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Schluchtemer^ettung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

«M 11. Mittwoch, den 6. Februar 1906. 57. Jahrgang.

Bekanntmachung.

Da noch nicht genügend Anmeldungen von Schiffs­jungenanwärtern im Alter von 15'/, Jahren an auf­wärts eingegangen sind, wird die Schiffsjungendivision die Anwärterliste für den EinstellungStermin 1906 noch bis Ende März offen halten. Anmeldungen können beim untenstehenden Kommando erfolgen, von wo aus nähere Bestimmungen auf Verlangen unentgeltlich ver­abfolgt werden.

Königliches Bezirkskommando Hanau.

Deutsches Reich.

Der Reichstag erledigte am Dienstage debatte« los den Gesetzentwurf betreffend die Abänderung mehrerer Reichstagswahlkreise und beendete ferner die erste Lesung der Vorlage über die Hülfskassen. In der Debatte gab Abg. Becker (natl.) wie auch die Redner des Zentrums, der Sozialdemokraten, der Frei­sinnigen und der Antisemiten dem Bedenken Ausdruck, daß mit Annahme des Entwurfs die segensreich wirken­den Hülfskassen in ihrem Bestände beeinträchtigt würden. Demgegenüber vertrat der Direktor im Reichsamt des Innern Caspar die Ansicht, daß nach Unterdrückung der Schwindelkassen die soliden Hülfs- fassen erst recht florieren würden. Die Vorlage wurde schließlich einer besonderen Kommission überwiesen. Am Mittwoch wurde der Toleranzantrag des Zentruncs weiterberaten. In der Debatte sprachen die Abgg. Frhr. von Hertling (Z.), Hoffmann (Soz.), Stöcker (Wirtsch. Vg.), Gerlach (frs. Vp.), Schrader (frs. Vg.) Dr. Müller (frs. Vg.) Hennig (kons.) und Dr. Spähn (Z.). Eine Kommissionsberatung wurde abgelehnt und beschlossen, den Antrag in zweiter Lesung im Plenum zu beraten. Am Donnerstag begann die zweite Beratung des Etats, und zwar zunächst bei seinem, eigenen Etat, der nach kurzer Debatte unverändert genehmigt wurde. Die Abgg. Erzberger,(Z), Singer (Soz.), Dr. Müller-Sagan (frs. Vp.), Dr. Arendt (Rp.) Und Graf Oriola (natl.) brachten eine Reihe von Wünschen vor, die sich auf innere Angelegenheiten des Hauses bezogen. Präsident Graf Ballestrem versprach, die geäußerten Wünsche in Erwägung ziehen zu wollen. Bei dem Gehalt des Staatssekretärs beim Etat des Reichsamts des Innern kam es zu der üblichen sozialpolitischen Debatte betr. die Arbeiterschutzgesetz­gebung und die Mittelstandspolitik unterbreitet wurde.

Im preußischen Abgeordnetenhause wurde am Mittwoch die zweite Etatsberatung im Etat der land wirtschaftlichen Verwaltung fortgesetzt. In die Debatte griff wiederholt Minister von Podbielski ein, der u. a.

Möweglss Keöen.

Roman von Max von Weißenthurn. 29

Trotz des Sturmes, der sich jetzt schon in ihrem In­nern zu regen begann, zwang sie sich, anscheinend ruhig ihren Sohn anzublicken und sprach, die Hände im Schoße haltend:Der Ausdruck Deiner Züge, der Klang Deiner Stimme, beide sind feierlich. Was magst Du mir zu sagen haben? Was erklärt die gewisse zeremonielle Vorberei­tung, welche in Deinem Wesen liegt? Ist die Mutter, welche Dich geboren, welche alle frohen und ernsten Stun­den mit Dir durchlebt hat, nicht mehr der treue Kamerad, dem Du rückhaltSlos alles sagen, auf dessen Verständnis Du im vorhinein mit Bestimmtheit rechnen kannst? ES lag ein zärtlicher, ungewohnt weicher Klang in dem Tonfall ihrer Stimme

Fürst Otto fühlte sich dadurch beglückt und erleichtert und mit der ganzen Beredsamkeit, welche die Liebe ver­leiht, erzählte er ihr die Idylle, welche sich in seinem Le­ben abgespielt, erzählte er ihr, wann und wie er Lenore kennen gelernt, einstweilen noch ohne ihren Namen zu nennen, und berichtete ihr dann von den heimlichen See- lenkämpfen, welche er durchgemacht.

