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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
16, Samstag, den 24. Februar 1906. 57. Jahrgang.
Zur SttbekdoOM unseres Nalserpaares.
Der Myrte dunkles, duft'ges Grün
Aus hochzeitlichem Kranze
Will wunderlieblich heut erblühn
In einem neuen Glänze,
Es rankt mit Zweigen zart und fein Sich hoch empor zum Throne, Die ernste Kaiserkrone Umflicht sein Silberschein.
Und in dem Schimmer, hell und klar,
Steht, Hand in Hand geschlossen,
Das vielgeliebte Herrscherpaar,
Von frohem Glanz umflossen,
Zur Seite ihm, im Hochzeitskleid,
Die sich in Liebe wählten, Die jungen Neuvermählten
In stiller Seligkeit.
Und auf das reine, hohe Bild
Des kaiserlichen Glückes
Schaut heut, von frohem Dank erfüllt,
Das Volk bewegten Blickes. —
Wie ist ein Reich so wohl daran,
Das solche Herrscher zieren,
Für deren mild Regieren
Es jauchzend danken kann!
Ganz Deutschland schaut zum Thron hinauf,
Um den sich Myrten schlingen,
Und Wünsche wollen Himmelauf
Mit ernster Inbrunst dringen: „Gott ferner mit Dir Jahr um Jahr!
Er wandle einst zu Golde Die Myrte Dir, die holde,
Geliebtes Kaiserpaar!"
Znr Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares.
(1881 — 27. Februar - 1906.)
Voll und feierlich tönen die Glocken durch Deutschlands Gaue, um dem deutschen Volke ein schönes Fest im Kaiserhause zu verkünden: Dienstag ist es unserem erlauchten Kaiserpaare vergönnt, seine Silberne Hochzeit zu feiern.
25 Jahre sind im Bürger- wie im Fürstenhause eine lange Zeit, die manche Freude, aber auch manches Leid in ihrem Schoße birgt. Wenn daher in bürgerlichen Kreisen eine Silberne Hochzeit gefeiert wird, so wetteifern Verwandte und Freunde und wer sonst dem Jubelpaare nahe steht, ihm ihre herzliche Teilnahme an dem Feste auszudrücken, immer aber bleibt es ein Familienfest. Wenn aber im Hohenzollernhause ein
Mewegles Keben.
fRomamvou Max von Weißenthurn.
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„Sie sah zu spät ein/bojLfje fiel) damit eine Blöße gegeben und hat es, wenn mich nicht alles täuscht, bitter bereut. Die Ursache aber, weshalb ich all diese peinlichen Rückerinnerun- gen Heraufbeschwore», die muß ich Ihnen jetzt erst auS- einaudersetze». Für den Fall, als ich hören solle, daß die verwitwete GräfinAnlenhof imBegriffestehe, einem Ehrenmanne zu einem zweiten Ehebunde die Hand zu reichen, war ich, wie gesagt, verpflichtet, die peinlichen Borfälle der Vergangenheit zu offenbaren. Die kluge Frau hat mich hinter» Licht geführt. Obzwar ich immer bemüht gewesen bin, sie im Auge zu behalten, ahnte und erfuhr ich nichts von ihrer bevorstehenden Vermählung. Ich er- hielt erst Kenntnis von derselben, als Fürst Otto zu Lich- tenfelr seine Gemahlin der Gesellschaft vorstellte, und da- malS war sie bereits seit Jahr und Tag seine Frau. „Es ließ sich also durch ein Offenbaren der Vergangenheit das Gescheyeue nicht mehr hindern Ich befand mich dadurch in peinlicher Lage und wußte mir keinen anderen Rat, als damals, eS sind nun schon lange Jahre darüber hin, Ihren Vormund inS Vertrauen zu ziehen und seinen Rat zu erbitten. Graf Gustav Aulenhof war entsetzt. Er fürchtete vor allem einen öffentlichen Skandal, fürchtete den Makel, welcher dem Namen Aulenhof anhaften könne und glaubte nach bestem Wissen und Gewissen mir raten zu solle», ich möge schweige» und eS Ihnen dann anheim- stellen, das zu tun, was nach Ihrem Ermessen mit aller schuldigen Pietät gegen Ihren Vater daS Richtige sei. Dieser Mvnieiü ist nun eingetreten, ich habe Ihnen, wie ich glaube, das Bild der Vergangenheit klar dargelegt und bitte Sie, Ihre Entscheidung zu treffen."
