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Beilage z. Schlüchterner Zeitung

Nr. 19. Mittwoch, den 7. März 1906. Jahrgang 57.

Verzeichn i. s der am 17. Februar 1906 in Schlächtern der Körungs-Kommission vorgeführten resp, angekörten Zuchtbullen.

Standort.

Besitzer.

Abstammung.

Alter.

Farbe.

Haar.

Haut.

Kopf.

Horn.

Hals.

Bug.

Rumpf

Rücken­lage.

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bullen wurden wegen mangelhafter

Körperentwickelung nicht angekört.

Ausgestellt. Schlüchtern, den 17. Februar 1906^

Die Körungs-Kommission: Kohlhepp. Gärtner.

Siemon. Preis.

Dermischtes.

Reichstagsabgeordneter Graf Oriola hat der 'Bürgermeisterei Langenbergheim von Berlin aus mit­geteilt, daß von feiten der preußischen Regierung der Aktien-Gesellschaft für Bahnbau und Betrieb in Frank­furt a. M. die geplante Eisenbahnstrecke Hanau-Büdingen als Kleinbahn freigegeben worden. Somit ist das Eisenbahnkomitee in dieser Sache um einen großen Schritt weiter gekommen.

In Rodde bei Rheine (Westfalen) verübten mehrere als Karnevalsteilnehmer maskierte Arbeiter ein grauenvolles Verbrechen. Sie überstelen mehrere des Weges kommende Arbeiter und ertränkten zwei davon gewaltsam im Fluß. Die Leichen sind gelandet, die Mörder entflohen.

Aus Heidelberg wird gemeldet: Der zur Zeit in Feldkirch inhaftierte Schriftsetzer Arnold Sippel aus Linz hat gestern vor der österreichischen Untersuchungs­behörde und dem dort anwesenden Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Dr. Heinsheim gestanden, den ver­schollenen englischen Lehrer Thomas Reid aus Glasgow am 31. Juli vor. Js. vormittags gegen 12 Uhr auf dem Fußweg Zollstock-Heiligenberg durch einen Revol» verschliß in den Rücken getötet, seiner Barschaft und seiner gänzlichen Kleidung beraubt zu haben und die Leiche in das Gebüsch geschleppt und mit Laub zuge­deckt zu haben. Auf Grund des von Sippel beschrie­benen Tatortes wurde heute früh das Skelett Reids aufgesunden. Einen Mittäter hat Sippel nicht gehabt. Seine hier inhaftierte Geliebte Zenzi Mika war bei der Tat nicht zugegen, sie kommt nur als Hehlerin in Betracht.

Aus Anlaß der Silberhochzeit des Kaiferpaares bestieg Montag Abend 8 Uhr der Münchener Turm­steiger Franz Adelmayer den Petriturm in Berlin, um an der höchsten Spitze zwei Flaggen, die deutsche und die bayerische, anzubringen. Der Aufstieg, der ohne jede Vorbereitung unter den größten Schwierigkeiten und Hemmnissen ausgeführt wurde, dauerte zwei Stunden.

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Asmegtes Keöen.

Roman von Max von Weißenthurn. 44

Einige derselben freilich habedervoruehmeHerreinge- löst, dann aber, als er derWahrheit aus die Spur gekommen, die Sternau auch nicht geahnt, daß seine Gemahlin seinen Namen gefälscht, da habe der Graf ein ernstes Gespräch mit Herrn Sternau gehabt, in welchen, er ihm gesagt, daß er, um seine Frau zu decken, die ganze Angelegenheit niederschlage und verschweige, daß Herr Sternau aber auch keine weiteren Wechsel präsentieren möge, da die Bank den Auftrag habe, sie nicht auszuzahlen.

Der Graf hatte freilich dem alten Sternau eine Ab­findungssumme gegeben und ihn, gesagt, er möge etwa vor­handene Anweisungen vernichten, jener habe das auchver- sprachen, aber es immer unterlassen, er wisse selbst nicht, weshalb. Dem Sohne waren diese weinseligen Mitteilun­gen seines BaterS außerordentlich willkommen; er begriff zwar, daß bei der Bank mit jenen Anweisungen gewiß nichts zu machen sein werde, aber er sah auch ein, daß gerade durch ihre Unechtheit ihr Wert sich verzehnfache, wenn sie nur der richtigen Person gegenüber ins Treffen geführt wurden. Sie waren Zukunftsmusik, die reiche Zin­sen tragen mußte, und Emil Sternau hatte daher beschlossen, dieses ganze interessante Bündel Schriften zu behalten, um es im richtigen Augenblick entsprechend zu verwerten.