Endlich gestand er ihr anch unumwunden, daß er in der Mutter stets eine Widersachern, seiner Heiratspläne ahnend, nicht den Mut gehabt, ihr offen die Wahrheit zu bekennen. Er schilderte ihr in warmen, aus dem Herzen kommenden Worten das maßlose Glück seines kurzen Ehe­lebens, er sprach ihr mit tiefer Rührung von der Geburt deS Kindes, von der Zeit, welche feine Frau allein durch- litten, von ihren eigenen Kämpfen und Ringen, das zu tun, was daS Rechte fei, von den, Tode der kleinen DolvreS, und in der eigenen Seelenansregnng nicht sehend, daß die Züge der Mutter immer strenger und finsterer wurden, sprach er schließlich in tiefer Bewegung:Und nun, Mama, wo Du alles weißt, nun verwehre uns Deinen Segen nicht, nun gestatte, daß ich Dir meine Lenore, an der mein

die Pflicht des Staates hervorhoö, nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für die Industrie unsere Wasserstraßen zu erhalten. Bezüglich der Beschäftigung der Strafgefangenen hielt er es für das best sie in Gottes freier Natur zu beschäftigen. Abg. Graf v. d. Gröben (kons.) erkannte es dankbar an, daß der Staat energisch an die innere Kolonisation gegangen ist und sich an der Pommerschen Ansiedelungsgesellschaft be­teiligt. Etwas besonders Bemerkenswertes brächte die Debatte nicht, und der Rest des landwirtschaftlichen Etats wurde schließlich debattelos bewilligt. Am Donnerstag wurden zunächst die Vorlagen betreffend Aenderung einiger Amtsgerichtsbezirke in erster und zweiter Lesung, hierauf ohne Debatte in zweiter Lesung den Gesetzentwurf betr. Erhöhung des Wohnungsgeld- zuschusfes um 50 Mark für die Unterbeamten erledigt. Beim Etat der Gestütsverwaltung wurde von ver­schiedenen Seiten eine Besserstellung der Gestütsbeamten befürwortet. Die EtatspositionFörster" wurde infolge eines Antrags des Abg. Kopsch (frs. Vp.), noch in diesem Jahre durch einen Nachtragsetat für eine Besserstellung der Förster zu sorgen, noch einmal der Budgetkonimission überwiesen. Beim Domänenetat knüpfte sich eine Erörterung nur an die Einnahmen aus den Mineralquellen und Bädern.

Die Verfassungsrevision in Württemberg ist von der Württembergischen Kammer der Abgeordneten in der Schlußabstimmung mit der nötigen Zweidrittel­mehrheit angenommen worden.

Die Hamburger Bürgerschaft hat die Wahl­rechtsreform angenommen, wonach die Verhältniszahl eingeführt und den Beamten das passive Wahlrecht verliehen wird.

Im Zusammenhänge mit den Hamburger Kra­wallen auf dem Schopenstehl sind bisher 72 Personen vergastet worden, gegen welche die Anklage wegen Aufruhrs und Raubes bezw. Diebstahls erhoben wird. Weitere Verhaftungen stehen noch bevor.