Der RechtSamvalt schwieg und der junge Mann blickte Mit gefurchter Stirne und tiefernstem Gesichtsausdrucke vor sich hin. „Es ist schwer, bitter schwer für mich, daS rechte Wort zu finden," sprach er nach einer laugen Pause; ^mein Verstand kann Ihnen nur recht geben, wenn Sie
solches Fest stattfindet, so ist es nicht ein Fest der Familie allein, sondern des gesamten Volkes, des ganzen Landes; denn die Hohenzollern leben im Volke und mit diesem. Deshalb gestaltet sich auch die Silberhochzeit unseres Kaiserjiaares als ein großes, allgemeines Familienfest, nicht nur für das preußische Volk allein, sondern für das ganze deutsche Vaterland, das dem Hohenzollernhause seine Einigung und Wiedergeburt und namentlich unter unserem jetzigen Kaiser Wilhelm II. seine kraftvolle Entwickelung und achtunggebietende Stellung im Rate der Völker zu verdanken hat.
Am 14. Februar 1880 fand die Verlobung des damals 2 ljährigen Prinzen Wilhelm mit der am 22. Oktober 18.18 geborenen Prinzessin Auguste Viktoria, der Tochter des Herzogs Friedrich von Schleswig- Holstein und Augustenburg, auf Schloß Primkenau in Schlesien statt, wo damals der Prinz zur Jagd weilte. Die Vermählung des hohen Paares bildete den Schluß der Hoffestlichkeiten des Winters 1881 in Berlin. Am 26. Februar 1881 hielt von Schloß Bellevue aus die hohe Braut ihren feierlichen Einzug in Berlin, und es war ein Schauspiel von seltener Großartigkeit, als an dem nach vielen Tausenden zählenden Publikum vorüber der goldschimmernde, von acht Rappen gezogene Krönungswagen mit der glückstrahlenden Braut vom Tiergarten her durch das Brandenburger Tor und Unter den Linden entlang nach dem königlichen Schlosse fuhr. Am folgenden Tage, dem 27. Februar fand die Trauung statt, bei der Hausminister von Schleinitz den standesamtlichen, Oberhofprediger D. Kögel den kirchlichen Akt vollzog. Am 2. März zog das neuvermählte hohe Paar in Potsdam ein und schlug sein erstes Heim im Stadtschlosse auf.
25 Jahre sind seitdem vergangen, und das hohe Paar, dem inzwischen die deutsche Kaiserkrone aufs Haupt gesetzt wurde, schmückt nun der silberne Hoch- zeitskcanz. Als leuchtendes Vorbild echt deutschen Familienlebens strahlt die Ehedesdeutsch.KaiserpaareMr alle Zeiten, umgeben von einem holden Kranze von sieben blühenden Kindern, von denen der älteste, der deutsche Kronprinz, am 6. Juni v. I. sich mit der Prinzessin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin vermählt hat und der zweite, Prinz Eiiel-Friedrich, am Tage der Silberhochzeit des Kaiserpaares die Herzogin Sophie Charlotte von Oldenburg als Gemahlin heim- führt. Der Familienverkehr im deutschen Kaiserhause zwischen den kaiserlichen Eltern unter sich und mit den Kindern ist ein so herzlicher, so inniger, in so echt menschlich natürlichen Formen sich vollziehender, wie in
ein bitteres Verdammungsurteil gegen meine Mutteraussprechen, denn so, wie Sie mir die Sache darstellen, besteht wohl kein Zweifel, daß sie es gewesen, welche den Tod meines Vaters verschuldet. Trotz allem und allem möchte das Herz Milderungsgründe für sie finden, möchte es verzeihen können. Glaube» Sie nicht, dast ich im Sinne des Toten spreche, wenn ich Sie bitte, für jetzt wenigstens das Vergangene ruhen zu lassen.
