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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 14. Februar 1906

Amtliches.

Von Morgen, Donnerstag, den 15. d. Mls. ist die commissarische Verwaltung des hiesigen Landratsamts dem Regierungsassessor Valentiner, bisher an der Re­gierung in Düsseldorf, übertragen worden.

Bei meinem Ausscheiden aus dem Amte drängt es es mich, den Herren Bürgermeistern und allen Kreis- eingesessenen, mit denen ich in nähere Beziehung ge­treten bin, von Herzen zu danken für das Entgegen­kommen, mit dem ich überall im Kreise Aufnahme ge­funden habe. Ich werde dem Kreis Schlüchtern stets ein dankbares Andenken bewahren und bitte, meinen Herrn Nachfolger [ebenso freundlich aufzunehmen wie mich.

Schlüchtern, den 14. Februar 1905.

Der Kgl. Landrat: Graf zu SolmS.

Deutsches Reich.

Der Kaiser begab sich Freitag abend im Auto­mobil nach Potsdam, um anläßlich des Jahrestages seines Eintrittes in das 1. Garderegiment zu Fuß an einem Diner im Regimentshause teilzunehmen.

Das Kronprinzenpaar, das nach dem Stadt­schloß in Potsdam übergesiedelt ist, wird im Laufe dieses Monats auf einige Tage nach Berlin kommen, um der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares und der Vermählung des Prinzen Eitel Friedrich beizuwohnen. Die Kronprinzessin wird allen weiteren Festlichkeiten fernbleiben, da sie sich Schonung auferlegen muß.

Prinz Eitel Friedrich wird zu seiner Hochzeit eine ganz besondere Deputation empfangen. Als das Kaiserpaar in Mors im Rheinland weilte, wurden dem Kaiser und der Kaiserin Frauen in der alten Tracht der Grafschaft vorgestellt. Das Gleiche geschah auch bei dem Aufenthalte des Prinzen Eitel Friedrich. Auf Anregung des Landrates ist beschlossen worden, eine Deputation von Frauen in dieser Tracht nach Berlin zu entsenden, um dem Prinzen Eitel Friedrich die Glückwünsche der Grafschaftler zur Vermählung darzubringen. Aus Berlin ist die Nachricht einge» troffen, daß die Deputation gern empfangen werde. Am Freitag fand nun in Mörs eine Ausstellung von Frauen statt, von denen die hübschesten die Reise nach Berlin antreten sollen.

Im Reichstage wurde am Dienstage der Etat des Reichsamts des Innern weiter beraten. In der

l Dienstag die Weiterberatung des Etats des Ministeriums beschäftigte, wies Graf Kanitz (kons.) auf die durch die des Innern fort. Eine Anfrage des Abg. de Witt sozialpolitischen Gesetze gestiegene Begehrlichkeit der (Z.), ob eine Teilung der Rheinprovinz beabsichtigt Arbeiter hin. Abg. Dr. Pachnicke (frs. Vg.) forderte' sei, beantwortete Minister v. Bethmann-Hollweg ver-

Debatte, die sich wieder mit sozialpolitischen Fragen

Aewegtes KeSen.

Roman von Max von Weißenthurn. 31

Nach mehrwöchentlicher Reise war das Ehepaar denn auch in das fürstliche PalaiS in der Wallnerstraße einge- zogen, wo sie zwar die Kinder mit Hofmeister und Gou­vernante fanden, aber auch gleichzeitig erfuhren, daß die Fürstin-Mutter, in starrer Unnahbarkeit, sich nach Jolo- witz zurückgezogen und von Sohn und Schwiegertochter absolut nichts wissen wolle.

Jeder Annäherungsversuch des Fürsten blieb so voll­ständig resultatlos, daß ihm sogar seine Briefe uneröffnet zurückgeschickt wurden und er bei einer Fahrt nach Jo- lowitz, die er unternommen hatte, nicht einmal vorgelassen wurde und vollständig unverrichteter Dinge wieder heim- kehren mußte. Tief erbittert, verpanzerte er sein Herz nun auch in starrer Kälte und zeigte keiner Menschenseele, wie ihm eigentlich zu Mute sei.