Der Vater dünkte ihm jedenfalls nicht der geeignete Schatzmeister, um diesen Besitz zu verwahren, und gewissem los, wie der Sohn war, beschloß er somit, die Schrift­stücke bei sich zu behalten, wanderten sie mit ihm in die neue Welt, kehrten sie mit ihm zurück, als er, der sich stets über die Verhältnisse der Familie Anlenhof wohl ori­entiert hatte, sich sagte, daß nun der geeignete Moment gekommen sei, um auS dem Kapital zu schlagen, was Jahre hindurch brach gelegen. Diese eine Bezugsquelle allein aber genügte ihm nicht, er sagte sich, daß möglicherweise noch eine zweite sich ihm eröffnen könne, daß es galt, die Spur des Kindes wiederzufinden, welches seine Eltern in

In, Prozeß gegen das Ehepaar Schellhas in München wegen Ermordung des Privatiers Cramm wurden die beiden Angeklagten zum Tode verurteilt, der wegen Hehlerei Mitangeklagte Mörder wurde frei­gesprochen.

Gemünden a. d. Wohra. Hier ist vor einigen Tagen ein Schwein mit 5 Beinen geschlachtet worden E?ne solche Zugabe in dieser Zeit derFleischnot" ist gar nicht zu verachten. Jni übrigen war das Tier völlig normal.

Ein starkes Auftreten der Genickstarre wird auch aus dem Kreise Leobschütz berichtet. Besonders in Turkau tritt die Epidemie in gefährlicher Weise auf. Innerhalb acht Tagen sind dort neun Fälle von Ge­nickstarre vorgekommen, von denen sieben rötlich ver­liefen. Die Todesfälle betreffen vier Kinder und drei Erwachsene. Die Schule wurde geschlossen.

- Die größte Ladung Gold, die je in England landete, kam am Freitag mit dem PostdampferHimaloya" in Plymouth an. Sie bestand aus 30 Kästen, deren Wert sich auf 40 Millionen Mark belauft. Das Gold war nach London bestimmt. Eine Million Pfund Sterling kain von Indien, der Rest aus Australien.

Henri Durand, der Gründer des Roten Kreuzes, liegt in Gens im Sterben.

Zu bem Lustmorde an der Margarete Garber in Altona wird in Ergänzung der bisherigen Mirteil- ungen weiter gemeldet, daß gestern die Legalsektion der Leiche der Kleinen stattgefunden hat; sie ergab, daß das unglückliche Kind zunächst erdrosselt und dann erst das Sittenverbrechen und zuletzt die Verstümmelung s der Leiche ausgeführt wurde. Von dem Täter fehlt trotz der umfangreichsten polizeilichen Nachforschungen noch jede Spur. Es sind zwar einige Sistierungen vorgenommen worden, u. a. eines offenbar geistesge­störten Landstreichers, doch mußten die Verdächtigen wegen mangelnder Beweise und nach Erbringung ihres Alibis sofort wieder in Freiheit gesetzt werden.

Der neunzehnjährige Fürst Vincenzo Pignatelli Strongoli in Neapel, der sich mit der reichen und schönen Herzogin Corigliano vermählen sollte, tötete

Kost und Pflege genommen. Daß daS Ehepaar Sternau beim Brande desHühnerstalles" verunglückt sei, hatte er, der damals schon in der Fremde weilte, aus den Zei- tnngen erfahren. Die Kindesliebe aber warnichtdie Trieb­feder gewesen, welche ihn dazu drängte, nähere Erkundi- gangen einzuziehen; sein ruheloser Wandergeist hatte ihn in die Welt hinausgeführt.

Er wollte neues sehen, hören und kennen lernen, sagte sich auch, daß Zeit vergehe» müsse, bevor er sich einen entsprechenden Gewinn von den in seinen Händen befind­lichen Schriftstücken versprechen könne. Nun war diese Zeit um, nun wollte er an den Sohn jener Frau herantreten, die sich in seinen Händen befand; er sollte die Ehre sei­ner Mutter teuer bezahlen!

Gleichzeitig aber wollte er erforschen und zu ergrün­den trachten, was aus dem Pflegekinde seiner Eltern ge­worden, denn es konnte sich ihm durch dasselbe eine zweite Geldquelle eröffnen, die ihn mit reichlichen Mitteln ver­sah. Um dies in Erfahrung zu bringen, war er nach Döb- ling gekommen, stellte er da und dort Fragen, welche alle darauf hinwiesen, daß die kleineLori imKloster derSchwe­stern vom arme» Kinde Jesu" Obdach gefunden. Diese Handhabe zu besitzen, war schon viel wert und er überlegte, was nun zu tun sei, um sie entsprechend auSzunützen.

Das nächste Resultat seiner Ueberlegung bestand da­rin, daß er wenige Tage nach seiner ersten Exkursion nach Döbling in der gediegenen Kleidung eines besser situier- ten Bürgers an der Klosterpforte klingelte und um die Begünstigung bat, mit der Oberin sprechen zu dürfen. Nach einigem Hin- und Herparlamentieren, in dem er auf die Sprechstunde verwiesen wurde, entfernte er sich, kehrte zu derselben wieder und ward nach dem Raum ge­leitet, in dem die Klosterfrauen hinter der entsprechenden Vergitterung ihres Ordens, Männerbesuche empfangen konnten.