„Die Ehe des Fürsten kann nicht mehr ungeschehen gemacht lverde», lvozu ihm das Leben auch noch vergällen, indem man ihm den Glauben an die Frau nimmt, die möglicherweise ja doch durch alle Schicksalsschläge, welche sie getroffen, in erster Linie durch den grauenvollen Tod ihres Gatten, in sich gegangen und eine andere geworden sein kann. Sie wissen, daß ich fürs erste wenigstens an Wien gebunden bin. Bisher habe ich den Wunsch meines verstorbenen Vaters respektiert und jeden Kontakt mit der Mutter nach Kräften vermieden. Bon jetzt an soll es anders werden. Ich lvill sie suchen, ich will sie in Gesellschaft beobachten, ich will mit ihr verkehren, um mir ein Urteil über sie bilden zu können. Ich bin gewillt und wünsche von Herzen, an ihr gute Eigenschaften entdecken zu können, die eS mir ermöglichen, ihr zu vergeben. Aber ich will mir andererseits auch den klaren Blick wahren, der es mir ermöglicht, ein unparteiisches Urteil zu fällen. Sehe ich, daß sie die leichtfertige Frau geblieben, welche sie lvar, so werde ich, um weiteres Unheil zu verhüten, dem Fürsten LichtenfelS die Augen öffnen. Bietet sich mir aber die leiseste Möglichkeit, auzunehmen, daß Zeit und Lebenserfahrung läuternd, bessernd auf sie eingewirkt haben, dann lverde ich schweige», weil ich mir sagen werde, daß mir, dein Söhne, nicht das Recht zusteht, den Stab zu brechen über die Frau, die mich geboren und die vielleicht durch lange Jahre der Rene gesühnt haben mag, waS sie gefrevelt. Ich glaube, daß selbst mein Vater, vom Fimmel herabblickend, meinen Entschluß billigen wird. WaS ist Ihre Ansicht, lieber, väterlicher Freund?"
„Ich füge mich dem Aussprache, denSie getan, ich pflichte
jedem rechten deutschen, gemütvollen, innerlich glücklichen Familienkreise, die Kaiserin ist das leuchtende Vorbild einer echten deutschen Frau und Mutter, die ihr hoher Gemahl in begeisterten Worten einmal als die „erste deutsche Frau" und als „Segensspenderin bis in die fernste Zeiten", als den „schönsten und kostbarsten Edelstein in seiner Krone" pries; kein Wunder, daß der Kaiser in seinem Heim sich glücklich fühlt.
Und so vereinigen sich Dienstag alle Deutschen, die ihr Vaterland und sein Kaiserhaus lieb haben, soweit die deutsche Zunge klingt, in dem innigen Wunsche, daß es dem kaiserlichen Jubelpaare vergönnt sein möge, noch recht lange zum Segen seiner Familie und des gesamten deutschen Vaterlandes so segensreich wie bisher zu wirken, und daß dereinst auch die goldene Hochzeitskrone das hohe Paar schmücken möge.
Deutsches Reich.
— Diese Woche fand im Königlichen Schloß zu Berlin der erste Hofball der diesjährigen Saison statt, nachdem der vorher angesetzte wegen Hoftrauer ausge» fallen war. Das Fest erfuhr eine Beeinträchtigung dadurch, daß die Kaiserin wegen leichter Unpäßlichkeit fern blieb. Ein längeres Gespräch führte der Kaiser u. a. mit dem neuen Staatssekretär des Auswärtigen v. Tschirschki und Bögendorff, sowie mit dem russischen, dem österreichischen und dem italienischen Botschafter.