Ein Erlaß des Handelsministers besagt über die Heizerkurse, daß es nach den bis jetzt darüber ein­gegangenen Berichten den Anschein gewänne, als ob die DampskeFelbesitzer der Abhaltung von staatlichen Heizerkursen nicht das wünschenswerte Interesse ent- gegenbrächten, weshalb es erforderlich sein werde, die beteiligten Kreise nochmals auf die Vorteile dieser Einrichtung hinzuweisen. Bei der Wichtigkeit der Angelegenheit sei für das Haushaltsjahr 1906 noch die Einstellung eines zweiten Leiters und Lehrheizers beantragt, so daß es nach Bewilligung der Mittel möglich sein werde, Parallelkurse einzurichten.

ganzes Herz hängt, zuführe, nun sei ihr das, was Du mir immer gewesen, eine gütige, liebevolle, nachsichtige Mutter. Sie ist den Stürmen des Lebens nicht fremd ge­blieben, noch bevor sie die Meine geworden, und Gegen­wart und Zukunft müssen sie entschädigen für mancher bittere Weh, das die Vergangenheit ihr gebracht; eS ist möglich, daß Du in früheren Tagen die schöne Gräfin Anleuhof wenigstens vom Sehen gekannt hast, dann wird ihre sieghafte Schönheit es Dich sicherlich begreifen lassen, daß ich mein Herz an sie verloren. Sei also gut, Mutter, und laß mich Dich nochmals inständig bitten, uns Deinen Segen zu geben, Du hast eine Tochter gewonnen und mein Herz wird es Dir in doppelter Dankbarkeit lohnen, wenn Du das Weib, welches das ganze Glück meines Lebens in seinen zarten Händen hält, in treuer Mutterliebe an Dein Herz schließest."

Tiefe Stille herrschte int Gemache, nachdem der Fürst ausgesprochen, tiefe, atemlose, beängstigende Stille. Die Fürstin hatte während der letzten Worte ihres Sohnes die Hände vor das Gesicht gepreßt und saß regungslos da.

Angstvoll erregt blickte Fürst Otto auf die Mutter. Willst Du nicht Worte der Liebe und Güte zu mir spre­chen ? Willst Du mir nicht sagen, daß ich Dir mein Weib zuführen kann, daunt Du sie als Tochter begrüßest?" bat er endlich, während eine unklare, bange Ahnung, daß nicht alles so werden würbe, wie er es gehofft und erwartet hatte, in seiner Seele aufstieg.

Langsam ließ die Fürstin ihre Hände vom Antlitz nie­der in den Schoß gleiten und ein jeder, der sie angesehen haben würde, mußte die Empfindung hegen, als seien diese Züge plötzlich zu Stein erstarrt.Auch das mx^!" stieß sie langsam,mit bumpferStimmehervor, mit einer Stimme, die Surft Otto kaum als jene seiner Mutter erkannte.Auch das noch! Nicht genug, daß mein Sohn mich täuscht, mich belügt, hintergeht, sich von mir lossagt, er muß dies auch noch geschehen, um einer Dirne willen, gleich jener Le­nore Aulenhof, die aus dem Nicht», aus dem Schlamm

Ausland.

Ein eigenartiger deutsch-amerikanischer Zwischen- fall wird derNew Dort Times" aus Glavefton gemeldet. Danach beschlagnahmten die Zollbehörden das deutsche SchulschiffGroßherzogin Elisabeth" bis auf weiteres. Bundesbehörden beobachteten das Fahr­zeug längere Zeit und stellten fest, daß unverzollte Ware, namentlich Spirituosen in solcher Menge an Land geschmuggelt wurden, daß die Offiziere darum wissen mußten. Ehe am Donnerstag die einstweilige Beschlagnahme erfolgte, wurden 300 Weinflaschen ausgeschmuggelt. Es handelt sich nicht um ein Schiff der Kriegsmarine, sondern um ein Schulschiff des Norddeutschen Lloyd.

Der König von Dänemark Friedrich VIII. hat anläßlich seiner Thronbesteigung eine weitgehende Amnestie erlassen. Es sollen ihm Vorschläge unter­breitet werden, betreffend die Begnadigung solcher Sträflinge, die nicht als gefährliche Verbrecher bezeichnet werden können, und zwar, soweit möglich, für 12 von jeder der drei Strafanstalten. Ferner ordnete der König an, daß alle Personen, welche früher nicht zu Gefängnisstrafen oder Strafarbeit verurteilt, aber zur Zeit wegen Uebertretung der Kapitel 23 bis 27 des' Strafgesetzbuches, Eigentumsvergehen u. s. w. zu Ge­fängnis verurteilt sind, teils bedingt begnadigt werden sollen.

