ZchWernerMtung
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Samstag, den 17. Februar 1906.
57. Jahrgang.
Amtliches.
J,-Nr. 433 K-A. Dem Dienstknecht Michael Stang, int Dienste bei dem Bauern I. Georg Werthmann zu Güntershof bei Schwarzenfels, ist für langjährige, treue Dienstzeit eine erstmalige Prämie von 10 Mark aus Kreismitteln bewilligt worden.
Schlüchtern, den 13. Februar 1906.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Graf zu Solms.
Deutsches Reich.
— Im Reichstage stand am Sonnabend die zum zweitenmal eingebrachte sozialdemokratische Interpellation über das Grubenunglück auf der Zeche Borussia auf der Tagesordnung. Trotzdem daß Staatssekretär Graf Posadowsky die Beantwortung ablehnte, da die bisherige Untersuchung nicht den geringsten Anhalt dafür geboten hat, daß irgend eine Verletzung irgendwelcher reichsgesetzlicher Vorschrift den Anlaß zu dem Vorfall gegeben hat, fand eine Besprechung der Interpellation statt. Graf Posadowsky verließ den Saal und die so- zialdemokratischen Redner ergingen sich in ihren genugsam bekannten Tiraden, während Abg. Erzberger (3) die ablehnende Haltung des Staatssekretärs mißbilligte. — Aul Montag wurde der Gesetzentwurf betr. die freiwillige Gerichtsbarkeit debattelos in dritier Lesung erledigt und die Beratung des Etats des Reichsamts des Innern fortgesetzt. Abg. Stadthagen (Soz.) hielt eine zweistündige Rede über Krankenkassen. Abg. Dr. Beumer (natl.) kritisierte die neuliche Rede des Staatssekretärs Posadowsky und der Direktor des Reichsamts des Innern Caspar wies die Ausstellungen des Abgeordneten zurück. Abg. Stöcker polemisierte, durch zahlreiche Zurufe der Sozialdemokraten unterbrochen, gegen die Sozialdemokratie und eine lange Rede des Avg Pöus (Soz.) machte den Beschluß.
— In Leipzig ist die Verurteilung des sozialdemo- kratischen Redakteurs Heinig von der berüchtigten „Leipz. Volksztg." wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten und Beleidigung der zweiten sächsischen Kammer erfolgt. Heinig erhielt P/4 Jahr Gefängnis. Hoffentlich wird dieses energische Vorgehen gegen die revolutionären Hetzereien der Sozialdemokratie seine heilsame Wirkung nicht verfehlen.
— Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete und Stadtverordnete Cramer legte, einer Meldung aus Darmstadt zufolge, beide Mandate nieder, um gegen die von der dortigen Parteiorganisation beschlossene Resolution, in der Cramer wegen seines Ganges zum Großherzog getadelt wurde, zu protestieren. Man sieht
Bewegtes Keöen.
Roman von Max von Weißenthurn. 32
E» war ein milder, schöner Sommerabend und die Fahrt durch die waldreiche Gegend, das Einatmen der würzigen Lust, tat ihr wohl.
Trotzdem steigerte sich ihre Angst. Je näher man dein Schlosse kam, empfand sie, die bisher immer gewohnt ge- Wesen war, sich in einem großem Kreise zu bewegen, un» ermeßliche Bangigkeit vor dem Alleinsein, vor der Tat- sache, daß sie nun keine Meuschenseele in ihrer Nähe habe, mir ber sie sich auSsprechen werde könne», daß sie fremd sei unter Fremden.
Nachdem sie über eine Zugbrücke in den Schloßhof ein- gefahren und der Wagen vor einer Seitenpforte anhielt, trat ihr ein alter Kammerdiener entgegen, welcher ihr die Mitteilung machte, die Frau Fürstin werde sie erst morgen zur Mittagszeit empfangen, und seine Frau, die Susi, sei beauftragt, sie nach ihrem Zimmer zu geleiten und ihr dort einen Abendimbiß zu servieren.