Wochen, Monate, Jahre vergingen.

Fürstin Lenore LichtenfelS spielte in der Gesellschaft vielleicht nicht ganz jene Rolle, welche sie gehofft und er­wartet hatte, war aber immerhin eine bekannte Erschei­nung, wenn auch weniger in den Salons der Aristokra­tie, als im Theater und bei den Praterfahrten.

Eine furchtbar peinliche Stunde hatte sie seit ihrer Vermählung gehabt, eine Stunde, die, einem Damokles­schwerte gleich, stets über ihr schwebte und sie daran hin- derte, in vollsterSvrglvsigkeit das Glück ihrer Stellung zu genießen. Durch einen Zufall hatte sie in Erfahrung ge­bracht, daß nicht jener Rechtsanwalt Zell, welcher der Ge­schäftsführer der AnlenhofS gewesen, gestorben sei, son­dern sein Bruder, der zwar mit ihm assoziert war, aber den Aulenhofschen Familieu-Angelegeuheiten möglicher­weise fremd hatte gegenüber stehen können. Gerade der Umstand, daß sie, trotz allem, was früher vorgefallen, nach ihrer Vermählung, die dem Rechtsanwalt Zell doch sicher­lich kein Geheimnis geblieben war, nicht ein Sterbens- Hunt von ihm vernommen und die Enthüllungen, welche

die baldige Vorlegung des Gesetzes über die Berufs­vereine. Abg. Brühn (antis.) beschäftigte sich mit Mittelstandspolitik. Staatssekretär Graf Posadowsky ging auf Einzelheiten der politischen Gesetzgebung ein und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Vorlage für die Vereinheitlichung der großen Versicherungsgesetze bereits Ende des Jahres 1907 dem Reichstage vor­gelegt werden könne. Nachdem noch die Abgg Dr. Dahlem (Z.) und Hu8 (Soz.) gesprochen, wurde die Weiterberatung vertagt. Am Mittwoch wurde der sozialdemokratische Antrag auf Einführung des allge­meinen gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts in allen Bundesstaaten beraten, wobei es in der Debatte des öftern zu ziemlich stürmischen Szenen kam. Staats­sekretär Graf Posadowsky erklärte den vorliegenden Entwurf weder für verfassungsmäßig durchführbar noch auch in seinen Einzelheiten für diskutabel. Eine Abstimmung über den Antrag erfolgte noch nicht. Am Donnerstag wurden die sozialpolitischen Debatten zum Etat des Innern fortgesetzt. Abg. Lehmann (natl) besprach den Streik der sächsisch-thüringischen Textilindustrie und wandte sich scharf gegen sden Terrorismus der Sozialdemokratie. Schack (Antis.) verbreitete sich über den Schutz kaufmännischer Ange­stellter. Pauli (kons.) trat für denkleinen Befähig­ungsnachweis" im Handwerk ein. Eickhoff (frs. Vp.) nahm den Abg. Dr. Mugdan gegen die rohen Angriffe des Sozialdemokratin Stücklen in Schutz. Nachdem noch Abg. v. Gerlach (frs. Vg.) über die Lage der Landarbeiier, Sachse (Soz.) zu den Bergarbeiterfragen und Borgmann (frs. Vp) für baldige Durchführung des internationalen Vogelschutzes gesprochen, wurde die Weiterberatung vertagt. Am Freitag wurde nach der debattelosen Annahme des Gesetzes über die frei­willige Gerichtsbarkeit in erster und zweiter Lesung die Beratung des Etats des Reichsamts des Innern fortgesetzt. In der Debatte wurden sozialpolitische Fragen weiter erörtert. Interessant war eine Aus­sprache zwischen dem Abg. Prinzen Schönaich-Carolath und dem Staatssekretär Grafen Posadowsky über den Berliner Straßenverkehr, aus der hervorging, daß der Bundesrat sich demnächst mit einer einheitlichen Polizei­verordnung über das Automobilwesen beschäftigen wird. Nachdem noch Abg. Oldenburg (kons.) und Staats­sekretär Graf v. Posadowsky gesprochen, wurde die Weiterberatung vertagt.

Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am

er ihr im Falle einer Wiedervermählung in Aussicht ge­stellt hatte, auf sich warten ließen, störte ihre Ruhe tue« semlich, ja, es gab Augenblicke, in denen sie sich versucht fühlte, sich selbst zu gestehen, daß jedes Unrecht sich auf Erden rächt. Was aber hätte eS für die Fürstin Lichten- fels AergereS geben können, als wenn Otto sein Leben von bem Ihren losgelöst, wenn er sie, wie er eS ganz ge­wiß täte, wenn er die Wahrheit erfuhr, dazu zwang, sich in die tiefste Einsamkeit, vielleicht gar in ein Kloster zu- rückzuziehen, um nur mehr der Reue und Buße zu leben.

In gewisser Hinsicht war die rächende Nemesis an diese Frau herangetreten, denn sie, der Hugo gleichgültig gelvesen, liebte Otto, soweit sie überhaupt zu lieben ver­mochte und scheute sich vor dem Gedanken, in seinen Au­gen Verachtung und Abscheu zu lesen; ja, es gab Stunden, in denen sie sich jetzt fragte, ob sie nicht eine Torheit be­gangen, indem sie ihm jenes Märchen von dem Tode deS Kindes vorgegaukelt.

Sie halte daher über Mittel und Wege nachgedacht, wie sie es bewerkstelligen könne, ihm zu bekennen, daß daS Kind doch lebe, aber sie fand den Moment und die Art dazu nicht, und als sie auf allen möglichen Umwegen vorsichtig Erkundigungen einziehen wollte, waS aus den Sternaus geworden, um dadurch eine Handhabe zu fin­den, wo ihr Kind sei, hatte sie nur in Erfahrung gebracht, daß das Ehepaar beim Brande desHühnerstalles" ver­unglückt und niemand von dem Kinde Wichte.

Mit den Stiefkindern vereinte sie kein inniges Band, der Gatte war stets gut, rücksichtsvoll, zart gegen sie, aber sie hegte doch die Empfindung, als ob nicht alles so sei, wie einst, als ob zum mindesten seine Liebe ruhiger geworden, als ob sein Herz sich im stillen oftmals hin­gezogen fühle zu der Mutter, welche ihm, wie sie >etzt lvußte, gefluchr. Es ließ sich nicht erklären, was es sei, aber jene ungetrübte Harmonie zweier Seelen, die sich ganz und voll verstehen, war es nicht mehr, die Fürst Otto nud Lenore vereinte. Hatte er mit den Jahren instinktiv fühlen gelernt, daß sie liicht die Edelnatur war, welche

neinend. Beim Kapitel,,Versicherungsrevisoren" entspann sich eine Debatte über die Beteiligung der Feuerver­sicherungskassen an den Kosten des Feuerlöschwesens. Der Minister erklärte, daß die öffentlichen Feuer­sozietäten sich bisher nicht für eine derartige Heran­ziehung der Versicherungsinstitute ausgesprochen haben. Abg. Kreitling (frs. Vp.) sprach sich gegen eine Be­lastung der Versicherungsgesellschaften mit Beiträgen zum Feuerlöschdienst aus, und Abg. Münsterberg (fr. Vg.) beschäftigte sich mit der Bekämpfung der Prosti­tution. Am Mittwoch wurde die Beratung des Etats des Ministeriums des Innern beendet. In der Debatte, die neue Momente nicht ergab, beklagte sich Abg. Korfanty (Pole) über die Beeinträchtigung des Vereins- und Versammlungsrechts in den polnischen Landesteilen. Der Minister des Innern lehnte es ab, auf die allgemein vorgebrachten Beschwerden einzu- gehen, zumal kürzlich ein polnischer Abgeordneter gesagt haoe, man solle sich mit Beschwerden nicht an den Minister wenden, sondern zum Oberverwaltungsgericht gehen. Der Etat wurde in zweiter Lesung bewilligt. Am Donnerstag wurde die zweite Lesung des Etats fortgesetzt. Den weitaus größten Teil der Sitzung nahm die Beratung der Zentrumsinterpellation wegen Unglücks auf der ZecheBorussia" ein, welche vom Handelsminister Dr. Delbrück dahin beantwortet wurde, daß die gerichtlichen Untersuchungen noch nicht beendet seien und ein endgültiges Urteil über die Schuldigen erst nach stattgehabter Gerichtsverhandlung abgegeben werden könne. Selbstverständlich werde die Regierung alles tun, um derartigen Katastrophen vorzubeugen. Den Schluß der Sitzung bildete eine längere Geschäfts» debatte über die nächste Sitzung, die schließlich auf Dienstag anberaumt wurde.

