark verhaftet.
* Die Frühjahrsmesse zu Frankfurt nimmt Mitt woch den 4. April ihren Anfang und
dauert bis
Dienstag den 24. April.
* Frankfurt a. M. Am Sonntag trat zum ersten Mal das neue Ortsstatut über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe in Kraft. Es bestimmt im allgemeinen vollständige Sonntagsruhe, die Ausnahmen betreffen in der Hauptsache der Verkauf von Lebensmitteln, ferner von Roheis, Blumen und Zeitungen.
* Der in Wipperode ausgebrochenen Masernepidemie wegen ist in Eschwege die Schule schon etliche Wochen geschlossen. Zum Glück tritt die Krankheit nicht bösartig auf Auch im benachbarten Germcrode sind die Masern ziemlich stark ausgebreitet.
* Der gewiß seltene Fall, sieben Söhne beim Militär gehabt zu haben ist dem in den 80er Jahren stehenden Landwirt Heß von Hofaschenbach zu verzeichnen. Der letzte seiner sieben Soldaten dient noch zurzeit beim Fuldaer Feld-Artillerie-Regiment. Aus AnlW der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares über- sandte Herr Heß eine Photographie, welche ihn und seine Söhne in Uniform darstellt.
* Die 18. Generalversammlung des Vereinsausschusses der Landwirlschaftskammer in Kassel wurde gestern Vormittag gegen 10 Uhr im Saale des Lese- museums durch den Vorsitzenden, Herrn Rittergutsbesitzer v. Stockhausen-Hof-Abgunst, mit Begrüßung der Anwesenden eröffnet. Nach Erledigung des ge« schäftlichen Teils hielt Herr Regierungs- und Baurat Hennings-Kassel einen Vortrag über „Die wichtigsten im Regierungsbezirk Kassel geltenden Gesetze und Bestimmungen des Wasserrechts im allgemeinen und im besonderen für Zwecke von Wiesenbewässerungsanlagen". Der Vortrag veranlaßte eine lebhafte Diskussion. Nach einer Pause berichtete dann Herr Professor Dr. Holl- rung-Halle a. S. über die „Fritfliege und andere Schädlinge des Getreides sowie über dte Maßnahmen zur Bekämpfung derselben". Nachdem Redner unter lebhaftem Beifall seine Ausführungen zum Abschluß gebracht, gelangte noch eine Reihe von Anfragen zur Erörterung.___________
Vermischtes.
— Eine Massenvergiftung durch Kohlenoxydgas in der Schule. Aus Frankfurt a. M wird berichtet: Zu Offenthal wurden in der unteren Volksschulklasse von 68 Schülern infolge Ausströmens von Kohlengas 61 Knaben bei der Rückkehr des Lehrers betäubt auf den Bänken liegend gefunden. Das schnelle Eingreifen des Lehrers verhinderte ein schweres Unglück, doch erfolgte bei den meisten Kindern starkes Erbrechen.
— Unter einem Wagen eines Schnellzuges legte ein Oberschlesier die 290 Kilometer lange Strecke von Hannover nach Falkenberg in der Provinz Sachsen zurück. In halberstarrtem Zustande wurde er entdeckt.
— Eine furchtbare Bluttat wurde in Ajaccio auf der französischen Insel Korsika verübt. Ein Mann, der einem anderen Geld schuldete, erschoß diesen, dessen Frau, deren Schwester und drei junge Mädchen. Er wurde verhaftet.
— Die Schiffer von Helgoland brachten ihre Segenswünsche zum Ehejubiläum des Kaiserpaares in herzlich-innigen Versen zum Ausdruck. Sie fanden am Dienstag folgendes Telegramm an den Kaiser und die Kaiserin: „Grün — ist der bräutliche Myrtenkranz, Weiß — schimmert er heute im Silberglanz, Rot — wurde von je die Liebe benannr. Das sind auch die Farben von Helgoland. Es leuchtet in unseren schlichten Herzen. Die Treue noch heller als Hochzeitskerzen. Für unser erhabenes Kaiserpaar. Gott schütze und schirme es immerdar, Er wolle mit gütigen Vaterhänden, Ihnen allezeit Frieden und Segen nur spenden Und langes Leben in sonnigem Glücke, Daß seine Ehe dereinst noch schmücke. Ein Kränzlein in Gold Md in Diamant. Dies flehen die Schiffer von Helgoland."