Schüchtern, kaum wagend, die Augen aufzuschlagen, dankte daS junge Mädchen und trat in die Vorhalle, in welcher seine alte Frau mit glattgescheiteltem weißen Haar sich ihr als Frau Susi vorstellte und sie treppauf, treppab, durch zahllose Gänge, nach einem in einem düsteren Korridor gelegenen, sehr einfachen Gemache führte.
„Sie brauchen sich nicht zu fürchten, Fräulein," sprach die alte Frau, gleichsam als Antwort aus den ängstlichen Gesichtsausdruck des jungen Mädchens. „Sie sind hier nicht so allein, wie es den Anschein haben mag; mein Mann und ich wohnen dicht nebenan. Wir stehen schon an die vierzig Jahre int Dienste der Frau Fürstin und hoffen auch hier unsere Tage zu beschließen."
Lori dankte der guten Frau für ihre ermunternden Worte; versicherte ihr, mit etwas zaghafter Stimme allerdings, daß sie sich gor nicht fürchte und fügte dann hinzu, daß fit ihr unendlich dankbar sein wolle für jeden Wink,
auch hier wieder, wie tadellos die Fuchtel des Parteivorstandes funktioniert.
— Nach dem vom Kaiserl. Statistischen Amte veröffentlichten Nachweise über Deutschlands Außenhandel im Jahre 1905 betrug die Einfuhr in Tonnen zu 1000 Kilogramm 54,30 Millionen gegen 48,89 im Vorjahre; der Wert der Einfuhr 7046 Millionen Mark gegen 6864 Millionen Mark im Vorjahre und der Wert der Ausfuhr 5693 Millionen Mark gegen 5315 Millionen Mark im Vorjahre. Der Nachweis zeigt wieder eine erhebliche Zunahme des gesamten deutschen Außenhandels.
— Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat an die Eisenbahndirektionen eine Verfügung über das Ab- lasfen von Zügen in zwei Teilen gerichtet, in der es heißt: Nach den Bestimmungen in § 69 der Eisenbahn- bau- und Betriebsordnung vom 4. November 1904 gehören die nicht regelmäßig verkehrenden Vor- und Nachzüge zu den Sonderzügen. Für diese muß ein Fahrplan aufgestellt und den vom Zuge zu berührenden Stationen mitgeteilt werden. Wird ein Zug in zwei Teilen befördert und folgt der zweite Teil dem fahrplanmäßig fahrenden ersten Teil im Abstande der Zugfolgestellen mit den gleichen Fahr- und Aufenthaltzeiten und den gleichen Kreuzungen und Ueberholungen, so gilt die schriftliche oder telegraphische Anordnung dieser Maßnahme als Aufstellung des Fahrplanes für den zweiten Teil.
Ausland.
— Amtlich wird vom Aufstand in Deutsch-Südwestafrika gemeldet, daß mit Jsaak Witboi, dem Sohne und Nachfolger Hendriks, sich, wie nunmehr festgestellt ist, 76 Leute, darunter 40 Männer mit 19 Gewehren, gestellt haben. Die Gesamtzabl der Kriegsgefangenen betrug am 5. Februar 13 040 Köpfe, davon 10 67 7 Hereros, worunter 2720 Männer, und 2300 Hottentotten, worunter 730 Männer. In der Walfischbai schifften sich am 29. Januar 198 Hereros, darunter Kapitän Michael von Omaruru mit 82 Männern, ein; sie sind als Minenarbeiter nach Kapstadt angeworben. Der Wegtransport der zur Zeit in Gibeon und Keet- mannshoop befindlichen, am Kriege beteiligt gewesenen Witbois und Veldschondrager nach Windhuk hat begonnen.
— Nach einer Depesche des Generalgouverneurs Grafen v. Götzen aus Dar-es-Salam bessert sich die Lage in Deutsch-Ostafrika ständig. Die Marineinfanterie außer dem Detachement Mpapua und Muanza reiste am 9. Februar heim. Die Ruhe in den Bezirken
welchen sie ihr, bezüglich der Pflichten, die ihrer harrten, geben würde.