Die Württembergische zweite Kammer hat den Wahlgesetzentwurf in der Schlußabstimmung mit allen gegen eine Stimme angenommen.

Der Landrat des schlesischen Kreises Sprottau, von Klitzing, richtete an die Kreisbevölkerung einen Erlaß, der die Gewissen gegenüber der jetzt auch in Niederschlesien immer mehr wachsenden Polengefahr schärfen soll. Wer seinen Besitz, so heißt es in dem Erlaß, an Polen veräußere, übe schweren Verrat an Kaiser und Vaterland. Der Landrat fordert sämtliche Gemeindevorsteher auf, ihm schleunigst telephonisch oder telegraphisch mitzuteilen, wenn in den Ortschaften des Kreises polnische Kaufagenten auftreten.

Ausland.

Vom Aufstand in Deutsch-Südwestafrika kommt die erfreuliche Nachricht, des Gouverneurs v. Lindequist,

auf seiner Höhe stand, hatte sie, unbewußt, ihm einen Ein­blick gewährt in ihre, ihm nichts weniger als ebenbürtige Seele, hatte sich eine anonyme Einflüsterung gefunden, nach der sie nicht zu forschen wagte, weil sie wußte, daß es dunkle Punkte in ihrem Leben gebe, was immer e» auch sein mochte, so viel stand fest, daß Fürst Otto sich weit mehr dem politischen Leben, humanitären, öffentlichen In­teressen zuwandte, als man diese von einem in seiner Häuslichkeit völlig befriedigten Mann hätte erwarten kön­nen.

Ein Wort des Tadels, ein Wort bet Klage, trat aber nie überfeine Lippen, ebensowenig, wie er je wieder einen Versuch machte, sich seiner Mutter zu nähern.

Zu Beginn des Monats Juni war ei, als Eleonore Trouve den ersten eigentlichen Kummer in ihrem jungen Leben empfanb, da sie dem Kloster, der gütigen Oberin, den Schwestern, die ihr mütterlich zugetan waren und den Gefährtinnen ihrer Kindheit Lebewohl bieten mußte.

Zum erstenmal sollte sie fort au» dem Heim, in wel­chem sie von Kindheit an geborgen gewesen, sollte sie Pflich­ten auf sich nehmen, welche weit ernster waren, al» jene, die sie bis nun kennen gelernt. In ihrer Seele lebte der ernste Wille und der feste Vorsatz, das möglichste zu tun, um den Platz würdig auSzufüllen, an welchen da» Schick­sal sie nun einmal gestellt. Es lag ihr umsomehr daran, als Mutter Elvira, an der sie mit kindlicher Zärtlichkeit hing, nicht nur angedeutet, sondern geradezu den Wunsch ausgesprochen hatte, sie möge die Stelle, welche sich ihr biete, gewissermaßen al» Mission ansehen, in der sie be­rufen sei, Gutes zu wirken.

Nach der ziemlich langen und ermüdenden Eisenbahn­fahrt, Pater Andrea» hatte sie noch selbst zur Bahn ge­bracht und dafür Sorge getragen, daß sie in einem Da- meukupee Unterkunft fand, traf sie, etwa um sechs Uhr abends in Egger ein, wo ein fürstlicher Wagen sie er­wartete, mit dem sie noch beiläufig zwei Stunden zu fah­ren hatte, um da» Ziel ihrer Reife zu erreichen. 131,19