In wohlgesetzter Rede brächte er Mutter Elvira sein Anliegen vor; er habe, so berichtete er, in Erfahrung ge­bracht, daß das Kind, welches der Pflege und Obsorge sei­

sich am Tage vor der Hochzeit durch einen Schuß ins Herz. Der junge Prinz war noch bis Mitternacht im Hause seiner Braut gewesen und hatte alles für die Hochzeit angeordnet. Die Familien des Selbstmörders wie der Braut zählen zu den vornehmsten und ver­mögendsten Neapels. Die Veranlassung zu der Tat soll eine unheilbare Krankheit sein, von deren Bestehen der Fürst erst in letzter Stunde Kenntnis erhalten hatte.

Stuttgarter LebeuSverficherungsbank a. G. (Alte Stuttgarter). Die Bank hat in 1905 seit Bestehen (1854) den stärksten Zugang mit Ver­sicherungsanträgen über 65 Millionen Mark (i. V. 61 Millionen gehabt. Todesfallpolicen wurden ausgestellt über 53,2 Millionen Mark (i. V. 49,3 Millionen); der Reinzuwachs betrug 35,0 Millionen Mark (i. V. 32,9 Millionen). Gesamtversicherungsstand Ende 1905 747 Millionen Mark Die außerordentlich niedrige Sterblichkeit des Berichtsjahres läßt ein besonders günstiges finanzielles Resultat für die Versicherten er­warten.

Futterbau und Viehzucht. Mit Recht wird der Viehzucht und infolgedessen auch dem Futterbau jetzt überall mehr Bedeutung beigelegt. Das wert­vollste Futter ist unbedingt der Klee. Derselbe kann aber bekanntlich nur bei reichen Mengen von Kalk und Phosphorsäure gedeihen. An beiden Stoffen, besonders aber an Phosphorsäure, sind alle unsere Böden und ist auch der Stallmist sehr arm. Für Sommergetreide, in welches Klee eingesäet werden soll, muß daher jetzt überall da, wo es noch nicht geschehen ist, kräftig mit Thomasmehl gedüngt werden ; Kleemüdigkeit verschwin­det dadurch vollständig.

Telegraphischer Schiffsdericht derKed Star Linie" Antwerpen.

' Der PostdampferFinland" derRed Star Linie" in Antwerpen, ist laut Telegramm am 26. Februar wohlbehalten inNewyork" angekommen.

ner Eltern anheimgegeben gewesen sei, nachdem jeneAerm- sten in so tragischer Weise verunglückt waren, während er in der Fremde weilte, im Kloster Schutz und Obdach ge­funden.

Ich kann Ihnen die beste Versicherung geben, hoch­würdigste Mutter," sprach er mit einer Stimme, die an­scheinend vor mühsam unterdrückter Bewegung bebte,daß es mir namenlos schmerzlich war, während ich in der Fremde weilte, nichts wissen und erfahrenzu können, was aus jenem armen Geschöpfe geworden, welches, so viel ich glaube, fast ausschließlich auf den guten Willen und auf die Mildtätigkeit meiner Eltern angewiesen war, aber was wollte ich machen, ich mußte um das tägliche Leben kämpfen und ringen, mußte mir mein Brot verdienen und besaß nicht die Mittel, mir auch noch die Sorge für ein zweites, hilfloses Geschöpf aufzubürden."

Soll ich daraus entnehmen," forschte die Oberin,daß Sie meinten, es könne Ihnen die Pflicht gebieten, sich des Kindes anzunehmen, welche» sich unter der Obhut Ihrer Eltern befand?"

Das WortPflicht" ist ein dehnbarer Begriff," erwi­derte Sternau ausweichend,jedenfalls mag es Gründe geben, welche mich dazu veranlassen könnten, nun, wo ich in der Lage bin, etwas für das Kind zu tun, dies auch wirklich durchzuführen. Damit es mir aber ermöglicht sei, muß ich über den gegenwärtigen Aufenthaltsort und über die weiteren Lebensschicksale der kleinen Lori orien­tiert sein."

Die Oberin hätte, wenn man sie gefragt haben würde, warum sie dem Manne, der sich ihr als Emil Sternau vor- gestellt hatte, mit einem gewissen Mißtrauen etttgegen- getommen, sich nicht in die Lage versetzt gesehen, dafür einen Grund anzugeben. Er sprach einfach und natürlich, gar nicht wie jemand, der um jeden Preis etwas verber­gen will, und doch hegte sie die Empfindung, als ob sie das Kind, daS ihr teuer war wie ihr eigenes Fleisch und Blut, vor einem Feind zu beschützen habe, als ob Emil Sternau dieser Feind sei. 131,18