— Paris. Infolge eines Grubenbrandes im Kohlenbergwerk von Courrieres (Departement Pas be Calais) brach dort gestern früh um 7 Uhr in drei Schächten mit furchtbarem- Knall eine Explosion aus. Von den 1795 eingefahrenen Bergleuten sind nach den bis heute um Mitternacht eingetroffenen Nachricht 1219 ums Leben gekommen.
Düngung der Hülfen- und Hackfrüchte. Daß Erbsen, Bohnen und Wicken durch eine Kaliphosphatdüngung zu kräftigstem Wachstum geradezu gezwungen werden, ist eine bekannte Tatsache. Dies beweisen ja auch die Erfahrungen auf den Wiesen, wo sich bekanntich infolge der Düngung mit Thomasmehl massenhaft Klee- und Wickenarten zeigen. Wo daher Hülsenfrüchte gebaut werden sollen, sichere man daher deren Gedeihen durch eineskräftige Thomasmehldüngung. Man vergesse aber auch nicht, zu Hackfrüchten reichlich Thomasmehl zu geben, um den Stallmist zur vollen Wirkung zu bringen.
Briefkasten der Redaktion.
Herr K. hier — Geduldigen Sie sich noch eine Weile — wenn die Tage länger werden bekommen Sie Licht gratis. — Vielleicht sind Sie mit bem elektr. Anschluß auch vergessen worden, dieweil Sie vor bei Stadt wohnen. Wir haben den frommen Wunsch schon lange aufgegeben den Betrieb zum Motor zu bekommen — Die Sache fängt an altmodisch und langweilig zr werden.
Kirchlicher Anzeiger für Schlächtern.
Evangelische Gemeinde:
Mittwoch den 14. März. Abens 7,8 Uhr:
Passionsgottesdienst.
Gedenket der hungernden Vögel!
Bei
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der unterzeichneten Behörde hat IV V II111 111U11II V11
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sich für untenstehenden Geldbetrag
Eigentümer noch nicht gemeldet:
Ein Goldstück (10 Mark)
Schlichtern, den 13. März 1906.
ein
Dke Ortspolizeibehörde:
I. V. Gutermuth, Beigeordneter.
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Fracht ab Nierstein zu Lasten des Empfängers.
Am Dienstag, den 20. März 1906, vormittags 11 Uhr wird in der Becker'scheu Gastwirtschaft hier die hiesige Gemeindejagd, umfassend ca. 500 ha auf sechs Jahre und zwar vom J. April 1906 bis dahin 1912 verpachtet, wozu Pachtliebhaber höflichst einladet.
Magd los, den 6. März 1906, Der Bürgermeister: Gärtner.
K. 1/06
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| Zur Vertilgung der Ratte nehme man frische Meerzwieb, • aus der Apotheke in Schlächter: ' Meerzwiebel sind unschädlich fü Haustiere.
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Zwangsversteigerung.
Zum Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft, 'die in Ansehung der in d Gemarkungen Klosterhöfe und Schlächtern belegenen, im Grundbuche von Kloste Höfe Artikel 9 und 44 und Schlüchtern Artikel 673 zur Zeit der Eintragung b( Versteigerungsvermerkes,
1) in Artikel 9 Klösterhöfe auf den Namen des Adam Schmidt und Ehefrc Margarets, geborene Berthold von Hof Röhrigs zur ideellen Hälfte
2) in Artikel 44 Klosterhöfe auf den Namen
I. des Ackermanns Adam Melchior Schmidt, Adam's Sohn, zu Röhrigs, II. der Kinder und Erben der Ehefrau desselben Margaret« geb. Berthold al