„Machen Sie sich's nur erst bequem, Fräulein, und packen Sie Ihre Sachen aus, die Peter gleich herauf brm- gen^pird. Ich hole Ihnen inzwischen Ihr Abendbrot und wenn es Ihnen recht ist, können wir dann über das sprechen, was in der nächsten Zeit vor Ihnen liegt. Ich kann mir lebhaft vorstellen," fügte sie kopfnickend hinzu, „wie es einem so jungen Blut ums Herz sein mag, welches zum erstenmal so Mutterseelen allein in der Welt steht und nicht ein noch aus weiß. Na, Mut undGottvertrauen, kleines Fräulein und die entsprechende Vorsicht," meinte sie zögernd, „sowohl im Verkehre mit der Fürstin, als anch int Umgänge mit der Jungfer Adelheid, der ersten Kammerfrau, die daS große Wort führt," fügte sie seufzend hinzu. „Na, auf Wiedersehen, Fräulein, in einer halben Stunde bringe ich Jhnen Jhr Abendbrot." Sie entfernte sich.
Fast unmittelbar darauf wurde Loris Gepäck hereingebracht; aber, anstatt an das Ordnen desselben zu gehen, oder die Reisekleider abzulegen, trat das junge Mädchen aus Fenster und blickte sinnend in die abendliche Landschaft hinaus. Die Gegend war nicht wildromantisch, aber schön und anmutig. Der würzige Duft des Tannenwaldes, welcher fast biS an daS Schloß heranreichte, drang durch das geöffnete Fenster, und Eleonore, die eine große Naturfreundin war, welche aber, im Kloster ausgewachsen, noch so gut wie nichts von den Schönheiten der Welt kennen gelernt hatte, gab sich ganz dem Zauber der abendlichen Beleuchtung, der würzigen Lust hin, atmete dieselbe in vollen Zügen ein und sagte sich zum erstenmal, daß es doch auch Glück und Freude geben müsse auf Erden, außerhalb deS Kloster«.
Sie war »och immer in traumhaftes, untätiges Sinnen versunken, als die alte Susi mit der Lampe und beut Abendbrot eintrat, beides aus den Tisch stellte und freundlich sprach: „So, Fräulein, nun stärke» Sie sich. So gut ich schlichte, alte Frau es vermag, werde^ ich Sie tu die Pflichten, welche Ihrer harren, einführen. Sie müssen näm-
Süd-Morogoro, Kilwa, Mohoro, Lindi, Songea und Jringa wird bis zur vollständigen Unterwerfung durch feste Posten aufrecht erhalten. In Nord-Mahenge zwischen Ruaha und Ulanga befindet sich noch ein größerer Aufftandsherd, der bisher wegen ungewöhnlichen Hochwassers noch unberührt blieb. Es wurden dorthin mehrere Kolonnen abgesandt.
— Die serbische Skupschtina hat in erster Lesung den Handelsvertrag mit Deutschland angenommen. Trvtz der Obstruktion war die Skuptschtiua beschlußfähig, da 81 Abgeordnete anwesend waren.
— Die antimilitaristische Propaganda in Frankreich ist noch immer rege. In Choisy-le-roi (Seine-Departement) ist auf Befehl des Untersuchungsrichters in Auxerre der Verleger des Blattes „Pioupiou de Ionne", Mouneret, unter der Anklage verhaftet worden, die Soldaten der Garnison von Auxerre zur Fahnenflucht und Gehorsamverweigerung aufgefordert zu haben. In der Wohnung Mounerets wurden viele auf die antimilitaristische Propaganda bezügliche Schriftstücke beschlagnahmt.
— Die Beruhigung im Kaukasus macht weitere Fortschritte. Die Einwohner von Osnrgety haben aufs neue Treue geschworen. Eine nach Jelissawetpol entsandte Truppenabteilung hat die Straße Schuscha — Jewlach freigemacht, Schuscha mit Lebensmitteln versorgt und anscheinend eine Versöhnung der kämpfenden Nationalitäten erzielt. Zu gleichem Zweck ist eine Kolonne in den Kreis Sangesur entsandt worden.