— Der Reichstag nahm fSonnabend den Gesetzentwurf betreffend die Ausgabe von Reichsbanknoten im Betrage von 50 und 20 Mark debattelos in dritter Lesung an. Bei der Fortsetzung der Beratung des Etats des Reichsamts des Innern wurden in längerer Debatte zum Kapitel „Reichsgesundheitsamt" allerlei Anregungen, Wünsche und Beschwerden vorgebracht. Staatssekretär Graf Posadowsky teilte mit, daß über die Geheimittel schon 1904 ein Gesetzentwurf fertig- gestellt worden sei, welcher der Beratung der Ressorts unterliegt. An eine Beseitigung des Impfzwanges sei nicht zu denken. Der neue Präsident des Reichs-Gc- sundheitsamts Bumm ergänzte die Ausführungen seines Chefs zum Impfzwang noch durch einige schätzbare Mitteilungen über das direkte gemeingefährliche Unwesen der Agitationen der Jmpfgegner. Die Beratung über das Reichsversicherungsamt brächte wieder die übliche sozialpolitische Diskussion. — Am Montage wurde vor fast leerem Hause die Beratung des Ordinariums des Reichsamts des Innern beendet. Bei dem Kapitel „Reichsversicherungsamt" wurde die sozialpolische Debatte noch geraume Zeit fortgesetzt. Sie bestand
dem Entschlüsse bei, den Sie gefaßt und kann ihn nur edel, Ihres Vaters würdig finden, damit ist alles gesagt."
Die beiden Männer reichten sich zum Abschied dieHände, sie waren gegenseitig in der Wertschätzung, die sie für einander hegten, nur gestiegen.
Aulenhof kehrte nach dem Schlosse zurück und beschleu- nigte seine Abreise nach Wien.
Er sehnte sich mehr denn je danach, seine Mutter mit eigenen Augen zu schauen, mit eigenem Sinn sich ein Urteil bilden zu können.
Und damit ihm dies möglich werde, mußte er viel mit der Fürstin zusammenkommeii, waS sich in Wien ja auch auf unauffällige Weise bewerkstelligen ließ.
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Als Eleonore Trouve, der ursprünglichen Bedingung Mutter Elviras gemäß, zum erstenmal, nachdem sie ein Jahr in Jolowitz geweilt, auf mehrtägigen Besuch in da« Kloster znrückkehrte, konnte sie ihrer gütigen Beschützerin die Versicherung geben, daß sie sich ganz und vollständig in die Verhältnisse eingelebt habe, die ihr anfangs so schwer erschienen. Nicht nur, daß sie ihre Pflichten freudig erfüllte, glaubte sie auch daS Gefühl haben zu dür- fen, daß die Fürstin sich weniger ablehnend gegen sie ver- halte, wie gegen ihre übrige Umgebung, daß sie, wenn auch vielleicht keine Sympathie, so doch entschieden keine Ab- ueignng für sie empfinde und weniger schroff und hart gegen sie sei, als sie eS je gegen eine ihrer Untergebenen gewesen.
Eleonore erzählte, daß sie Gelegenheit gehabt habe, einmal mit dem Fürsten zusammenzukommen,welcher einen tiefen, nachhaltigen Eindruck in ihrer Seele znrückgelas- sen. DaS war nämlich so gekommen: Die Fürstin hatte einen erneuten Schlaganfall gehabt und der Güterdirektor Wanck, welcher seinen eigentlichen Wohnsitz auf der benachbarten großen Herrschaft des Fürsten auf BlaSkow hatte und nur allwöchentlich nach Jolowitz kam, fand, als er bei der alten Dame vorgelassen wurde, daS Befinden derselbe» bebeuteub schlechter, so daß er eS alS seine Pflicht ansah, den Fürsten telegraphisch davon zu benachrichtigen.