In der französischen Deputiertenkammer wurden bei der Beratung über die Subventionierung der französischen Handelsflotte die vier ersten Artikel des Entwurfs angenommen, wonach der Handelsmarine Prämien gewährt werden sollen. Im Laufe der Debatte wies Carnaud darauf hin, während 1870 in Deutsch­land 6000 Schiffsbauarbeiter vorhanden gewesen seien, seien jetzt deren 35000 vorhanden. Deutschland liefere Schiffe für alle Nationen.

In Paris kam es bei der Inventaraufnahme des Vermögens der Kirchen mehrfach zu Ruhestörungen. Bei der Kirche der heiligen Clothilde warf die Menschen­menge den städtischen Vertreter Meurson, als er die Inventaraufnahme ankündigen wollte, die Stufen der Kirche hinunter. Meurson wurde nicht unerheblich verletzt. Die Menge verschanzte sich in der Kirche mit Barrikaden aus Kirchenstühlen und konnte erst nach heftigem Kampfe vertrieben, nachdem der Polizeipräsekt mit einer Kompagnie Soldaten eingetroffen war. Ein Domäneninspektor nahm sodann das Inventar auf. Das Innere der Kirche ist vollständig verwüstet. Es gab zahlreiche Verwundete, doch wurde niemand schwer verletzt. 150 Verhaftungen wurden vorgenommen, darunter auch ein Priester.

emporgestiegen, durch ihre girrende Larve den armen Hugo Aulenhof zu betören wußte, um ihn dann in» Un­glück zu treiben. Daß es ihren Sirenenkünsten gelingen werde, auch meinen Sohn zu umgarnen, der geistig so viel höher steht, wie Hugo von Aulenhof, das hätte ich ihr nimmer zugetraut! Ich gestehe, daß ich unter den er­sten Töchtern des Reiches kaum eine weiß, die mir gut ge- nug erschienen wäre, Dein Weib zu sein! Ich gestehe, daß ich mich in meinem Stolze bitter enttäuscht gefühlt hätte, wenn Du nicht unter diesen die Stiefmutter Deiner Kin­der hättest wählen wollen, aber würdest Du ehrlich und offen vor mich hingetreten sein, um mir zu sagen:Mut­ter, ich habe an die und die, an ein reine«, unschuldige», unverdorbene« Mädchen," das dem Stande nach sogar unter Dir hätte stehen können,mein Herz verloren, ich kann nicht ohne dasselbe leben, gib uns Deinen Segen!" Ich würde Dich getadelt, würde Dir Vorstellungen ge­macht haben, würde Dich gebeten haben, die Sache wohl zu überlegen, aber ich hätte mich schließlich gefügt, denn, so schwer es mir gewesen wäre, hätte ich doch begreifen lernen müssen, daß Du noch zu jung bist, um Dir an Dei­ner Mutter, um Dir an Deinen Kindern allein genügen zu lassen. Einer Lenore Aulenhof gegenüber aber ver- halten sich die Dinge ander»! Diese« Weib kann sich bei Triumphe» freuen, meinen Sohn, oder richtiger gesagt, jenen Mann, welcher bisher mein Sohn gewesen ist, wel­cher der Inbegriff vornehmer Gesinnung und ritterlicher Denkungsweise war, zur Verstellung, zur Unwahrheit, zu absichtlicher, berechnender Täuschung herabgewürdigt zu haben!

Zwischen ihr und mir kann et kein Bindeglied geben, welches uns die Wege ebnet. Geh hin und tracht« bei ihr, welche Dir gelehrt hat, Deine Mutter zu hintergehen, Ersatz zu finden für alles, wa» Du an Liebe und Treue verlierst. Ich habe keinen Sohn mehr, Du aber, Du sollst auch keine Kinder haben, denn ich werbe den Kampf auf- nehmen, den Kampf bis aufs Messer, um Dir die Ge­walt über Deine Kinder zu entziehen!" 131,1$