— In Odessa fand eine Bombenexplosidn in einem in einer Vorstadt gelegenen Hause statt. Ein Stockwerk des Hauses wurde dadurch zerstört, zwei Kinder getötet und acht Personen schwer verletzt. Der Besitzer der Bomben, der gleichfalls schwer verletzt wurde, erklärte, er habe die Bomben bereit gehalten, um ein Attentat aus die Polizei zu verüben.
— In Sewastopol ist ein Mordversuch auf den Oberbefehlshaber der Schwärze-Meer-Flotte verübt worden. Er wurde in seinem Kabinett von einer unbekannten Frau durch vier Schüsse schwer verwundet. Die Täterin, die, wie die Ermittlungen ergeben haben, von auswärts eingetroffen und in einem Hotel abge- stiegen war, wurde von dem Wachtposten getötet. Wie weiter gemeldet wird, hatte sich die Frau als Tochter eines Admirals aus Petersburg ausgegeben. Sie erschien in dem Palais Tschuknins, um angeblich ein Gesuch zu überreichen. Der Zustand des Admirals ist sehr bedenklich.
— In Venezuela erwartet man mit Spannung das Eintreffen des französischen Geschwaders. In den
lich wissen, daß ich die Tochter deS früheren KastelanS von Jolowitz bin, daß ich, seit ich zurückzudenken vermag, hier weilte, zuerst als Kind und als junges Mädchen, dann später zur Bedienung der Frau Fürstin, wenn sie auf kürzeren oder längeren Aufenthalt hierher kam, noch später, als ich meinen alten Haus heiratete, der noch beim seligen Fürsten Kammerdiener gewesen, als Beschließerin, was ich jetzt noch bin, und wo ichs, trotz meinen grauen Haaren und meiner alten Beine, noch mit dem junget« Nachwuchs aufnehme, der nicht mehr weiß, waS Pflicht und Treue ist. Verzeihen Sie, Fräulein, daS sollte aber sein Hieb auf Sie sen, Sie sind ja auch jung und gehören gewissermaßen auch zur Dienerschaft der Frau Fürstin, aber da Sie etwas gelernt haben und die hochwürdige Frau Oberin deS Klosters der „Schwestern vom armen Kinde Jesu", warm empfohlen, wie mir der Herr Direktor sagte, so sind Sie gewiß etwas Besseres, wie die Leute, welche jetzt hier das große Wort führen, wie die Jungfer Adelheid zum Beispiel," fügte sie entschieden mißgestimmt hinzu, „ivelche die Blindheit und den gelähmten Zustand der Frau Fürstin dazu benützt, um sie, wo eS nur angeht, zu bestehlen und zu betrüge». Ja, ja, die Neuzeit! Wir sind auch alle einmal jung gewesen, aber glauben Sie mir, Fräulein, wir waren andere, wir hatten Pflicht und Ehre im Leib und wir waren nicht immer auf daS eigene liebe „Ich" bedacht. Ja, also, waS ich sagen wollte!* fuhr sie fort, Eleonore wohlgefällig betrachtend, die inzwischen an den Tisch herangetreten war und sich nun anschickte, Platz zu nehmen, um ihr Nachtmahl zu verzehren, Frau ®up auffordernd, sich auch niederzusetzen. „Ja, also, wa» ich sagen wollte, morgen um zwölf Uhr soll der Herr Güterdirektor Sie der Frau Fürpin vorstellen. Sie erlauben mir schon, daß ich Ihnen ein paar kleine Andeutungen gebe, weil ich eS gut meine mit so einem jungen Blut und mir ist, als ob ich in Erinnerung an mein eigenes Mädel, da» der liebe Gott vor vielen Jahren zu sich genommen hat, jedem jungen Ding, da» des Rate» bedarf, gern etwa» Gutes tun möchte." 131,11